ZEUGS: Pfützen für Vampire, Zombies im Gemüsegarten und Urin in Golfschlägern

Juni 5, 2009

Nur kurz heute, denn die Briten waren sehr, sehr angestrengend …

  • Zum Wizard of Oz: Bekanntlich hat dieser Autor artig mit der Schönsten Germanin den chick flick Twilight geguckt, weil so etwas die Ehe glücklich hält. Kommt so ein erfolgreicher Film ohne den Kansas-Spruch aus? Natürlich nicht. Die naive Göre Hauptdarstellerin aus Arizona tritt in eine Pfütze, die dort so selten sind wie Ananas-Plantagen in Deutschland, und ist ganz erschrocken. Und was sagt der Vater?

    You’re not in Phoenix anymore

    Komischerweise scheint Star Trek ohne ausgekommen zu sein.

  • Zur Kriminalität: Der interessierte Leser DKS verweist auf die zehn sichersten Großstädte in den USA:

    New York, San Jose, Los Angeles, San Diego, El Paso, Honolulu, Denver, Boston, Las Vegas und Louisville

    Ja, New York. Allgemein geht die Gewaltrate in den USA zurück – nur in den kleinsten Städten des Landes steigt sie. Stephen King wusste es schon immer.

  • Zu seltsamen Monumenten: Eigentlich hatte dieser Autor einen Eintrag über die Georgia Guidestones machen wollen, ein mysteriöses Gebilde aus Monolithen, die mit klugen Sprüchen in mehreren Sprachen verziert sind. Aber Wired hat einen so wunderbaren Bericht über das “American Stonehenge” gemacht, dass er sich jetzt gar nicht mehr traut.
  • Zu crowned: Valve selbst soll auf Anfrage erklärt haben, die richtige Aussprache sei Crow Ned. Vermutlich ist das der Freund von Chicago Ted.
  • Zu pwnd, wenn wir schon mal dabei sind, bieten wir gleich zwei Links: Einmal den Text zu einem YouTube-Video über “dumme Europäer” (Hervorhebung hinzugefügt):

    Americans may be fat, as we showed you last week, but we didn’t want our European friends to feel left out. Here are our top 5 videos of people getting pwned across the pond.

    Und bevor es als “Killer-Spiel” verboten wird, weisen wir nochmal schnell auf Plants vs. Zombies hin, wo auf einem Grabstein Pwned! steht. Wer das lustig findet, sollte sich in seinem Garten vielleicht genauer umschauen.

  • Zu Büchern: Der Autor des Blogs Nothing for Ungut, in gewisser Weise das Gegenstück zu diesem Blog, hat ein Buch angekündigt.
  • Zu Pinkeln in der Öffentlichkeit: Über einen Twitter von Murrayde kommen wir zu einer Lösung für den Golfplatz [YouTube]. Eine Parodie? Wer weiß?

Left 4 Dead 2 und die korrekte Ausführung des Victory-Zeichens

Juni 2, 2009

Die Softwarefirma Valve hat einen Nachfolger für seinen erfolgreichen Zombieshooter Left 4 Dead angekündigt, der den einfallsreichen Namen Left 4 Dead 2 (L4D2) trägt. Veröffentlicht wurden schon ein (genre-typisch blutiger) Trailer und das erste Poster [JPG] mit dem Spruch

This time it all goes South

Wie fast jeder Text in der Serie ist das ein Witz: L4D2 spielt nicht nur in den Südstaaten, to go south bedeutet auch, dass etwas auseinanderfällt oder in die Hose geht. Das zweite Spiel soll nicht nur größer, intelligenter und schneller sein, sondern auch gloriously more gory, wie die Spieletester von Rock, Paper, Shotgun es beschreiben.

Entsprechend können wir davon ausgehen, dass die BPjM versuchen wird, das deutsche Volk vor der sozialethischen Desorientierung zu bewahren, die droht, wenn man Zombies mit einer Bratpfanne erschlägt. Beim ersten Teil wurde bekanntlich sogar das Titelbild der Verpackung retouchiert und damit das Wortspiel mit den “verbliebenen vier Fingern” zerstört. Daher sollten wir schnell den Witz auf dem neuen Cover [JPG] erklären, bevor es wieder von der Zensur zunichte gemacht wird. Das Thema stand eh auf der Liste.

Denn diesmal geht es um zwei Finger, die zu einem V ausgestreckt sind. Im Englischen wird allgemein vom V sign gesprochen, in Deutschland ist die Geste besser als “Victory-Zeichen” (oder neuerdings als “Ackermann-Zeichen”) bekannt.

Als solches wurde es von dem britischen Weltkriegs-Premierminister Winston Churchill berühmt gemacht. In den USA war es Präsident Richard Nixons Markenzeichen [JPG]. Allerdings ist die Situation bei den Amis etwas komplizierter, denn in den 60ern versuchte die Hippie-Bewegung, die zwei Finger als ein Friedens-Zeichen zu vereinnahmen. Entsprechend hängt dort die Bedeutung vom Zusammenhang ab.

Wie auch immer, die weltweite Verbereitung des V-Zeichens gehört zu den größten Erfolgen des angelsächsischen Kulturimperialismus. Selbst die ärgsten Feinde des Westens benutzen es.

Doch halt.

Es ist in angelsächsischen Ländern, insbesondere in Großbritannien, von entscheidender und manchmal für die eigene körperliche Unversehrtheit von kritischer Bedeutung, die Hand richtig herum zu halten. Um “Sieg” (oder “Frieden”) zu signalisieren, muss die Handinnenfläche nach außen zum Betrachter zeigen. Zeigt dagegen der Handrücken zum Betrachter – wie beim L4D2-Cover – ist es zwar immer noch ein V sign, aber jetzt eine schwere Beleidigung. Sie liegt etwa auf der Ebene des von Amerikanern bevorzugten flipping the bird, wie liebevoll der ausgestreckte Mittelfinger genannt wird.

Eine eindrucksvolle Demonstration des two-finger salute finden wir, wo sonst, bei Buffy, als der britische Vampir Spike in der Folge “Hush” zu verstehen gibt [JPG], dass er an der plötzlichen Sprachlosigkeit der Stadt keine Schuld trägt. Das zeigt uns, dass Amerikaner die Geste durchaus verstehen, auch wenn sie sie nicht anwenden, und dass sie selbst im FCC-überwachten Fernsehen zulässig ist. Die Briten werden dagegen richtig fuchsig, besonders wenn ihre Fußballspieler nicht an sich halten können.

