Archive for the 'Zeugs' Category

ZEUGS: Falsche Freunde, alte Bäume und dunkle Tage

September 12, 2013

Endlich, endlich hat die Football-Saison wieder angefangen, und leider, leider haben die Arizona Cardinals direkt einen Fehlstart hingelegt. Seufz.

  • Zu American Football: Zum Anlass des Liga-Starts stellt die Tagesschau Fantasy Football vor. Das ist gut, denn dieser Autor hat davon keine Ahnung — er ist froh, wenn überhaupt normales Football gucken kann. Aber 30 Millionen seiner Landsleute sehen das anders. Laut Wikipedia ist es inzwischen das wichtigste Marketing-Werkzeug der NFL.
  • Zu Übersetzungsproblemen: In German Joys spricht Andrew Hammel über die Schwierigkeiten, die das Fehlen eines Unterschiedes zwischen boyfriend und einfach nur friend mit sich bringt:

    [I] constantly fall into the trap of referring to my male friends as mein Freund, which leaves people who don’t know me unsure whether I’ve just declared my homosexuality.

    Enthält auch einen wichtigen Hinweis auf das überaus nützliche Wort “doch”.

  • Zu Rosie the Riveter: io9 führt eine Galerie mit Sci-Fi-Varianten der Ikone, darunter aus Mass Effect, Wonder Woman und natürlich Buffy.
  • Zur frühen Geschichte: Was steht in den USA noch aus der Siedlungszeit noch vor dem Unabhängigkeitskrieg? Ein Baum.

    In approximately 1630, as his children watched on, Endicott planted one of the first fruit trees to be cultivated in America: a pear sapling imported from across the Atlantic.

    383 Jahre später produziert der Baum noch Obst.

  • Zu den Atombomben: Das Google Cultural Institut hat Online-Ausstellung zu den Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki eröffnet.
  • Zur Staatsbürgerschaft: Der Blogger Felix Salmon diskutiert, unter welchen Bedingungen eine amerikanische Staatsbürgerschaft für Menschen in den USA sich nicht lohnt.

    A green card holder can leave the US at any time, give up her green card, and thenceforth never have to pay a cent in US taxes, or even file a US tax return, ever again. Again, this is an option which would be valued extremely highly by many Americans.

    Ausgangspunkt ist ein Bericht in der “New York Times” über Einwanderer, die zwar eine Green Card haben, aber keine Staatsbürgerschaft anstreben.

  • Zu Rätseln der Geschichte, während wir dabei sind: Der Dark Day vom 19. Mai 1780 — also mitten im Unabhängigkeitskrieg — gilt als gelöst: Die Ursache soll Rauch von Waldbränden sein.

    The ash cloud must have drifted over New England and blotted out the sun. Or we are a cursed nation. You decide.

    Wenn es allerdings mehrere dunkle Tage hintereinander werden, dann sollte man aufpassen, dass man nicht in Alaska ist.

[Korrigiert 13. September 2013: "Unabhängigkeitskrieg" statt "Bürgerkrieg", zuerset gesehen on ID, vielen Dank]

ZEUGS: Ein Lexikon des NSA-Sprechs, Indianer im Internet und bewaffnete Mütter

August 16, 2013

Die sommerliche Bausaison im Hause Stevenson nähert sich ihrem Ende, und in der Zwischenzeit sind einige Links aufgelaufen.

  • Zum NSA: Das Magazin Slate hat ein Lexikon zusammengetragen mit der manchmal etwas kuriosen Bedeutung von normalen englischen Wörtern im Sprachgebrauch des Geheimdienstes.

    One of the NSA’s foundational documents states that “collection” occurs not when the government acquires information but when the government “selects” or “tasks” that information for “subsequent processing.”

    Die “Sammlung” von Daten ist nach der NSA-Terminologie also nicht die “Sammlung” von Daten, wie sie sich normale Amerikaner vorstellen. Unser oben verlinkte Artikel zum NSA von 2006 liest sich übrigens heute wunderbar naiv.

  • Zur Staatsbürgerschaft: Verschärfte Steuer-Meldepflichten für Amerikaner im Ausland haben zu einer Versechsfachung bei der Aufgabe von US-Staatsbürgerschaften geführt. Im konservativen Blog InstaPundit wird dies als eine Variante des going Galt bezeichnet. Die USA sind die einzige Industrienation, die ihre Bürger auch im Ausland zur Kasse bittet, zumindest wenn ihr Einkommen eine gewisse Schwelle überschreitet.
  • Zu Indianern: Die Navajo haben jetzt Internet-Zugang durch ein Datenzentrum, das mehrheitlich ihrer Regierung gehört. Oder wie der Navajo-Präsident Ben Shelly es formuliert [PDF]:

    We are a technology nation just as much as we are an energy nation.

    Das Projekt geht auf einen Besuch von Präsident Bill Clinton im Jahr 2000 zurück. Dieser traf die 13-jährige Myra Jodie, die zwar bei einem Preisausschreiben einen iMac gewonnen hatte, aber keine Möglichkeit hatte, ihn ans Internet anzuschließen. Zum Teil mussten Navajo bislang zum Teil 30 Meilen bis zum nächsten Zugangspunkt fahren. Das Projekt war innerhalb des Stammes umstritten — outside our wheelhouse, nicht unser Ding, wie Sidney Bob Dietz II es formulierte, der Direktoriums-Vorsitzende des Navajo-Versorgers NTUA.

  • Zu Waffen: Die Gruppe Armed Citizen Project (ACP) will zu ihrem “National Empowerment Day” jährlich 500 alleinstehende Mütter an Schusswaffen ausbilden.

    There exists a subtle misogyny used in the messaging of anti-gun groups, keeping women dependent on others to provide their protection, when our nation’s constitution makes clear they have the right to provide this protection for themselves.

