ZEUGS: Die Mörderin von Oz, teuere Wahlen und verlorene Buchstaben

Februar 16, 2013

Dieser Autor war in der vergangenen Woche mit anderen Dingen beschäftigt, daher heute nur ein vergleichsweise kurzer ZEUGS-Eintrag.

  • Zu Kansas City, gleich beiden: In einem Bericht über Google Fiber muss erklärt werden, um welche Stadt es geht (Hervorhebung hinzugefügt):

    But Google hid its excitement, shooing away most national media and insisting, again, that its investment to make the Kansas Cities (Kansas and Missouri) the first fiber-wired zone in the country represented nothing more than an experiment rather than a massive business opportunity to build the future of connectivity.

    Das Symbol für Google Fiber scheint ein Hase zu sein, was die Frage nach dem Igel aufwirft.

  • Zum Steuersystem und die entsprechende Hoheit der Bundesstaaten, während wir bei Kansas sind: Dort will der Gouverneur die Einkommensteuer abschaffen.
  • Zum Wizard of Oz, damit wir nicht mehr in Kansas sein müssen: Eine berühmte Zusammenfassung, die wir im Hauptartikel vergessen hatten:

    Transported to a surreal landscape, a young girl kills the first person she meets and then teams up with three strangers to kill again.

    Der verlinkte Artikel hat weitere Beispiele für richtige, aber irreführende Zusammenfassungen. Die von Escape From New York ist eine der besseren.

  • Zu Thanksgiving: Das Wirtschaftsmagazin Forbes erklärt, dass die ersten Siedler eigentlich Sozialisten waren, nicht Kapitalisten.
  • Zu den Kosten der Präsidentschaftswahl: Wenn man die Wirtschaftskraft der USA berücksichtigt, war die jüngste Wahl nicht mal ansatzweise die teuerste:

    That would be the campaign of 1896, by almost a factor of five. (…) There was remarkably more campaign spending in 1896 than in the next four priciest elections combined.

    Der Republikaner William McKinley gewann die Wahl.

  • Zu Plain English: Der Guardian stellt eine Grafik vor, die zeigt, wie das sprachliche Niveau der Rede zur Lage der Nation in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gefallen ist. An James Madison in 1815 kommt niemand heran; George W. Bush schaffte 2005 immerhin ein kleines Zwischenhoch. Der Trend bleibt allerdings ungebrochen.
  • Zu Buchstaben, während wir bei Sprache sind: Zwölf Buchstaben, die es nicht ins englische Alphabet geschafft haben.

    Have you ever seen a place that calls itself “ye olde whatever”? As it happens, that’s not a “y”, or, at least, it wasn’t supposed to be. Originally, it was an entirely different letter called thorn, which derived from the Old English runic alphabet, Futhark.

    Was vielleicht das Unverständnis von Angelsachsen erklärt, warum die Deutschen noch an diesem komischen “ß” festhalten.


ZEUGS: Texte zu “Lincoln”, Frauen wollen Sturmgewehre und Schokolade für die Indianer

Februar 6, 2013

Heute gibt es keinen einführenden Kommentar, weil die Arizona Cardinals nicht den Superbowl gewonnen haben. Nicht einmal das Endspiel haben sie erreicht. Argh.

  • Zu Lincoln: Wer dieses Blog liest, braucht vermutlich keine Ermunterung, um den neuen Steven-Spielberg-Film über die letzten Wochen im Leben des vielleicht größten US-Präsidenten zu sehen. Dieser Autor hatte Dank einer freundlichen Einladung der US-Botschaft die Gelegenheit, früh in den Film zu gehen und würde folgende Texte aus diesem Blog als begleitenden Lesestoff empfehlen: Zum Bürgerkrieg, um das Ausmaß des Gemetzels zu verdeutlichen, zum Repräsentantenhaus, weil ein großer Teil des Films von den schmutzigen politischen Tricks in der Kammer handelt, und zu Executive Orders, den Anweisungen des Präsidenten, weil wir dort die Sklavenbefreiung besprochen hatten. Eine gute Lincoln-Biografie kann natürlich nicht schaden, aber das übersteigt unsere bescheidenen Möglichkeiten.
  • Zu Dr. Strangelove: Der interessierte Leser JL schickt als Vorschlag für einen sehr langen deutschen Titel folgendes ein:

    “Der Abentheuerliche || SIMPLICISSIMUS || Teutſch / || Das iſt: || Die Beſchreibung deß Lebens eines || ſeltzamen Vaganten / genant Melchior || Sternfels von Fuchshaim / wo und welcher || geſtalt Er nemlich in dieſe Welt kommen / was || er darinn geſehen / gelernet / erfahren und auß= || geſtanden / auch warumb er ſolche wieder || freywillig quittirt. || Überauß luſtig / und maenniglich || nutzlich zu leſen. || An Tag geben || Von German Schleifheim || von Sulsfort. || Monpelgart / || Gedruckt bey Johann Fillion / || Jm Jahr MDCLXIX.”

