Hillary Clintons Gewicht als Gorilla

Januar 22, 2007

Hillary Clinton will Präsidentin der USA werden. Das führt zu allen möglichen Artikeln in den USA, aber auch in Deutschland, wie den von Marc Pitzke in „Spiegel Online“. Darin weist er auf US-Kommentatoren hin, die sie als „500-Pfund Gorilla“ bezeichnen. Der Zusammenhang zeigt schon, dass es ein feststehender Ausdruck ist, also nicht eine bösartige Spitze gegen die Senatorin aus New York, die eigentlich auch gar nicht so dick ist wie einige ihrer Landsleute.

Nun kennt dieser Autor das Bild allerdings nur mit einem 800-pound gorilla. Die Lexika geben ihm dabei Recht, aber das ist dummes Zeug, denn im 21. Jahrhundert löst man das Problem empirisch durch Google:

  • „400-pound gorilla“: 21.700 Treffer
  • „500-pound gorilla“: 45.900 Treffer
  • „600-pound gorilla“: 26.400 Treffer
  • „700-pound gorilla“: 1.310 Treffer
  • „800-pound gorilla“: 356.000 Treffer
  • „900-pound gorilla“: 36.300 Treffer

Die 800er Gorillas sind also tatsächlich an häufigsten, aber 500er sind eine durchaus gängige Variante. Hängt es vielleicht vom Geschlecht ab? Möglich – das Lexikon sagt, dass dicke Gorillas 600 Pfund erreichen können und dass die Weibchen halb so groß sind. Lassen wir etwas poetische Übertreibung zu, sind wir schnell bei 800 und 500 Pfund. Spätestens ab 1.000 Pfund wird es aber wohl albern, und 8.000 Pfund völlig indiskutabel. Das wäre selbst für Helmut Kohl zu viel gewesen.

Schön, dass wir die Zahl geklärt haben, aber vielleicht sollten wir uns jetzt dem Bild selbst widmen, das in den USA recht häufig ist. Eigentlich gibt es zwei: Den 800-pound gorilla in the room und den einfachen 800-Pfund Gorilla, der nur irgendwo herumsitzt und auf Sigourney Weaver wartet.

Der Gorilla im Zimmer ist ein Thema, das eigentlich das wichtigste ist oder an das alle irgendwie denken, aber das niemand anspricht oder auch nur ansprechen will. Es ist also der Brei, um den deutsche Katzen schleichen, allerdings mit der Andeutung, dass der Brei sehr, sehr böse werden kann, wenn man ihn reizt oder ihn auch nur erwähnt. Wir finden zum Beispiel in einem Interview mit dem Gouverneur von Vermont, Howard Dean, im Oktober 2005 folgende Frage:

In the aftermath of Hurricane Katrina we saw and heard disturbing images and comments that showed our society is still plagued by racist attitudes. It’s the 800-pound gorilla in the room that few politicians, at least few white politicians, are willing to confront.

(Deans wohl vorhersehbare Antwort: I did.) Der Gorilla an sich dominiert dagegen im übertragenen Sinn ein Gebiet, besonders in der Wirtschaft, ob man ihn beachtet oder nicht. Microsoft wird oft der 800-Pfund Gorilla bei PC-Software genannt: Auch wenn er nur herumsitzt und sich gelegentlich kratzt, beeinflusst er das Geschehen oder beherrscht es sogar, denn alle wissen: An ihm kommt niemand vorbei.

Die Bilder überlappen sich natürlich und die Unterteilung ist etwas künstlich. Bei Clinton ist aber eindeutig die zweite Bedeutung gemeint: Wegen ihrer Bekanntheit, ihres politischen Einflusses als erfolgreiche Senatorin und ihrer finanziellen Mittel ist sie im Moment die führende Demokratin, an der man im Wahlkampf nicht vorbeikommt. Genug geredet wird über sie.

Sie selbst wird hoffen, dass der folgende Witz auch auf 500-Pfund schwere Gorillas zutrifft:

Question: Where does an 800-pound gorilla sit?
Answer: Anywhere it wants to.

Zum Glück ist der Resolute Desk ziemlich groß und stabil gebaut. Er war übrigens ein Geschenk von einer Frau, die wirklich ihr Zeitalter beherrscht hat wie keine zweite: Königin Victoria.

Ob sie sich damals auch mit einem Gorilla vergleichen lassen musste?

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