    Zusammengefasst der Absatz: Waffengegner sind tendenziell frauenfeindlich, weil sie Frauen in einer Abhängigkeit von Männern halten, wenn es um ihren Schutz geht. Das Argument wird wiederholt aufgeführt. Der Tag sollte am 10. August stattfinden, zum Ablauf hat dieser Autor nichts gefunden. Das ACP hat sich zum Ziel gesetzt, Bürger in Gegenden mit hoher Kriminalität zu bewaffnen, insbesondere Frauen.

  • Zum Selbstbild: Das Skeptiker-Wirtschaftsblog Zero Hedge führt zehn Dinge auf, die Amerikaner angeblich nicht über Amerika wissen.

    Americans tend to assume that the rest of the world either loves us or hates us (…). The fact is, most people feel neither. Most people don’t think much about us.

    Das muss der deutschen Presse allerdings entgangen sein, die scheinbar nicht genug von Nachrichten aus den USA bekommen kann.

  • Zu dicken Amerikanern: Verdammt, die USA fallen wieder zurück: Selbst der durchschnittliche Mexikaner ist inzwischen fetter als sein Gegenstück in den USA. Wenigstens hält American Samoa noch die weltweite Spitze, immerhin ein US-Territorium.
  • Zum Bürgerkrieg: SPON schreibt auf Deutsch über den ersten Kampf zwischen Panzerschiffen der Geschichte, zwischen der USS “Monitor” und der CSS “Virginia”. Letztere ist in den USA auch unter dem alten Namen “Merrimack” bekannt. Die Battle of Hampton Road war der blutigste Tag in der Geschichte der US-Marine bis zum japanischen Überfall auf Pearl Harbor. Der Geschützturm der “Monitor” wurde inzwischen gehoben.

ZEUGS: Die EuroVision-Ausgabe

Mai 18, 2013

Heute Abend ist EuroVision, ein Pflichttermin im Hause Stevenson. Allerdings, wenn dieser Autor ehrlich ist, vermisst er die alten, durch irgendwelche Gremien getroffenen Bewertungen, an denen man die politischen Verhältnisse in Europa nachvollziehen konnte — wenn Griechenland und die Türkei sich so gar keine Punkte gegeben haben, zum Beispiel.

Wie auch immer, zu Hintergrundmusik aus Schweden:

  • Zu logischen Straßennamen: Der interessierte Leser KK weist auf die Theorie hin, dass die Straßen in Europa doch geplant waren. Das wäre eine Sensation:

    Dass dahinter präzise vermessene Grundmuster stecken könnten, klingt für Experten ungefähr so abwegig wie die Vorstellung, jemand habe Österreichs Alpentäler am Reißbrett entworfen.

    Slartibartfast war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

  • Zu Religion: Der Anteil an Christen unter den US-Einwanderern nimmt ab, von 68 Prozent im Jahr 1992 auf 61 Prozent 2012. Der Anteil der Muslime hat sich von fünf auf zehn Prozent verdoppelt — 100.000 Hinzugezogene im vergangenen Jahr.
  • Zu Religion in den Streitkräften: Da wollte eine Kampfstaffel der Marines ihren Namen von Werewolves zu Crusaders wechseln, komplett mit einem Wappen mit einem Kreuz auf einem Schild. Das wurde aber unterbunden. Jetzt haben sie sich, äh, zurückverwandelt. Noch zur Kuba-Krise war man weniger zimperlich, wie die Piloten der Vought F-8 “Crusader” bestätigen können.
  • Zu dem “Bush-ist-blöd”-Aussprachesystem: Die “New York Times” hilft ihren Lesern bei der Aussprache des Namens von dem mutmaßlichen Bombenleger von Boston auf die Sprünge (Hervorhebung hinzugefügt):

    The older brother, Tamerlan Tsarnaev, (tam-arr-lawn tsar-NAH-yev) was interviewed by the F.B.I. in 2011

    Wer den Anschlag in den deutschen Medien verfolgt hat, wird bei der Schreibweise des Namens gestutzt haben: Der Mann ist US-Staatsbürger und deren Namen werden eigentlich nicht transkribiert. Warum steht dann immer “Zarnajew”? Hier schloss die deutsche Presse aus seiner tschetschenischen Herkunft vorschnell, dass er russischer Staatsbürger sei. Anschließend ist man dabei geblieben, um die Leser nicht zu verwirren.

  • Zum Unabhängigkeitskrieg: Der britische König George III. ist in die Geschichte eingegangen als der Depp, der die Kolonien verloren hat. Allgemein geht man davon aus, dass er an der Stoffwechselkrankheit Prophyrie litt, die mit starken Schmerzen und auch psychischen Symptomen einhergehen kann. Dummes Zeug, sagten jetzt andere Wissenschaftler: Der Mann litt an einer bipolaren Störung, war also demnach manisch-depressiv.

    George’s being in a manic state would also match contemporary descriptions of his illness by witnesses. They spoke of his “incessant loquacity” and his habit of talking until the foam ran out of his mouth.

    Wie auch immer, unter Elizabeth II. wäre das alles ganz anders ausgegangen.

  • Zu Deutsch in den USA: Ein BBC-Bericht beschäftigt sich mit dem Aussterben des “Texas German”.
  • Zu prüden Amerikanern: In New York City können Frauen jetzt auch straflos oben ohne herumlaufen [grenzwertig NSFW]. Hintergrund ist die Forderung, dass beide Geschlechter vor dem Gesetz gleich behandelt werden:

    [I]t is encouraging to see the police responding positively to gender bias, even on such a seemingly small scale. After all, no one thinks twice about a man shirtless on a summer day.

    Kommt auf den Mann an, würde dieser Autor sagen.