    Nicht zu verwechseln mit der Zeitschrift.

  • Zu Waffengesetzen: Wir haben darauf hingewiesen, dass die Diskussion über gun rights in den USA im Gegensatz zu Deutschland auch ein feministisches Thema ist. Im National Review argumentieren nun zwei Waffenbesitzerin für den freien Verkauf des AR-15 Sturmgewehrs — die Waffe, die bei dem Massaker in Connecticut eingesetzt wurde.

    Violence is always going to exist. As women, we should possess the right to best defend ourselves against it, whether with a handgun or our much preferred AR-15.

    Warum bevorzugen sie gerade dieses Sturmgewehr?

    The AR-15 is lightweight and practical. As light as five pounds, it produces low levels of recoil, and it’s easy to shoot. It also looks intimidating, which is what you want when facing an assailant or intruder.

    Die Zahl der Artikel über die Waffengesetze in den USA übersteigt im Moment den Platz dafür in diesem Blog. Dieser Autor hat daher viele davon auf seiner Google-Plus-Seite gepostet, die öffentlich zugänglich sein sollte. Die (hoffentlich) besten landen weiter hier.

  • Zur Einstellung zum Staat, weil sie in die Waffen-Diskussion einfließt: Erstmals hält eine Mehrheit der US-Bürger den Staat — genauer, den Bund — für eine Gefahr für ihre Rechte.

    As [President] Barack Obama begins his second term in office, trust in the federal government remains mired near a historic low, while frustration with government remains high. And for the first time, a majority of the public says that the federal government threatens their personal rights and freedoms.

    Damit hat dass Misstrauen gegenüber der US-Regierung unter Obama zugenommen.

  • Zum System der Wahlmänner: Die “New York Times” rechnet vor, warum die Demokraten absolut kein Interesse daran haben, dass die Stimmen des Kollegs nach dem Verhältniswahlrecht statt nach winner-takes-all verteilt werden:

    [B]y an electoral college count of 277 to 261, Mr. [Mitt] Romney would be president.

    Irgendjemand ist immer dagegen.

  • Zur angeblichen Prüderie in den USA: Spiegel Online berichtet über die amerikanische Sicht auf die Sexismus-Affäre im Zusammenhang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle:

    Das bringt uns zum zweiten schwer zu erklärenden kulturellen Unterschied: wie ungeschickt jemand wie Brüderle aus amerikanischer Sicht sein muss, sich in schlüpfrigen Bemerkungen etwa über die Dirndl-Tauglichkeit einer Journalistin zu ergehen.

    Gefunden vom interessierten Leser ARN.

  • Zur freien Namenswahl: Die BBC erklärt ihren staunenden Lesern, dass in Deutschland und einigen anderen Ländern der Staat mitbestimmt, wie Kinder heißen dürfen.
  • Zum deutschen Fernsehen, wenn wir uns schon mit der Außenwirkung beschäftigen: Die “New York Times” erklärt ihren Lesern “Wetten, dass …?” als Teil einer größeren Krise im deutschen Fernsehen:

    It’s all part of a larger soul searching over why Germany, with great traditions in literature, theater and film, has mostly missed the current wave of challenging, complex television. Der Spiegel asked in its latest issue, “Why are Germans the only ones sleeping through the future of TV?” The magazine called German programs “fainthearted, harmless, placebo television.”

    Der Titel ist keine Beleidigung, sondern eine Anspielung auf eine Sequenz in der David Letterman Show.

  • Zur Ernährung der Indianer: Schokolade kam wohl im 8. Jahrhundert in Nordamerika an. Es sind die wichtigen Dinge im Leben, die zählen …

Die faszinierenden Kuriositäten des P.T. Barnum (oder: das Internet sieht alles)

Januar 31, 2013

Der heutige Eintrag steht unter dem Motto, dass man in einem Blog nicht schummeln sollte, denn das Internet sieht alles.

Vor einigen Tagen hatten wir den Spruch The greatest show on earth vorgestellt und ihn auf den gleichnamigen Film zurückgeführt. Nur Minuten — Minuten! — nachdem der Artikel online war, meldete sich der interessierte Leser SB und wollte wissen, was denn mit einer Verbindung zum Entertainer, Museumsbetreiber, Redner, Autor, Sklavereigegner und Politiker P. T. Barnum sei. Habe der den Spruch nicht schon vorher benutzt?

