Das Gedicht mit den roten Rosen und blauen Veilchen

Dezember 13, 2013

Wir gehen heute nochmal auf das Siegerfrühstück von Kurt Vonnegut Jr. ein. Dort finden wir folgendes Gedicht:

Roses are red
And ready for plucking
You’re sixteen
And ready for high school

Dieser Autor hat lange überlegt, ob er eine Übersetzung oder gar eine Erklärung des Witzes anbieten soll. Allerdings geht er davon aus, dass der interessierte Leser von selbst darauf kommen wird, was sich hier vielleicht eher mit plucking reimt.

Uns interessiert ohnehin heute nicht das Alter, ab dem man in den USA nicht mehr vor Verführung geschützt ist (age of consent), schon allein weil es sich (natürlich) von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheidet. Wir gehen vielmehr auf das Original dieses kleinen Reims ein, weil man es immer wieder trifft:

Roses are red
Violets are blue
Sugar is sweet
And so are you

Der Ursprung liegt offenbar im 16. Jahrhundert. Ähnlich wie bei den Knock-Knock-Witzen muss man hier nur die erste Zeile aufsagen und jeder Angelsachse weiß sofort, was for ein Format der kommende Witz haben wird. Es gibt unendlich viele Abwandlungen, angefangen mit Kinderreimen:

Roses are red
Violets are blue
The gasworks stink
And so do you

Gerne auch:

Roses are blue
Violets are red
If you agree
You’ve got rocks in your head

Die Fans der Fernsehserie Fringe werden sich an die Valentins-Tag-Grüße vom “blauen” ins “rote” Paralleluniversum erinnern:

Your universe is red
My universe is blue
You shared your mints
Now I like you

Bei anderen Medien gibt es ganze Wettbewerbe, zum Beispiel bei Mass Effect. Nicht immer können die betroffenen Unternehmen froh sein. Die Wut über das umstrittene Ende von Mass Effect 3 brachten Fans auch in dieser Form zum Ausdruck:

Renegades are red
Paragons are blue
You wanted endings that reflected your decisions?
Fuck you

Renegade und paragon beziehen sich dabei auf die ethische Positionen, die man während des Spiels einnehmen kann und die nach der Meinung vieler Fans auch das Ende hätte mitbestimmen sollen.

Eine ganze Reihe von Versionen spielen wie die Variante aus Breakfast of Champions damit, dass der Reim von der zweiten bis zur vierten Zeile nicht eingehalten wird. Da hätten wir:

Roses are red
Violets are blue
I’m schizophrenic
And so am I

Und schließlich wollen wir nicht verschweigen, dass der Reim manchmal völlig scheitert:

Roses are gray
Violets are gray
I am colorblind, you see
What can I say?


Das Siegerfrühstück

Dezember 1, 2013

Dieser Autor hat dem Nachwuchs jüngst (in Abwesenheit der Schönsten Germanin, versteht sich) eine der wichtigsten Lektionen des Lebens beigebracht: Kalte Pizza ist ein wunderbares Frühstück. Es ist, wie man auf Englisch so schön ironisch sagt, the breakfast of champions.

Der interessierte Leser wird den Spruch an diversen Stellen bei Angelsachsen gehört haben, unerklärlicherweise auch für andere Dinge als Pizza. Eines der jüngsten Beispiele stammt von der Schauspielerin Nina Dobrev aus Vampire Diaries mit ihrem Tweet Sex. Breakfast of Champions. — ein Zitat aus dem Film Rush.

Woher kommt der Spruch? Der Ngram Viewer von Google gibt uns den Ursprung Anfang der 30er Jahre. Damals begann General Mills eine Sport-Werbekampagne für ihre Wheaties-Frühstücksflocken, die sie über Jahrzehnte fortsetzte [YouTube].

Das war der erste Streich. Schaut man sich den Ngram-Graphen oben nochmal genauer an, sieht man, dass es dann Anfang der 70er Jahre einen Sprung bei der Verwendung gab. Denn 1973 veröffentlichte Kurt Vonnegut Jr. seinen Roman Breakfast of Champions, Or Goodbye Blue Monday. Die New York Times schrieb damals dazu:

He wheels out all the latest fashionable complaints about America — her racism, her gift for destroying language, her technological greed and selfishness — and makes them seem fresh, funny, outrageous, hateful, and lovable, all at the same time.