  • Zu Happy Trails: Der interessierte Leser M hat sich beschwert, weil in dem Artikel ein Hinweis auf das gleichnamige Album von Quicksilver Messenger Service fehlt. Das geht natürlich überhaupt nicht. Passt nur nicht wirklich zur EuroVision …

ZEUGS: Nazi-Banden, Sperma-Exporte und Wonder-Woman-Pornos

April 13, 2013

Ich hätte ja gerne noch Außerirdische, Elvis und irgendwas mit Tieren in die Überschrift gepackt, aber so viel Platz war nicht. Zum Frühlingsanfang und nach dem Umgraben des Pädagogischen Gemüsegartens eine kurze ZEUGS-Liste mit diesmal wahrhaft seltsamen Themen:

  • Zu US-Schulen, um die ernsten Einträge an den Anfang zu stellen: Wir haben immer noch vor, auf den Aufbau den Schulsystems und die Diskussion über home schooling einzugehen. Heute zwei Beispiele, warum das öffentliche Schulsystem in den USA nicht unbedingt den besten Ruf hat: In Jacksonville, Florida wurde Kindern beigebracht, dass man aus Gründen der Sicherheit auf seine Bürgerrechte verzichten muss. Geht aber noch krasser. In Albany, New York lautete das Thema im Englisch-Aufsatz, warum die Juden für die Probleme in Nazi-Deutschland verantwortlich waren.

    The English teacher, who has not been named, asked students to pick a method of argument and review a packet of Nazi propaganda in order to make a persuasive argument that “Jews are evil and the source of our problems”.

    Ein Drittel der Schüler weigerte sich immerhin, den Aufsatz zu schreiben. Die Schulbehörde diskutiert gegenwärtig das weitere Vorgehen.

  • Zu amerikanischen Neo-Nazis, wenn wir schon mal dabei sind: Die BBC beschreibt in einem ausführlichen Bericht die Entwicklung und heutige Stärke von rechtsradikalen Gruppen in US-Gefängnissen. Man müsse sich diese Organisationen eher als “normale” kriminelle Banden denn als ideologische Gruppen vorstellen:

    Although its constitution demands that members must be “genetically of European ancestry” and believe in “the racial purity of the white race”, its leaders have proved pragmatic in their dealings with non-white outsiders.

    Die Mitglieder werden demnach in der Organisation gehalten, in dem man sie mit Hakenkreuzen und ähnlichen Symbolen tätowiert. Entsprechend geringe Chancen auf einen normalen Job haben die Häftlinge, wenn sie entlassen werden.

  • Zum Wahlsystem: Wie würden die USA aussehen, wenn man die Bundesstaaten nach gleicher Bevölkerungszahl — also etwas mehr als sechs Millionen je Bundesstaat — aufteilen würde? Die Namen der neuen Staaten sind allerdings sehr seltsam.
  • Zu The Wizard of Oz und Alice in Wonderland, wenn wir schon Einträge als Fragen formulieren: Was sagt Alice, wenn sie sich mit Dorothy zum Tee trifft?
  • Zu Sperma-Exporten: Es ist vielleicht nicht unbedingt ein Thema, das diesem Autor in den Sinn kam, als er mit diesem Blog anfing, aber gut: Offenbar sind die USA der weltgrößte Exporteur von Sperma. Nur, warum?

    It’s not about the superior fitness of American males, exactly. One reason is that the US’s immigration history means lots of ethnic diversity. For some would-be mothers from other parts of the world, this can give US product a leg up over places like Denmark, another sperm exporting powerhouse.

    Der Fachausdruck für die Folgen der Gendurchmischung lautet Heterosis, auf Englisch auch hybrid vigor genannt. Dazu kommt die Kombination aus strengen Qualitätskontrollen und vergleichsweise lockeren Gesetzen. Kanada importiert übrigens 90 Prozent seines Spermas aus den USA. Nur so als nützliche Hintergrundinformation.

  • Zur Meinungsfreiheit: Können wir da noch einen draufsetzen? Klar. Wir haben erklärt, dass Parodie und Satire in den USA außergewöhnlich stark durch das First Amendment geschützt sind. So sehr, dass man in den USA Porno-Filme mit eigentlich geschützten Figuren drehen kann, so lange man das Ganze als Humor verpackt. Wir kommen jetzt darauf, weil io9 argumentiert, dass den Machern einer solchen porn parody als ersten überhaupt gelungen ist, Wonder Woman eine gute Uniform zu verpassen.

    Axel Braun (…) has just released the first entirely safe-for-work picture of Kimberly Kane as Wonder Woman from her upcoming porn flick, and holy god that is the best Wonder Woman outfit I’ve ever seen.

    Der Link ist ungefährlich für die Arbeit (außer, der Chef mag kein Wonder Woman), daher kann sich der interessierte Leser zu Recherchezwecken ohne Gefahr der sozialethischen Desorientierung selbst ein Bild vom Kostüm machen. Danach gibt es mehr zum juristischen Hintergrund von so Streifen wie The Dark Knight: XXX. Was vermutlich gleich die kalte Dusche spart.

ZEUGS: Die große Google-Reader-Evakuierung

März 23, 2013

Dieser Autor war vergangene Woche damit beschäftigt, ein schäbiges Bett für die Schönste Germanin zu bauen. Daher gibt es heute nur ein kurzes Zeugs. Davon dürfte es in den kommenden Wochen einige mehr geben als sonst, denn das Material dafür wurde bislang bei Google Reader gespeichert, und der wird bekanntlich versenkt. Heute beginnen wir mit der geordneten Evakuierung.

  • Zu Schokoladeneiern: Sollte sich jemand fragen, warum so viele Amerikaner so wenig von ihren Bundesbehörden halten, wäre da noch die Geschichte mit den Überraschungseiern. Diese sind nämlich in den USA verboten. Ja, verboten, denn Lebensmittel dürfen nach einem Gesetz von 1938 nichts enthalten, das nicht zum Verzehr geeignet ist.

