Feedback im Wortsinn: Der Kritik-Sandwich

Februar 15, 2007

Nehmen wir an, wir wollen jemanden für irgendwas kritisieren. Das soll man auch in Deutschland immer nett machen und nie vor anderen, aber für Angelsachsen ist das noch schwieriger: Von der Natur der Sache her ist Kritik immer unhöflich, und wir haben gesehen, dass es im Zweifelsfall wichtiger ist, die Gefühle des Gegenübers nicht zu verletzen als die Wahrheit zu sagen.

Daher gibt es den feedback sandwich. Der ist zwar in Deutschland nicht völlig unbekannt, aber bei Amerikanern und Engländern findet man ihn in gewissen Situationen fast so häufig wie BLTs. Der Aufbau sieht wie folgt aus:

1. Lob
2. Tadel
3. Lob

Man sagt etwas Positives zum Thema. Dann kommt die Kritik, um die es eigentlich geht. Und damit nicht so ein böser Nachgeschmack bleibt, sagt man am Ende noch etwas Nettes.

„Ich finde es wirklich klasse, wie Du so schnell auf den Baum geklettert bist – besonders der letzte Ast muss schwer gewesen sein. Vielleicht musste das mit dem Apfel nicht unbedingt sein, wegen Gottes Zorn und so. Aber trotzdem, Eva, Du musst mir unbedingt beibringen, wie man mit Schlangen spricht. Das wird hier draußen sicherlich nützlich sein.“

Ein Beispiel für Mediziner findet man hier. Im Idealfall ist das Lob genauso ehrlich und zutreffend wie die Kritik, aber in der Praxis ist das oft genug dummes Zeug und reine Höflichkeit. The meat, um bei dem Bild zu bleiben, ist der Tadel. Das andere ist Beiwerk.

Wer die Sandwich-Struktur nicht kennt, verpasst das unter Umständen. Entweder man ist verwirrt – was denn jetzt, war das gut oder schlecht? – oder man zählt Lob und Tadel gegeneinander auf und ist sogar der Meinung, man sei gelobt worden.

Es ist natürlich gut, dass man überhaupt so weit zählen kann, auch wenn der Schluss vielleicht nicht völlig richtig ist. So klug wie die Leser dieses Blogs sind, werden sie aber in Zukunft keine Probleme haben, ein Kritik-Sandwich zu erkennen.

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