Womit die ironische Verwendung endgültig die ursprüngliche verdrängte.

Trotzdem: Kalte Pizza am nächsten Morgen, am besten mit Pepperoni-Salami. Es gibt nichts besseres.


META Podiumsdiskussion über Privatheit

November 27, 2013

Etwas kurz vor knapp, aber dieser Autor ist heute um 19.00 Uhr auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Privatheit in der Landesvertretung Hamburg in Berlin. Und eigentlich sollte dieser Hinweis schon vor Tagen hineingestellt werden.


Eine neue Präposition im Englischen, weil Internet

November 20, 2013

Freudige Erregung unter den Sprachwissenschaftlern, Entsetzen bei den grammar nazis: Im Internet benutzen inzwischen so viele Leute das Wort because als Präposition — zum Beispiel because Internet, also “weil Internet” — dass sie von einem neuen Konstrukt der englischen Sprache ausgehen. Aufgefallen war ihnen das schon vor mindestens einem Jahr, jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Der Hintergrund: Die “because-noun” Konstruktion bereichert Englisch um eine kurze Formulierung, die Ironie und eine allgemeine Aussage zu einem Thema kombiniert.

I’m making grand and yet ironized claims, announcing a situation and commenting on that situation at the same time. I’m offering an explanation and rolling my eyes — and I’m able to do it with one little word.

Die Experten weisen darauf hin, dass but zwischendurch in einem begrenzten Umfang ähnlich verwendet wurde. Als Beispiel wird — natürlich — der spielerische Umgang mit dem Englischen in Buffy the Vampire Slayer aufgeführt:

I also watched a late 1990s episode of Buffy the Vampire Slayer in which the character Willow shyly asks the character Oz if he’d like to make out with her. (…) [H]e turns down her proposal. Hurt, Willow sputters, “But … freeze frame!”

(Wer Buffy nur von der deutschen Synchro kennt: Der Erfolg der TV-Serie geht nicht zuletzt auf den Wortwitz und die Sprache zurück, über die Linguisten ganze Bücher geschrieben haben. Leider leisteten die Übersetzer hier ganze Arbeit und rotzten die deutsche Version lieb- und gedankenlos (und zensiert) herunter.)

But in dieser Form kann allerdings schwieriger zu verstehen sein, wie die Formulierung It is all but certain — “Es ist praktisch sicher” — zeigt. Because hat dieses Problem nicht.

Als direkter Vorläufer der neuen because-Variante werden die hey, because Witze aus Saturday Night Live in den 80ern diskutiert, die ein gewisses Eigenleben entwickelten. Später, so die Erklärung, wurde das hey weggelassen.

Ein Beispiel für die längere Variante wäre demnach der Witz:

If life gives you lemons, keep them, because, hey, free lemons.

Diese Anspielung auf den Spruch If life gives you lemons, make lemonade (den Portal-2-Fans in noch einer anderen Variante kennen) zeigt ebenfalls die Ironie: Die Begründung nach dem because ist schwach oder schlicht albern.

Und jetzt kommt das eigentlich Aufregende, zumindest wenn man ein Sprachwissenschaftler ist: Inzwischen ist die because-noun Konstruktion bei Kindern und Jugendlichen nachzuweisen. Allerdings fehlt dabei die Ironie.

A four-year-old liked Monster Inc. “Because the day care.” A six-year-old chose Monsters University, “because the part where Sully has the big roar and scares all the policemen.”

Da kleine Kinder bekanntlich keine Ironie verstehen — was im Hause Stevenson schon mal zu Problemen führt — haben die Rotznasen diese Konstruktion einfach direkt in ihren Wortschatz aufgenommen. Sollte sie sich halten, würde sie langfristig wohl eine leicht andere Bedeutung bekommen.

Ja, aber wird sie sich halten? Schwer zu sagen. Slang kommt und geht bekanntlich. Vielleicht nehmen sich die Blagen später zu Herzen, dass because-noun nicht Standardsprache ist. Allerdings gibt es genug Beispiele für Formulierungen, die jetzt als (fast) normal gelten. Grammar Girl weist auf he graduated college hin, das früher ein from verlangte (und ganz früher passiv war) und jetzt nur besagten Sprachfaschisten auffällt.

In der Zwischenzeit mag der interessierte Leser darauf achten, ob ihm im Deutschen “weil Hausaufgaben” unterkommt. Weil Internet und so.


