ZEUGS: Der Aufstand der Cheerleader, Godzilla greift ein und alte Kalifornier auf Drogen

April 26, 2014

Eigentlich sollte an dieser Stelle aus aktuellem Anlass ein Eintrag über Waschbären stehen. Aber zwischen diversen anderen Verpflichtungen und zwei gelangweilten Ferien-Kindern sollte es nicht sein. Zum Glück haben wir noch jede Menge Links abzuarbeiten.

Zwar ist sich dieser Autor sicher, dass die meisten interessierten Leser zuerst etwas über Cheerleader wissen wollen, aber wir fangen trotzdem mit Godzilla an: Einige Leute sollte man einfach nicht warten lassen.

  • Zum Krieg gegen Japan: Strategen des US-Militärs analysieren wie es dem Kaiserreich geholfen hätte, wenn es Godzilla als Wunderwaffe hätte einsetzen können:

    The Allied forces are coming at you with everything they’ve got. How do you determine their center of gravity? No worries, you’ve got Godzilla in your corner.

    Der ernste Hintergrund ist ein Gedankenexperiment, wie man das besagte center of gravity des Gegners ermittelt, ihr “Schwerpunkt”, wie es Carl von Clausewitz ursprünglich formulierte. Die US-Streitkräfte hadern schon länger mit dem Begriff.

  • Zu Baseball, auch wenn dieser Autor nach wie vor der Falsche dafür ist: Der interessierte Leser NMK verweist auf eine Landkarte der USA mit den Fan-Zugehörigkeit der einzelnen Mannschaften. Es bleibt dem interessierten Leser als Übung überlassen, eine ähnliche Karte für Fußball aufzustellen. Wobei dieser Autor das Gefühl hat, dass man die ganze Bundesrepublik auch einfach in Bayern-Fans und Bayern-Gegner aufteilen könnte. — Ach, und nebenbei bietet das Statistik-Blog FiveThirtyEight eine Anleitung, wie man seine eigenes MLB-Team aufbaut. Falls jemand noch ein Hobby sucht.
  • Zum Energieverbrauch und alternativen Energien: Die Solarenergie bietet im Moment ein Lehrstück für die Bedeutung der Landes- und Kommunalpolitik in den USA und wie sie sich komplett anders als auf Bundesebene entwickeln kann. In Oklahoma hat die republikanische Gouverneurin Mary Fallin gerade mächtigen konservativen Gruppen wie den Gebrüdern Koch den Stinkefinger gezeigt und ein Gesetz zur Einschränkung von Solarinvestitionen untergraben. Ihr Verbündeter: Ausgerechnet Vertreter der örtlichen Tea Party Bewegung, zusammengeschlossen unter dem griffigen Namen Tell Utilities Solar Won’t Be Killed (TUSK).

    TUSK and its conservative allies have repeatedly found success placing those utility-backed proposals within a free-market frame that speaks directly to conservatives.

    In den vergangenen vier Jahren hat sich die Solarstrom-Kapazität (oder wie man das nennt) in den USA vervierfacht auf 1,1 Prozent der gesamten Stromproduktion.

  • Zu American Football und Frauen, diesmal aber nicht auf dem Spielfeld: Die NFL-Cheerleader proben den Aufstand wegen schlechter Bezahlung, unter anderem für Nebentätigkeiten. Ja, welche Nebentätigkeiten hat denn eigentlich so ein Cheerleader?

    Unpaid activities included: submitting to a weekly “jiggle test” (where cheer coaches “scrutinized the women’s stomach, arms, legs, hips, and butt while she does jumping jacks”); parading around casinos in bikinis “for the gratification of the predominantly male crowd”; and offering themselves up as prizes at a golf tournament, where they were required to sit on men’s laps on the golf carts, submerge themselves in a dunk tank, and perform backflips for tips (which they did not receive).

    Der Artikel geht auf die geschichtliche Entwicklung der Sportart (Cheerleading, nicht Football) ein und wie das dazu führte, dass die Frauen mit den Pompoms heute gerade einmal 75 Dollar je Spiel einstreichen. Dass das ihnen jetzt nicht mehr reicht, führt ein Anwalt der Buffalo Jills auf die Occupy-Bewegung zurück:

    There’s an increasing public realization of the tremendous unfairness of America’s present economic situation, and as we grow more and more unequal as a society, those tensions are becoming more pronounced.

