Nach Pluto: Das Problem mit Uranus

August 25, 2006

Gestern war ein traumatischer Tag für diesen Autor: Die grausamen, herzlosen, schlicht fehlgeleiteten Astronomen dieser Welt haben seinen geliebten Planeten Pluto degradiert. Weder dass dessen ehemaliger Mond Charon dabei zu einem Zwergplaneten befördert wurde – im Englischen spricht man jetzt von einem double-dwarf, was bestimmt eine Klage von irgendeinem Rollenspiel-Hersteller nach sich ziehen wird – noch dass mehr Leute jetzt wissen, wer Xena ist, vermag ihn zu trösten: Pluto ist von uns gegangen, und UB313 wird nie den coolen Namen behalten dürfen, denn Astronomen sind bei der Namensgebung etwas eigen.

Das beste Beispiel dafür dürfte der Planet Uranus sein, jetzt ja plötzlich der Vorletzte des Sonnensystems vor Neptun. Es gibt im Englischen einen Kleinkrieg mit den Astronomen um die Aussprache des Namens, was den meisten Deutschen nicht bekannt sein dürfte.

Normale Angelsachsen sprechen „Uranus“ nämlich „yoor ANUS“ aus, also etwa „jür-ÄH-ness“, oder, um nicht um den kalten, dunklen Gasball herumzuschleichen, genau wie your anus. Sie haben in der Schule einmal darüber albern gekichert, dann sind sie erwachsen geworden und es war nicht mehr witzig. Wer nie erwachsen geworden ist wie Matt Groening (zum Glück), verbringt zwar etwas mehr Zeit mit diesem Wortspiel. Aber das ist die Ausnahme. Selbst dieser Autor, der allgemein leicht zu unterhalten ist, kann darüber nicht mehr lachen. Nicht mehr so richtig, auf jeden Fall.

Die Astronomen sind aber empört oder peinlich berührt oder wohl einfach humorbefreit, und versuchen daher seit Jahren gegen den Willen des Volkes durchzudrücken, dass es eigentlich „YOOR un nus“ ausgesprochen werden soll – „JÜR-ahnuss“ also.

Für Amerikaner schmerzt das fürchterlich im Ohr, denn es klingt so, als würde ein britischer Butler mit Hollywood-Akzent nach einem langjährigen Dienst in der Castro Street über, nun, den Darmausgang sprechen. Die völlig unnatürliche Aussprache ist auch verwirrend, bis man sich erstmal wieder klar gemacht hat, warum sie gewählt wurde. Get over it, möchte man dann schreien.

Fairerweise muss man anerkennen, dass die Astronomen neben den coolen Namen auch die peinlichen stoppen. Der Entdecker von Uranus, William Herschel, hatte ursprünglich vorgeschlagen, den Planeten nach dem britischen König zu benennen – „the Georgian Planet“, oder kurz wohl „George“. Das war dann doch selbst den Briten zu viel und wäre für die Amerikaner absolut unerträglich gewesen.

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