Der Unterschied zwischen den Formen ist leider nicht allen Germanen klar. Das sieht man nach kurzer Suche auf Google Images mit den Stichworten “Victory Zeichen”. Der CDU-Politiker Christian Wulff macht es zum Beispiel zwar fast immer richtig, aber leider nur fast. Immerhin fällt das inzwischen Teilen der deutschen Presse auf.

(Ganz bizarr war eine Werbekampagne von Nike, wo zwar vom “weltweit bekannten Victory-Zeichen” die Rede ist, die Modelle es aber falsch herum zeigen: Der Fotograf Rankin war ein Brite. Hat er die Firma auf den Arm genommen?)

Während der Mittelfinger eine lange Tradition hat und angeblich als digitus impudicus auf die Antike zurückgeht, ist die Herkunft des V-Zeichens unklar. Eine im Internet und in viel zu vielen Medien wiederholte Erklärung hat mit der Schlacht von Agincourt im Jahr 1415 während des Hundertjährigen Kriegs zu tun. Die von ihrem tiefsten Wesen her bösen Franzosen sollen demnach den aufrechten
britischen Langbögen-Schützen [YouTube] gedroht haben, ihnen die Finger abzuschneiden, damit sie nie wieder eine Sehne ziehen könnten. Als die Briten einen überwältigenden Sieg errangen, sollen sie ihre Finger hochgestreckt haben – schaut her, wir haben sie noch.

Dass die Geschichte Quatsch ist, sieht man schon daran, dass die Amerikaner sie auch erzählen, allerdings für ihr Mittelfinger-Zeichen. Kurz, es gibt keine historischen Belege dafür. Angelsachsen mögen sie trotzdem, weil sie den Franzosen grundsätzlich alles Schlechte zutrauen. Außerdem sind sie immer noch sauer, den Krieg verloren zu haben: Bis heute ist das britische Staatsgebiet [JPG] auf dem Festland unter französischer Besatzung.

Bleibt die Frage, was in Deutschland mit dem neuen L4D-Cover passieren wird. Wird nur wieder der Daumen ergänzt? Oder wird man die Geste so erkennen, wie sie gemeint ist? Im November werden wir es wissen. Außer natürlich, das Spiel wird dieses Mal vorsichtshalber ganz verboten – und der Verkauf von Bratpfannen gleich noch dazu.


Tortillas und Analsex: Eine kulturbezogene Einführung in Pflanzenfett

Mai 29, 2009

Der interessierte Leser wird inzwischen mitbekommen haben, dass die Familie Stevenson eine eigene Nahrungskette hat: Die Schönste Germanin, eine begnadete Köchin, produziert erlesene Speisen, die dieser Autor, ein fleißiger Esser, dann konsumiert. Das ganze System ist wunderbar stabil.

Allerdings kommt es gelegentlich zu Ausreißern im Sinne von “wie, du wolltest selbst noch ein Stück Kuchen”, oder aber wenn es dieser Autor sich eines Abends in den Kopf setzt, dass man doch selbst Tortillas machen können müsste. Wie schwer kann das sein? Schließlich gibt es das Internet [YouTube, Rezept]!

Dazu muss man zunächst zwischen flour tortillas und corn tortillas unterscheiden. Wir erinnern uns, dass corn in den USA “Mais” heißt. Mais-Tortillas, so der erste Gedanke, sind viel authentischer, und Mais-Mehl gibt es auch in Deutschland, wenn auch zu horrenden Preisen.

Allerdings stellt sich schnell heraus, dass man Mais-Mehl der nixtamalization unterziehen muss, weil sonst die Nährstoffe nur teilweise zugänglich sind. Der Vorgang wurde von den Azteken entdeckt, benötigt aber trotzdem überraschenderweise nicht literweise Menschenblut, sondern die Lauge Kalziumhydroxid. Als Mais nach Europa und Afrika gebracht wurde, wurde das Verfahren nicht mitgeliefert – was wissen schon die blöden Wilden? – und so kam es zu Mangelernährung.

Gut, Mais-Tortillas sind vielleicht nicht ganz so trivial. Man kann in Nordamerika bereits behandeltes Maismehl kaufen, die masa harina. Aber das ist in Deutschland vermutlich völlig unbezahlbar und auch irgendwie geschummelt.

Beim Weizenmehl sieht es besser aus:

3 cups unbleached flour
2 tsp. baking powder
1 tsp. salt
4-6 Tbsp. vegetable shortening or lard
about 1 1/4 cups warm water

(Es gibt auch kleinere Portionen mit einem etwas anderem Rezept; insbesondere wird weniger baking powder benutzt.)

Das Problem mit den Maßeinheiten und dem baking powder haben wir in unserem Eintrag über Chocolate Chip Cookies behandelt. Aber was ist denn vegetable shortening?

Ah, erklärt die Schönste Germanin, das ist ein pflanzliches Fett aus Ölen der Sojabohne und der Baumwoll-Samen, das es so in deutschen Haushalten nicht gibt. Die Ehrenwerte Mutter – also, die Ehrenwerte Schwiegermutter – habe als Ersatz Palmin empfohlen, was Kokosfett ist. Laut Wikipedia ist shortening “ungehärtetes Pflanzenfett” und in Österreich als FriVissa im Handel. Der bekannteste Markenname in den USA ist Crisco, das es seit 1911 gibt.

Wenn sich jetzt der interessierte Leser, insbesondere der heterosexuelle Leser, fragt, woher plötzlich das alberne Gekichere kommt: Crisco hat in den USA einen Ruf als Gleitmittel. Nein, wir reden nicht von Rodelbahnen. In den 70er Jahren verdrängte es Vaseline in der homosexuellen Subkultur:

In fact, Crisco was so synonomus with gay sex that discos and bars around the world took on the name, such as Crisco Disco in New York City, which was one of the premiere clubs during the 1970s and early 1980s. Other clubs or bathhouses, such as Club Z in Seattle, even featured murals with Crisco. Thus, Crisco was conversely also one of many things that led to the formation of gay identities during the 20th century.

In diesem Zusammenhang wird gerne auf einen Werbespruch von Procter & Gamble hingewiesen: It’s digestible.

