Archive for November, 2006

Regionen der USA

November 6, 2006

Die USA werden umgangssprachlich in Regionen eingeteilt, deren Namen nicht alle auf den ersten Blick einen Sinn ergeben und die sich zum Teil überlappen. Die Begriffe ändern sich auch, je nachdem wo man als Betrachter steht: Wenn man zum Beispiel an der Westküste lebt, heißt alles andere schon mal „die dahinten im Osten“. Die folgende Liste hilft hoffentlich etwas; damit sie nicht zu lang wird, sind selbsterklärende Begriffe wie „East Coast“ nicht aufgeführt.

The South (Südstaaten): Dieser Ausdruck schafft immer die größte Verwirrung. Es handelt sich nicht um den geographischen Süden der USA, sondern um die südlichen Bundesstaaten zum Zeitpunkt des Bürgerkrieges, also Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei Texas ist Schluss: New Mexico gehört nicht mehr zu den Südstaaten, egal was die Karte sagt. Wo genau die Grenze zum Norden verläuft, ist nicht eindeutig; besonders West Virginia macht hier wieder Schwierigkeiten.

The Southwest (Südwesten): Was von dem geographischen Süden übrig bleibt, wenn man die Südstaaten abzieht, also mindestens Arizona und New Mexico. Oft werden umliegende Bundesstaaten wie Utah und Nevada einbezogen. Eine der am schnellsten wachsenden Regionen der USA, überwiegend trocken mit vielen Hispanics und Indianern.

The Deep South (keine geläufige Übersetzung): Ein Kerngebiet innerhalb der Südstaaten, bestehend etwa aus Georgia, Alabama, Mississippi und Louisiana. Florida gehört für viele nicht dazu: Bis 1819 war es unter spanischer Kontrolle und hat sich in vielen Punkten separat entwickelt.

New England (Neuengland): Nicht die ganze Ostküste der USA, wie man in Europa oft meint, sondern nur die Bundesstaaten im äußersten Nordosten – „die ganzen Kleinen“, sozusagen. Massachusetts gehört dazu, aber New York nicht mehr. Das finden wir im nächsten Abschnitt:

Mid-Atlantic States (keine geläufige Übersetzung): Vom Bundesstaat New York bis zur Grenze der Südstaaten.

The Pacific Northwest (Pazifischer Nordwesten): Das ergibt diesmal fast einen Sinn: Die Bundesstaaten Washington und Oregon sind das Kerngebiet. Auch hier gibt es aber eine Falle: Alaska. Höchstens der kleine südliche Schwanz (Alaska Panhandle) gehört noch dazu. Der Zusatz „Pacific“ ist üblich, um die Region vom nächsten Eintrag zu unterscheiden:

Northwest (keine geläufige Übersetzung; „Nordwesten“ ist missverständlich): Inzwischen weniger gebräuchlich, aber dafür um so listiger: Es handelt sich um die Staaten der ehemaligen Northwest Territory am Westen der Großen Seen, aus dem Michigan, Ohio, Indiana, Wisconsin und so weiter hervorgingen. Man kann auch vom „Old Northwest“ sprechen, oder den Namen noch besser ganz vermeiden. Vergrößert man die Region etwas, hat man einen viel gebräuchlicheren Begriff:

The Midwest (Mittlerer Westen): Der Nordwesten des geographischen Ostens der USA. Grob ist das auch die „Great Lakes Region“, wobei die Bundesstaaten an den östlichen Seen nicht zum Midwest gerechnet werden, insbesondere New York nicht. Texas und Oklahoma gehören ausdrücklich nicht dazu. Man spricht auch vom „Heartland“. In den Midwest fallen die „Corn Belt“ und „Grain Belt“.

The West (Der Westen): Was man von Cowboy-Filmen kennt. Der Begriff ist etwas schwierig, weil es rein geographisch alles westlich des Mississippi bedeuten kann, oft aber die Staaten an der Westküste wie Kalifornien ausklammert werden. Die Teile zwischen den Rocky Mountains und dem 100. Längengrad sind von der Landschaft her die Great Plains.

Mountain States (keine geläufige Übersetzung): Die Staaten der Rocky Mountains, nicht der Appalachen im Osten. Colorado und Montana gehört dazu.

Zuletzt wollen wir noch drei „Gürtel“ erwähnen:

Rust Belt: Das alte Zentrum der Schwerindustrie, von Chicago über Michigan bis New York. Sozusagen das Ruhrgebiet der USA.

Sun Belt: Der geographisch südliche Teil der USA, von Florida bis Südkalifornien. Der Begriff wird als Gegensatz zum Rust Belt benutzt, um eine Wachstums- und Hightech-Region zu beschreiben.

Bible Belt: Die tiefgläubigen Gebiete im Südosten. Weitgehend deckungsgleich mit den Südstaaten.