Ja, schon. Phineas Taylor Barnum (1810–1891) gründete noch im Alter von 61 Jahren einen Wanderzirkus mit dem Namen “P. T. Barnum’s Grand Traveling Museum, Menagerie, Caravan & Hippodrome”. Die Namen wechselten mehrfach und der Zirkus beanspruchte tatsächlich für sich irgendwann the greatest show on earth zu sein, zum Beispiel als

P.T. Barnum’s Greatest Show On Earth, And The Great London Circus, Sanger’s Royal British Menagerie and The Grand International Allied Shows United

später bekannt unter dem doch etwas griffigeren Namen “Barnum & Bailey’s”. Der Zirkus reiste als erster per Zug und führte als erster drei Manegen ein. Der Elefant hieß — wie sonst — Jumbo. Es steht völlig außer Frage, dass jeder Zirkus, der später kam, von “Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus” beeinflusst wurde, wie heute der direkte Nachfolger [automatische Music] heißt. Entsprechend auch The Greatest Show on Earth.

Warum hat dann dieser Autor erstmal nur den Film zitiert? Nun, die Idee war, P. T. Barnum über einen Spruch einzuführen, der in den USA untrennbar mit seinem Namen verbunden ist und den der interessierte Leser vermutlich schon gehört hat. Dort sollte dann ein Hinweis auf den Zirkus-Eintrag eingebaut werden.

Welcher Spruch?

There’s a sucker born every minute

Mit sucker ist hier nicht ein Lutscher gemeint, sondern ein Depp, der über’s Ohr gehaut und ausgenommen werden kann, wenn man sich als Betrüger nur geschickt genug anstellt (in Lost Girl benutzt Kenzi den verwandten Begriff des mark). Der Satz ist so bekannt, dass er zu There’s one born every minute abgekürzt wird oder als Anspielung wie Barnum was right auftaucht. Barnum, so wird hier behauptet, sah die Welt als eine endlose Gelegenheit an, seinen Mitmenschen Geld abzunehmen.

Dummerweise hat das Barnum möglicherweise nie gesagt, sondern einer seiner Konkurrenten im Show-Geschäft. Das muss nicht unbedingt stören, wie wir an der Geschichte des Patrioten Nathan Hale gesehen haben. Man muss es nur im Hinterkopf behalten. Deutsche gehen auch locker damit um, dass die Schlacht im Teutoburger Wald wohl nicht im Teutoburger Wald stattfand (Kommentar der Schönsten Germanin: “Scheißegal, wo das stattfand, wir haben gewonnen.”)

Neben dem Spruch und dem Zirkus ist Barnum insbesondere für die Freak-und-Monster-Show in einem Museum bekannt, das er 1841 kaufte. Im American Museum gab es neben konventionellen Ausstellungen auch, sagen wir mal, Kuriositäten:

His first major acquisition for the museum was the Fejee Mermaid, a monkey-fish hybrid that he advertised as a luxurious mermaid through engravings and descriptions in newspapers.

Nach der Meerjungfrau kam später der Zwerg Charles Stratton dazu (unter dem Namen General Tom Thumb), die Riesin Anna Swan (2,27 Meter groß) sowie die körperlich verbundenen Zwillinge Chang und Eng Bunker aus Siam (von denen der Begriff “Siamesische Zwillinge” stammt).

Dass diese Leute alle ihre eigene Wikipedia-Seite haben, zeugt von ihrem — und Barnums — Einfluss auf die amerikanische Kultur, der bis heute besteht. Ein Kreisel von Barnum findet sich in der Sammlung von Artefakten in Warehouse 13. Er führt dazu, dass Organe oder Gliedmaßen nachwachsen (bis sie dummerweise explodieren). Der interessierte Leser mag sich das Musikvideo zu “Closer” von Nine Inch Nails anschauen und selbst entscheiden, wie viel “barnumartiges” dort durchschimmert.

[Liebe Jugendliche, ein Musikvideo ist ein kurzer Film, der früher im Fernsehen zu den Liedern von Popstars ausgestrahlt wurde. Historisch leitet sich hiervon der Name von MTV - Music Television - ab, obwohl der Sender heute praktisch keine Musikvideos mehr zeigt. Warum das so ist, erklärt dieses Video [YouTube]. Ja, so coole Dinge gab es in den 80er Jahren.]