ZEUGS: Witzes Englisch, beliebte Drogen und keine Panik vor Außerirdischen

November 16, 2013

  • Zur Geschichte des Englischen: Der Ehrenplatz des ersten Eintrags geht heute an die Open University für ihr kurzes Animations-Video zur Geschichte der englischen Sprache — eine Geschichte, die offenbar nicht ohne Zombies, Katzen und dem Wort “Penis” erklärt werden kann. Finde ich auch.
  • Zu noch mehr Geschichte, denn Wissenschaftler haben jetzt eine sehr viel bessere Vorstellungen davon, wie die Wälder Nordamerikas vor der Ankunft der Europäer aussahen. Kurz gesagt: Ganz anders.
  • Zur Geschichte der Indianer, um etwas spezifischer zu werden: Dank astronomischer Daten zu Sonnenfinsternissen wird inzwischen angenommen, dass der Irokesen-Bund am 22. August 1142 gegründet wurde. Bislang war man eher vom 15. oder 16. Jahrhundert ausgegangen.

    During a ratification council held at Ganondagan (near modern-day Victor, New York) the sky darkened in a total, or near total, eclipse. The time of day was afternoon, as Councils are held between noon and sunset. The time of year was either Second Hoeing (early July) or Green Corn (late August to early September). Thus, we must look for an eclipse path that would totally cover Ganondagan between July and September, in mid-afternoon.

    Allerdings würde auch der 18. August 909 infrage kommen.

  • Zum Justizsystem: Politico stellt eine Reihe von Vergleichen an, wie viele Amerikaner im Gefängnis sitzen:

    In 2012, there were some 1,570,000 inmates in state and federal prisons in the U.S. (…). By contrast, there were about 1,530,000 engineers in America last year, 815,000 construction workers, and 1 million high school teachers, according to the Bureau of Labor Statistics.

    Die Kreisgefängnisse sind in diesen Zahlen nicht inbegriffen. Der Artikel geht unter anderem auf Rolle der mandatory minimum sentencing Gesetze ein, die eine Mindesthaftzeit festlegen, und die Folgen der Anti-Drogen-Politik.

  • Zur Legalisierung von Drogen, denn genau diese Drogenpolitik wird zunehmend von der Bevölkerung infrage gestellt: Einer Gallup-Umfrage zufolge befürwortet eine Mehrheit der US-Bürger inzwischen die Legalisierung von Marihuana. Angesichts der Altersverteilung dürfte dieser Trend sich nur noch verstärken.
  • Zu Hinrichtungen, wenn wir beim Justizsystem sind: The Atlantic weist darauf hin, dass den Bundesstaaten mit der Todesstrafe die Zutaten für die Giftcocktails ausgehen, insbesondere weil europäische Firmen diese Substanzen nicht mehr an die USA verkaufen.
  • Zu Eiern, weil wir in diesem Blog früher oder später alles behandeln, offenbar: io9 diskutiert lang und ausführlich, warum Amerikaner im Gegensatz zum größten Teil der übrigen Welt ihre Eier im Kühlschrank aufbewahren. Dabei geht die Website auf die erstaunlichen Unterschiede bei den Lebensmittelvorschriften in den USA und Europa ein, genau rechtzeitig für die transatlantischen Handelsgespräche.
  • Zu Verschwörungstheorien, denn der Kampf gegen Unfug ist nie zuende: Wenn Slate es für notwendig hält, den Mord an John F. Kennedy noch einmal geradezurücken, wollen auch wir unsere Pflicht tun.
  • Zu Verschwörungen, nochmal: Die viel beschriebene Massenpanik in den USA nach der Ausstrahlung von Orson Welles’ Hörspiel zu War of the World hat es nie gegeben. Zum Glück ist die Geschichte hinter dem Mythos genauso spannend: Zeitungen wie die Daily News erfanden die Panik, um das neue Medium des Radios zu diskreditieren.

    Radio had siphoned off advertising revenue from print during the Depression, badly damaging the newspaper industry. So the papers seized the opportunity presented by Welles’ program to discredit radio as a source of news.

    Meine Güte, das wäre ja fast so, als ob heute die MSM böse Dinge über Internet-Medien berichten würden. Tatsächlich lag die “Hörerquote” bei etwa zwei Prozent. Wie wenig die Leute beeindruckt waren, sieht man auch an der fehlenden Reaktion der Behörden. Wie Slate etwas bösartig bemerkt:

    Janet Jackson’s 2004 “wardrobe malfunction” remains far more significant in the history of broadcast regulation than Orson Welles’ trickery.