Es sei nochmal betont, dass die Grenzen nicht wirklich eindeutig zu ziehen sind.

[Überarbeitet 11. April 2007]

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Von ASAP bis Tango Uniform: Militärabkürzungen in der Alltagssprache

November 3, 2006

Auf der Suche nach einer weiteren Entschuldigung, Carrie Anne „Trinity“ Moss in einen Eintrag einzubauen, ist dieser Autor zu Red Planet zurückgekehrt. Lobenswert: Als Kommandantin Moss ihrer rein männlichen Crew befiehlt, zur Marsbasis zu flüchten, weil das Raumschiff zu explodieren droht, machen sie genau das. In den meisten Filmen über das 21. Jahrhundert kehrt das Drehbuch in so einer Situation zu den Geschlechterrollen des frühen 20. Jahrhunderts zurück, wo die Männer nur dann den Anweisungen einer Frau folgen, wenn es die Ritterlichkeit zulässt. Nur Starship Troopers ist konsequenter.

Moss rettet natürlich das Raumschiff, aber mit der Basis Habitation 1 gibt es ein gewisses Problem. Sie beschreibt es der Bodenstation so:

Houston, visuals confirm that Hab 1 is tango uniform.

Wer bei der Bundeswehr war oder wie dieser Autor große Teile seines Lebens im Kino verbracht hat, weiß, dass „Tango“ und „Uniform“ die Nato-Codes für die Buchstaben T und U sind. Jetzt muss man nur noch wissen, dass TU Militärslang für toes up sein soll – so, wie eine Leiche auf der Bahre liegt. „Sein soll“ deswegen, weil TU nach einer zweiten Erklärung tits up heißt. Die Entscheidung darüber wird dem Militärbild des interessierten Lesers überlassen.

So oder so dürfte jetzt klar sein, warum Amerikaner ein komisches Gesicht machen, wenn sie das erste Mal von der „TU Berlin“ oder der „TU München“ hören.

Der Nato-Code ist auch als ICAO-Alphabet des Flugverkehrs bekannt. Es kommt in zahlreichen Filmen und Büchern vor – die Wikipedia hat eine Liste davon zusammengetragen – und die Bloodhound Gang haben mit ihrem Lied Foxtrot Uniform Charlie Kilo jüngst für etwas mehr internationale Verbreitung gesorgt. In Deutschland ist die Buchstabier-Tafel auf Namensbasis üblicher, was sinnvoll ist, denn spätestens bei den Umlauten muss man beim Nato-Code Klimmzüge machen.

Eine ganze Reihe der endlosen Fachbegriffe, Slang-Ausdrücke und Abkürzungen des Militärs sind in die amerikanische Alltagssprache übergegangen. Die vier häufigsten dürften sein:

  • ASAP für as soon as possible, also eigentlich jetzt sofort. Ausgesprochen ay-sap.
  • AWOL für absent without official leave, unentschuldigtes Fehlen oder wenn jemand oder etwas vermisst wird. Ausgesprochen a-wall.
  • MIA für missing in action, vermisst, Status unklar. KIA ist entsprechend killed in action
  • POW für prisoner of war, ein Kriegsgefangener. Wird buchstabiert.

Einige Begriffe des Militärs begegnen dem deutschen Blogleser eher nach einem Umweg über die Informatik: foobar kommt von fubar, also fucked up beyond all recognition, sprich, richtig kaputt. Allerdings kriegt man bestimmt Ärger, wenn man als Astronautin das f-word, egal wie verschlüsselt, im Funk benutzt. Selbst im 21. Jahrhundert.

Kurz erklärt: Butter

November 1, 2006

Butter ist in den USA, wenn nichts anderes auf der Packung steht, gesalzen. Ungesalzene Butter kriegt man (inzwischen) zwar in den meisten Supermärkten, sie ist aber teurer. Das ist wichtig, wenn man die Schönste Germanin ist und für die neuen US-Verwandten einen echten deutschen Marmorkuchen backen will und der amerikanische Gatte, also dieser Autor, mal wieder nicht mitgedacht hat. Marmorkuchen mit Salzbutter schmeckt übrigens irgendwie afrikanisch.

Die Salzbutter erklärt auch das schon beschriebene Fehlen der germanischen Zwangshandlung, auf jede Scheibe Brot sofort Butter oder Margarine zu schmieren: Einige Dinge wie Honig schmecken einfach komisch mit Salzbutter. Allgemein essen die Amerikaner ohnehin immer weniger Butter.

Wie haben die Verwandten den afrikanischen echt-deutschen Marmorkuchen aufgenommen? Sie habe ihn gelobt, natürlich. Richtig begeistert waren sie allerdings ein Jahr später, als es die Version mit unsalted butter gab…