    Under the law, you’re not allowed to have a “non-nutritive” object inside candy. Plus, the U.S. Consumer Product Safety Commission requires that all candy-encased toys need to be safe for children of all ages. Kinder Surprise eggs, as well as most competitors, are only safe for kids three and up.

    Angeblich werden jedes Jahr an der Grenze 60.000 Überraschungseier beschlagnahmt.

  • Zur Religion, weil man nach der ersten Meldung vom Glauben abfällt: Die Zahl der religiösen Amerikaner nimmt laut einer neuen Studie immer schneller ab.

    UC Berkeley researchers found that 20 percent of a nationally representative group reported no religious preference. That’s a jump from 1990 when all but 8 percent of Americans polled identified with an organized faith.

    Der Trend ist demnach bei Weißen und Männern am stärksten.

  • Zu Rosie the Riveter: “Life” hat eine Fotostrecke von Frauen in den US-Fabriken während des Zweiten Weltkriegs im Angebot. Auf der selben Website finden sich bislang unveröffentlichte Farbfotos von Bombern und ihren Besatzungen. Offenbar hat das Magazin schon alle Bilder mit Pinups veröffentlicht, denn die Bemalung der Flugzeuge ist durchgehend züchtig.
  • Zu laufenden Kriegen, um beim Thema zu bleiben: Auf amerikanischem Boden tobt ein Ameisen-Krieg. Eigentlich ist Argentinische Ameise (Linepithema humile) dabei, die ganze Welt zu erobern — aber nicht North Carolina!

    For some reason, across a few square miles of North Carolina the Argentine ants’ world-conquering strategy was not working. The Asian needle ants were, in fact, gaining ground.

    Hintergrund ist wohl die größere Kältetoleranz der Asiatischen Nadel-Ameisen (oder wie immer Pachycondyla chinensis auf Deutsch heißen). Wir sollten vielleicht betonen, dass die meisten Einwanderer sehr friedlich sind.

  • Zu deutschen Namen in den USA, als Folge der Einwanderung: Wie German Joys berichtet, können die nämlich zu ironischen Situationen führen. Nehmen wir die Autorin, die sich mehr Atheisten bei den Oscars gewünscht, aber dummerweise Laura Gottesdiener heißt …
  • Zur Geschichte des Englischen, wenn wir bei Sprachen sind: Zwei Linguisten behaupten, Englisch sei eigentlich eine skandinavische Sprache.

    [I]ts fundamental structure is strikingly similar to Norwegian.

    Demnach ist Alt-Englisch ausgestorben. Schuld wären die Wikinger.

  • Zu TV-Serien: Die benachbarten Serienjunkies erklären, warum so viele US-Serien im März pausieren. Hintergrund sind die sweeps etwa im Februar, die für die Werbung wichtig sind.

    Deshalb sind die Networks vor allem während der Sweeps bemüht, ihre Einschaltquoten nach oben zu treiben. Besonders gehäuft findet man in dieser Zeit extra aufwändig produzierte Folgen, Cliffhanger, berühmte Gaststars und herausragende Serienmomente (…). Natürlich muss man das, was man für Michael J. Fox („The Good Wife“) oder Gwyneth Paltrow („Glee“) an der einen Stelle ausgibt, an der anderen Stelle wieder einsparen.

    Die Ruhephase wäre dann der März. Zum Glück ist noch auf die Kanadier Verlass: Das Finale der dritten Staffel von Lost Girl ist für den 14. April angesetzt. Eine vierte ist natürlich bestellt.

ZEUGS: Die Mörderin von Oz, teuere Wahlen und verlorene Buchstaben

Februar 16, 2013

Dieser Autor war in der vergangenen Woche mit anderen Dingen beschäftigt, daher heute nur ein vergleichsweise kurzer ZEUGS-Eintrag.

  • Zu Kansas City, gleich beiden: In einem Bericht über Google Fiber muss erklärt werden, um welche Stadt es geht (Hervorhebung hinzugefügt):

    But Google hid its excitement, shooing away most national media and insisting, again, that its investment to make the Kansas Cities (Kansas and Missouri) the first fiber-wired zone in the country represented nothing more than an experiment rather than a massive business opportunity to build the future of connectivity.

    Das Symbol für Google Fiber scheint ein Hase zu sein, was die Frage nach dem Igel aufwirft.

  • Zum Steuersystem und die entsprechende Hoheit der Bundesstaaten, während wir bei Kansas sind: Dort will der Gouverneur die Einkommensteuer abschaffen.
  • Zum Wizard of Oz, damit wir nicht mehr in Kansas sein müssen: Eine berühmte Zusammenfassung, die wir im Hauptartikel vergessen hatten:

    Transported to a surreal landscape, a young girl kills the first person she meets and then teams up with three strangers to kill again.

    Der verlinkte Artikel hat weitere Beispiele für richtige, aber irreführende Zusammenfassungen. Die von Escape From New York ist eine der besseren.

  • Zu Thanksgiving: Das Wirtschaftsmagazin Forbes erklärt, dass die ersten Siedler eigentlich Sozialisten waren, nicht Kapitalisten.
  • Zu den Kosten der Präsidentschaftswahl: Wenn man die Wirtschaftskraft der USA berücksichtigt, war die jüngste Wahl nicht mal ansatzweise die teuerste:

    That would be the campaign of 1896, by almost a factor of five. (…) There was remarkably more campaign spending in 1896 than in the next four priciest elections combined.

    Der Republikaner William McKinley gewann die Wahl.

  • Zu Plain English: Der Guardian stellt eine Grafik vor, die zeigt, wie das sprachliche Niveau der Rede zur Lage der Nation in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gefallen ist. An James Madison in 1815 kommt niemand heran; George W. Bush schaffte 2005 immerhin ein kleines Zwischenhoch. Der Trend bleibt allerdings ungebrochen.
  • Zu Buchstaben, während wir bei Sprache sind: Zwölf Buchstaben, die es nicht ins englische Alphabet geschafft haben.