Barnums Museum wurde ein unglaublicher Erfolg. Es war sechs Tage die Woche, 15 Stunden am Tag geöffnet. Aus allen Schichten kamen bis zu 15.000 Besucher täglich und zahlten jeweils 25 Cent. Das ursprüngliche Gebäude brannte im Juli 1865 ab, wurde an anderer Stelle wieder aufgebaut und ging 1868 nochmal in Flammen auf. Natürlich waren die Umstände mysteriös.

Das spätere Barnum Museum in Connecticut wurde 2010 durch einen Tornado beschädigt und ist offenbar immer noch geschlossen. Im Internet kann man allerdings die Ausstellungen besichtigen. Seit 2000 ist auch eine virtuelle Rekonstruktion des ursprünglichen American Museums online. Die “New York Times” schrieb dazu:

”Maybe what’s uniquely American about Barnum was this effort — he called it democratic, but it might be something else — to bring everybody together, regardless of class background,” Dr. Buckley of Cooper Union said. ”It was the whole period of the 1840′s when I believe it’s possible to say that a distinct American popular culture was developed, and the museum is central, and Barnum is central, to that development.”

Und jetzt mal ehrlich. Das kann man doch nicht alles in einen Eintrag packen, oder?


Joss Whedon und The Greatest Show On Earth

Januar 26, 2013

Wie erwähnt ist dieser Autor während seiner jüngsten Krankheitsphase an sinnvoller Literatur gescheitert. Zum Glück hatte er sich kurz zuvor Cabin in the Woods ausgeliehen, Joss Whedons meisterhafter Meta-Horrorfilm.

Angesichts der nicht ganz trivialen Handlung wäre auch hier der Fieber-reduzierte IQ normalerweise ein Problem. Aber es war die zweite Sichtung des Films, und wie man diesem Autor im Studium beigebracht hat, ist ein gutes Gedächtnis besser als hohe Intelligenz. Und so konnte er seine Restkonzentration auf Sprüche wie The greatest show on Earth verwenden.

Wie so viele Sätze des Films ist das eine Anspielung auf irgendwas. Hier handelt es sich um den gleichnamigen Zirkusfilm aus dem Jahr 1952 mit Charlton Heston.

A fierce, primitive fighting force that smashes relentlessly forward against impossible odds. That is the circus. And this is the story of the biggest of the big tops, and of the men and women who fight to make it “The Greatest Show on Earth”.

[Ergänzung: Kaum hatte dieser Autor diesen Text gepostet, warf ihm der interessierte Leser SB mit einer gewissen Berechtigung vor, zu kurz gesprungen zu sein: Der Spruch gehe doch ganz ursprünglich auf ein Motto des Entertainers P.T. Barnum zurück. Ja, schon, aber Barnum sollte eigentlich über den Satz There's a sucker born every minute und einem Rückverweis auf diesen Eintrag eingeführt werden. Das werden wir jetzt wohl vorziehen müssen.]

Der Streifen gewann zwei Oscars, der Titel wurde zu einem geflügelten Wort. Fast interessanter ist, dass der Regisseur Steven Spielberg ihn laut Wikipedia als wichtigen Einfluss bezeichnete.

Der deutsche Titel heißt Die größte Schau der Welt, was erstaunlich nah am Original ist. “Schau” klingt für heutige Ohren etwas altbacken, inzwischen würde man vermutlich einfach show sagen (Showgirls wurde nicht als Schaumädchen übersetzt). Damals war der Kulturimperialismus halt noch nicht so weit.

Diesem Autor macht übrigens seine Reaktion auf Cabin in the Woods etwas Sorge, denn wie es bei Beetlejuice so schön heißt: Jedes Mal, wenn er den Film sieht, findet er ihn lustiger. Vielleicht muss er ihn einfach nochmal sehen – ohne Fieber.


Amerikanische Ausschnitte, kanadische Unterhosen und Depardieu goes Galt

Januar 21, 2013

Fieber ist doof, denn es entfällt der wichtigste sekundäre Krankheitsgewinn: Man kann im Bett nicht lesen. Zwar hat dieser Autor versucht, sich endlich Richard Dawkins’ berühmte Atheisten-Bibel-Schrift The God Delusion vorzunehmen, aber nach wenigen Seiten führte das nur zu einem, nun, unheiligen Brummen im Kopf.

  • Zu Religion in den USA: Immerhin ist dieser Autor noch in der Einleitung bis zu dem Punkt gekommen, an dem sich der Brite Dawkins sich gesondert und länger an seine amerikanischen Leser wendet. Er schreibt:

    The status of atheists in America today is on par with that of homosexuals fifty years ago.