Von Ringbären und anderen Aussprache-Fragen

November 10, 2013

In einer der ersten Folgen der (angeblich) letzten Staffel von How I Met Your Mother gibt es ein kleines Aussprache-Problem bezüglich der Person, die den Ring zu einer Hochzeit tragen soll: Ist sie jetzt der ring-bearer — der “Ringträger”, wie in Lord of the Rings — oder wirklich ein ring-bear, also “Ringbär”, wie die Schönste Germanin hofft? Den Machern ist zuzutrauen, dass zum Ja-Wort ein großes, gefährliches Tier auftaucht, auch wenn das bei amerikanischen Hochzeiten eher unüblich ist. Klar ist im Moment nur, dass die Übersetzer wieder weinen werden.

Uns gibt das die Gelegenheit auf eine Serie von Landkarten zurückzukommen, die wir in einem einfachen ZEUGS unter Wert verkauft haben: Joshua Katz hat die Daten aus der Harvard Dialect Study visuell aufbereitet und zeigt so sehr anschaulich die große sprachliche Kluft zwischen verschiedenen Teilen der USA. Business Insider machte sich danach den Spaß, einige zusätzlich mit schnippischen Kommentaren zu versehen:

Americans can’t even agree how to pronounce crayon.

Tatsächlich gibt es für den banalen Wachsmalstift drei Hauptvarianten bei der Aussprache: cray-ahn mit offenem Mund, cray-awn mit der zweiten Silbe wie Dawn, dem Namen von Buffys Schwester, und das einsilbige cran wie in man. Auch bei mayonnaise gibt es krasse Unterschiede, ob may-uh-naze oder man-aze.

Was nun für Europäer verwirrend sein kann: Beide Aussprachen des Gewürzmittels sind richtig. In den USA gibt es keine “Hochsprache”, also kein sprachliches Ideal wie Hochdeutsch, das alle anstreben sollen. Auch die Schreibweise des Wortes ist mehr eine Gedächtnisstütze, wie so häufig im Englischen.

Da Akzent und Aussprache nicht zur Verfügung stehen, müssen sich amerikanische Sprach-Snobs andere Wege ausdenken, um auf ihre Mitbürger herabzuschauen. Entsprechend der Eintrag hier über den geteilten Infinitiv (und über grammar nazis).

Das ist allerdings ziemlich anstrengend. Wer es sich einfacher machen will, sucht sich einen Teil des Landes aus, wo die Aussprache prägnant ist, und verachtet einfach alle Leute dort, ähnlich wie man in Norddeutschland mit den Bayern umgeht.

Die wohl klarste Grenze ist dabei die zwischen den ehemaligen Nord- und Südstaaten bei you all und y’all als Begriff für eine Gruppe von Menschen (funktioniert allerdings auch mit lawyer). Das ist hilfreich zu wissen, wenn man bei True Blood auseinander halten will, welcher Vampir von wo kommt.

Wie das mit den Ringen und Bären ist, wird leider nicht behandelt.


Nichts hält ewig, außer (gewisse) US-Briefmarken

Oktober 28, 2013

Beim jüngsten shutdown der US-Regierung war unter den nicht betroffenen Organisation die amerikanische Post, der United States Postal Service (USPS). Sie konnte dem allgemeinen Chaos auf Bundesebene entkommen, weil sie Geld aus dem laufenden Geschäft einnimmt:

The Postal Service receives no tax dollars for operating expenses, and relies on the sale of postage, products and services to fund its operations.

Ohne Zugriff auf Steuergelder muss die Post allerdings ständig das Porto erhöhen. Gegenwärtig kostet eine Marke für einen Standardbrief 0,46 Dollar (umgerechnet 0,33 Euro). Anfang 2014 soll der Preis um drei Cent steigen.

Das geht natürlich ziemlich vielen Leuten ziemlich auf den Sack.

Seit April 2007 gibt es eine Alternative zu der Horror-Preisspirale des Todes: Die Forever Stamps, “ewige” Briefmarken, die nach dem Kauf immer für einen Brief ausreichen. Der Kaufpreis entspricht dem der gerade gültigen Standardbriefmarke — sprich, im Moment 46 US-Cent.