    Have you ever seen a place that calls itself “ye olde whatever”? As it happens, that’s not a “y”, or, at least, it wasn’t supposed to be. Originally, it was an entirely different letter called thorn, which derived from the Old English runic alphabet, Futhark.

    Was vielleicht das Unverständnis von Angelsachsen erklärt, warum die Deutschen noch an diesem komischen “ß” festhalten.

ZEUGS: Texte zu “Lincoln”, Frauen wollen Sturmgewehre und Schokolade für die Indianer

Februar 6, 2013

Heute gibt es keinen einführenden Kommentar, weil die Arizona Cardinals nicht den Superbowl gewonnen haben. Nicht einmal das Endspiel haben sie erreicht. Argh.

  • Zu Lincoln: Wer dieses Blog liest, braucht vermutlich keine Ermunterung, um den neuen Steven-Spielberg-Film über die letzten Wochen im Leben des vielleicht größten US-Präsidenten zu sehen. Dieser Autor hatte Dank einer freundlichen Einladung der US-Botschaft die Gelegenheit, früh in den Film zu gehen und würde folgende Texte aus diesem Blog als begleitenden Lesestoff empfehlen: Zum Bürgerkrieg, um das Ausmaß des Gemetzels zu verdeutlichen, zum Repräsentantenhaus, weil ein großer Teil des Films von den schmutzigen politischen Tricks in der Kammer handelt, und zu Executive Orders, den Anweisungen des Präsidenten, weil wir dort die Sklavenbefreiung besprochen hatten. Eine gute Lincoln-Biografie kann natürlich nicht schaden, aber das übersteigt unsere bescheidenen Möglichkeiten.
  • Zu Dr. Strangelove: Der interessierte Leser JL schickt als Vorschlag für einen sehr langen deutschen Titel folgendes ein:

    “Der Abentheuerliche || SIMPLICISSIMUS || Teutſch / || Das iſt: || Die Beſchreibung deß Lebens eines || ſeltzamen Vaganten / genant Melchior || Sternfels von Fuchshaim / wo und welcher || geſtalt Er nemlich in dieſe Welt kommen / was || er darinn geſehen / gelernet / erfahren und auß= || geſtanden / auch warumb er ſolche wieder || freywillig quittirt. || Überauß luſtig / und maenniglich || nutzlich zu leſen. || An Tag geben || Von German Schleifheim || von Sulsfort. || Monpelgart / || Gedruckt bey Johann Fillion / || Jm Jahr MDCLXIX.”

    Nicht zu verwechseln mit der Zeitschrift.

  • Zu Waffengesetzen: Wir haben darauf hingewiesen, dass die Diskussion über gun rights in den USA im Gegensatz zu Deutschland auch ein feministisches Thema ist. Im National Review argumentieren nun zwei Waffenbesitzerin für den freien Verkauf des AR-15 Sturmgewehrs — die Waffe, die bei dem Massaker in Connecticut eingesetzt wurde.

    Violence is always going to exist. As women, we should possess the right to best defend ourselves against it, whether with a handgun or our much preferred AR-15.

    Warum bevorzugen sie gerade dieses Sturmgewehr?

    The AR-15 is lightweight and practical. As light as five pounds, it produces low levels of recoil, and it’s easy to shoot. It also looks intimidating, which is what you want when facing an assailant or intruder.

    Die Zahl der Artikel über die Waffengesetze in den USA übersteigt im Moment den Platz dafür in diesem Blog. Dieser Autor hat daher viele davon auf seiner Google-Plus-Seite gepostet, die öffentlich zugänglich sein sollte. Die (hoffentlich) besten landen weiter hier.

  • Zur Einstellung zum Staat, weil sie in die Waffen-Diskussion einfließt: Erstmals hält eine Mehrheit der US-Bürger den Staat — genauer, den Bund — für eine Gefahr für ihre Rechte.

    As [President] Barack Obama begins his second term in office, trust in the federal government remains mired near a historic low, while frustration with government remains high. And for the first time, a majority of the public says that the federal government threatens their personal rights and freedoms.

    Damit hat dass Misstrauen gegenüber der US-Regierung unter Obama zugenommen.

  • Zum System der Wahlmänner: Die “New York Times” rechnet vor, warum die Demokraten absolut kein Interesse daran haben, dass die Stimmen des Kollegs nach dem Verhältniswahlrecht statt nach winner-takes-all verteilt werden:

    [B]y an electoral college count of 277 to 261, Mr. [Mitt] Romney would be president.

    Irgendjemand ist immer dagegen.

  • Zur angeblichen Prüderie in den USA: Spiegel Online berichtet über die amerikanische Sicht auf die Sexismus-Affäre im Zusammenhang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle:

    Das bringt uns zum zweiten schwer zu erklärenden kulturellen Unterschied: wie ungeschickt jemand wie Brüderle aus amerikanischer Sicht sein muss, sich in schlüpfrigen Bemerkungen etwa über die Dirndl-Tauglichkeit einer Journalistin zu ergehen.

    Gefunden vom interessierten Leser ARN.

  • Zur freien Namenswahl: Die BBC erklärt ihren staunenden Lesern, dass in Deutschland und einigen anderen Ländern der Staat mitbestimmt, wie Kinder heißen dürfen.
  • Zum deutschen Fernsehen, wenn wir uns schon mit der Außenwirkung beschäftigen: Die “New York Times” erklärt ihren Lesern “Wetten, dass …?” als Teil einer größeren Krise im deutschen Fernsehen:

    It’s all part of a larger soul searching over why Germany, with great traditions in literature, theater and film, has mostly missed the current wave of challenging, complex television. Der Spiegel asked in its latest issue, “Why are Germans the only ones sleeping through the future of TV?” The magazine called German programs “fainthearted, harmless, placebo television.”