    Das today bezieht sich bei dieser Taschenbuch-Ausgabe auf das Jahr 2007. Wie wir gesehen habe, zeigen Umfragen, dass inzwischen immer mehr Amerikaner ihr nicht-religiöses “Coming-Out” wagen, offenbar eine der Kernforderungen von Dawkins in dem Buch.

  • Zum Ruf des deutschen Justizsystems im Ausland: Dawkins verweist in einer Fußnote dieser Ausgabe auf das Urteil der deutschen Richterin Christa Datz-Winter, die 2007 einen Scheidungsantrag einer Muslimin verworfen hatte, weil ein Ehemann laut dem Koran seine Frau schlagen dürfe (der Ausschnitt bei Google Books). Die Auflage von The God Delusion lag laut Wikipedia bis Anfang 2010 bei mehr als zwei Millionen Exemplaren allein auf Englisch.
  • Zu Bürgerkrieg: Futury bespricht Folgen des Kriegs für den Journalismus, die bis heute gelten.
  • Zu Slang, diesmal aus Kanada: Wir haben mehrfach über Lost Girl gesprochen. Die Sci-Fi-Website io9 hat vor dem Start der dritten Staffel in den USA eine wahre Lobeshymne auf die Fernsehserie verfasst und bespricht die zahlreichen Hinweise, die den kanadischen Ursprung verraten:

    It started on Canada’s Showcase channel, where everybody could appreciate the jokes about gotch, and the occasional references to First Nations government policies.

    First Nations ist der Name der Kanadier für die Indianer, Worte wie ginch, gonch, gotch und gitch beziehen sich auf kanadischen Slang für die Unterwäsche. In den Kommentaren wird es nochmal richtig lustig wenn die Kanadier diskutieren, ob “BC” (British Columbia) wirklich zum Land gehört. Was die Übersetzer damit machen, ist unklar.

  • Zu Kanada, im vorbeigehen: Offenbar haben die Leute im kalten Norden die falschen Ahornblätter auf ihre neuen Geldscheine gedruckt. Diese sind außerdem aus Plastik, irgendwie. Und Ärger mit den Indianern haben die Kanadier auch. Aber wie gesagt, gutes Fernsehen.
  • Zu Ayn Rand: Als der französische Schauspieler Gerard Depardieu mit Hinweis auf die hohen Steuern seine Heimat verließ, hieß es es auf Englisch sofort wie? Genau, Depardieu shrugged.
  • Zu Maßeinheiten: Der interessierte Leser BM weist auf eine Übersicht für die Küche hin.
  • Zu prüden Amerikanern, weil es bei Lost Girl ständig um Sex geht: Der interessierte Leser MG weist auf einen Bericht über den angeblichen neuen Trend an den US-Unis hin. Beim #boobment ziehen Studentinnen enge und tief ausgeschnittene T-Shirts ihrer College-Mannschaft an, machen eindeutige Fotos und stellen sie dann auf Twitter online. Den Anfang sollen die Fans der University of Kansas Jayhawks gemacht haben [grenzwertig NSFW]. Not everything is flat in Kansas, wie es so schön heißt. Und dieser Autor war offenbar auf der falschen Uni. Oder es gab einfach noch kein Twitter. Oder beides.
  • Zur Unbeliebtheit des Kongresses, der sich inzwischen bekanntlich kaum noch fassen lässt: Public Policy Polling stellt eine Umfrage mit Vergleichen zwischen der Beliebtheit der Abgeordneten und unangenehmen Dingen vor wie Darmspiegelungen oder Zahnwurzelbehandlungen:

    Colonoscopies are not a terribly pleasant experience but at least they have some redeeming value that most voters aren’t seeing in Congress: Colonoscopies 58 [percent] Congress 31. And you can make the same point about root canals: Root Canals 56 Congress 32.

    Nickelback-Fans sollten die Studie vielleicht nicht lesen.


META Blog ruht bis Montag, 21. Januar

Januar 14, 2013

Auch wenn schreiben im Fieberwahn lustig sein kann, verzichten wir dieses Mal auf den Spaß und machen das Blog bis kommenden Montag (21. Januar) zu (ja, trotz des Feiertages in den USA). Der nächste Eintrag wird ein ZEUGS sein.