    Bekanntlich klafft die Schere zwischen Arm und Reich in den USA inzwischen so weit wie seit den 20er Jahren nicht mehr.

  • Zur Wirtschaft, weil wir dabei sind, einige weitere Trends in den USA, die vielleicht nicht jeder mitbekommen hat: Reiche Amerikaner arbeiten inzwischen mehr Stunden pro Tag als arme. Historisch gesehen ist das ziemlich einmalig.

    Other research shows that the share of college-educated American men regularly working more than 50 hours a week rose from 24% in 1979 to 28% in 2006, but fell for high-school dropouts. The rich, it seems, are no longer the class of leisure.

    Hintergrund sind neben wirtschaftlichen Faktoren den Forschern zufolge geänderte Einstellung zur Freizeit als Ganzes und in gewissen Jobs der Spaß an intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten. — Zudem scheint beim Sparen ein Umdenken einzutreten: Der Forschungsgruppe Gallup zufolge geben mehr Amerikaner als jemals zuvor (was in diesem Fall 2001 heißt) an, lieber zu sparen als Geld auszugeben. Allerdings schlägt sich das nicht im Verhalten nieder.

    Data from the U.S. Department of Commerce show that the 2013 average personal savings rate was 4.5%, the lowest since 2007 and low historically. The U.S. average personal savings rate in the 1970s was 11.8%, 9.3% in the 1980s, and 6.7% in the 1990s.

    Der Artikel geht auf das Argument ein, dass viele Amerikaner sich schlicht nicht leisten können, Geld zu sparen, was uns zum vorherigen Punkt zurückbringt. Nicht vergessen: Die US-Wirtschaft wird vom Konsum angetrieben, im Gegensatz zu Deutschland, wo Exporte sehr viel wichtiger sind.

  • Zu Drogen und Sprache: Der BBC – ja, der BBC – bespricht in großer Länge, wie “420” zum Code für Marijuana wurde. Schuld daran sollen Schüler aus Kalifornien sein (wer sonst) die in den 70ern mit Hilfe einer mysteriösen, handgezeichneten Karte geheime Anbauflächen suchten:

    The friends (…) met after school, at 4:20pm, and drove off on their treasure hunt. They never found the plot. “We were smoking a lot of weed at the time,” says Dave Reddix or Waldo Dave, now a 59-year-old filmmaker. “Half the fun was just going looking for it.” The group began using the term 420.

    Der Begriff habe sich dann in ihrem Freundeskreis durchgesetzt – zu dem Mitglieder der Gruppe Grateful Dead gehörten.

  • Zu Kalifornien, weil es einfach zu gut passt: Vielleicht erklärt der vorherige Punkt die vielen, vielen Landkarten, auf denen der heutige Bundesstaat als Insel dargestellt wurde. Der Bericht von Wired schildert dabei auch die Probleme, die ein Sammler dieser Karten zunächst hatte:

    At first we stored them under the bed, but then we were concerned that the cat would pee on them.

    Wie schön, dass auch andere Leute solche Sorgen haben.


ZEUGS: Nackte Deutsche, fehlende Fragezeichen und geheime Eichhörnchen

April 17, 2014

Es hat sich in den vergangenen zwei Wochen einiges angesammelt, daher ein extra-langes Zeugs mit einer extra-kurzen Einleitung.

  • Zur Demokratie in den USA: Der interessierte Leser wird es an anderer Stelle – Slashdot zum Beispiel — vermutlich schon gesehen haben, aber der Vollständigkeit halber verweisen wir auf eine Studie [PDF] mit dem Titel Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens die im Herbst in “Perspectives on Politics” erscheinen soll und im Netz jetzt schon für Aufregung sorgt.

    Multivariate analysis indicates that economic elites and organized groups representing business interests have substantial independent impacts on U.S. government policy, while average citizens and mass-based interest groups have little or no independent influence.

    Oder, wie es sonst zusammengefasst wird: Die USA sind demnach keine Demokratie, sondern eine Oligarchie. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass frühere Studien das Gegenteil gezeigt haben.