    Der Titel ist keine Beleidigung, sondern eine Anspielung auf eine Sequenz in der David Letterman Show.

  • Zur Ernährung der Indianer: Schokolade kam wohl im 8. Jahrhundert in Nordamerika an. Es sind die wichtigen Dinge im Leben, die zählen …

Amerikanische Ausschnitte, kanadische Unterhosen und Depardieu goes Galt

Januar 21, 2013

Fieber ist doof, denn es entfällt der wichtigste sekundäre Krankheitsgewinn: Man kann im Bett nicht lesen. Zwar hat dieser Autor versucht, sich endlich Richard Dawkins’ berühmte Atheisten-Bibel-Schrift The God Delusion vorzunehmen, aber nach wenigen Seiten führte das nur zu einem, nun, unheiligen Brummen im Kopf.

  • Zu Religion in den USA: Immerhin ist dieser Autor noch in der Einleitung bis zu dem Punkt gekommen, an dem sich der Brite Dawkins sich gesondert und länger an seine amerikanischen Leser wendet. Er schreibt:

    The status of atheists in America today is on par with that of homosexuals fifty years ago.

    Das today bezieht sich bei dieser Taschenbuch-Ausgabe auf das Jahr 2007. Wie wir gesehen habe, zeigen Umfragen, dass inzwischen immer mehr Amerikaner ihr nicht-religiöses “Coming-Out” wagen, offenbar eine der Kernforderungen von Dawkins in dem Buch.

  • Zum Ruf des deutschen Justizsystems im Ausland: Dawkins verweist in einer Fußnote dieser Ausgabe auf das Urteil der deutschen Richterin Christa Datz-Winter, die 2007 einen Scheidungsantrag einer Muslimin verworfen hatte, weil ein Ehemann laut dem Koran seine Frau schlagen dürfe (der Ausschnitt bei Google Books). Die Auflage von The God Delusion lag laut Wikipedia bis Anfang 2010 bei mehr als zwei Millionen Exemplaren allein auf Englisch.
  • Zu Bürgerkrieg: Futury bespricht Folgen des Kriegs für den Journalismus, die bis heute gelten.
  • Zu Slang, diesmal aus Kanada: Wir haben mehrfach über Lost Girl gesprochen. Die Sci-Fi-Website io9 hat vor dem Start der dritten Staffel in den USA eine wahre Lobeshymne auf die Fernsehserie verfasst und bespricht die zahlreichen Hinweise, die den kanadischen Ursprung verraten:

    It started on Canada’s Showcase channel, where everybody could appreciate the jokes about gotch, and the occasional references to First Nations government policies.

    First Nations ist der Name der Kanadier für die Indianer, Worte wie ginch, gonch, gotch und gitch beziehen sich auf kanadischen Slang für die Unterwäsche. In den Kommentaren wird es nochmal richtig lustig wenn die Kanadier diskutieren, ob “BC” (British Columbia) wirklich zum Land gehört. Was die Übersetzer damit machen, ist unklar.

  • Zu Kanada, im vorbeigehen: Offenbar haben die Leute im kalten Norden die falschen Ahornblätter auf ihre neuen Geldscheine gedruckt. Diese sind außerdem aus Plastik, irgendwie. Und Ärger mit den Indianern haben die Kanadier auch. Aber wie gesagt, gutes Fernsehen.
  • Zu Ayn Rand: Als der französische Schauspieler Gerard Depardieu mit Hinweis auf die hohen Steuern seine Heimat verließ, hieß es es auf Englisch sofort wie? Genau, Depardieu shrugged.
  • Zu Maßeinheiten: Der interessierte Leser BM weist auf eine Übersicht für die Küche hin.
  • Zu prüden Amerikanern, weil es bei Lost Girl ständig um Sex geht: Der interessierte Leser MG weist auf einen Bericht über den angeblichen neuen Trend an den US-Unis hin. Beim #boobment ziehen Studentinnen enge und tief ausgeschnittene T-Shirts ihrer College-Mannschaft an, machen eindeutige Fotos und stellen sie dann auf Twitter online. Den Anfang sollen die Fans der University of Kansas Jayhawks gemacht haben [grenzwertig NSFW]. Not everything is flat in Kansas, wie es so schön heißt. Und dieser Autor war offenbar auf der falschen Uni. Oder es gab einfach noch kein Twitter. Oder beides.
  • Zur Unbeliebtheit des Kongresses, der sich inzwischen bekanntlich kaum noch fassen lässt: Public Policy Polling stellt eine Umfrage mit Vergleichen zwischen der Beliebtheit der Abgeordneten und unangenehmen Dingen vor wie Darmspiegelungen oder Zahnwurzelbehandlungen:

    Colonoscopies are not a terribly pleasant experience but at least they have some redeeming value that most voters aren’t seeing in Congress: Colonoscopies 58 [percent] Congress 31. And you can make the same point about root canals: Root Canals 56 Congress 32.

    Nickelback-Fans sollten die Studie vielleicht nicht lesen.

ZEUGS: Orcs (und andere) im Senat, rassistische Tweets und der Statistik-Gott

November 11, 2012

So, das war’s dann erstmal wieder mit dem Wahlzirkus — jetzt haben wir zwei Jahre wieder Ruhe. Moment, nur zwei Jahre?

