Archive for the 'Zeugs' Category

ZEUGS: Chaos beim Football, Playboy bei der Feuerwehr und der Wahlkampf der Langeweile

September 26, 2012

Die wichtigste Nachricht dieser Tage ist fast komplett an der deutschen Presse vorbeigegangen: Die NFL streitet sich mit den Profi-Schiedsrichtern, weswegen Amateure die Spiele pfeifen. Die Folgen sind katastrophal.

Sixteen of 20 coach’s challenges resulted in overturned calls, meaning officials made the wrong decision on 80% of some of the biggest plays. Think about that.

An der heftigen Reaktion sieht man einen der vielen Gründe, warum Fußball es in den USA so schwer hat: Amerikanischen Fans fehlt die fatalistische Toleranz der Europäer für Fehlentscheidungen. Schiedsrichter müssen Profis sein.

Was? In der übrigen Welt gab es ein anderes Thema als American Football? Was denn?

  • Zum First Amendment: Der Streit über das Mohammed-Schmähvideo hat immerhin Fortschritte bei dem Wissen über die Bedeutung der Meinungsfreiheit in den USA aufgezeigt. Es gab kaum Aufrufe in der deutschen Presse, die Amis sollten das Video doch einfach verbieten. Dass man in den USA nicht nur den Islam beleidigen darf, dokumentierte parallel dazu die Diskussion über den “Piss Jesus” und eine nicht für den Arbeitsplatz geeignete, für Christen, Juden, Hindus und Buddhisten anstößige und allgemein eher geschmacklose Karikatur der Satire-Zeitung The Onion mit dem Titel “No One Murdered Because Of This Image”.
  • Zur Meinungsfreiheit, nochmal, und prüde Amerikaner: The Slate berichtet etwas ungläubig über einen Polizisten in San Francisco, der vom Dienst suspendiert wurde, weil er in seiner Freizeit Fantasy-Nacktfotos gemacht hat. Dabei hat er es gerade in dieser Stadt doch dienstlich ständig mit nackten Leuten zu tun:

    If one is not assigned to provide escort for the doms and slaves at the Folsom Street Fair, then there is the gay pride parade to contend with.

    Nebenbei erfahren wir, dass Feuerwehrleute in den USA offenbar das verfassungsmäßige Recht haben, auf der Wache Playboy zu lesen. Das wusste dieser Autor auch nicht.

  • Zur Wahl, auch irgendwo ein Thema: Die amerikanischen Journalisten — selbst die Politik-Freaks — hassen dieses Jahr den ganzen Wahlkampf wegen seiner unerträglichen Monotonie:

    If the last campaign was the change campaign, this is the no-change campaign.

    Das wäre dann die nächste Stufe der Amerikanisierung des Wahlkampfes: Fürchterliche Langeweile. Mal sehen, wann das nach Deutschland kommt.

  • Zur Autorisierung von Interviews: Da hat dieser Autor groß und breit erklärt, dass amerikanische Medien nie im Leben ihre Interviews von Politikern kontrollieren lassen, und dann kommt das Eingeständnis: Äh, haben wir doch gemacht. Sorry.

    Jim Messina, the Obama campaign manager, can be foul-mouthed. But readers would not know it because he deletes the curse words before approving his quotes.

    Danke auch. Immerhin war die Enthüllung der New York Times doch so peinlich, dass sie die Praxis wieder einstellen wollen. Aber jetzt ein bisschen plötzlich.

  • Zu kleinen Häusern: CNN berichtet über die Bewegung, die jetzt in New York gefördert wird:

    New York Mayor Michael Bloomberg in July announced a pilot program to develop a new housing model for the city’s growing small-household population.

    Das Projekt heißt adAPT. Ein großes Problem für die kleinen Häuser sind auch hier wieder die Bauvorschriften.

  • Zum Police Blotter: Das Material aus den Logbüchern der Polizeiwachen wird neuerdings für ein Blog mit dem Namen Cops Shooting People ausgewertet. Wie der Name sagt werden darin Vorfälle aufgelistet, bei denen Bürger von Polizisten an- oder erschossen wurden. Der letzte Eintrag war am 5. September.
  • Zur sozialen Mobilität, sprich, der Sache mit dem Tellerwäscher und dem Millionär: Die University of Michigan bestätigt in einer Studie, dass man in den USA keine außergewöhnlichen Aufstiegschancen hat, zumindest im Vergleich zu Deutschland und Schweden.