Seit dem Ausbruch von Aids wird allerdings vor der Verwendung von Crisco gewarnt, denn die Öle greifen Latex-Kondome an und machen es damit unsicher. Trotzdem, der Ruf ist etabliert, und so sollte man in den USA vorsichtig sein, wenn der Name auftaucht: Meist ist ein Witz nicht weit.

Schön und gut, aber was ist jetzt mit den Tortillas? Mit Kokosfett klappt es wunderbar, wenn man genug davon verwendet, die Pfanne richtig heiß ist und man die Dinger dünn genug macht. Es ist nicht schwer, aber schon eine Menge Arbeit, besonders wenn man nicht über Spezialgeräte wie eine tortilladora oder einen comal verfügt. Kein Wunder, dass die normale Hausfrau sich die Dinger im Supermarkt holt.

Was die Schönste Germanin natürlich von Anfang an vorgeschlagen hatte …


Eierköpfe und Raketenwissenschaftler

Mai 26, 2009

Am Sonntag sind dieser Autor und die Schönste Germanin ausnahmsweise vor dem Fernseher versackt und haben Navy CIS geguckt. Kaum eine Serie verdeutlicht mehr, dass Übersetzen die Hölle ist, schon allein weil die Synchronisatoren ständig mit den Wortspielen um die israelische Austausch-Agentin Ziva David zu kämpfen haben, die ihrerseits mit den amerikanischen Sprachbildern ringt:

David: Ducky, drip it!
“Ducky” Mallard: Do you mean “drop it” or “zip it”?
David: Argh, American idioms drive me up the hall!
“Ducky” Mallard: Well actually it’s … never mind.

Ducky ist ein Brite, was die Sache natürlich noch witziger macht.

Dieses Mal war es ein Dialog zwischen dem Technik-Wunderkind Timothy McGee und dem draufgängerischen Frauenheld Anthony DiNozzo, der in der deutschen Version nicht funktionierte. Nachdem McGee wieder etwas kluges gesagt hat, guckt sich DiNozzo seinen Kopf mit übertriebener Genauigkeit an und sagt dann etwas wie:

Dein Kopf hat tatsächlich Ei-Form.

Der Witz an dieser Stelle basierte darauf, dass intelligente Leute in den USA eggheads genannt werden, oft abwertend. Das kennen die meisten Deutschen nicht. Einige schon – wobei dieser Autor den Verdacht nicht los wird, dass es eingeschleppt wurde.

Der interessierte Leser denkt jetzt natürlich sofort an Folge elf der vierten Staffel von Buffy, “Doomed”, wo die böse Sportskanone Percy über unsere liebste Hexe Willow sagt:

She’s just some egghead who tutored me a little in high school. I mean, she’s nice, but come on, captain of the nerd squad.

Offenbar meinte er es mit dem Apfel doch nicht so ernst. Das wirklich Wundersame an dieser Szene ist allerdings, dass die deutsche Text- und Ton-Synchronisation auf der DVD ausnahmsweise so gut wie gleich sind. Ton:

Die kleine Streberin hat mir in der High School ein bisschen geholfen.

Text:

Das ist eine Streberin. Hat mir mal auf der High School geholfen.

Uns hilft das für Navy CIS dagegen gar nicht, denn “Streber” passt nicht: Ein Streber muss nicht intelligent sein und ein kluger Kopf nicht strebsam. Hier ist etwas mehr Kreativität gefragt – “Dir kommt die Intelligenz ja aus den Ohren” vielleicht.

Während wird dabei sind: Sprichwörtlich kluge Leute sind rocket scientists. Nehmen wird als Beispiel für die Country-Freunde unter den interessierten Lesern Shania Twains Lied “That Don’t Impress Me Much”:

Okay, so you’re a rocket scientist
That don’t impress me much
So you got the brain
But have you got the touch

(In dem Lied erfahren wir auch, was David statt hall hätte sagen sollen) Meist wird das Bild allerdings im negativen Sinn verwendet, also it isn’t rocket science, sprich, stell’ dich nicht so an.

Damit leiten wir zu gleich zwei Einträgen über, einmal zu nose art, bei dem der echte Raketenwissenschaftler Wernher von Braun eine Rolle spielen wird, und einmal zu einem Haufen Nasa-Sprüche, die dieser Autor auf der Platte wiedergefunden hat. Wenn er sich bis dahin von der Couch aufraffen kann.

[Ergänzt 27. Mai 2009: Teilweise in Deutschland bekannt, zuerst Hinweis von GR, vielen Dank. Hinweis aus "Streber" als falsche Übersetzung ungeschrieben]


ZEUGS: Nicht-schwule Nasenkunst, Satanismus bei Google und Waffen-Blogger

Mai 22, 2009

Laut den Statistiken von WordPress sind die interessierten Leser von nose art fasziniert, sprich, von halbnackten Frauen auf Kampfflugzeugen. Es ist doch immer wieder schön, wenn sich Leute für Geschichte begeistern. Hier liegen noch einige Links zu dem Thema herum, die wir in den kommenden Tagen zu einem kurzen Eintrag mit etwas mehr Hintergrund zusammenbauen können.

  • Zu Nose Art: Zum Beispiel können wir an den Pin-Ups sehen, wie sich die Sprache verändert hat, denn bei “Gay Caballeros” hat gay sehr offensichtlich nicht die Bedeutung “schwul”, sondern “fröhlich”. Der Name stammt von dem Disney-Zeichentrickfilm Saludos Amigos, die Zeichnung eher nicht. Die Maschine selbst ist ein B-17 Bomber und wurde ab 1943 über Deutschland eingesetzt.
  • Zu Rosie the Riveter: Es wurden etwa 12.700 B-17 gebaut. Entsprechend sieht man in den Berichten über die amerikanische Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg oft Fotos von Frauen, die den Rumpf oder die Glasnase des Bombers zusammensetzen. Die inzwischen in Deutschland wohl bekannteste “Rosie”, Madelyn Dunham, gehörte nicht dazu: Die Großmutter von Barack Obama montierte B-29 für den Krieg gegen Japan. Der aufmerksame interessierte Leser wird bemerkt haben, dass Obama trotzdem bei seiner Rede in Berlin im Juli 2008 seinen sonst üblichen Hinweis auf ihren Militärdienst taktvoll ausließ.
  • Zu geographischen Begriffen: Der Twitter-Account von Amber Benson – Autorin und Buffy-Fans als Tara bekannt – lieferte jüngst einen lustigen Einblick in die regional unterschiedlichen Vorstellungen von “Westen” und “Osten”. Der erste Tweet lautete:

    3 East Coast “Death’s Daughter” Book Signings in late June! Boston, Chicago and New York City! More info to come :)

    Woauf es offenbar empörte Proteste ihrer Verfolger aus Chicago gab, denn eine Stunde später kam die Entschuldigung:

    Sorry, guys. I’m from LA. Anything past Nevada is East to me. I stand corrected.