  • Zu Einkommensunterschieden in den USA, wenn wir schon bei
    düsteren Bildern sind: Die sind so Extrem wie seit den 20er Jahren nicht mehr, berichtet der New Yorker mit vielen anschaulichen Grafiken. Mehr noch, die Kluft habe historische Dimensionen:

    Even in terms of income generated by work, Piketty notes, the level of inequality in the United States is “probably higher than in any other society at any time in the past, anywhere in the world.”

    Damit habe sich die Situation verglichen mit Europa umgekehrt — die Neue Welt drohe zur Old Europe des 21. Jahrhundert zu werden.

  • Zu prüden Amerikanern, diesmal aus der umgekehrten Sicht: Der interessierte Leser JS weist auf den Bericht eines Amerikaners hin, der mit den deutschen Konventionen für Nacktheit kämpft:

    Somehow we misunderstood the simple Deutsch dictate, whereby it’s completely acceptable to swim naked outside, and saunas must only be visited nude, but when swimming at an indoor pool in a naked sauna, a bathing suit must always be worn.

    In den Kommentaren finden wir diesen Erklärungsansatz: Germans don’t equate nudity with sexuality.

  • Zur Entwicklung der englischen Sprache: Bei Slate wird darüber diskutiert, ob das Fragezeichen bei rhetorischen Fragen ausstirbt — eine Art im Internet deutlich zu machen, dass man nicht wirklich fragt, was Außerirdische von der Sommerzeit halten. Zum Beispiel.
  • Zu Militärabkürzungen: Quasi als Ergänzung zu unserem Eintrag hat Business Insider eine Liste von Militärslang zusammengestellt, das nur Eingeweihte verstehen. Dieser Autor findet secret squirrel am besten.
  • Zu nicht mehr so religiösen Amerikanern: Eine Studie hat den (Mit-)Schuldigen für die Abkehr der US-Bürger vom Glauben ausgemacht: das Internet, das den Menschen den Kontakt mit anderen Religionen ermöglicht.

    For people living in homogeneous communities, the Internet provides opportunities to find information about people of other religions (and none), and to interact with them personally

    Der Text geht ausführlich auf die Frage ein, ob Korrelation in diesem Fall wirklich Kausalität bedeutet.

  • Zu Baseball, ein Eintrag für den interessierten Leser NMK:
    Sports Illustrated — ja, die Leute mit der berühmten Februar-Ausgabe – untersucht die Unterschiede zwischen den USA und Japan bei der Sportart.

    American coaches generally discourage using the splitter out of fear that it increases torque on the elbow; some teams even take it away from young pitchers. (…) In Japan, says Valentine, “everyone throws the splitter. The star high school kid throws the splitter.”

    Da dieser Autor ehrlich gesagt nur die Hälfte des Artikels verstanden hat, führen wir eine neue Regel ein: Keine Nachfragen über Baseball.

[Korrigiert 29. Apr 2014: Fügt fehlenden Link bei prüden Amerikanern hin, zuerst gesehen von JS, vielen Dank]


META Oops, da war doch noch was

April 13, 2014

Wer mein anderes Blog verfolgt, wird wissen, dass ich nebenbei die Computersprache Forth lerne. Dummerweise gibt es keine moderne Version davon für den 65c02, sondern nur das veraltete FIG Forth. Das ist etwa so, als würde man die Canterbury Tales benutzen, um modernes Englisch zu lernen. Daher musste ich mir selbst ein Forth schreiben, in 8-bit Assembler. Merke: Real Jedi make their own Forth.

Und da in den vergangenen zwei Wochen die richtig komplizierten Dinge wie IF/THEN und DO/LOOP anstanden, habe ich das Blog hier wie angekündigt zwei Wochen ruhen lassen, um mich darauf zu konzentrieren … äh …

… Moment, wie angekündigt?

Curses! Ich war mir sicher, ein META hier gepostet zu haben, aber offenbar ist dieses winzige Detail mir entgangen. Daher entschuldige ich mich für die Funkstille der vergangen Tage, so war das nicht geplant.

Immerhin waren die zwei Wochen ein Erfolg: Bis auf DOES> sind auch die komplizierten Teile von Tali Forth fertig (wird noch im anderen Blog besprochen). In den kommenden Tagen ziehen wir hier schnell erstmal ein ZEUGS hoch und dann geht es wieder normal hier weiter.


