Von ASAP bis Tango Uniform: Militärabkürzungen in der Alltagssprache

November 3, 2006

Auf der Suche nach einer weiteren Entschuldigung, Carrie Anne „Trinity“ Moss in einen Eintrag einzubauen, ist dieser Autor zu Red Planet zurückgekehrt. Lobenswert: Als Kommandantin Moss ihrer rein männlichen Crew befiehlt, zur Marsbasis zu flüchten, weil das Raumschiff zu explodieren droht, machen sie genau das. In den meisten Filmen über das 21. Jahrhundert kehrt das Drehbuch in so einer Situation zu den Geschlechterrollen des frühen 20. Jahrhunderts zurück, wo die Männer nur dann den Anweisungen einer Frau folgen, wenn es die Ritterlichkeit zulässt. Nur Starship Troopers ist konsequenter.

Moss rettet natürlich das Raumschiff, aber mit der Basis Habitation 1 gibt es ein gewisses Problem. Sie beschreibt es der Bodenstation so:

Houston, visuals confirm that Hab 1 is tango uniform.

Wer bei der Bundeswehr war oder wie dieser Autor große Teile seines Lebens im Kino verbracht hat, weiß, dass „Tango“ und „Uniform“ die Nato-Codes für die Buchstaben T und U sind. Jetzt muss man nur noch wissen, dass TU Militärslang für toes up sein soll – so, wie eine Leiche auf der Bahre liegt. „Sein soll“ deswegen, weil TU nach einer zweiten Erklärung tits up heißt. Die Entscheidung darüber wird dem Militärbild des interessierten Lesers überlassen.

So oder so dürfte jetzt klar sein, warum Amerikaner ein komisches Gesicht machen, wenn sie das erste Mal von der „TU Berlin“ oder der „TU München“ hören.

Der Nato-Code ist auch als ICAO-Alphabet des Flugverkehrs bekannt. Es kommt in zahlreichen Filmen und Büchern vor – die Wikipedia hat eine Liste davon zusammengetragen – und die Bloodhound Gang haben mit ihrem Lied Foxtrot Uniform Charlie Kilo jüngst für etwas mehr internationale Verbreitung gesorgt. In Deutschland ist die Buchstabier-Tafel auf Namensbasis üblicher, was sinnvoll ist, denn spätestens bei den Umlauten muss man beim Nato-Code Klimmzüge machen.

Eine ganze Reihe der endlosen Fachbegriffe, Slang-Ausdrücke und Abkürzungen des Militärs sind in die amerikanische Alltagssprache übergegangen. Die vier häufigsten dürften sein:

  • ASAP für as soon as possible, also eigentlich jetzt sofort. Ausgesprochen ay-sap.
  • AWOL für absent without official leave, unentschuldigtes Fehlen oder wenn jemand oder etwas vermisst wird. Ausgesprochen a-wall.
  • MIA für missing in action, vermisst, Status unklar. KIA ist entsprechend killed in action
  • POW für prisoner of war, ein Kriegsgefangener. Wird buchstabiert.

Einige Begriffe des Militärs begegnen dem deutschen Blogleser eher nach einem Umweg über die Informatik: foobar kommt von fubar, also fucked up beyond all recognition, sprich, richtig kaputt. Allerdings kriegt man bestimmt Ärger, wenn man als Astronautin das f-word, egal wie verschlüsselt, im Funk benutzt. Selbst im 21. Jahrhundert.

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