    “Especially in the United States, people underestimate the extent to which your destiny is linked to your background,” says Fabian Pfeffer, a sociologist at the U-M Institute for Social Research.

    Vermutlich gibt es inzwischen einfach zu viele Spülmaschinen.

  • Zu Frauen im American Football, um zu den wirklich wichtigen Themen zurückzukommen: Die New York Times hat offenbar wieder von diesem Blog abgeschrieben, denn kaum haben wir unseren Eintrag zu dem Thema veröffentlicht, berichtet die Zeitung groß und breit über eine Teenagerin in Florida, die als Quarterback ihrer High-School-Mannschaft spielt.

    Some students from the other high school approached the players. “They were kind of making comments about how they heard we had a girl quarterback,” said wide receiver Hordly Seide (…). “We were just like, ‘Yeah, she’s standing right here.’”

    Nach der New York Times griff übrigens auch Spiegel Online das Thema auf. Ehrlich, was würden diese ganzen Qualitätsmedien bloß ohne dieses Blog machen?

ZEUGS: Die Lage der US-Solarindustrie, Kanadier in den USA und israelische Kinderspiele

August 12, 2012

Die Zahl der ZEUGS-Einträge in diesem Blog hat etwas abgenommen, was daran liegt, dass dieser Autor die entsprechenden Links inzwischen eher schnell bei Google Plus postet. Das ist schon von der Formatierung her weniger Arbeit.

  • Zum US-Energieverbrauch: Die New York Times untersucht in einem längeren Artikel die Lage der Solarindustrie in den USA am Beispiel des Unternehmens Sungevity. Zu den größten Hindernissen gehört (natürlich) die Bürokratie:

    Lynn Jurich at Sunrun told me that the work it takes to arrange permits for an installation adds $2,500 to the cost of each system.

    Hauptsächlich geht es in der Reportage aber darum, wie knallharte finanzielle Überlegungen und ein neues Geschäftsmodell die Technologie beim Privatanwender vorantreiben. — Wer sich für das Thema interessiert, wird die Diskussion des Physikprofessors Tom Murphy in dem Energie-Blog Do the Math lieben. Mit Schaltbildern!

  • Zu amerikanischen (und anderen) Toiletten: Eine Erklärung, wie sie funktionieren. Mit Selbstversuchen!
  • Zu prüden Amerikanern, allerdings diesmal eher über die Briten, die auch die Amerikaner für prüde halten: Der im Vorbeigehen angesprochene SM-Roman Fifty Shades of Grey von E.L. James bricht in Großbritannien Verkaufsrekorde.

    The first in the erotic trilogy passed the million mark in 11 weeks, smashing the previous record of 36 weeks set by Dan Brown’s The Da Vinci Code.

    Auch in Deutschland scheint das Fieber ausgebrochen zu sein. Ehrlich, wie gut kann ein SM-Roman sein, der nicht auf dem Index steht?

  • Zu Kanada: Slate beschreibt die Wanderungsbewegung von Kanada in die USA.

    [A]bout 167,300 Canadian residents moved to the U.S. between 2001 and 2006. That’s about 33,000 per year. By comparison about 9,000 Americans move to Canada each year, and the U.S. has nine times as many people.

    Nach der Wiederwahl des republikanischen Präsidenten George W. Bush stieg die Zahl der Auswanderer nach Kanada um etwa 1.000 US-Bürger. Beschrieben wird auch, wie der Wechselkurs zwischen dem kanadischen und US-Dollar sich auf den Gewinn der gemeinsamen Hockey-Liga NHL auswirkt. Dabei reden wir natürlich von echtem Hockey, also Eishockey.

  • Zu den Indianern, während wir über Einwanderer sprechen: Neue Gen-Analysen deuten darauf hin, dass es drei Migrationswellen aus Asien gab.
  • Zum Krieg gegen Japan und Inhaftierungslager: Die New York Times berichtet von einer Gedenkveranstaltung für eine Untergruppe der Amerikaner japanischer Abstammung, die während des Zweiten Weltkriegs in Lagern festgehalten wurden: Die, die zwei Fragen zur Loyalität mit “Nein” beantwortet hatten.