Vom alten und neuen Boss (und gewissen Werken von The Who)

Januar 3, 2013

Wir beginnen das Jahr mit einem Eintrag über einen Spruch, der sich hoffentlich 2013 nicht bewahrheiten wird. Ausgangspunkt ist eine Überschrift der Technologie-Site Ars Technica, die über ein neues Modell der Chromebox von Samsung berichtet:

Meet Samsung’s new Chromebox, same as the old Chromebox (almost)

Das klingt etwas komisch – lang, vor allem – und ist tatsächlich eine Anspielung auf

Meet the new boss, same as the old boss

Musikfans kennen die Zeile aus dem Lied “Won’t Get Fooled Again” von The Who. In einigen Überschriften wird es ausgeschrieben. Allerdings ist der Spruch ist in den USA so geläufig, dass man einfach nur meet the new boss sagen kann, und jeder weiß, wie es weitergeht.

Das stellt Übersetzer vor gewisse Probleme, denn in Deutschland kehren neue Besen gut, nicht gleich. Vermutlich ist das ein Grund, warum die Supernatural-Folge “Meet the New Boss” auf Deutsch zu “Der Zorn Gottes” wurde.

(Vielleicht haben die Synchronisatoren auch einfach einen furchtbaren Musikgeschmack. Zumindest mit The Who, den Rolling Stones und Pink Floyd scheint man nicht vertraut zu sein: Aus “The Kids are Alright” wird “Den Kindern geht es gut”, “Sympathy for the Devil” heißt “Mein Name ist Luzifer”, “Let It Bleed” mutiert zu “Die Erinnerung” und — jetzt muss der interessierte Leser ganz tapfer sein — “Dark Side of the Moon” heißt auf Deutsch “Sonnenfinsternis”.)

Nun gilt wie gesagt hoffentlich nicht meet the new year, same as the old year, schon allein weil das langweilig wäre. So oder so wünschen wir allen interessierten Lesern ein schönes neues Jahr.


Konsum vs Export: Unterschiede zwischen der amerikanischen und deutschen Wirtschaft

Dezember 21, 2012

Heute beschäftigen wir uns mit einem grundsätzlichen Unterschied zwischen den USA und Deutschland: Die amerikanische Wirtschaft wird vom Konsum getrieben (zu etwa 70 Prozent), während die deutsche stark exportlastig ist (etwa 50 Prozent, Tendenz steigend). Das führt nicht nur dazu, dass die Umsatzzahlen der Einzelhändler zu Weihnachten in den USA mit größerem Interesse verfolgt werden als in Deutschland. Es bilden sich auch verschiedene Ansätze in der Politik heraus, obwohl die Abgeordneten in beiden Staaten grundsätzlich das Gleiche wollen: Arbeitsplätze schaffen, um von glücklichen Bürgern wiedergewählt zu werden.

Fangen wir mit den Steuern an. Jeder Dollar, den der amerikanische Staat einsammelt, ist ein Dollar weniger, der in die Wirtschaft fließt und dort Arbeitsplätze schaffen kann (Staatsausgaben gelten als ineffizient). Die schon beschriebene besondere Beziehung der Amerikaner zu Steuern hat damit in den vergangenen Jahrzehnten einen handfesten Hintergrund bekommen. Entsprechend steht bei der aktuellen Diskussion über die “Finanzklippe” eine Menge auf dem Spiel (Hervorhebung hinzugefügt):

The Congressional Budget Office has estimated that 3.4 million Americans could lose their jobs if America goes off the cliff, as the higher taxes and spending cuts weigh on consumer demand.

Das Prinzip gilt auch für Steuern auf Benzin, Strom, Erdgas etc: Alles schlecht für die Wirtschaft, schlecht für das Wachstum und schlecht für den Arbeitsmarkt. Der amerikanische Verbraucher soll — muss — Geld in der Tasche haben. Allerdings soll es nicht lange dort bleiben.

In Deutschland ist das — vereinfacht und etwas polemisch gesagt — schnurz. Ob die vergleichsweise hohe Steuern auf Benzin oder die Abgaben für die Energiewende, dem Bundesbürger kann das alles bedenkenlos aufgebürdet werden, so lange nur das Ausland genug Zeugs mit dem Aufkleber Made in Germany kauft und die Firmen Leute anstellen. Die Binnennachfrage ist zweitrangig. Das muss man Amerikanern erklären, wenn sie nach Deutschland ziehen und zum ersten Mal an der Zapfsäule Euro pro Liter in Dollar je Gallone umrechnen.

Auch für die Staaten als Ganzes ergeben sich verschiedene Abhängigkeiten. Deutschland geht es gut, wenn es dem Ausland gut geht und man dort viele schöne deutsche Maschinen und Autos braucht. Die USA sind mehr von der Stimmung des amerikanischen Verbrauchers abhängig, weswegen Konjunkturdaten wie der Consumer Confidence Index (CCI) so wichtig sind. Der Bürger muss insbesondere das Gefühl haben, dass er Geld ausgeben kann, sonst bleibt es in der Tasche, oder, oh Schreck, wird sogar zur Bank gebracht.

