Archive for Oktober, 2006

Die häufigsten Suchanfragen, Teil 1

Oktober 5, 2006

Eines der lustigsten Dinge an einem Blog ist die Liste der Suchanfragen, die zu ihm geführt haben. Einige dieser Anfragen kommen wiederholt vor und da sie oft nicht in den eigentlichen Einträgen gezielt abgehandelt werden, wird dieser Autor die Antworten immer mal wieder kurz zusammenfassen.

Heute befassen wir uns mit der Zahl der Bundesstaaten, mit den Marines (mal wieder) und mit Deutsch als Fast-Nationalsprache der USA.

Wie viele Staaten haben die USA?

Fünfzig. Zuletzt wurden Alaska und Hawaii (beide 1959) aufgenommen.

Der Regierungsbezirk District of Columbia um die Hauptstadt Washington (daher „Washington, D.C.“ ) ist kein Staat, sondern wird vom Kongress verwaltet, obwohl es Bestrebungen gibt, daraus einen vollwertigen Bundesstaat zu machen.

Dann gibt es noch diverse Territorien oder Gebiete mit Assoziierungsverträgen wie Guam. Einige dieser Beziehungen sind ziemlich kompliziert, wie zum Beispiel der genau Status von Puerto Rico, auch ein Kandidat für den 51. Bundesstaat.

Ursprünglich wurde erwartet, dass Kanada sich ebenfalls erheben und mit den 13 Kolonien gemeinsam die USA bilden würde. In den Articles of Confederation, die provisorische Verfassung aus dem Unabhängigkeitskrieg von 1777, wird in Artikel XI auch die Aufnahme Kanadas explizit als „problemlos“ geregelt. Bis heute sind die Kanadier jedoch seltsamerweise damit zufrieden, sich von der britischen Krone knechten zu lassen.

Neben den Staaten gibt es mehr als 500 Indianer-Nationen, die quasi-autonom (domestic nations) sind. Sie haben nicht ganz den Status von Bundesstaaten – insbesondere haben sie keine eigenen Heere – sind aber nur dem Bund untergeordnet. Die Bundesstaaten, in denen sie liegen, können ihnen keine Vorschriften machen. Das Thema ist kompliziert und wird in einem eigenen Eintrag behandelt.

Hymne der US-Marines

Das ist seit dem ersten Tag dieses Blogs die mit Abstand häufigste Abfrage. Ehrlich. Dieser Autor hat zwar nicht die geringste Ahnung warum, aber sie kommt immer wieder mit verschiedener (und oft kreativer) Rechtschreibung und in verschiedenen Varianten vor. Ein Surfer mit massiven Gedächtnisproblemen?

Wie und warum auch immer: Die Melodie [MP3] des Marines‘ Hymn stammt aus der Oper „Genevieve de Brabant“ des deutschen Komponisten Jacques Offenbach. Der Ursprung des Textes ist unbekannt. Die erste Strophe lautet:

From the halls of Montezuma to the shores of Tripoli,
We fight our country’s battles in the air, on land and sea.
First to fight for right and freedom, and to keep our honor clean;
We are proud to claim the title of United States Marine.

Einige Bemerkungen dazu:

  • Die Halls of Montezuma beziehen sich auf die Schlacht von Chapultepec von 1847 im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg, als der Castillo de Chapultepec im Zentrum von Mexiko-Stadt eingenommen wurde.
  • Die Shores of Tripoli beziehen sich auf die Schlacht von Derna 1805 während des Ersten Barbareskenkriegs, als es den USA zu bunt wurde, ständig Schutzgelder an nordafrikanische Piraten zu zahlen. Nach der Schlacht wurde zum ersten Mal die US-Fahne im Sieg in der Alten Welt gehisst. Seitdem tragen die Offiziere der Marines auch ihre Mamelukken-Schwerter.
  • Die zweite Zeile lautete ursprünglich We fight our country’s battles on the land as on the sea. Nachdem die Mission der Marines von amphibischen Landungen auf eine allgemeine Truppen der ständigen Bereitschaft ausgeweitet wurde, fügte man den Hinweis auf die Luftstreitkräfte hinzu.

Und mit wir nicht noch einmal zu diesem Thema zurückkehren müssen, hier noch andere Suchanfragen über Marines im Schnelldurchlauf:

Das Motto der Marines lautet Semper Fidelis, „Immer treu“, wird aber fast immer zu semper fi abgekürzt. Der im Fernsehen und Filmen oft zu hörende Ruf „U-Ra“ (auf Englisch ooh-rah oder oorah geschrieben) soll Enthusiasmus und Zustimmung ausdrücken, ist also kein Schlachtruf als solches. Und ja, auch Ausländer können Marines werden, allerdings nicht Offiziere.

Und damit haben wir uns nun wirklich genug mit den Marines beschäftigt.

Deutsch als Nationalsprache der USA

In Deutschland (und nur hier) trifft man die Legende an, dass die Amerikaner fast für Deutsch als Landessprache gestimmt hätten. Es gibt jede Menge Probleme mit dieser Geschichte, angefangen damit, dass die USA gar keine formelle Landessprache haben und dass niemand in den USA jemals von einer solchen Abstimmung gehört hat, geschweige denn dass es Aufzeichnungen darüber gibt. Kurz gesagt, es ist Blödsinn. Eine längere und differenziertere Besprechung der „Muehlenberg-Legende“ findet sich beim Zwiebelfisch (Bastian Sick) von „Spiegel Online“.

Kurz erklärt: Warum der Secret Service kein Geheimdienst ist

Oktober 3, 2006

Der Secret Service ist trotz seines Namens kein Geheimdienst, auch wenn er hin und wieder in den deutschen Medien als solcher bezeichnet wird. Die Behörde wurde 1865 als Teil des Finanzministeriums gegründet, um gegen Falschgeld vorzugehen – nach dem Bürgerkrieg war bis zu der Hälfte des Geldes im Umlauf nicht echt. Das und die Bekämpfung von verwandten Formen des Betrugs ist bis heute eine Aufgabe des Dienstes. Wer wissen will, ob seine Dollarscheine echt sind, kann sich hier informieren.

Nach der Ermordung von Präsident William McKinley 1901 durch einen Anarchisten übertrug man dem Secret Service auch den Personenschutz – eine andere Bundesbehörde war nicht wirklich greifbar. Das ist inzwischen die Hauptaufgabe. Es sind also die Leute mit den Sonnenbrillen und dem Knopf im Ohr, die um George W. Bush herumstehen.

Seit 2003 gehört der Secret Service zum Heimatschutzministerium.

Der Secret Service taucht in verschiedenen Filmen auf – mit den Agenten Will Smith und Kevin Kline (begleitet von Salma Hayek) in Wild Wild West, mit Clint Eastwood in In the Line of Fire und in der Serie Navy CIS. Dort sieht man am Anfang der ersten Staffel wie Sasha Alexander eine Agentin des Secret Service an Bord der Air Force One spielt.

Willkommen, US-Bürger Nummer 300.000.000

Oktober 1, 2006

Heute wollen wir uns mit Zahlen befassen.

Da allein dieser Satz schon die Hälfte der Leser vergrault haben dürfte, beschränken wir uns auf eine einzige Größe: Die Bevölkerung. Es gibt dafür zwar einen Aufhänger – in den kommenden Wochen (Stand: Oktober 2006) dürfte die Zahl der Menschen in den USA die Marke von 300 Millionen überschreiten. Dieser Eintrag ist jedoch weniger ein eigenständiger Artikel als eine Grundlage für spätere Einträge oder Diskussionen außerhalb dieses Blogs.

Dreihundert Millionen, das ist Platz Drei hinter China und Indien, wenn auch mit sehr deutlichem Abstand. Es sind mehr als doppelt so viele Menschen wie am Ende des Zweiten Weltkriegs und zehn Mal so viele wie am Anfang des Bürgerkriegs 1861. Im Moment kommen jedes Jahr noch 2,8 Millionen weitere hinzu – grob gerundet also einer alle zehn Sekunden. Kein anderer Industriestaat wächst so schnell.

Auch der Platz dafür ist vorhanden, denn die USA haben eine niedrige Bevölkerungsdichte. Deutsche Verhältnisse (etwa 230 Menschen pro Quadratkilometer) würden erst bei etwa 2,2 Milliarden Menschen erreicht. Dazu müsste man allerdings Alaska enteisen (in Arbeit) und einige Wüsten und Gebirge bewohnbar machen (schon schwieriger).

Bekanntlich ist die Entwicklung in Deutschland und Kontinentaleuropa genau gegenläufig. Bringen wir es hinter uns und schauen uns die (gerundeten) Zahlen der Vereinten Nationen an, um zu sehen, wie es weitergeht:

Land 2005 2050
USA 298 395
Deutschland 83 79

Um es etwas plastischer zu machen: Die USA gewinnen bis 2050 mehr als ein Deutschland hinzu, mehr als ein Deutschland und eine Niederlande sogar. Deutschland verliert im Gegenzug ein Irland.

Aber auch die anderen großen angelsächsischen Staaten haben keinen „demographischen Wandel“, um mal den politisch korrekten Ausdruck für den deutschen Geburtenstopp zu verwenden:

Land 2005 2050
Großbritannien 60 67
Kanada 32 43
Australien 20 28

Großbritannien und Australien gewinnen ein Israel, Kanada sogar ein Griechenland hinzu.

[Während wir dabei sind: Aus irgendeinem Grund neigt man in Europa dazu, Kanada nicht nur von der Fläche, sondern auch von der Bevölkerung her für ein riesiges Land zu halten. Tatsächlich ist das Verhältnis etwa so wie zwischen Deutschland und Österreich. Zur Einordnung: Es gibt ungefähr so viele schwarze US-Bürger wie Kanadier. Allein Kalifornien hat etwa so viele Einwohner wie Kanada.]

Und damit beenden wir diesen Eintrag. Alle Diskussionen über die Folgen dieser Entwicklung, was für Chancen und Probleme sie mit sich bringt, was sie für das Verhältnis von Europa und insbesondere Deutschland zu den USA bedeuten, werden wir später behandeln, falls sie überhaupt Gegenstand dieses Blogs sein sollten.

Und das war es dann auch schon wieder mit den Zahlen.