Kurz erklärt: Truth in sentencing

Februar 13, 2007

Truth in sentencing (TIS) bezeichnet in den USA das Prinzip, dass die tatsächlich abgesessene Haftstrafe eines Gefangenen etwas mit der Strafe zu tun haben soll, zu der er verurteilt wurde. Hintergrund ist die Unzufriedenheit vieler Bürger damit, dass selbst Schwerverbrecher zum Teil bereits nach einem Drittel der eigentlichen Haftzeit wieder entlassen wurden.

TIS-Gesetze wurden erstmals 1984 vom Bundesstaat Washington [PDF] erlassen, 2004 gab es sie in mindestens 30 Staaten. Meist müssen mindestens 85 Prozent der Strafe abgesessen werden, der verbliebene Teil ist auf Bewährung. In einigen Fällen wurden die Gesetze durch Volksentscheide eingeführt. Auch die Regierung Clinton unterstütze die Maßnahmen.

Kritiker bemängeln die Kosten der Programme und einen Anstieg der Gefangenenzahlen. Da über Straferlasse nun meist Gerichte und nicht mehr parole boards entscheiden, müssen mehr Richter angestellt werden. Zudem sollen die Gesetze den Gefangenen jede Motivation zu gutem Verhalten nehmen.

Befürworter weisen auf fallende Verbrechensraten [PDF] in den USA hin und machen dafür auch TIS-Gesetze verantwortlich. Zudem werde das Vertrauen des Bürgers in die Justiz als Ganzes gestärkt und das System für alle Beteiligten transparenter.

Ähnliche Vorschriften gibt es in Australien [PDF]. In Neuseeland wurde die Einführung empfohlen. In Kanada versprachen die Konservativen die Einführung von TIS-Gesetzen vor der Wahl [PDF] 2006 und entsprechende Entwürfe liegen dem Parlament vor. In Großbritannien gibt es eine lebhafte Debatte über eine Einführung.

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