    After the end of the war, the no-noes, as they were known, not only struggled to find a place in mainstream society, but also were regarded with suspicion by other Japanese-Americans, whose pledge of undivided loyalty and search for larger acceptance could have been threatened by the no-noes.

    Weil man es nicht oft genug sagen kann: Ein concentration camp ist kein “Konzentrationslager”, das meist als death camp übersetzt wird.

  • Zum Supreme Court: Der interessierte Leser StS schreibt über die Geschichte des Obersten Gerichts.
  • Zu Waffengesetzen: Die schwarze Journalistin J. Victoria Sanders erklärt, warum sie eine Schusswaffe besitzt und welche Bedeutung die Waffengesetze aus ihrer Sicht für den schwarzen Feminismus haben.

    To be a gun-owning feminist, to prepare to protect oneself against two of the most frightening enemies of female-identified people — rape and/or domestic violence — still strikes at the heart of what could be described as a feminist identity crisis, wherein women oppress each other with our inability to make room for alternative models of self-protection.

    Der Kritik anderer Frauen stellt sie die Unterstützung durch “weiße Südstaaten-Männer” gegenüber. Dem Bericht zufolge sind schwarze Frauen in Texas seit fünf Jahren die Gruppe mit der größten Zunahme von Anträgen auf einen Waffenschein.

  • Zur Wahl: Das Pew Research Center beschreibt und analysiert die immer größeren Herausforderungen bei politischen Umfragen in den USA. Unter anderem will niemand mit den Leuten am Telefon reden:

    At Pew Research, the response rate of a typical telephone survey was 36% in 1997 and is just 9% today.

    Dazu kommt, dass immer mehr Amerikaner kein Festnetzanschluss mehr haben, sondern nur ein Handy, und darüber keine Umfragen gemacht werden, warum auch immer. Die Institute sind trotzdem der Meinung, dass sie brauchbare Ergebnisse liefern.

  • Zu Religion in den USA und der Wahl: Foreign Policy untersucht die Beziehungen zwischen Mormonen und Juden.

    “Mormons consider themselves to be latter-day Israelites and inheritors of the promises made to Abraham, so they have a natural affinity for Jews,” says Mark Paredes, a Mormon from Michigan who writes the blog Jews and Mormons for the Jewish Journal of Greater Los Angeles.

    Angenehm sind die zahlreichen Links im Text zu den einzelnen Quellen. Mensch, woher kennen wir das bloß?

  • Zu Kinderspielen: In amerikanischen Sommerlagern und an Schulen setzt sich ein israelisches Spiel namens “Gaga” durch.

    In gaga, players lob the ball underhand, trying to hit one another below the knees (or below the waist, depending on where you’re playing) to eliminate their opponents from the court. If the ball goes over the wall, or if it is caught before bouncing, the person who launched it is out of the game.

    Der Artikel verlinkt zu einer ausführlicheren Beschreibung der Regeln. Stefani Joanne Angelina Germanotta war für eine Stellungnahme offenbar nicht zu erreichen.

ZEUGS: Mehr Asiaten, weniger Zeitungen und Obama gegen die Aliens

Juni 28, 2012

Ein Problem mit diesem Blog ist dass es nie für einen so langen Zeitraum konzipiert wurde. Deswegen fehlt ein Mechanismus, um mit überholten Informationen umzugehen, wie der erste Einträg heute zeigen. Eine wirkliche Lösung ist erstmal nicht in Sicht — der Aufwand, alles auf den neusten Stand zu halten, ist nicht zu leisten. Wir können nur in regelmäßigen Abständen darauf hinweisen, dass man USAE nicht als ein Nachschlagewerk, sondern als eine Art Magazin verstehen sollte, bei dem alte Einträge dem damaligen Stand entsprechend.

  • Zu Hispanics: Denn das Pew Research Center hat eine neue Untersuchung zu Asiaten in den USA veröffentlicht. Was man sich aus den neuen Daten merken muss, ist dass Asiaten inzwischen den größten Anteil an Einwanderern in die USA ausmachen.