Wie der Zwergplanet “Biden” seinen (vorläufigen) Namen bekam

März 27, 2014

Wissenschaftler haben einen neuen Zwergplaneten entdeckt, ziemlich weit draußen, dort, wo es richtig kalt ist. Und wer die Presse verfolgt hat, wird mitgekriegt haben, dass er den provisorischen Namen “Biden” träg, nach US-Vizepräsident Joe Biden.

Nichts für Ungut, Joe, aber ist das nicht etwas viel der Ehre?

Tatsächlich liegt die Sache etwas anders. Ein Bericht in Scientific American macht klar — zumindest für Angelsachsen — woher der Spitzname kommt:

The newfound object’s official name is 2012 VP113, but the discovery team calls it VP for short, or just “Biden” — after US Vice-President Joe Biden.

Von der sperrigen offiziellen Bezeichnung “2012 VP113″ leitet sich zwanglos die Kurzform “VP” ab, was halt die gängige Abkürzung für vice president ist (gerne auch veepee oder noch kürzer veep genannt). Da der jetzige Vizepräsident Biden heißt, bietet sich das als Rufnahme an.

Es hat also nicht wirklich etwas mit einer Ehrung für den Mann als solchen zu tun. In einem alternativen Universum würde der Zwergplanet jetzt “Palin” genannt und alle würden Witze darüber reißen, dass man von ihm aus Russland sehen kann.

Trotzdem, man wird den Eindruck nicht los, dass die Entdecker hier eine Gelegenheit für wahre Größe verpasst haben. Weltraumfans erinnern sich: Als 2005 ein anderer Zwergplanet entdeckt wurde, gab man ihm zunächst den Rufnamen “Xena”, nach der Kriegerprinzessin. Die humorlosen Planeten-Bürokraten änderten das später zwar in Eris. Aber eine Anspielung blieb: Der Mond von Xena Eris heißt “Dysnomia”, nach einer Dämonin-Göttin der Gesetzlosigkeit. Und wie heißt die Schauspielerin, die Xena in der Fernsehserie spielte? Genau, Lucy Lawless. So muss das.


Wenn Amerikaner auf ihr Schiff warten

März 22, 2014

Wer den umfassenden Bericht der New York Times zu den jüngsten Erkenntnissen zum Urknall gelesen hat, dem wird vielleicht eine ungewöhnliche Formulierung aufgefallen sein:

On Monday, Dr. [Alan] Guth’s starship came in.

Das ist offensichtlich nicht wörtlich zu nehmen, denn ein Raumschiff ist nicht gelandet. Vermutlich besitzt Guth auch keins, denn er ist Physiker. Und warum heißt es came in und nicht landed, wie es normalerweise bei Raumschiffen heißt? Abgesehen davon, was soll das überhaupt bedeuten?

Wer anlässlich des Veronica Mars-Kinofilms die Serie nochmal geguckt hat, ist jetzt klar im Vorteil. Denn in der Folge “Ain’t No Magic Mountain High Enough” der zweiten Staffel sagt eine Lehrerin:

One of these days, my ship is going to come in and I will not have to deal with this nonsense.

Das mit dem Rauschiff ist also ein Witz. Eigentlich get es um normale Schiffe, und come in heißt “in den Hafen einlaufen”.

Genauer gesagt geht es um Handelsschiffe, deren Ladung gelöscht wird und die Besitzer auf einen Schlag so reicht macht, dass sie ihre normalen Jobs kündigen können und sich (zum Beispiel) nicht mehr mit rotznäsigen Schülern herumschlagen müssen.

(Eine modernere Formulierung würde vermutlich den Begriff fuck you money verwenden. Aber wir hatten schon gesehen, dass Veronica Mars wie Shakespeare mit derber Sprache umgeht.)

Es gibt einen Sonderfall: Man heißt Bob Dylan. Dann geht es bei dem Schiff nicht um den eigenen Reichtum, sondern um soziale Gerechtigkeit:

Then they’ll raise their hands
Sayin’ we’ll meet all your demands
But we’ll shout from the bow your days are numbered
And like Pharoah’s tribe
They’ll be drownded in the tide
And like Goliath, they’ll be conquered

Damit hätten wir es geschafft, uns vom Urknall zur Dreigroschenoper zu hangeln. Das reicht für ein Wochenende: Dieser Autor geht jetzt bei Diablo 3 Zombies mit Meteoren töten. Das knallt auch [YouTube].