    Das I stand corrected ist eine festgelegte Wendung.

  • Zu Netfahcstob ehcsinatas: Dinge in rückwärts abgespielten Liedern zu hören, das ist so out. Im 21. Jahrhundert entdeckt man die Anspielungen in Googles Logos. Es sind auch nicht mehr nur radikale Christen, sondern auch beleidigte Muslime, die wissen wollen, warum da mit den Schneemännern Jesus gelobt wird. Oder so.
  • Zu Mais und Transition Towns: Was wird in den USA am häufigsten angebaut? Rasen, sagt eine Nasa-Mitarbeiterin:

    “I estimate there are three times more acres of lawns in the U.S. than irrigated corn.” This means lawns—including residential and commercial lawns, golf courses, etc—could be considered the single largest irrigated crop in America in terms of surface area, covering about 128,000 square kilometers in all.

    Das entspricht grob der Größe Griechenlands. Die Peak-Oil-Leute wollen errechnet haben, dass man mit zwei Dritteln der Fläche die ganze USA ernähren könnte. Aber Hände weg von den Football-Stadien!

  • Zum Waffenrecht: Die Zeitung “Christian Science Monitor” hat einen Bericht über den zunehmenden Einfluss von gun bloggers, der mehrere interessante Punkte enthält. Da wäre das Eingeständnis der Waffengegner, dass die Befürworter einer liberalen Rechtslage in der Diskussion die Oberhand gewinnen. Kein Wunder bei diesen Zahlen:

    Gun control groups have roughly 150,000 members in the US while gun rights advocates number closer to 12 million, with perhaps as many as 80 million Americans owning some 200 million firearms.

    Interessant ist aber auch, dass der Aufstieg der Blogs bedeutet, dass die Waffenlobby NRA etwas die Kontrolle verloren haben soll.

  • Zum Christian Science Monitor: Da der Name schon mal in Deutschland den falschen Eindruck erweckt: Beim CSM handelt es sich nicht um ein Hetzblatt fanatischer Evolutionsgegner, auch wenn sie von einer christlichen Gruppe mitfinanziert wird, sondern um eine angesehene Zeitung. In den etwa 100 Jahren ihres Bestehens hat sie sieben Pulitzer-Preise erhalten. Der CSM ist für einen sehr offenen Umgang mit dem Internet bekannt und wechselte im April 2009 als erstes US-Blatt auf ein Webformat als Hauptform. Das alles hindert die Redakteure nicht daran, auch unverschämten Unfug zu drucken.
  • Zu Umgangsformen und den kleinen weißen Lügen: Unter sieben Empfehlungen für Smalltalk schreibt Gretchen Rubin:

    React to what a person says in the spirit in which that that comment was offered. If he makes a joke, even if it’s not very funny, try to laugh. If she offers some surprising information (”Did you know that one out of every seven books sold last year was written by Stephanie Meyer?”), react with surprise.

    Genau dieses Beispiel dürfte die Schönste Germanin vor große Schwierigkeiten stellen … nur eins von sieben? Nie!


Wie das Internet das Vorurteil vom prüden Amerikaner tötete

Mai 19, 2009

Heute wollen wir einem sterbenden Vorurteil den Gnadenstoß geben: Die Vorstellung, dass der Amerikaner an sich prüde ist. Eigentlich hatte dieser Autor vor, die Idee einfach verrecken zu lassen, denn er wird kaum noch darauf angesprochen. Aber ein kultureller Unterschied muss erklärt werden, denn er ist es wohl, der als Prüderie fehlgedeutet wird und den Irrlauben wie einen verwundeten Zombie durch Deutschland taumeln lässt. Nehmen wir dieses Zitat einer amerikanische Austausch-Studentin, unkommentiert (und damit Regel-2-konform) veröffentlicht auf Spiegel Online:

Einer meiner ersten Eindrücke von Deutschland war shocking, aber doch irgendwie repräsentativ. Als ich in der ersten Nacht hier den Fernseher anmachte, flimmerten halbnackte Frauen über den Bildschirm. Daneben war eine Telefonnummer eingeblendet, damit Männer diese Mädchen anrufen. [...] Wo bitte war ich hier gelandet?

Wenn wir erklärt haben, warum die sonst offenbar lebenslustige junge Dame (die germanische Jugendliche beim Thema Beziehungen “unlocker” findet) in dieser Situation geschockt ist, hört hoffentlich auch das letzte Kratzen am Sargdeckel auf. Der erfahrene Leser ahnt, dass hier wieder eine unserer groben Faustregeln droht.

[Wir sollten betonen, dass dieser Autor für den Inhalt gelinkter Websites keine Haftung übernimmt. Auch wenn er sich um zahme Links bemüht und auf einen besondern ganz verzichtet hat, will man einige Seiten vielleicht nicht auf der Arbeit aufrufen. Kinder sollten heute wo ganz anders hingehen.]

Die Vorstellung vom prüden Ami war natürlich schon immer albern, wie man sich nach unserer Besprechung des First Amendment denken kann. Es ist nicht nur wegen der erotischen Literatur. Statistiken über die Größe der Porno- und Erotikindustrie kommen oft aus nicht objektiven Quellen und leiden unter schlampiger Recherche, denn es

is an industry where they exaggerate the size of everything

Aber soweit das jemand überhaupt sagen kann, sind die USA der größte Video-Produzent der Welt und beim Umsatz immerhin auf Platz vier (hinter China, Südkorea und Japan). Die bekanntesten Erotik-Marken wie Playboy stammen aus den USA. Ein stetiger Strom amerikanischer sex bombs beglückt seit Jahrzehnten die Welt, darunter Bettie Page [nervige Musik], Marilyn Monroe oder heutzutage Dita von Teese, die jüngst zur Förderung des germanischen Liedgutes nach Europa eingeflogen wurde (erfolglos).