As the name suggests, Forever Stamps can be used to mail a one-ounce letter regardless of when the stamps are purchased or used and no matter how prices may change in the future.

Anders formuliert, die Briefmarke nimmt im Laufe der Zeit an Wert zu.

(An dieser Stelle werden einige interessierte Leser sich fragen, ob man nicht damit irgendwie Geld machen kann. Die Antwort lautet angeblich ja, aber das erscheint diesem Autor doch etwas viel Aufwand.)

Das Ganze funktioniert so gut, dass es seit Januar 2013 auch den Global Forever Stamp für 1,10 Dollar (etwa 0,80 Euro) gibt, der für den internationalen Versand gedacht ist.

Allerdings ändern auch die ewigen Briefmarken nichts daran, dass immer weniger von den kleinen Papierfetzen verkauft werden. Daher lässt die US-Post gerade für eine halbe Million Dollar prüfen, wie die Zukunft der Briefmarke aussehen könnte. Möglicherweise ist “ewig” am Ende wieder mal nicht ganz so lang.


META Blog bis Montag wegen Krankheit geschlossen

Oktober 23, 2013

Eigentlich hätte man das viel besser mit dem Shutdown verbinden können, aber die Seuche spielt nicht mit. Daher bliebt dieses Blog wegen Fieber und Rotze bis Montag, den 28. Oktober 2013 geschlossen. Der (eigentlich für heute) geplante Eintrag wird von “ewigen” Briefmarken handeln.


Eine Liste der Leute, die im US-Haushaltsstreit wirklich versagt haben

Oktober 12, 2013

Eigentlich wollte dieser Autor nie wieder über Verschwörungstheorien reden. Aber das Webcomic xkcd hat mal wieder eine wunderbare Zeichnung vorgelegt: ein offener Brief an die Leute, die angeblich die US-Regierung wirklich kontrollieren und deswegen für den Haushaltsstreit verantwortlich sind.

Can you please get your shit together? This is embarrassing.

Nun können wir die meisten Einträge als bekannt voraussetzen — der interessierte Leser kennt Scientology, die Freimauerer und die Zionisten. Einige haben wir schon behandelt — insbesondere die New World Order, HAARP und Fema.

Folgende benötigen vielleicht noch etwas Hintergrund:

  • Bilderburg – Vermutlich ist hier “Bilderberg” gemeint, ein jährliches Treffen der Einflussreichen und Mächtigen hinter verschlossenen Türen. Die Gruppe hat eine eigene Website, aber was die Inhalte der Diskussionen angeht, gilt die Fight-Club-Regel:

    [T]he first rule is, you do not talk about Bilderberg.

    Immerhin können wir jetzt die zweite Regel herleiten. Da die Bilderberg-Leute auch die Kraft hinter der Einführung des Euros sein sollen, haben sie im Moment vermutlich einfach zu viel zu tun, um sich großartig um den US-Haushalt zu kümmern. Verdammt.

  • Skull & Bones – Eine Studentenverbindung an der Yale University, zu der unter anderem Präsident George W. Bush gehörte. Die Existenz ist nicht geheim (ihr Klubhaus steht auf dem Gelände der Universität, die ein Archiv im Internet anbietet). Vermutlich ist man aber immer noch damit beschäftigt, Frauen zu integrieren.
  • Bohemian Grove – So etwas wie die Bilderberg Gruppe, nur in Kalifornien und immer noch ohne Frauen. Ach, und Bäume mögen sie auch nicht. Hier fand in den 40er Jahren eine Planungssitzung zur Atombombe statt. Da diese funktioniert hat, dürfte die Gruppe einfach zu kompetent sein, um hinter der amerikanischen Regierung zu stehen.
  • The Koch Brothers – Die Familie hinter Koch Industries, das zweitgrößte Privatunternehmen der USA. Offensichtlich wissen sie, wie man aus Geld mehr Geld macht. Das beschreibt nicht wirklich Washington.
  • The Trilateral Commission – Eine Gruppe, die nach eigener Darstellung die Verständigung zwischen Europa, Nordamerika und Asien auf hoher Ebene verbessern will. Und immerhin:

    They include women, minorities, and members of many different political parties.

    Der Kommission wird vorgeworfen, eine New World Order einführen zu wollen. Das hatten wir schon. Seufz.