  • Zur Legislaturperiode: Ja, zwei Jahre. Dieser Autor hatte nicht ganz ohne Hintergedanken im vergangenen Zeugs von der “zweijährigen Legislaturperiode” geschrieben, und tatsächlich haben einige interessierten Leser nachgefragt, ob das nicht ein Fehler sei. Nein — wegen der Gewaltenteilung sind die Amtszeiten des Präsidenten (vier Jahre) und die Legislaturperiode (zwei Jahre) nicht wie in den meisten europäischen Staaten identisch. Sprich, die nächste Wahl ist 2014. Außer natürlich, man ist zufällig Deutscher und muss 2013 zur Urne.
  • Zur direkten Demokratie: Nach den Referenden für die Homo-Ehe in mehreren Bundesstaaten untersucht Pew Research die regionalen Unterschiede in den USA. Der Trend ist eindeutig:

    The tipping balance of American public opinion was confirmed in this week’s national election exit polling: 49% of voters said their state should legally recognize same-sex marriage; 46% said it should not.

    Im US-Kongress ist auch die erste offene lesbische Senatorin eingezogen, Tammy Baldwin aus Wisconsin. Nach der Siegesserie wird im Internet viel das Bild Liberty kissing Justice von Mirko Ilic gepostet, leider oft ohne Quelle. Es stammt aus dem Jahr 2004.

  • Zur Religion in den USA: Wie man am vorherigen Eintrag sehen kann, haben die tiefchristlichen Gruppen massive und wie sie es selbst sehen folgenschwere Niederlagen erlitten: Immer mehr Amerikaner lehnen ihre Weltsicht schlicht und einfach ab.

    “It’s that the entire moral landscape has changed,” he said. “An increasingly secularized America understands our positions, and has rejected them.”

    Die “New York Times” geht weiter auf die langfristigen Auswirkungen ein. Ehrlich, schreiben die nur noch von diesem Blog ab?

  • Zu Muslimen im Kongress: Parallel zu dem Rückgang der Gläubigen allgemein geht der zweite Trend zur religiösen Vielfalt auch nicht spurlos am Kongress vorbei. Im Senat ist erstmals ein Buddhist eingezogen, Mazie Hirono aus Hawaii. Sie ist damit auch die erste in Japan geborene und erste asiatische Senatorin. Hirono hielt früher im Repräsentantenhaus den Sitz, der ab jetzt Tulsi Gabbard gehört, einer 31-jährigen Hinduistin und Veteranin des Irak-Kriegs. Das ist das erste Mal überhaupt, dass diese Religion im Kongress vertreten ist.

    Hopefully the presence in Congress of an American who happens to be Hindu will increase America’s understanding of India as well as India’s understanding of America.

    “Unser” Muslim Keith Ellison aus Minnesota hat seine dritte Amtszeit im Repräsentantenhaus gewonnen. Auch sein Kollege André Carson aus Indiana wurde trotz kontroverser Äußerungen über islamische Schulen als Vorbild für die USA wiedergewählt.

  • Zu Orcs in der Politik: Dann hätten wir noch die Demokratin Colleen Lachowitz, Landes-Senatorin von Maine, die von den Republikanern im Zusammenhang mit ihrer Leidenschaft für das Online-Spiel World of Warcraft angegriffen wurde. Lachowitz (offenbar Level 85, übrigens) hat gewonnen, und ihre Fans jubeln:

    Lvl 90 Goblin Hunter signing in to say a hearty Congrats! to you for showing the world that we gamer girls really are EVERYWHERE, so you GOPers [Republicans] better watch out from now on hehe!

    Womit klar ist, warum dieser Autor nicht einmal in die amerikanische Landespolitik einsteigen könnte: Er hat bei Diablo III noch nicht einmal seine Zauberin auf Level 60 gebracht. Man kommt ja zu nichts.

  • Zu Wahlbezirken: Mit gerrymandering wird in der US-Politik die Manipulation der Grenzen der Wahlbezirke durch die Regierung eines Bundesstaates bezeichnet, um der eigenen Partei einen Vorsprung zu verschaffen. Schauen wir uns bei ProPublica an, wie erfolgreich die Demokraten damit in Kalifornien waren:

    So how did congressional Democrats do in California after redistricting shook everything up? Quite well. Of 34 Democratic incumbents, only three lost their races, all three to other Democrats. Overall, Democrats in California gained four seats.

    Der Artikel beschreibt im Detail, wie so eine Änderung des Wahlkreises abgelaufen sein soll. Das Spiel spielen natürlich beide Parteien, wie wir am Beispiel der der Republikaner in North Carolina sehen. Es gehört zu den ungelösten Problemen des amerikanischen Wahlsystems.

  • Zum Wahlrecht: Auf io9 werden Karten zum Wahlausgang vorgestellt, die nach früheren Versionen des US-Wahlrechts basieren, sprich, insbesondere ohne Frauen und Schwarze. Das Problem ist allerdings, dass sich das Wesen der politischen Parteien über die Jahrzehnte geändert hat:

    The South, now a strong red [Republican] region, would have been very blue [Democrat] in the early twentieth century. So the white men voting Republican today would have voted Democrat historically; and of course some of our more “liberal” presidents like Lincoln were Republicans. And don’t even get me started on the Whigs.

    Wenn erstmal die Roboter das Wahlrecht bekommen, sieht eh alles anders aus.

  • Zum Nicht-Wählen, noch eine Karte: Die Größe der US-Bundesstaaten nach ihrer Wahlbeteiligung.
  • Zu Beleidigungen, die letzte Karte für heute: Auf ZDNet wird gezeigt, woher die meisten rassistischen Tweets während der Wahl kamen. Leider nicht wirklich eine Überraschung.
  • Zu Sprachen in den USA: Im Language Log findet sich eine Diskussion über die Feinheiten mehrsprachiger Hinweisschilder in amerikanischen Wahllokalen.

    In Korean, it is necessary to add “hada” to Chinese verb-object compounds in order to give them verbal force in a sentence. The form of “hada” used here (“hashipshio”) is gently imperative, so the whole sentence means something like “Go ahead and cast your ballots here.”

    Gesucht werden noch Kommentare zu den Schildern auf Thailändisch, Tagalog und Kambodschanisch, sollte sich jemand hier berufen fühlen.