ZEUGS: Viele Schaubilder, einige Reise-Tips und zu wenige kanadische Pornos

März 12, 2014

ZEUGS: Viele Schaubilder, einige Reise-Tips und zu wenige kanadischen Pornos

  • Zum extremeren Klima in den USA: Eine Gruppe von Physikern will das Problem mit den Tornados für immer lösen und zwar durch gläserne Riesenmauern quer durch das Land.

    The barriers – 300m (980ft) high and up to 100 miles long – would act like hill ranges, softening winds before twisters can form.

    Kritiker halten das für “nicht durchdacht”. Allerdings muss man festhalten: Als die Berliner Mauer stand, gab es dort nicht einen einzigen schweren Tornado.

  • Zu Amerika für Japaner: Die Ehrenwerte Mutter verweist auf eine Liste von Ratschlägen, die Japaner sich gegenseitig vor Reisen in die USA geben.

    In the U.S., they do not have a sense of superiority if they are able to drink a large amount. Rather, if you drink a lot, there is a sense that you cannot manage yourself.

    Der Text ist offensichtlich mit Hilfe von Google Translate erstellt worden.

  • Zu dicken Amerikanern: Die Zahl der übergewichtigen amerikanischen Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren ist im vergangenen Jahrzehnt um 43 Prozent zurückgegangen. Niemand weiß warum.
  • Zum Wachstum der USA, diesmal nicht die Gürtellinie: Weil es so viel Spaß macht, ein interaktives Schaubild wie die einzelnen Bundesstaaten sich entwickelt haben. Via io9.
  • Zum Bürgerkrieg: Der tapfere Versuch, den ganzen Konflikt in ein Schaubild zu pressen.
  • Zu Latein und anderen Einflüssen auf die englische Sprache: Ein weiteres Schaubild, diesmal interaktiv.

    Compare, for instance, how the input from German has grown and then declined again from 1800 to the present day.

    Der Autor weist allerdings darauf hin, dass es qualitative Unterschiede gibt: Die Wikinger haben zwar weniger Wörter hinterlassen, aber dafür sehr bedeutende wie they, their und them.

  • Zu prüden Amerikanern: Wer glaubt, Deutschland hat Probleme mit dem sogenannten Kulturimperialismus, sollte Mitleid mit den armen Kanadiern haben: Deren TV-Aufsicht CRTC hat einige Erwachsenen-Sender getadelt, weil sie zu wenige einheimische Pornos zeigen. Kein Scherz.

    [T]he CRTC issued a broadcast notice saying AOV Adult Movie Channel, XXX Action Clips and the gay-oriented Maleflixxx were all failing to reach the required 35% threshold for Canadian content.

    Dieser Autor konnte leider nicht herausfinden, wie hoch die Quote in Deutschland ist.


Warum amerikanische Toilettensitze vorne eine Lücke haben

Februar 26, 2014

Dem interessierten Leser RB ist bei einem US-Aufenthalt aufgefallen, dass amerikanische Toilettensitze in öffentlichen Anlagen vorne meist eine Lücke aufweisen. Diese “U” Modelle finden sich allerdings weniger häufig in Wohnungen und Häusern, wo eher die auch in Europa bekannten “O”-Modelle vorherrschen. Warum der Unterschied?

(Dieser Autor möchte festhalten, dass er bei der Auflage dieses Blogs nicht erwartet hatte, so viel über amerikanische Toiletten zu schreiben. So viel zur hohen Politik.)

Amerikaner fragen sich das auch ständig. Die erste Antwort lautet, weil es einen Standard der International Association of Plumbing and Mechanical Officials (IAPMO) gibt, der das vorschreibt. Womit wir festhalten können, dass Amerikaner durchaus internationale Abkommen einhalten, sie müssen nur wirklich wichtig sein.

Warum aber gibt es diesen Standard? Slate zitiert eine IAPMO-Mitarbeiterin mit den Worten, dass damit Frauen das Leben beim Wischen vorne erleichtert wird: Mehr Platz, weniger Kontaktgefahr.

[Lynne] Simnick explains that the open seat was designed to allow women “to wipe the perineal area after using the water closet” without contacting a seat that might be unhygienic.

Das ist die offizielle Erklärung. Eine andere mit etwas größerer Verbreitung in der Bevölkerung lautet: Männer sind Schweine.