Amerikaner machten nebenbei aus dem pin-up so etwas wie eine Kunstform. Das wurde in Deutschland zuerst nicht gewürdigt – Betty Grable ist hierzulande trotz How to Marry a Millionaire wenig bekannt – vermutlich weil man damit beschäftigt war, auf die entsprechend verzierten Flugzeuge zu schießen. Die US-Luftwaffe ist in diesem Punkt zurückhaltender geworden und lässt jetzt nicht mehr zu, dass die Besatzungen “Annie Freeze” [JPG] (oder gar “Ass Bandits” [JPG]) auf ihre Flugzeuge malen. Bei einem Stückpreis von knapp einer Milliarde Dollar pro B-2-Bomber ist das vielleicht auch besser so.

Unglücklich waren während des Kriegs aber auch die Briten, oder genauer, die britischen Männer. Sie klagten, die auf der Insel stationierten US-Soldaten seien

oversexed, overpaid and over here

Die Antwort der Amerikaner lautete, dass die Briten undersexed, underpaid and under Eisenhower seien. Ist da etwas dran? Keine Ahnung. Aber wir können festhalten, dass der Vibrator in Großbritannien erfunden wurde.

(Amerikaner finden es übrigens bezeichnend, dass der Push-Up-BH aus Kanada kommt, während die Kanadier gerne im Gegenzug betonen, wie gut er sich in den USA verkauft. Das nur am Rande.)

Nun muss man mit dem ganzen Zeugs ja auch etwas anfangen. Als der deutsche Frauenarzt Ernst Gräfenberg vor den Nazis fliehen musste, nahmen die USA ihn auf und machten aus seinem “Gräfenberg-Ring” die heutige T-förmige Spirale. Das Verfahren war aber irgendwie noch nicht ideal, und so machten sich die Amerikaner ab Anfang der 50er daran, die Anti-Baby-Pille zu erfinden. Die Einführung 1960 hatte die bekannten gesellschaftlichen Folgen. Dazu gehören im weitesten Sinne auch unprüde Dinge wie der Summer of Love 1967.

Bis dahin hatte der amerikanische Insektenforscher Alfred Kinsey bei der ersten großangelegte wissenschaftlichen Untersuchung des Sexualverhaltens nachgeschaut, was Menschen wirklich im Bett treiben. Der britische Auswanderer Alex Comfort schrieb mit dem Bestseller Joy of Sex 1972 das bekannteste nicht-klinische Sex-Handbuch seit dem Kama Sutra, damit jeder wusste, was sie noch einüben mussten. Kurz vorher hatte ein Kollektiv von Feministinnen den einflussreichen Leitfaden Our Bodies, Ourselves herausgebracht, der sich (unter anderem) mit Sex aus weiblicher Sicht beschäftigte.

Playboy, riesige Sex-Studien, die Pille – das klingt alles nicht nach prüde. Vielleicht passt das Wort besser auf ein Land, in dem Gerichte gegen Peepshows vorgehen, bei Sportlern die Rückennummer 69 verpönt ist und noch vor kurzer Zeit mehrere Bundesminister ein Verbot sämtlicher Pornografie anstrebten. Überhaupt: Wer pon farr zum “Weltraumfieber” umdichtet, sollte mit dem Vorwurf der Prüderie sehr, sehr zurückhaltend sein.

Und trotzdem.

Wenn ein deutscher Tourist in den USA durch die Stadt schlendert, eine Zeitung aufschlägt, Werbung im Fernsehen guckt oder sich die nun wirklich reichlich vorhandenen Werbeplakate anschaut, am Strand entlanggeht oder im Freibad sitzt, fällt ihm früher oder später ein Unterschied auf: In den USA sieht man in public – im “öffentlichen Raum” – keine Nackten. Wer das “Ruf! Mich! An!” aus dem deutschen Fernsehen, die Aussicht an französischen Stränden oder die Seite drei britischer Zeitungen gewohnt ist, wird stutzen. Wo ist das ganze nackte Fleisch?

Versteckt. Denn es gibt einen kulturellen Unterschied zwischen den USA und Westeuropa, den wir uns etwa so merken können:


Öffentliche Nacktheit ist in Amerika dort verpönt, wo Kinder sie sehen könnten.

Das ist mal wieder eine unserer groben Regeln mit vielen Ausnahmen. Zum Beispiel: Auch in den USA gibt es eine FKK-Bewegung, die stolz ihre Wurzeln bis zu Benjamin Franklin zurückverfolgt, der jeden Morgen ein “Luftbad” nahm.

Aber als Faustregel erklärt sie, warum Amerikaner ohne einen eigenen Garten trotz endloser Strände und viel Sonne Bikini-Streifen haben, wieso in einem Land, in dem es faktisch keine Zensur von Pornografie gibt, die Mädchen von Bild undenkbar wären oder warum einer aufgeschlossenen Austausch-Studentin unwohl dabei ist, wenn im unverschlüsselten Fernsehen für Sex-Hotlines geworben wird. Damit wird klar, warum der Amerikaner beim Umziehen im Freibad unglaublich umständlich mit seinen Handtüchern herumfummelt, während der Germane sich bestenfalls von der Masse wegdreht, bevor er seine Badehose fallenlässt. Man versteht besser, warum aus Kinder- und Jugendfilmen jeder überflüssige Hautfetzen gnadenlos ausgemerzt wird.

Wichtig ist das “könnten” – Amerikaner verhalten sich auch gerne so, wenn kein Kind in unmittelbarer Nähe ist. Wie gesagt, es ist eine grobe Regel für einen komplizierten Sachverhalt, aber eine nützliche.

Ist sie denn logisch? Nö. Deutsche können diese kulturelle Eigenheit mit einer gewissen Berechtigung als einen leicht hysterischen Zug sehen, so lange sie das Phänomen nicht mit Prüderie verwechseln. Es ist halt das Gegenstück zu der deutschen Haltung zu Gewaltdarstellungen, die bekanntlich nicht einmal die Österreicher nachvollziehen können. Es besteht jeweils ein tief verwurzelter gesellschaftlicher Konsens, der wenig mit Politik oder Religion zu tun hat und vielen überhaupt nicht bewusst ist, bis sie mit den Regeln einer fremden Kultur konfrontiert werden. Die Experten in den USA wie in Deutschland halten die jeweilige Einstellung ohnehin für Blödsinn.

