ZEUGS: Die Sowjets besetzen Oz, die Verbform von Pluto und Peso-Pizzen

Januar 17, 2007
  • Zu Oz: Einigen ostdeutschen Lesern (und auch Wessis) kam die Geschichte mit Dorothy und Toto wohl doch sehr bekannt vor, wenn auch mit „Elli“ und „Totoschka“ in den Hauptrollen. Es stellt sich heraus, dass ein gewisser Alexander Wolkow, Bürger der Sowjetunion, 1939 etwas herausbrachte, das offiziell als „Nacherzählung“ oder „freie Wiedergabe“ der Oz-Geschichten geführt wurde. Das wurde dann auf Deutsch übersetzt und erfreute sich in der DDR als „Smaragdenstadt“ großer Beliebtheit, ohne dass man wohl zu deutlich auf die Originalversion beim Feind hinwies. Praktischerweise verfielen die Oz-Rechte 1989 und damit im selben Jahr wie die Mauer. Wenn das Reagan gewusst hätte.

  • Zu Pluto: Die Herabstufung von Pluto hinterlässt Spuren in der englischen Sprache: Eine Gruppe von US-Sprachforschern erklärte die Verbform to pluto sowie das Adjektiv plutoed zum Wort des Jahres [PDF]. To pluto wird die „grammer nazis“ ärgern, die eine Neigung zu verstärkter Ververbung als Gefahr für die englische Sprache sehen, denn wie es bei „Calvin and Hobbes“ heißt: Verbing weirds language.
  • Zu Free Speech: The Onion ist eine Zeitungsparodie mit einem bösen Sinn für Humor, der wir eigentlich einen eigenen Eintrag widmen sollten. Zu der Entscheidung der Bürgerrechtsgruppe ACLU, die Meinungsfreiheit von Nazis zu schützen, schrieb sie schon von Jahren eine Satire. Die ganze Website ist eine gute Einführung in den angelsächsischen Humor.
  • Zu Krankenversicherungen: Wir hatten zwar nur im Vorbeigehen die Pflichtversicherung in Massachusetts erwähnt und ein allgemeiner Überblick steht noch aus. Der interessierte Leser sei aber jetzt schon auf die Diskussion in Kalifornien hingewiesen, wo Gouverneur Arnold Schwarzenegger auch eine solche Versicherung einführen will. Dieser Autor muss dabei leider immer an einen Satz von ihm aus Predator denken: If it bleeds, we can kill it.
  • Zu Hispanics: Der US-Pizzakette Pizza Patron ist etwas aufgefallen: Viele Hispanics haben nach ihren Reisen nach Mexiko immer jede Menge Pesos in der Tasche. In den Geschäften direkt an der Grenze kann man damit zwar oft bezahlen, aber was machen die ganzen Leute, die im Landesinneren wohnen? Damit das schöne Geld nicht schlecht wird, kann man damit jetzt bei der Kette bezahlen, selbst in Orten wie Denver. Das Programm läuft zwei Monate auf Probe, als Werbemasche hat es sich wohl schon gelohnt.
  • Zur Direktwahl von Abgeordneten: Nach dem Wechsel in die Opposition Minderheit verlieren die Republikaner im Kongress völlig die Parteitreue: Jede Menge Abgeordnete haben in den vergangenen Tagen mit den Demokraten gestimmt. Eine (optimistische) Erklärung: Bei der letzten Wahl habe der Bürger sehr deutlich seinen Willen klar gemacht und die Abgeordneten hätten das dringende Bedürfnis, wiedergewählt zu werden. Es zeigt zumindest wieder, wie abnormal die Situation unter Tom „The Hammer“ DeLay war und dass man in Systemen ohne Fraktionszwang nicht einfach auf die Sitzzahl starren kann.
  • Zur Todesstrafe: Wir hatten über Hinrichtungen in Japan gesprochen und wie sie in den deutschen Medien sehr viel weniger vorkommen als die in den USA. In den vergangenen Wochen gab es plötzlich eine ganze Serie von Berichten – bei der Tagesschau zum Beispiel war es an einem Sonntag in der Onlineausgabe der Aufmacher. Dass man immer erst schimpfen muss.
  • (Danke an MM für den Hinweis auf die Smaragdenstadt und TK für Angaben zum Ablauf der Rechte)

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