In particular, they splash, and when they’re out of the house and away from the restraining influence of their families, they splash even more — and they don’t wipe up.

Was allerdings nicht erklärt, warum auch Toilettensitze in amerikanischen Frauenklos gegabelt sind, wie die Schönste Germanin diesem Autor glaubwürdig versichert. Dann gibt es noch eine dritte, zynische Erklärung: Es wird Material gespart.

That’s all there is to it: Less surface area makes for less material; less material makes for less Lysol; less Lysol makes for greater savings; greater savings wins the war on terror, etc.

Und das ist hoffentlich das letzte Mal, dass wir hier über Toiletten sprechen.


ZEUGS: Drei Landkarten und viele, viele Kanadas

Februar 13, 2014

Die Olympischen Spiele können für binationale Ehen schwierig sein, besonders wenn Deutschland in der Medallientabelle führt. Wegen des ständigen Jubels der Schönsten Germanin ist es im Hause Stevenson gegenwärtig schwer, sich zu konzentrieren. Weswegen wir wieder auf ein Zeugs ausweichen …

… allerdings nicht ohne einen wichtigen Hinweis: Der interessierte Leser JK möchte bemerken, dass es nicht “Eiserne Union” (mit “e”) heißt, sondern “Eisern Union” (ohne “e”). Dieser Autor bleibt dann vielleicht lieber beim Curling.

  • Zu erbauenden Liedern: Aufregung beim Superbowl, nicht wegen des (recht einseitigen Spiels), sondern wegen einer Werbung von Coca-Cola, in der America the Beautiful in mehreren Sprachen vorgetragen wird.

    [T]hat kind of public display of linguistic diversity still frightens or offends some people, especially when a patriotic song like “America the Beautiful” is given the polyglot treatment.

    Bei dem Link findet man auch ein Video das zeigt, was Jon Steward vom Ganzen hält. Mit Deutsch-Einlage!

  • Zu Juden in den USA: Der BBC diskutiert in einem Bericht über jüdische Vorbehalte gegen eine Heirat außerhalb der eigenen Religion über die Folgen derartiger Ehen für das jüdische Leben in den USA:

    The result, he adds, is that in America, “there’s a rapidly eroding sense of Jewish commitment, a complete collapsing of Jewish literacy, and a thinning of Jewish identity”.

    Aufhänger ist die Empörung in Israel über Berichte, dass der Sohn von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit einer nicht-jüdischen Norwegerin ausgegangen sein soll. Das Büro das Premiers hat dazu erklärt, sie seien nur Studienkollegen.

  • Zu Rauchen in den USA: Wegen der zunehmenden Zahl von Nichtrauchern träumen amerikanische Gesundheitsbehörden vom Ende der Glimmstängel.

    [T]hey talk about the slowly-declining adult smoking rate dropping to 10 percent in the next decade and to 5 percent or lower by 2050.

    Allerdings besteht die Befürchtung, dass E-Zigaretten ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

  • Zu Indianern: Neue genetische Studien widerlegen die Theorie, dass die Ureinwohner aus Europa oder Ozeanien stammen könnten. Es bleibt dabei: Asien. Warum ist das überhaupt alles so schwierig, fragt man sich angesichts der heutigen Analyse-Möglichkeiten?

    In the US, many native groups are suspicious of contributing to genetic surveys, hampering the collection of data.

    Kurz, die Indianer wollen nicht mitmachen.

  • Zum Kreationismus: Auf einer Karte der USA kann man sehen, in welchen Schulbezirken die Evolutionstheorie skeptisch gesehen wird. Man bemerke die Häufung in gewissen Bundesstaaten. Noch ein Fall, wo “in den USA” falsch ist.
  • Zu Religion, wenn wir beim Thema sind: Eine christliche Kirche aus Nigeria missioniert in den USA, weil es dort offenbar mit dem Glauben nicht richtig läuft. So sollen ihre Messen aussehen:

    “Crazy people for Jesus, people who are in love with Jesus, shouting ‘hallelujah’, praising Jesus, having prayer vigils, having fun, giving each other high-fives.”

    Gegenwärtig soll die Redeemed Christian Church of God in North America 15.000 Mitglieder in den USA haben.