  • Zur Wahlstatistik: Schließlich könnte dem interessierten Leser in den vergangenen Tagen der Name Nate Silver untergekommen sein, der für die “New York Times” das Wahlstatistik-Blog FiveThirtyEight schreibt (der Name leitet sich von den 538 Wahlmännern ab).

    A former baseball statistician, Silver has made his name by aggregating state level polling data, and predicting the likelihood of victory by adjusting for different factors that have historically influenced electoral performance. He consistently rejected the conventional wisdom that the race was tied, and for that, he was cast as a left-wing nut peddling bad science.

    Silver hat mit seinem wissenschaftlichen Ansatz faktisch durch die Bank Recht gehabt, was natürlich unverzeihlich in den Augen der Journalisten und Kommentatoren ist, die noch am Wahlabend auf der Basis ihres “Gefühls” (gut feeling) einen knappen Ausgang oder gar einen Sieg des Republikaners Mitt Romney vorhergesagt hatten. Sein Fans zitieren xkcd. Natürlich.

ZEUGS: Heulende Kinder, Goldkauf statt Wahlgang und Panik in Kanada

November 5, 2012

Man sollte sich von den Medien nicht täuschen lassen: Eine große Zahl von Amerikanern hat inzwischen die Nase gestrichen voll von der Wahl und wünscht sich nur noch, dass sie vorbei ist — nicht umsonst macht das Video vom heulenden Kind [YouTube] die Runde. Es gibt einen guten Grund, warum die Legislaturperiode eisern auf zwei Jahre festgelegt ist und nicht wie in Europa ständig Wahlen vorzeitig stattfinden: Würde kein Mensch aushalten.

Anbei einige letzte Links, die von oben nach unten zunehmend weniger ernst werden. Durchhalten, nur noch zwei Tage!

  • Zum Kongress und zur Gewaltenteilung: Der interessierte Leser NMK hat ein Psychoprofil der “Washington Post” des republikanischen Kandidaten Mitt Romney gefunden, das diese Passage enthält:

    “We don’t need a president to tell us in what direction to go,” said Grover Norquist, president of Americans for Tax Reform, at the 2012 Conservative Political Action Conference. “We just need a president to sign this stuff.”

    Dieser Autor hat inzwischen das (allerdings sehr subjektive) Gefühl, dass die wirtschaftlich ausgerichteten Medien eher als die politischen betonen, welche Bedeutung die Kongresswahl hat — vielleicht liegt das am drohenden fiscal cliff des US-Haushaltes. Im Kongress deutet sich weiter ein “faktisch unverändert” an, mit einer republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und einer demokratischen im Senat.

  • Zur Wahlnacht, wer das Haus nicht verlassen will: Die American Academy in Berlin veranstaltet ein Hangout bei Google+ mit Bundestagspräsident Norbert Lammert und anderen Gästen. Da wir ein Familienblog sind (meistens zumindest) gibt es hier keine Links zu den diversen Trinkspielen.
  • Zu Nicht-Wählen in den USA: Das Wirtschaftsblog Zero Hedge ruft dazu auf, statt zur Urne zu gehen lieber Gold zu kaufen und damit dem ganzen politischen System, nun, so richtig die Meinung zu geigen:

    [T]here is something you can do tomorrow that is 1000 times more constructive and helpful to America than voting. Go down to your local precious metals dealer and buy an ounce of physical gold or physical silver, or preferably, one troy ounce of both, and let the politicians that bow down to the money masters really know what you think.

    Ein troy ounce sind 31,1 Gramm.

  • Zu Wahlslogans und Sommerzeit: Nicht wirklich neu, aber vielleicht dem einen oder anderen interessierten Leser noch nicht bekannt, dieser Spruch vom Samstag aus dem konservativen Blog InstaPundit: Don’t forget to change your clocks tonight, and your President on Tuesday.
  • Zur Flucht aus den USA: Wie inzwischen eigentlich bei jeder Wahl gibt es wieder die Drohung von Prominenten, das Land zu verlassen und nach Kanada zu ziehen, sollte Kandidat X das Rennen gewinnen. Nur, was sagen eigentlich die Kanadier dazu, fragt sich die “New York Times”.

    “Every Canadian I know will take exile in Florida,” joked Craig Offman, the foreign editor of The Globe and Mail. “A massive influx of Americans would generate widespread fear and terror.”

    Tatsächlich stellt sich heraus, dass selbst nach der Wiederwahl von George W. Bush kaum Demokraten ihre Drohung wahr machten. Der Bericht spricht von einem Rechtsruck in Kanada, weswegen vielleicht inzwischen eher die Republikaner dort Zuflucht suchen sollten.

  • Zu Frust ablassen durch massive Gewalt: Pünktlich zur Präsidentenwahl hat io9 die besten Beispiele für die Zerstörung des Weißen Hauses zusammengestellt (Spoiler unter anderem für den interessierten Leser CHR, der immer noch bei Fringe um drei Staffeln zurückhinkt, ehrlich, hier müssen mal Prioritäten gesetzt weden). Auch die Briten sind dabei. Es fällt auf, dass in deutschen Filmen irgendwie nie die Waschmaschine zerstört wird.
  • Zu weiteren extremen Reaktionen, wenn wir dabei sind: Das Blog xkcd gibt (mal wieder) ein Beispiel dafür, wann man es vermutlich übertrieben hat mit dem Interesse an den Wahlen.
  • Schließlich zur psychologischen Betreuung, die dann nach der Wahl nötig werden könnte: Amerikanische Psychiater raten dringend, alles im Verhältnis zu sehen:

    People need to be more accepting and less emotional about the results and realize that, in the short-term the election will not affect them.

    Mehr als zwei Wochen sollten die Symptome des post-election stress syndrome nicht anhalten, sagen die Fachleute. Vermutlich ist es gut, dass Thanksgiving bald für Ablenkung sorgt.

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