    Asians have surpassed Hispanics as the largest wave of new immigrants to the United States, pushing the population of Asian descent to a record 18.2 million and helping to make Asians the fastest-growing racial group in the country

    Moment, was ist mit den ganzen Hispanics passiert? Nun, die Zuwanderung aus Lateinamerika — legal wie illegal — ist deutlich zurückgegangen, unter anderem wegen der wirtschaftlichen Lage in den USA. Zudem begünstigen die Einwanderungsvorschriften Bewerber mit höherer Bildung. Hispanics bleiben weiterhin die größte Minderheit, der Anteil der Asiaten in der Gesamtbevölkerung liegt bei 5,8 Prozent.

  • Zu Hispanics, nochmal: Bekanntlich ist aber der Vergleich zwischen Hispanics und anderen Gruppen immer schwierig, weil es sich nicht um eine race wie Schwarz oder Weiß handelt, sondern um eine ethnic group. Entsprechend gibt es auch Asian-American Hispanics. Die interessierte Leserin AK weist in diesem Zusammenhang auf einen Artikel von Jeff Jacoby hin, der sich im Boston Globe über das angebliche Ende des “weißen Amerikas” lustig macht.

    It isn’t coming. (…) It turns out that of the 3,996,537 babies in the United States younger than age 1, nearly 72 percent are white. The only way to shrink that very hefty majority to less than half is to exclude the nearly 900,000 white babies whose ethnic background happens to be Hispanic.

    Sprich, nur wenn man whites mit non-Hispanic whites gleichsetzt, würden “die Weißen” langsam verdrängt. Enthält den Hinweis, dass kein geringerer als Benjamin Franklin die Deutschen als “Nicht-Weiße” sah, die man unmöglich in die Gesellschaft eingliedern könne — und der Frage, was der ganze Terz mit den Rassen eigentlich überhaupt soll.

  • Zu Religion: Wie auch immer, der Zustrom von Asiaten bringt schleichende, aber deutliche Änderungen mit sich. Wir nehmen in diesem Blog immer gerne die Religion als Beispiel, weil sie grundlegende Annahmen in einer Gesellschaft betrifft, und unter den Religionen gerne den Buddhismus, weil er sich so deutlich von den vertrauten abrahamischen Religionen unterscheidet. Die New York Times weist in einem Erlebnisbericht zur Meditation auf die zunehmende Zahl der Buddhisten in den USA hin:

    Buddhism is the fourth largest religion in the United States. More Americans convert to Buddhism than to Mormonism.

    Macht man sich klar, dass von 2000 bis 2010 die Zahl der Mormonen um 45 Prozent zulegte, sieht man die Bedeutung. Demnach lag die Zahl der Buddhisten vor zwei Jahren bei etwa einer Million — immerhin, 2000 wurden sie nicht einmal erfasst.

  • Zur Presse: In Birmingham (Alabama, nicht England) sowie New Orleans werden bald keine lokalen Tageszeitungen mehr auf Papier erscheinen.

    [T]he business models of metropolitan daily newspapers in the U.S. pretty much set them up for failure once the Internet arrived. And even if they’d succeeded, their news operations would be endangered anyway.

    Enthält eine Erklärung, welche verheerenden Folgen der Kleinanzeigen-Anbieter Craigslist auf den amerikanischen Zeitungsmarkt hat. In Deutschland hat sich kein wirkliches Gegenstück etabliert.

  • Zu Verbrechen: Die Zahl der Gewaltverbrechen ist in den USA auf ein neues Tief gefallen. Und dann hätten wir noch die Nachricht, dass …
  • Zu Staatsbürgerschaft: … eine Rekord-Zahl von US-Bürgern ihre Staatsbürgerschaft aufgibt. Vermutlich muss man aber auch hier zwischen Korrelation und Kausalität unterscheiden.
  • Zur Demokratie als Staatsform: Lee Harris fragt in einem Artikel in The American, ob die Amis wie jüngst behauptet zu doof für die Demokratie sind.

    Judging from the tone of these articles, America is currently suffering not only from an epidemic of obesity, but an epidemic of stupidity.

    Sein Fazit lautet nein. Das ist beruhigend, denn sonst würde sich die Frage stellen, ob die Amerikaner überhaupt in der Lage sind, eine andere Staatsform zu erlernen.