Kennt man die Regeln und hat man wie dieser Autor einen gewissen Hang zum interkulturellen Sadismus, kann man viel Spaß haben. US-Bekannte, die sich allzu demonstrativ weltoffen und liberal geben, führt er gerne an deutschen Zeitschriftenläden vorbei, was ihnen plötzlich sehr, sehr unangenehm wird. Deutsche reagieren dafür gar nicht gut auf Diskussionen über Kindergeburtstage auf dem Paintball-Platz, obwohl das zum Beispiel für Briten, Franzosen, Niederländer und Schweizer kein Problem ist. Komisch.

Das Vorurteil vom prüden Ami hatte in Deutschland noch andere Ursachen. Da wäre die selektive Darstellung der amerikanischen Geschichte in der Schule mit einer Betonung der Puritans in Massachusetts. Natürlich sind die Leute schon wegen Thanksgiving wichtig. Aber von ihnen auf die Geisteshaltung aller Kolonialisten oder gar der ganz späteren USA zu schließen, ist albern. Bei den Cavaliers in Virginia ging es ganz anders zu:

The Virginia Cavaliers did not see gambling as just a game of dice, but as a way of seeing clues into their futures; much like the way a soothsayer might use his bones. Fortune ruled the lives of Virginian men — they kept records and books for good luck in marriage, sex, love, health, and travel.

Würfelspiele als frühkoloniales Sex-Horoskop stehen erfahrungsgemäß selten in deutschen Lehrplänen. Zudem wird die eigentliche Moral aus der Geschichte der Mayflower-Bande in der Schule oft übersehen: Ihr Projekt einer frommen city upon a hill scheiterte.

Einen gehörigen Teil der Schuld tragen auch die deutschen Medien mit ihrer Begeisterung für religiöse Fanatiker in den USA. Die sind im Sinne einer freak and monster show halt interessanter als, sagen wir mal, die amerikanischen Atheisten. Das ist normales Medienverhalten, wie umgekehrt die Amerikaner vorwiegend von Deutschen hören, die ihre Kochkünste am Penis einer Internet-Bekanntschaft ausprobieren.

Dass es in den USA sonderbare Glaubensgemeinschaften gibt, ist unbestritten – eine andere Folge konnte die jahrhundertelange religiöse Verfolgung auf der einen Seite des Atlantiks und der radikale Schutz der Glaubensfreiheit auf der anderen kaum haben. Wir können diese Leute auch getrost prüde nennen, schon allein weil sie es selbst tun. Aber sie sind nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Oder anders: Sie sind genauso repräsentativ wie die Teilnehmer am Folsom Street Fair, ein jährliches Straßenfest in San Francisco. Der interessierte Leser – der erwachsene interessierte Leser, der diesen Eintrag nicht auf der Arbeit liest, wohlgemerkt – mag sich die Fotostrecke von Zombietime dazu ergooglen. Ja, die Leute machen das auf offener Straße. Seit 25 Jahren.

(Moment, was ist mit den Kindern? Eltern werden am Eingang des Festes ausdrücklich vorgewarnt. Formell findet es also an einem Ort statt, wo die Blagen nicht einfach hereinlaufen können. Einige Teilnehmer nehmen ihre Kinder trotzdem mit, denn vom Gesetz her ist es die Entscheidung des Erziehungsberechtigten und nicht des Staates. In diesem – bewusst extremen Beispiel – beißt sich die juristische Lage mit den kulturellen Vorgaben, weswegen es darüber lautstarken Streit gibt.)

Und am Ende dieses Eintrags haben wir Link für Link für Link demonstriert, warum das Vorurteil über den prüden Amerikaner stirbt: Das Internet. Selbst wer sich nicht der, äh, Eigenrecherche widmet, kann es beim surfen kaum vermeiden, eine Seite der USA zu sehen, die damit nicht vereinbar ist. Serien wie Sex and the City haben ebenfalls dazu beigetragen. In diesem Blog darf natürlich nicht der Hinweis auf Buffy fehlen, wo die Hauptdarstellerin der (angeblichen) Teenie-Serie ständig mit Untoten ins Bett steigt, wenn sie nicht gerade rassenübergreifenden Lesben-Sex hat. Allerdings bleibt bei der Vampirjagd der Ausschnitt zu, versteht sich.

Wir können das Thema hiermit hoffentlich endgültig zu Grabe tragen – und mit Bedauern feststellen, dass die Bikini-Streifen beim US-Besuch kaum zu vermeiden sind.

[Danke an DKS für den Hinweis auf die Cavaliers]


META: Einige Bemerkungen zu meinem Twitter-Account

Mai 14, 2009

Einige interessierte Leser werden bemerkt haben, dass die Schönste Germanin jetzt einen Twitter-Account hat. Ganz findige Leser werden auf der Liste ihrer followers (dt. “Verfolger”?) einen gewissen “scotstevenson” entdeckt haben. Ja, ich bin jetzt auch bei Twitter. Und so sehr es mich ehrt, dass sich sofort einige Leute als meine Verfolger eingetragen haben, möchte ich niemanden enttäuschen: Der Account ist eigentlich zum lesen und nicht zum schreiben.

Denn nach einigen Tagen Erfahrung mit dem Dienst muss ich feststellen, dass mein Leben leider nicht aufregend genug ist für Twitter. Als Aufenthaltsort müsste dort ständig in front of a computer und als Tätigkeit writing stuff stehen. Die lustigen Familien- und Dorfgeschichten übernimmt die Schönste Germanin, die so was ohnehin besser kann. Zu USA Erklärt wird da erstmal nichts stehen: Im Moment kämpfe ich ja noch mit der “alten” Technologie E-Mail.

Das soll nicht heißen, dass Twitter nicht eine wundbare Sache ist. Als space geek verfolge ich mit großem Gewinn die Tweets der Nasa und wusste daher genau, wann ich für den Start der “Atlantis” auf den Nasa-Stream wechseln musste. Das Geschimpfe von Trent Reznor über missglückte Konzerte und nervige Fans ist unterhaltsam. Was man mit dem Dienst wirklich machen kann, zeigt Eliza DushkuBuffy-Fans als Faith bekannt – bei einer Charity-Reise durch Uganda, die sie (oder ihr Twitterer) in kleinen Texthäppchen und vielen Bildern dokumentiert. Und schließlich ist Twitter wunderbar, um seinen Server zu überwachen.

