Star Trek Voyager und BLTs

Dezember 21, 2006

Zu den schmerzhaften Enttäuschungen im Leben dieses Autors gehört die Serie Star Trek: Voyager. Das Original mit Kirk und Spock ist (auf Englisch zumindest) per Definition über jede Diskussion erhaben, The Next Generation für seine Zeit stellenweise genial („Tapestry“ oder „Disaster“) und Deep Space Nine ist auf seine eigene düstere Art zumindest sehenswert. Aber Voyager ist trotz seiner interessanten Prämisse, dem starken Charakter des Doktors und der Oberweite Entwicklung von Seven of Nine einfach nur schwach.

Nehmen wir B’Elanna Torres. Nach Spock und Deanna Troi war eine weitere Halb-Mensch-Halb-Irgendwas-Figur schon von Anfang an ein Klischee. Und von ihrem Verhalten her schien sie nicht wirklich viel klingonisches Blut abbekommen zu haben – kein Wunder, dass ihr Ex-Freund ihr den Spitznamen „BLT“ gab. Den Witz hätte sich niemand mit Worf erlaubt.

Bei einem BLT handelt es sich nämlich um eine Sandwich-Art. Sie wird mit Speckstreifen, Blattsalat und Tomaten (bacon, lettuce and tomato, daher auch „BLT“) zubereitet, die zwischen zwei Scheiben Toastbrot kommen, die mit Mayonnaise (nicht Butter) bestrichen wurden. Das ist zwar nicht ganz so ein Nationalgericht wie PBJs, aber immerhin Teil des Kanons von Lebensmitteln, die so verbreitet sind, dass in den USA nur die Abkürzung benutzt wird.

Es gibt diverse Varianten von BLT, mit denen man ganze Bücher füllen kann. Aber meist handelt es sich dabei um Versuche, das Ganze gesünder zu machen, und wie beim PBJ ist es fraglich, ob der Verlust an Lebensqualität die zusätzliche Lebensspanne rechtfertigt. Gebaut und gegessen wird in der Praxis ohnehin nur ganz normale Variante, wie Bob Hale klagt:

We’ve twelve cheeses, five hams and much more.
We have flavoursome fillings galore.
We have eight kinds of bread,
But all you want instead
Is a BLT sandwich, you bore.

Wie viel nimmt man von den einzelnen Komponenten? Drei Scheiben Speck sind etwa der Normalfall, aber Wahre Männer teilen die Einstellung von Commander Sam Vines von der Stadtwache von Ankh-Morpork, wie sie uns Terry Pratchett in „Thud!“ beschreibt:

Vines carefully lifted the top of the bacon, lettuce and tomato sandwich and smiled inwardly. Good old Cherry. She knew what a Vimes BLT was all about. It was about having to lift up quite a lot of crispy bacon before you found the miserable skulking vegetables. You might never notice them at all.

Nun ist Pratchett ein britischer Autor, BLTs aber ein durch-und-durch amerikanisches Gericht. Im Mutterland des Sandwiches ist es inzwischen die beliebteste Variante. BLTs haben sogar das egg and cress der Royals von der Spitze verdrängt (was jeden Amerikaner irgendwie warm ums Herz werden lässt). Es ist das Lieblings-Sandwich von Premierminister Tony Blair (US-Präsident George W. Bush zieht natürlich PBJs vor).

BLTs haben dabei die einheimische britische Variante, bacon butties, zwar nicht völlig verdrängt, aber schon weit hinter sich gelassen. Bei ihnen wird offenbar der ganze Schnickschnack wie Tomaten und Salat durch eine verdächtig aussehende Soße ersetzt. Zudem nimmt man wohl Butter und nicht Mayonnaise. Da dieser Autor bei seinen viel zu seltenen London-Besuchen immer nur beim Inder ist, kann er nicht viel dazu sagen.

Zumindest Torres dürfte über diesen Siegeszug der amerikanischen Tagesküche heilfroh sein. Es ist wohl schlimm genug, als Halb-Nachfahre einer gefürchteten Krieger-Rasse „BLT“ genannt zu werden. Aber das ist immer noch besser als „Bacon Buttie“.

[Thud! Terry Pratchett, Doubleday London 2005, ISBN 0-385-60867-5]

(Nach einem Vorschlag von JH, vielen Dank)

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