  • Zum Bürgerkrieg: Weil die Bilder-Links so gut ankamen, noch ein Hinweis auf 3D-Bilder aus dem Bürgerkrieg, mit Links zu weiteren Foto-Archiven.
  • Zu Unit 731 aus dem Zweiten Weltkrieg: Versagt die Schulbildung, helfen TV-Serien. In der Folge “The 40th Floor” von Warehouse 13 spielt ein Artifakt aus dem “Auschwitz of the East” eine wichtige Rolle. Wenigstens etwas Hintergrund wird mitgeliefert. Überhaupt ist die vom interessierten Leser MG empfohlene Serie voller geschichtlicher Anspielungen.
  • Zu Amelia Earhart, während wir über Geschichte reden: Es gibt neue Hinweise auf das Schicksal der verschwundenen Pilotin, Hinweise, die leider auf ein tragisches Ende hindeuten. Es wurden zwar direkt nach ihrem Verschwinden Funksignale empfangen, aber als Fakes verworfen.

    “When the search failed, all of the reported post-loss radio signals were categorically dismissed as bogus and have been largely ignored ever since,” Mr. Gillespie said. But the results of the study, he said, “suggest that the aircraft was on land and on its wheels for several days following the disappearance.”

    Neue Computeranalysen — die 1937 natürlich nicht möglich waren — deuten darauf hin, dass die Not-Signale echt waren. Die US-Marine beginnt eine neue Untersuchung.

  • Zur Präsidentenwahl: Nach einer Studie des National Geographic Channel (NGC) ist eine Mehrheit der Amerikaner der Meinung, dass der demokratische Amtsinhaber Barack Obama besser eine Invasion von Außerirdischen abwehren könnte als der republikanische Bewerber Mitt Romney.

    [N]early two-thirds (65%) of Americans think Barack Obama would be better suited than fellow presidential candidate Mitt Romney to handle an alien invasion.

    Endlich jemand, der die wirklich wichtigen Fragen stellt. Interessant ist auch, welcher Superheld die Amerikaner in so einem Fall rufen würden:

    if aliens attacked our planet, more than one in five (21%) would most likely call on the Hulk to deal with the havoc. Far fewer would most trust Batman (12%) or Spiderman (8%) to step in.

    Logisch, denn Spiderman braucht offenbar ständig einen Reboot. Damit hat sich Obama aber noch lange nicht die Stimme dieses Autors gesichert. Viel dringender als der Kampf gegen Aliens sind die Programme der Kandidaten zur Bewältigung der Zombie-Apokalypse.

ZEUGS: Die Error-37-Ausgabe

Mai 25, 2012

Woran merkt man, dass man eine Familie hat, einen Job, diverse Verpflichtungen, nicht nächtelang aufbleiben kann, also zusammengefasst schlicht und einfach alt geworden ist? Diablo 3 kommt raus und zehn Tage später ist man immer noch nicht das erste Mal durch. Unfassbar, das wäre früher innerhalb von 36 Stunden abgefeiert gewesen. Wenigstens bleibt (noch) die Blamage erspart, von den eigenen Kindern vorgeführt zu werden, denn das hack-and-slay ist noch nichts für sie.

Wie auch immer, während des Aufstiegs zu einem Wizard Level 32 (erst) sind ein oder zwei Dinge aufgelaufen.

  • Zur politischen Dimension von Fabelwesen: Dieses Blog wird schon mal dafür belächelt, dass es die USA lieber mit Hilfe der Populärkultur erklärt als mit Ergüssen aus den Elfenbeintürmen der Intellektuellen. Völlig zu Unrecht, natürlich, denn man kann die US-Politik nachweislich komplett mit Vampiren und Zombies erklären:

    Here’s the weirdest graph you’ll see all week. It’s graphing the popularity of zombie movies versus vampire movies, split out by whether the president at the time was a Republican or a Democrat. There are exceptions, but in general when a Republican is in office, it’s all about zombies. When it’s a Democrat, it’s all about vampires.

    Eine genauere statistische Analyse findet sich bei der Originalquelle Mr. Science Show. Das führt zur Frage, ob die zunehmende Beliebtheit von Lost Girl mit ihren Succubi den Aufstieg einer dritten Partei in der amerikanischen Politik vorhersagt.