Deswegen sind amerikanische Politiker und hohe Beamte viel damit beschäftigt, gute Stimmung zu verbreiten. Nehmen wir diese Erklärung zu den “QE3″ genannten Maßnahmen der US-Notenbank Fed, die insbesondere auf Hypotheken zielen (Hervorhebung hinzugefügt):

The goal of this measure is to stimulate home purchases, which will in turn give rise to higher home values, which will ideally precipitate rising domestic consumption as Americans “feel” wealthier.

Mein Haus ist mehr wert, daher bin ich wohlhabender, daher kann ich mehr Geld für anderes Zeug ausgeben. Yippee!

Diese Konsumabhängigkeit gibt der amerikanischen Wirtschaft eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber der weltweiten Lage. Das ist wichtig zu wissen, wenn man Präsident der USA ist und eine Gruppe von Islamisten, sagen wir mal, Flugzeuge in sehr hohe Gebäude steuert. Dann möchte man, dass die Bürger zur Stabilisierung der Wirtschaft weiter Geld ausgeben. Oder wie es George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 formulierte:

I ask your continued participation and confidence in the American economy. Terrorists attacked a symbol of American prosperity; they did not touch its source.

(Anders als von seinen politischen Gegnern behauptet hat Bush nie die Bürger direkt aufgefordert, einfach weiter einkaufen zu gehen, als sei nichts gewesen. Angesichts der Struktur der amerikanischen Wirtschaft wurde das allerdings in der Presse so verstanden, zum Beispiel bei “Time” mit dem Kommentar And for God’s sake keep shopping.)

Die Konsumabhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft erklärt auch einige andere Unterschiede. So zeigen die Amerikaner in der Regel eine größere Toleranz für Werbung, die als notwendiges Übel gilt, damit die Leute auch wirklich ihr Geld ausgeben. Auffällige Ausnahme ist die Trikot-Werbung, die eher selten zu finden ist. Auch die Beliebtheit von Kreditkarten könnte man in diese Kategorie packen.

Ist das alles eine gute Idee? Darauf kann dieses Blog nicht eingehen, weil die Diskussion früher oder später zu Grundsatzfragen führt, ob ein auf permanentes Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem bestand haben kann, gleich, ob export- oder konsumorientiert. An Kritikern des amerikanischen Wirtschaftssystems mangelt es nun wirklich nicht.

Mit diesem Eintrag beenden wir dieses Blog-Jahr, denn erfahrungsgemäß fällt die Zahl der Leser zwischen Weihnachten und Neujahr ins Bodenlose. Alle frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!


Drei Bemerkungen zu Waffengesetzen in den USA

Dezember 15, 2012

Angesichts des Massakers in Connecticut wird der eigentlich geplante Eintrag durch drei Hinweise zum Thema ersetzt:

Das Pew-Institute weist auf eine Studie hin, die zeigt, wie gespalten die USA bei dem Thema sind: Im Juli 2012 — und damit nach dem Überfall auf ein Kino in Colorado — hielten sich mit 46 zu 47 Prozent die Befürworter und Gegner von strengeren Gesetzen etwa die Waage.

Weiter gibt es Hinweise, dass eine Polarisierung in der öffentlichen Debatte stattfindet: Die “New York Times” berichtet heute, dass in den US-Medien neutralere Begriffe wie gun control zunehmend durch Begriffe wie gun violence und gun rights ersetzt werden. Im Language Log werden diese Ergebnisse kommentiert.

Schließlich werden in der deutschen Berichterstattung erstaunlich häufig die jüngsten Urteile des Supreme Court zu den Waffenrechten unterschlagen, insbesondere Columbia vs Heller (2008) und McDonald vs Chicago (2010). Zusammen bewirken sie (sehr grob vereinfacht) dass das Recht auf den Besitz einer Waffe den Status eines Grundrechtes ähnlich wie die Meinungsfreiheit hat. Der Ruf nach “strengeren Waffengesetzen” wäre damit eher ein Ruf nach einer Verfassungsänderung, für die es keine absehbare Mehrheit gibt.


Hawaii oder Hawai’i?

Dezember 3, 2012

Im vergangenen ZEUGS-Eintrag hatten wir über die zwei neuen hinduistischen und buddhistischen Abgeordneten im Kongress gesprochen, die beide aus Hawaii stammen. Eigentlich schreibt dieser Autor nicht gerne über die Pazifik-Insel, denn er kennt zu viele Leute, die nur nach Androhung von Gewalt aufhören zu erzählen, wie schön es da ist. Dinge, die man besonders im Berliner Spätherbst nicht hören will.