Sollte ich irgendwann auch Raumschiffe ins All schicken, berühmter Rock-Musiker werden oder mich um Kindersoldaten kümmern, werde ich ernsthaft twittern. Sollte mir einfallen, wie ich mit 140 Zeichen sinnvoll einen Aspekt der USA erklären kann, werde ich das hier bekanntgeben. Bis dahin verweise ich auf interessantere Leute als Twitter-Targets.


META Blogpause bis zum 19. Mai 2009

Mai 5, 2009

Pünktlich zum neuen Star Trek-Film hat dieser Autor beim herumräumen im Keller ein Poster aus seiner Jugend, nein, Kindheit wiedergefunden: Die USS Enterprise NCC-1701 aus dem ersten Film von 1979. Die ist bekanntlich fast baugleich mit der NCC-1701-A aus dem vierten Film von 1986, von dem man die spätere Version des Posters [JPG] von David Kimble im Internet findet. Die Ehrenwerte Mutter erinnert sich auch daran, wie sie einen gewissen elfjährigen Jungen unter Missachtung der Altersfreigabe zum ersten Film ins Kino schmuggelte – die besten Eltern der Welt halt. Dieser Autor erinnert sich, die Nacht vorher vor Aufregung keine Minute geschlafen zu haben.

So schlimm ist es diesmal nicht. Trotzdem werden wir den Anlass nutzen, um eine zweiwöchige Blogpause bis

Dienstag, dem 19. Mai 2009

einzulegen, weil mal wieder alle möglichen Dinge geregelt werden müssen, von E-Mail über Baumaßnahmen im Wohnzimmer zu der Diskussion mit der Schönsten Germanin, an welche Wand ein 30 Jahre altes Poster hinkommt und wie teuer der Rahmen sein darf.

Der nächste Eintrag wird sich mit dem Vorurteil beschäftigen, dass Amerikaner prüde sind, welcher kulturelle Unterschied es förderte und warum das Internet es beseitigt hat.

[Korrigiert 8. Mai 2009 : Poster ist vom ersten Kinofilm, aber das gelinkte Bild ist von der NCC-1701-A aus dem vierten. Problem erkannt von AE, vielen Dank.]


Der Name “Columbia” (und einige Bemerkungen zu Star Trek Enterprise)

April 30, 2009

Da dieser Autor böse auf Buffy ist, muss er sich andere Unterhaltung suchen. Auf Drängen des interessierten Lesers MLJ hat er sich mit einigem Bauchgrummeln dazu entschlossen, Star Trek: Enterprise eine zweite Chance zu geben. Bekanntlich ist das die Serie, bei der die Produzenten Rick Berman und Brannon Braga ihre volle Verachtung für die Vision und die Ideale von Gene Roddenberry auslebten und die Franchise so an die Wand fuhren, dass der für den 8. Mai angekündigte Film von J.J. Abrams eigentlich den Untertitel It’s not dead yet, Jim tragen müsste.

Aber MLJ bestand darauf, dass zumindest die vierte und letzte Staffel von STE gut sei. Und so weiß dieser Autor jetzt, dass das Schwesterschiff der Enterprise (NX-01) Columbia hieß. Nun, wie auch sonst bei einer amerikanischen Serie.

“Columbia” findet man in den USA überall: Die Columbia University, dem Regierungsbezirk District of Columbia, dem Fluss Columbia, diverse Kriegsschiffe und natürlich bei der verunglückten Raumfähre. Die Liste in der Wikipedia ist lang. Dass sich der Name von Christopher Columbus ableitet, ist klar und wäre hier nicht eine Erwähnung wert.

Allerdings ist in Deutschland weniger bekannt, dass “Columbia” lange Zeit als ein poetisches Synonym für die USA benutzt wurde, ähnlich wie Albion lyrisch für England steht.

Die Engländer waren auch diejenigen, die es eingeführt haben. Die erste Nennung – damals noch in Bezug auf die Kolonien – fand 1739 in der Zeitschrift “Gentleman’s Magazine” statt und diente dazu, die Zensur zu umgehen: Die Briten waren mit der Demokratie noch nicht ganz so weit, und es war verboten, über Sitzungen des Parlaments zu berichten. Man behalf sich mit “Berichten über den Stand der Dinge in Lilliput” und benutzte dazu einen erweiterten Satz von Namen aus Gullivers Reisen. Deutschland war übrigens “Allemanu”.

Der Spitzname überstand die Revolution. Das Lied “Hail Columbia” war lange Zeit eine der vielen Pseudo-Nationalhymnen der USA, bis die richtige kam. Mitte des 19. Jahrhunderts gesellte sich “Columbia, the Gem of the Ocean” [Vorsicht, Heimorgelmusik] dazu:

O, Columbia! the gem of the ocean,
The home of the brave and the free,
The shrine of each patriot’s devotion,
A world offers homage to thee.
Thy mandates make heroes assemble
When Liberty’s form stands in view;
Thy banners make tyranny tremble

Hier haben wir wieder das poetische thy.

Es gab auch eine personifizierte Columbia. Wie es sich für das 18. Jahrhundert gehört, wurde sie in Anlehnung an die griechisch-römische Kunst oft (aber nicht immer) als Frau im Bettlaken dargestellt. Das kennen wir von ihren Freundinnen Justitia, Marianne und Britannia [JPG]. Frau Germania [JPG] ist da wohl eher eine entfernte Cousine.

Das Motiv kennen wir auch von dem Sinnbild der Freiheit, die bei den Amerikanern als Lady Liberty als Teil der Freiheitsstatue Schiffe begrüßt und bei den Franzosen als La Liberté die Barrikaden [JPG] stürmt. Ein Unterschied besteht darin, dass Frau Freiheit in Frankreich zu wardrobe malfunctions neigt.

Der letzte große Auftritt von Columbia war im Ersten Weltkrieg, als sie Rekrutierungsposter zierte. Dort tauchte auch schon der Mann auf, der sie inzwischen verdrängt hat: Uncle Sam [JPG]. Ein Grund dürfte sein, dass Sam mit seinem übertrieben ernsten Gesichtsausdruck und leicht tölpelhaften Benehmen eher den Bedürfnissen amerikanischer Zeichner entgegenkommt als eine übernatürliche Frau, die Schwärmerei inspirieren soll. Wie soll man da ausreichend zynisch sein?

Auch die Südamerikaner dürften eine Mitschuld am Niedergang von Columbia haben. Im Jahr 1819 sagte sich der nordwestliche Teil des Kontinents von Spanien los und wurde zu Gran Colombia, aus dem Ecuador, Panama, Venezuela und das heutige Colombia hervorgingen – Kolumbien.