  • Zu Präsidentenwahl, denn auch Comic-Figuren spielen eine Rolle: In Kalifornien gibt es eine Bewegung, Mickey Mouse als Präsidentschaftskandidaten einzusetzen.

    Mickey Mouse is an icon of the successful practice of CAPITALISM. He lives it, he loves it, and he does not belittle it.

    Hintergrund ist dass die Teilnehmer an der demokratischen Vorwahl einen Kandidaten angeben können, der nicht auf dem Stimmzettel vorgedruckt wurde (write-in). Donald Duck war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

  • Zur Geburtenrate, denn es gibt eine Zeitenwende: Der Anteil der weißen Neugeborenen (non-Hispanic white) ist unter 50 Prozent gefallen.

    Non-Hispanic whites accounted for 49.6 percent of all births in the 12-month period that ended last July, according to Census Bureau data made public on Thursday, while minorities (…) reached 50.4 percent, representing a majority for the first time in the country’s history.

    Der Artikel in der “New York Times” geht auf die gesellschaftlichen Folgen und die Altersstruktur ein, die daraus entsteht: Alte nicht-hispanische Weiße und junge Hispanics und Schwarze.

  • Zum Krieg gegen Japan: io9 verweist auf die Biowaffen-Angriffe auf China.

    Led by the enigmatic Dr. Shiro Ishii, Unit 731 committed thousands of macabre experiments and infected hundreds of thousands with the plague in China. Most of the scientists involved with Unit 731 escaped trial and entered mainstream society at the end of the war due to an agreement with Allied commanders, but a few are speaking of the horrors they committed in their old age.

    Der Artikel ist in der Rubrik secret history für kaum bekannte Ereignisse der Geschichte eingeordnet.

  • Zur Buchzensur, Fanfiction und prüden Amerikanern: Der interessierte Leser mag bemerkt haben, dass es im amerikanischen Sprachraum zunehmend Anspielungen auf “50 Grauschattierungen” gibt, wie “Fifty Shades of Gay” bei Slate oder “Fifty Shades of Spay” bei Icanhascheezburger. Der Ursprung ist der SM-Roman Fifty Shades of Grey, ein Bestseller, der seinen Ursprung im Twilight-Fanfiction hat. Die Nachfrage ist so groß, dass auch amerikanische Bibliotheken sie aufnehmen.

    At many, “Fifty Shades of Grey,” by the previously unknown British author E. L. James, is the most popular book in circulation, with more holds than anyone can remember on a single title (2,121 and counting last Friday at the Hennepin County Public Library, which includes Minneapolis, up from 942 on April 9).

    Einige Bibliotheken haben beschlossen, das Buch nicht in die Regale zu nehmen. Dieser Autor hat es noch nicht gelesen — wenn er bei Diablo 3 eine respektable Stufe erreicht hat, ist erstmal A Song of Ice and Fire an der Reihe. Er sagt aber jetzt schon voraus, dass wie bei 9,5 Weeks die Kinoversion stark bereinigt sein wird.

  • Zum US-Militär: 51 Prozent der US-Bürger wollen einer Umfrage zufolge die amerikanischen Soldaten aus Europa abziehen. (Via InstaPundit).
  • Zum Dark Day, um wenigstens zum Ende etwas das Gefühl von Diablo hineinzuschleppen: Der Sender BBC befasst sich mit dem Rätsel des gleichnamigen Tages am 19. Mai 1780, als es in Neuengland und Kanada finster wurde. Die neuste Theorie ist ein Waldbrand. Weil die BBC aber britisch ist, kann eine Sache in dem Artikel nicht fehlen:

    When the makers of Doctor Who this week asked fans of the show to send in their suggestions, they received a wide range of theories both plausible and Tardis-related.

    Zur Vorsicht wird auch nochmal darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr die Welt nicht enden wird — was natürlich voraussetzt, dass dieser Autor Akt IV endlich abschließt.

