Kurz erklärt: Warum niemand, wirklich niemand, in Oregon zur Wahl geht

Juli 11, 2006

Die Bürger des Bundesstaates Oregon hatten irgendwann die Nase voll von den ganzen Wahlkabinen und -Zetteln, davon, dass alles aufgebaut und gesichert und dann wieder abgebaut werden musste, dass die Urnen erst von A nach B und dann wieder zurück geschleppt wurden, dass man schon mal endlos in einer Schlange stand, dass man nur einen Tag hatte, um seine Stimme abzugeben.

Also entschieden sie 1998 per Volksentscheid, dass alle – alle – Wahlen nur noch per Briefwahl (vote by mail) durchgeführt werden. Keine Kabinen mehr, keine Urnen, keine Schlangen. Das gilt auch für die Wahlen auf Bundesebene, die von den einzelnen Staaten organisiert werden. Wer unbedingt will, kann seinen Zettel an bestimmten Orten zu Fuß abgeben, aber zugeschickt wird er nur per Post.

Oregon gibt dafür mehrere Gründe an: Eine höhere Wahlbeteiligung, ein größeres Zeitfenster für die Stimmabgabe (die Wahlzettel werden 14 bis 18 Tage vorher verschickt), mehr Zeit für die Wähler, sich mit den Argumenten vertraut zu machen (wichtig in einem Staat mit starker direkter Demokratie) und zusätzliche Sicherheit gegen einige Formen des Betrugs. Billiger ist es noch dazu.

Die Entscheidung war und ist nicht unumstritten, wie man an den Argumenten zu dem Referendum sieht. Die Mehrheit sagt jedoch, dass es sich bewährt hat. Ob das Modell Schule in anderen Bundesstaaten macht, ist noch nicht klar. Mit Interesse verfolgt wird es auf jeden Fall. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Experiment eines Bundesstaates am Ende vom ganzen Land übernommen wird.

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