Daher behandeln wir in diesem Eintrag nur ein ganz winziges Stück Hawaii. Schauen wir uns diese Ankündigung zu einer Erweiterung von Civilization V an:

Kamehameha was the first ruler to unite all of the Big Islands of Hawai’i under his rule in 1791, and reformed many of the island’s laws to protect its people. Because of his strong rule and wise policies, Hawai’i remained an independent kingdom long after Kamehameha’s death in 1819.

Hier wird Hawaii plötzlich “Hawai’i” geschrieben, mit einem Apostroph zwischen den beiden “i”. Das ist kein Einzelfall. Schaut man sich bei den Amerikanern um, findet man ein fröhliches Mischmasch von Varianten mit und ohne den kleinen Fliegendreck. Wie heißt es denn jetzt richtig?

Zum Glück haben die USA eine schöne, große Bürokratie, die auch die Namen von Bundesstaaten, Inseln, Städten etc. regelt. Bei dem Geographic Names Information System (GNIS) des Innenministeriums erfahren wir nicht nur, dass der Bundesstaat “Hawaii” heißt (ohne Apostroph). Wir finden unter “Island of Hawai’i” (die übrigens die Identifikationsnummer 365308 trägt) folgende Liste mit der Überschrift Board on Geographic Names Decisions (umformatiert):

Island of Hawai’i – Board Decision – Official – 1999
Hawaii – Board Decision – Official – 1954
Hawaii – Board Decision – Official – 1914

Sprich, seit 1999 heißt die Hauptinsel offiziell nicht mehr “Hawaii” (ohne Apostroph), sondern “Hawai’i” (mit Apostroph). Der Bundestaat bleibt so, wie er war.

Allerdings werden die zwanghaften Googler unter den interessierten Lesern entdecken, dass es in der Praxis ziemlich durcheinander geht, selbst bei den offiziellen Quellen. Auf der Website des Bundesstaates steht dick und fett Official Website of the State of Hawai’i, mit Apostroph. Dagegen fehlt in der offiziellen Einführungsbroschüre [PDF] das Ding dann wieder und auf der offiziellen Touristen-Site herrscht das blanke Chaos. So einfach kann es also nicht sein.

Der tiefere Hintergrund: Es handelt sich eigentlich nicht um ein Apostroph, sondern um einen ‘Okina, ein besonderer Buchstabe des Hawaiischen, der einen stimmlosen glottalen Plosiv (eng. glottal stop) markiert.

(Damit ist die Verwendung des “‘” in diesem Blog eigentlich falsch, denn ein ‘Okina soll auf Computersystemen so dargestellt werden:

According to Unicode, the codepoint for ʻokina is Unicode character U+02BB MODIFIER LETTER TURNED COMMA ( ʻ )

Da aber dieser Text während seiner Entstehung mal unter Google Docs auf einem Samsung Chromebook und mal unter OS X auf einem MacBook Pro mit einer deutsch belegten Kinesis Freestyle US-Tastatur und TextEdit geschrieben wurde, bevor es in WordPress konvertiert wurde, bleibt dieser Autor bei dem, was er kennt, nämlich dem kleinen Zeichen auf der Taste mit dem #.)

Nun ist die Sprache Hawaiianisch vom Aussterben bedroht — je nach Quelle findet man Angaben von 3.000 bis 24.000 Kundigen unter den 1,3 Millionen Menschen auf den Inseln. Daher die Bemühungen, sie zu fördern, unter anderem, indem die örtlichen Schreibweisen übernommen werden. Und da heißt es eindeutig “Hawai’i” (mit ‘Okina).

Was wieder einfacher klingt als es ist. Da wären die Kosten der Umstellung, die nicht jeder Bürger einsieht. Schlimmer noch, die Hawaiisch-Sprachigen sind untereinander zerstritten. Die Älteren haben ihre Sprache ohne diese Zeichen gelernt und haben jetzt keine Lust, sie jetzt zu ändern:

And many of those old-timers continue to prefer that usage, said Malia Craver, a native speaker of Hawaiian who works with the Queen Lili’uokalani Children’s Center. “In the Hawaiian community, you have two groups. One is all for the new changes, and the other is not for the changes.”

Der Form halber sollten wir noch erwähnen, dass der ursprüngliche Name der Inseln auf Englisch ganz einfach war [PDF]: Die “Sandwich Islands”.


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