  • Zur Bevölkerungsdichte, eine zweite Landkarte: Die Bevölkerung der USA, gemessen in Kanadas.
  • Zu Problemen mit Schnee, auch wenn das in Deutschland im Moment etwas weit hergeholt klingen mag: Noch eine Landkarte, diesmal ab welcher Schneehöhe man in welchen Bezirken Schulfrei bekommt. Wir können davon ausgehen, dass man in Alaska sich über die Weicheier an der Westküste lustig macht.

ZEUGS: Football, Musik und Atombomben

Januar 29, 2014

Früher, ja früher, da hat man am Wochenende endlich etwas geschafft bekommen, zum Beispiel Einträge für sein Blog zu schreiben. Im Moment verbringt dieser Autor Samstag und Sonntag allerdings eher in Turnhallen mit anderen Eltern sportverrückter Kinder. Er hat dadurch zwar eine ganze Reihe von Volleyball-Schlachtrufen gelernt und weiß jetzt, dass “Eiserne Union” nichts mit Hertha zu tun hat. Aber zum Schreiben kommt er immer weniger. Daher diesmal nur ein Zeugs.

  • Zu American Football, denn es steht wieder das wichtigste Sportereignis der Welt an, der Superbowl: In einem etwas respektlosen Video [YouTube] werden nochmal die Regeln erklärt. Nur dass man Leute nicht wirklich mit der Faust ins Gesicht hauen kann.
  • Zu Religion und Militär: Die US-Streitkräfte erlauben nun Bärte, Turbane und andere eigentliche verbotene Änderungen des Aussehens aus religiösen Gründen.

    Muslim, Sikh, Jewish and Wiccan soldiers, marines, sailors and airmen can now request exemptions to strict military uniform and grooming policies.

    In den US-Streitkräften dienen 1500 Wicca, was irgendwie nach ziemlich wenig klingt für den Großen Satan.

  • Zur Rede zur Lage der Nation: Das Language Log untersucht die Häufigkeit von Pronomen. Präsident Barack Obama benutzt demnach die erste Person weniger als seine Kritiker ihm vorwerfen.

    This is unlikely to prevent cries of “narcissism!” or “royalty!” from the likes of George Will, Peggy Noonan, Charles Krauthammer, and Stanley Fish. But I present this bit of prophylaxis in the hope that ridicule may eventually succeed where reality has failed.

    Zur Erinnerung, die “Rede” wurde früher schriftlich verfasst.

  • Zum Arbeitsmarkt: Amerikaner arbeiten in der Industrie inzwischen im Durchschnitt knapp unter 42 Stunden pro Woche und damit mehr als in den vergangenen 60 Jahren.
  • Zu Musik, genauer gesagt die Art, die dieser Autor so gar nicht hört: Klassik ist in den USA vom Aussterben bedroht, wie Slate berichtet.

    There’s little doubt as to the causes: the fingernail grip of old music in a culture that venerates the new; new classical music that, in the words of Kingsley Amis, has about as much chance of public acceptance as pedophilia; formats like opera that are extraordinarily expensive to stage; and an audience that remains overwhelmingly old and white in an America that’s increasingly neither.

    Via German Joys.

  • Zu Rechtsradikalen in den USA, ein Bericht der BBC über eine Kleinstadt in North Dakota, in der sich Neo-Nazis breit machen wollten.

    In a part of the country where many people are of German and Russian ancestry, the swastika is something residents neither want to forget, nor especially be reminded of.

    Die Anführer stehen inzwischen vor Gericht. Ihnen droht eine Haftstrafe von bis zu 35 Jahren.

  • Zu Atombomben: Die USA erwägten 1968 den Einsatz von
    Atomwaffen gegen Nordkorea, wie wir jetzt wissen.

    The warheads in such a situation would be delivered by Honest John rockets and Sergeant missiles, each with a maximum yield of 70 kilotons (very roughly five times the yield of the Hiroshima bomb). It would not have been a happy ending for anyone on the Korean peninsula.

    Die Unterlagen sind inzwischen online verfügbar Und wen das irgendwie bedenklich stimmt, der kann sich die Fotos aus den 50er Jahren anschauen, die zeigen, wie man von Los Angeles aus am Himmel das Leuchten der Atombomben-Tests in der Wüste von Nevada sehen konnte. Ehrlich, und wir heute müssen mit Nordlichtern vorliebnehmen.