ZEUGS: Vermisste Atombomben, verlorene Kolonien und zensierte Homo-Erotik

Mai 10, 2012

  • Zu verlorenen Kolonien: Neue Hinweise in einem mehr als 400 Jahre alten Rätsel: Die Untersuchung einer alten Karte im Britischen Museum könnte eine Spur zur Roanoke-Kolonie enthalten, die Ende des 16. Jahrhunderts verschwand. Offenbar wurde eine Stelle mit einem Flicken überklebt und damit ein Symbol für ein Fort versteckt. Die Lost Colony hinterließ als einzigen sicheren Hinweis das Wort “Croatoan”, eingeritzt in einem Baum.
  • Zu verlorenen Atombomben, während wir Dinge suchen: IO9 berichtet über eine seit 1958 vor Virginia vermisste Atombombe, die vor der Notlandung eines B-47-Bombers abgeworfen wurde. Warum die Notlandung? Weil der Bomber bei einer Übung mit einem Kampfflugzeug kollidiert war. Und wieso wurde bei einer Übung eine echte Atombombe mitgeführt?

    [F]lying a simulation with a detonation-ready nuclear bomb is bizarre, but it provides the most accurate preparation for a combat scenario.

    Die Suche wurde immer wieder fortgesetzt, zuletzt 2001. Umsonst. Von einem Finderlohn ist übrigens nicht die Rede.

  • Zu prüden Amerikanern und die Synchro von US-Medien: Die Zeitschrift Unique beschreibt die inhaltlichen Eingriffe während der Übersetzung:

    Vulgäre Ausdrucksweisen, sexuelle Anspielungen (besonders homosexuelle) und die Thematisierung von Ehebruch, Prostitution und Pädophilie sind dem deutschen Publikum teils bis heute immer wieder dank weitsichtiger Synchron-Autoren erspart geblieben.

    Das “erspart geblieben” ist übrigens Ironie. Dieser Autor muss gestehen, dass ihm die Änderungen an Citizen Kane nicht bekannt waren. (Via BildBlog)

  • Zu prüden Amerikanern, nochmal, und Zensur in US-Medien: Skandal bei Lost Girl! Wie beschrieben handelt es sich um eine kanadische Serie, die in den USA von SyFy ausgestrahlt wird. Jetzt soll das eingetreten sein, was Kritiker befürchtet haben: In der US-Version ist eine Szene geschnitten worden — um acht Sekunden — die die Liebesbeziehung zwischen Bo und Lauren charakterisiert. Die lesbischen Fans der Serie schäumen vor Wut (dort auch eine Dokumentation des Schnitts). Syfy weist alles zurück und macht die kanadischen Produzenten Showcase verantwortlich. Diese verweisen ihrerseits auf die Notwendigkeit, die Folgen aus Zeitgründen zu kürzen, denn in den USA sind die time slots kürzer. Syfy-Pressesprecher Gary Morgenstein nutzt die Gelegenheit sofort zur Werbung:

    [T]he scene was cut not by Syfy but by the producers to conform to US running time; the Canadian version runs longer. … None of this had to do with the same sex relationship. In fact, in episode 206, airing on Syfy May 21, there is a rather “hot” scene between Lauren and Bo.

    Trotzdem, die Kommentare im Syfy-Forum sind nicht nett und auf der Facebook-Seite von Lost Girl wird darum gebeten, die Zuschauer nicht für dumm zu verkaufen. Dabei wird auch bemerkt, um endlich zum Punkt zu kommen, dass es keinen rechtlichen Grund für die Schnitte geben kann: Als Kabelsender ist Syfy nicht dem FCC unterworfen und kann zeigen, was es will (tatsächlich ist Lost Girl verglichen mit True Blood und Game of Thrones fast kindertauglich). Die Verschwörungstheorien konzentrieren sich daher inzwischen auf Syfys hausinterne Regeln. Klar ist, dass bei der Szene am 21. Mai jede Sekunde gezählt werden wird.

  • Zu nützlichen englischen Wörtern: Die Schönste Germanin, die sich immer Gott weiß wo im Internet herumtreibt, hat ein Video [YouTube] über die vielen Verwendungen des Wortes fuck gefunden. Schockierend.
  • Zur US-japanischen Kulturvermengung: Der japanische Kulturimperialismus schlägt wieder zu. Der Spielentwickler Blizzard hat einen Kurzfilm zu der bevorstehenden Veröffentlichung von Diablo 3 online gestellt:

    Blizzard Entertainment teamed up with renowned director Peter Chung and acclaimed animation studio Titmouse to create this unique vision of a fundamental moment in the battle between the High Heavens and the Burning Hells.