Man beachte die Schreibweise: Im Englischen und (wichtiger) im Spanischen heißt das Land Colombia mit “o”, im Gegensatz zu Columbia mit “u”. An den Germanen gingen dummerweise die Feinheiten der Namensgebung in der Neuen Welt vorüber, und so trägt der Staat in Südamerika im Deutschen jetzt den Spitznamen der USA. Bevor man sich um “US-amerikanisch” Sorgen macht, sollte das vielleicht zuerst behoben werden.

Und wie ist Star Trek Enterprise jetzt? Zumindest bei der vierten Staffel scheinen die Autoren sich tatsächlich zusammengerissen zu haben. Es fehlt der Anspruch von Next Generation, aber zumindest die Spannung und der Humor ist da.

Einen Rat nur: Die letzte Folge ist katastrophal und man versteht sofort, warum sie Schauspieler und Fans rasend gemacht hat. Der interessierte Leser tut gut daran, nach “Terra Prime” die DVD aus dem Player zu nehmen und so zu tun, als hätte es “These are the Voyages” nie gegeben. Denn wer waren die Autoren? Berman und Braga. Natürlich.

[Korrigiert 11. Juni 2009: "Adams" ist eigentlich Abrams", zuerst gesehen von AT, vielen Dank]


ZEUGS: Die USA sollen weiß werden, Obamas Morde und die Stargate-Synchro

April 25, 2009

Da der pädagogische Gemüsegarten im Moment eher eine Einladung zur Wasserschlacht ist, macht dieser Autor mit Kind Nummer Eins Experimente zum Thema Solarenergie. Dazu wurde eine Wasserflasche schwarz und eine andere weiß gespritzt und beide in die Sonne gesetzt. Und siehe da: Das Wasser in der schwarzen Flasche war am Abend wärmer, sehr viel wärmer sogar.

Allerdings gibt es auch hier einen fragwürdigen Aspekt: Der Nachwuchs kann jetzt mit einer Spraydose umgehen. Oops.

  • Zum Energieverbrauch: Wie auch immer – eine einfache Lösung, den Energieverbrauch von Klimaanlagen zu senken, besteht darin, das Dach des zugehörigen Hauses weiß zu streichen. Befürworter halten das für effektiver als Solarzellen im Kampf gegen die Klimaerwärmung:

    [F]or the same $1,000 investment you could buy one square meter of photovoltaic cells, or cover 2,000 square meters with white paint. It would take more than 2,000 times 25 days, or about a century, for the CO2 mitigation from $1,000 of solar panels to catch up with the albedo increase of a large painted roof!

    (Albedo ist ein Maß für die Reflexionsfähigkeit von Gegenständen) Entsprechend fragen jetzt einige Leute, warum der Kongress nicht etwas Geld für weiße Farbe locker macht, wenn er es schon mit vollen Händen ausgibt. Für eine Milliarde Dollar, so das Argument, kriegt man sehr, sehr viele Farbeimer.

  • Zur Meinungsfreiheit und Prominenten: Ein kritischer Bericht über die Zurückhaltung der US-Medien nach dem von Präsident Barack Obama verübten Doppelmord zeigt wieder, was erlaubt ist. Wie, nichts von der brutalen Bluttat gehört? Kein Wunder:

    So far, the president’s double-homicide has not been covered by any major news outlets. The only two mentions of the heinous tragedy have been a 100-word blurb on the Associated Press wire and an obituary on page E7 of this week’s edition of the Lake County Examiner.

    Vielleicht sollten wir erwähnen, dass der Bericht in der Satirezeitung The Onion erschien, wo ihn der interessierte Leser DKS entdeckte. Interessant ist, dass es gar nicht um Obama selbst geht, sondern die Presse für ihre “Hofberichterstattung” angegriffen wird. Der Präsident der USA muss sich trotzdem gefallen lassen, als geisteskranker und blutdurstiger Mörder dargestellt zu werden, der “die Schatten schreien hört”.

  • Zur Meinungsfreiheit, ein Link aus der Restekammer: Während der Bush-Ära gab es die Behauptung, es sei in den USA verboten, Särge von Soldaten zu fotografieren. Wir verweisen als Gegenbeispiel auf eine Text- und Fotostrecke zur Beisetzung von

    Lance Corporal Robert T. Mininger, 21, of Sellersville, Pennsylvania, [who] died June 6, 2005, from wounds received as a result of an explosion while conducting combat operations against enemy forces in Fallujah, Iraq.

    Man beachte am Ende die Fotos des Gunnery Sergeant, der vor den trauernden Eltern kniet, sowie die Bilder von der erschütterten Freundin und dem weinenden Bruder (die alle mit vollem Namen genannt werden). Allein diese private Website enthält seitenweise Berichte über getötete US-Soldaten, mit Fotos, auf deren Grabsteinen immer wieder drei Worte zu lesen sind: Operation Iraqi Freedom. Auch die Briten berichten offen und mit Fotos der Angehörigen über Militärbegräbnisse. Angelsachsen verstehen nicht, warum Bundeswehrsoldaten dagegen “heimlich” beigesetzt werden und wittern ihrerseits Zensur.

  • Zu Namensschildern bei Polizisten, wenn wir bei den Briten sind: Der Londoner Polizei wurde nach dem G-20-Gipfel (unter anderem) vorgeworfen, ihre “Erkennungsmarken” versteckt zu haben. Die Polizeiaufsicht IPCC ist erbost (Übersetzung von Spiegel Online):

    Das ist nicht hinnehmbar. Es geht darum, Diener zu sein, nicht Herrscher.

    Das ist etwas drastischer, als wir es formuliert haben, aber gut, die Briten haben halt immer noch eine Monarchie.

  • Zu den Kommata in Überschriften: Sebastian Heiser von der “taz” hat eine Erklärung für den deutschen Komma-Mangel: Deutsche Überschriften seien meist keine ganzen Sätze. Erstaunlich, wer alles dieses Blog liest (grins).
  • Zum Wizard of Oz, weil was wäre ein Zeugs-Beitrag ohne Kansas: Der interessierte Leser K verweist auf das deutsche Stargate Wiki, wo es einen ganzen Eintrag zu den Anspielungen gibt und wie die Synchronisation damit klar gekommen ist. Eher schlecht, offenbar.