[KORREKTUR 29. Januar 2013: "Präpositionen" sind nicht das gleiche wie "Pronomen". Zuerst gefunden von R., vielen Dank]


Über die Verwendung von “gay” unter angelsächsischen Jugendlichen

Januar 17, 2014

Dieser Autor hat, wie mehrfach in diesem Blog angedeutet, absolut keine Ahnung von Fußball, trotz der ständigen Nachhilfeversuche von Kind Nummer Zwei. Daher war seine erste Reaktion auf die Flut von Medienberichten nach dem Coming-Out von Thomas Hitzlsperger ein verwirrtes “wer”? Zum Glück war die Schönste Germanin zur Stelle, die nicht nur weise, sondern auch klug ist.

Nun würde sich eine Diskussion über den Begriff facepalm anbieten, aber wir wollen uns ein anderes Thema vornehmen: Eine besonders unter angelsächsischen Jugendlichen geläufige Verwendung des Wortes gay, die Außenstehende verwirren kann.

Zuerst müssen wir festhalten, dass gay an etwas leidet, das Programmierer als operator overloading bezeichnen: Es hat je nach Zusammenhang eine unterschiedliche Bedeutung. Die älteren Verwendungen — Shakespeare und so — gehen in Richtung “fröhlich, heiter” bei Personen und “knallbunt, schrill” bei Farben. Inzwischen sind beide überwiegend von “homosexuell”, genauer gesagt “schwul”, verdrängt worden. Das dürfte dem interessierten Leser am vertrautesten sein.

Allerdings listet beispielsweise die Oxford University Press eine vierte Bedeutung auf:

informal, offensive foolish, stupid, or unimpressive

Stupid trifft es nach dem Sprachgefühl dieses Autors nicht ganz, eher wäre für ihn lame (lahm, öde) angebracht. Die New York Times bietet als Beispiel:

In a circle of 13-year-olds, “That’s so gay!” might translate to: “Only ding-dongs go to the movies on Saturday when anyone who is anyone goes to the movies on Wednesdays.”

Am Ende ist das Haarspalterei, denn so oder so ist gay in diesem Zusammenhang abwertend, eine Beleidigung.

Verwendet wird That’s so gay von Jugendlichen auf beiden Seiten des Atlantiks. Einer britischen Studie zufolge war gay vor einigen Jahren das am häufigsten verwendete Schimpfwort auf den Schulhöfen des Landes. Die Erwachsenen sind entsetzt — das ganze Bemühen um eine tolerantere Gesellschaft, und dann kommt so etwas von der Generation, für die bekennende Homosexuelle zum Alltag gehören sollten. Die Schockwirkung dürfte die Verwendung bei den Rotzblagen natürlich noch gefördert haben.

Es gibt das Argument, dass die beiden Verwendungen so gar nichts miteinander zu tun haben. Wir kennen diese Sichtweise aus Deutschland, wo Ausländern die Kinnlade herunterfällt, wenn sie das erste Mal das Wort “getürkt” hören. Der BBC sagt ein Experte zu der Schulhof-Studie von 2008:

“I have interviewed scores of school kids about this and they are always emphatic that it has nothing at all to do with hostility to homosexuals,” [...] “It is nearly always used in contexts where sexual orientation and sexuality are completely irrelevant.”

Homosexuellen-Verbände sehen das schon allein wegen der Selbstmordrate unter schwulen und lesbischen Jugendlichen nicht so locker. In Großbritannien — um heute mal auf der Insel zu bleiben — läuft eine Kampagne gegen diese Art der Verwendung in den Schulen. Darunter:

“Your so gay.” — Can you spot two common mistakes?

Die Briten wären keine Angelsachsen, wenn sie nicht mit einem Wortspiel dagegen vorgehen würden. Der Slogan lautet:

Homophobia is gay

Die New York Times spekuliert in dem oben verlinkten Artikel, dass die Formulierung ohnehin langsam den Weg aller Jugendbegriffe geht. Eine 14-Jährige erklärt der Zeitung, gay habe sie benutzt, als sie kleiner war. Heute halte sie das für falsch und zieht folgende Konsequenz:

I’d much rather call someone a loser.

Vielleicht noch nicht ganz das, was man sich wünschen würde, aber immerhin.


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