  • The CFR – Die Council on Foreign Relations soll auch so etwas vor haben. Allerdings geht sie selbst auf die Frage ein, ob sie eine Geheimgesellschaft ist:

    No.

    Dann ist ja gut. Vielleicht handelt es sich wirklich um eine Denkfabrik, die sich mit Außenpolitik beschäftigt?

  • The Vril Society – Diese Geheimgesellschaft soll aus Deutschland stammen. Damit fällt sie nicht in die Zuständigkeit dieses Blogs. Allerdings scheinen diese Leute nicht einmal eine neue Bundesregierung auf die Beine stellen zu können …
  • The Lizard People – Es ist unklar, warum sie auf dieser Liste aufgeführt sind, denn in den USA glaubt niemand, dass die Regierung von Eidechsen-Menschen geleitet wird. Naja, kaum jemand. Obwohl, Moment mal, vielleicht wollen sie, dass wir genau das glauben.

Dass ein bestimmter Name auf der Liste nicht auftaucht, wundert dagegen überhaupt nicht: Bielefeld. Den die wissen schon, wie man so etwas verhindert.


ZEUGS: Die Shutdown-Ausgabe

Oktober 2, 2013

Heute beweisen wir endgültig, dass wir nicht für die US-Regierung arbeiten und veröffentlichen trotz des Shutdowns einen Eintrag. Wir fangen dabei mit einer Frage an, die diesem Autor jüngst im Zusammenhang mit dem Kongress gestellt wurde: Sind die alle auf Droge?

  • Zu Timothy Leary, denn wie es der Zufall will, ist gerade ein Archiv zu dem Lebenswerk des “Drogenpapstes” eröffnet worden. Wir erwähnen das hier natürlich nur wegen seiner Computerspiele und weil dieser Autor die Moody Blues mag.
  • Zum Bürgerkrieg: Ein Disney-Mitarbeit hat offenbar eine zweite Aufnahme von Präsident Abraham Lincoln während seiner Gettysburg Rede gefunden.

    Oakley leaned into the flat-screen monitor and murmured, “No way!” Zooming in tight, real tight, he stared, compared and sprang abruptly from his chair. After quickstepping around his studio in disbelief, he exulted, “That’s him!”

    Nicht jeder ist überzeugt, weil da noch mehr Männer mit komischen Hüten herumliefen.

  • Zu Juden in den USA: Das Pew-Institut hat anlässlich einer Studie zu amerikanischen Juden einen, nun, “Rechner für die jüdische Bevölkerung” online gestellt. Damit kann man für eine gegebene Definition von “jüdisch” berechnen, wie viele Juden es in den USA gibt, warum auch immer. In der Studie selbst wird deutlich, wie sich das Selbstverständnis der amerikanischen Juden wandelt:

    [A]mong Jews in the youngest generation of U.S. adults – the Millennials – 68% identify as Jews by religion, while 32% describe themselves as having no religion and identify as Jewish on the basis of ancestry, ethnicity or culture.

    Dagegen hatten sich 93 Prozent der Juden aus der Kriegsgeneration über ihre Religion definiert.

  • Zu Indianern vor Columbus: Archäologen haben bei den Ausgrabungen in der Stadt Cahokia Hinweise auf ein seltsames Feuer im Jahr 1170 gefunden. Es werden — nicht ganz ernsthaft — Parallelen zu Burning Man gezogen:

    [R]ight down to the drug use — Cahokians liked to imbibe something called “black drink,” which was a super-strong caffeinated brew that probably got everybody seriously jazzed until they threw up.

    Wie auch immer, das möglicherweise bewusst gelegte Feuer scheint ein Wendepunkt in der Geschichte der Stadt gewesen zu sein.

  • Zu Halloween: Schon Oktober? Dann wird es Zeit für die ersten Halloween-Ratschläge, diesmal mit Klopapier-Rollen und Glühstäben.
  • Zu cyber: io9 untersucht die Geschichte des Wortes im Englischen. Wobei dieser Autor es interessanter findet, dass es im Deutschen zwar die “Kybernetik” gibt (mit einem “K”-Laut) aber auch “Cyberspace” (mit einem “ß”-Laut). Vielleicht sollte er einfach anfangen, von dem “Kyberraum” zu sprechen.

[Korrigiert 02. Okt 2013: Link zu Cyber repariert, zuerst gesehen von CB, vielen Dank]


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