ZEUGS: Football für’s Herz, leuchtende Korane und Weltkriegsschulden

Januar 5, 2007
  • Zu American Football: Saddams Hinrichtung? Irak-Tote? Muslime im Kongress? Dummes Zeug. Wirklich wichtig war in den vergangenen Tagen das wohl beste College-Footballspiel der Geschichte, als die Boise State Broncos die Oklahoma Sooners am Neujahrestag 43:42 schlugen. Die Aufholjagd der Jungs aus Idaho, gekrönt mit der kühnen Entscheidung zu einer two-point conversion in den letzten Sekunden, wurde an Dramatik nur noch übertroffen von dem Heiratsantrag, den Bronco-Spieler Ian Johnson seiner Freundin Chrissy Popadics noch auf dem Spielfeld machte. Natürlich ist sie eine Cheerleaderin der Broncos und natürlich hat sie angenommen, denn die Wirklichkeit liebt ein Klischee mehr als jeder Roman. Die Presse ist sich entsprechend einig: Da kann Hollywood nicht mithalten. Und Fußball natürlich schon gar nicht.
  • Zur Fahne: Der Tod von Gerald Ford zeigt uns, dass wir ein Detail vergessen haben: Ist die US-Fahne über einen Sarg drapiert, soll das Sternenfeld über der linken Schulter liegen. Das ist auch eine große Hilfe für Buffy.
  • Zur Grobstruktur der USA: Ein Gefühl für die föderale Struktur der USA bekommt man in diesen Tagen wenn man schaut, welche Gesetze sich zum Jahresanfang ändern. Das ist natürlich nur eine Auswahl und dazu kommen noch die neuen Gesetze auf Kommunalebene.
  • Zu Höflichen Angelsachsen: Der Economist hat einen wunderbaren Artikel über die Kunst der Konversation mit einer Aufzählung der traditionellen Regeln. Der Schwerpunkt liegt auf England.
  • Zu dem Amtseid auf den Koran: Keith Ellison legte seinen Schwur nicht auf irgendeinen Koran ab, sondern lieh sich aus der Kongress-Bibliothek ein Exemplar, das Thomas Jefferson gehört hatte. Mit dem Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, dritten Präsidenten und All-Round-Intellektuellen ist es etwa so wie mit dem Papst: Was er berührt hat, leuchtet im Dunkeln. Befürworter werden dies als Beispiel für Ellisons Patriotismus sehen, Gegner als einen billigen Trick. Die Entscheidung darüber liegt in zwei Jahren bei den Wählern in Minnesota.
  • Zu Geheimnissen: Ab diesem Jahr gilt eine neue Regel für US-Dokumente: Ohne Sondergenehmigung werden Geheimakten nach 25 Jahren automatisch freigegeben. Die Historiker wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen, denn allein beim FBI wurden am Neujahrstag 270 Millionen Seiten Text zugänglich. Solche Akten sind nicht trivial: Als 1995 endlich auch die letzten abgefangenen japanischen Funksprüche aus dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurden, musste die Entscheidung zum Einsatz der Atombomben neu bewertet werden. Die Dokumente über die Besuche von Außerirdischen bleiben natürlich weiter unter Verschluss.
  • Zu Briten in der Kreide: Da wir schon beim Zweiten Weltkrieg sind: Die Briten haben jetzt doch schon ihre letzten Kriegs-Kredite bei den USA und Kanada abgezahlt. Der Zinssatz für die 4,3 Milliarden Dollar betrug zwei Prozent – das will dieser Autor auch haben. Damit bleiben noch Milliardenschulden aus dem Ersten Weltkrieg, die aber weltweit kaum noch jemand bedient. Die Briten zahlen dagegen weiter artig Schulden aus napoleonischer Zeit ab. Wir sollten noch erwähnen, dass die USA die Schulden der Südstaaten aus dem Bürgerkrieg ignorieren. Das wäre ja noch schöner.

    (Danke an DKS für lebendige Schilderungen des Football-Spiels und den Hinweis auf den Economist)

%d Bloggern gefällt das: