Neo und die Knock-Knock Jokes

September 13, 2006

Eigentlich könnte man gut zehn Einträge dieses Blogs nur mit Stoff aus The Matrix bestreiten. Zum Beispiel: Neos Wohnungsnummer ist die 101 (sichtbar, als er zur Fetisch/SM-Party abgeholt wird), was die Nummer für Einführungskurse an amerikanischen Unis ist. Die dritte Nachricht auf seinem Computerschirm in dieser Nacht lautet Follow the white rabbit, eine der endlosen Anspielungen auf Alice in Wonderland in US-Filmen. Dem Buch werden wir einen eigenen Eintrag widmen müssen.

Als letzte Nachricht zeigt der Schirm dann das hier an:

Knock, knock, Neo.

Tatsächlich klopft es sofort danach an der Tür, zwei Mal. Und Neo sagt: Who is it?, worauf die Antwort kommt: It’s Choi. Als Neo dann murmelt: Yeah, wissen alle Angelsachsen im Kino, dass etwas nicht stimmt: Er hätte It’s Choi who? sagen müssen. Denn der Dialog war bis dahin ein leicht umformulierter knock-knock joke.

Knock-Knock Jokes (KKJs) sind ein ritualisiertes Frage-und-Antwort-Spiel für zwei Personen. Das Gerüst dafür sieht so aus:

Person 1: Knock-knock.
Person 2: Who’s there?
Person 1: [SPRUCH].
Person 2: [SPRUCH] who?
Person 1: [POINTE]!

Ein Beispiel:

Knock-knock.
Who’s there?
I love.
I love who?
I don’t know, you tell me!

Sammlungen von KKJs findet man zum Beispiel hier oder hier. Man sollte diese Art von Witz kennen, schon allein weil sie für Nicht-Muttersprachler die Hölle sein können: Viele basieren auf Varianten bei der Aussprache und anderen Wortspielen.

Knock-knock.
Who’s there?
Madam.
Madam who?
Madam finger is caught in the door!

(Madam ist hier „Mah däääm“, also my damn). Als Ausländer kann man im Zweifelsfall nur die festgelegten Teile mitmachen, in der Hoffnung, die Pointe zu verstehen. Sonst bitte lachen, wenn man den Witz erklärt bekommen hat, und wenn es nur darüber ist, dass man ihn beim ersten Mal nicht verstanden hat: Humor gilt in angelsächsischen Ländern als Zeichen von Intelligenz und es ist besser, über sich selbst zu lachen als gar nicht.

Weswegen es wohl auch passt, dass Neo den Witz abbricht: Not too bright, sagt das Orakel später über ihn, völlig zu Recht. Dumm wie Dachpappe wäre die bessere Beschreibung. Trinity, da können wir uns sicher sein, hätte es verstanden: Dodge this! ist schließlich die beste Zeile im ganzen Film.

Und überhaupt muss sich dieser Autor jetzt nochmal The Matrix anschauen um eine Entschuldigung zu finden, einen ganzen Eintrag lang nur über Carrie-Anne Moss zu schreiben. Wie gut, dass die Schönste Germanin mit ihrem neuen MacBook abgelenkt ist …

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