    Interessant ist die japanische Bildersprache in einem Werbefilm für ein amerikanisches Spiel, das sich inhaltlich vom europäischen Mittelalter ableitet. Diablo 3 erscheint am Dienstag, und dieser Autor möchte übrigens anschließend nicht gestört werden.

  • Zu den Federalist Papers: Wir hatten von der Bedeutung der Argumentationsschriften für die US-Verfassung gesprochen. Das Wall Street Journal hat nun mit Entsetzen festgestellt, dass sie an führenden amerikanischen Universitäten äußerst stiefmütterlich behandelt werden.

    The political science departments at Harvard, Yale, Princeton, Stanford and Berkeley — which set the tone for higher education throughout the nation and train many of the next generation’s professors — do not require candidates for the Ph.D. to study The Federalist.

    Fehlanzeige auch in hochrangigen juristischen Fakultäten. Dieser Autor kann die Lektüre, auch wenn sie nicht ganz einfach ist, nur empfehlen. Dann weiß man mehr als Harvard-Doktoren! (Via InstaPundit)

  • Zu Fan-Fiction: Der Wissenschaftsjournalist Clive Thompson bricht in Wired eine Lanze für selbstgeschriebene Geschichten aus virtuellen Universen wie die von Harry Potter.

    As fandom scholars like blogger and USC professor Henry Jenkins have documented, today’s young people routinely build off their favorite cultural universes — writing new stories, creating game mods, shooting fan videos. It’s not sui generis creativity — they’re working with preexisting worlds — but it exercises the same creative muscles.

    Natürlich ist der Effekt bei Buffy-Geschichten doppelt so stark.

ZEUGS: Fantasy-Englisch, der Fall Trayvon Martin und die Darth-Vader-Kathedrale

April 5, 2012

Beim Ungenannten Arbeitgeber ist das Game of Thrones-Fieber ausgebrochen, vermutlich weil die Serie endlich auch nach Deutschland gekommen ist. Für dieses Blog scheint da allerdings nicht viel zu holen zu sein. Netterweise gehen die Briten selbst auf die Frage ein, warum in amerikanischen Fantasy-Serien alle einen britischen Akzent haben. Eine Erklärung (Zitat umformatiert):

Some have a simple explanation for the British invasion of fantasy land — Kevin Costner. Although not strictly part of the genre, his US/British accent in Robin Hood — Prince of Thieves was so jarring, and out of historical context, that it stood as a warning to all future directors.

Aus irgendeinem Grund erinnert dieser Autor sich hauptsächlich an die Szene, in der Mary Elizabeth Mastrantonio ihm in den Schritt tritt. Seltsam das.

  • Zur Entwicklung der englischen Sprache, während wir beim Thema sind: Im Nordosten des Landes wird an den Vokalen herumgespielt.

    This rearrangement, called the Northern Cities Vowel Shift, is the result of a chain reaction of vowel changes on an epic scale similar to the process that transformed vowels from Middle English to Modern English between 1400 and 1600. (…). The Northern Cities Vowel Shift is thought to be both spreading and accelerating.

    Die Änderung selbst scheint eher unstrittig. Allerdings argumentiert dieser spezielle Artikel, dass sie entlang politischer Linien stattfindet … was eine ganz andere Kiste wäre.

  • Zur Entdeckung Amerikas: Es gibt Hinweise, dass schon während der Steinzeit Europäer nach Nordamerika gewandert sein könnten.
  • Zum Trauma des Bürgerkriegs: Die Zahl der Toten im Civil War ist offenbar deutlich höher als bislang geschätzt. Dem Historiker J. David Hacker der Binghamton University zufolge liegt sie bei 750.000, mehr als 20 Prozent über der bisherigen Schätzung.

    “It helps you understand, particularly in the South with a much smaller population, what a devastating experience this was.”

    Erstaunlicherweise scheint auch dieses Ergebnis nicht so strittig, wie man vermuten könnte.

  • Zu Geheimdiensten: Wired berichtet sehr ausführlich über das neue Utah Data Center des Nachrichtendienstes NSA.

    According to another top official also involved with the program, the NSA made an enormous breakthrough several years ago in its ability to cryptanalyze, or break, unfathomably complex encryption systems employed by not only governments around the world but also many average computer users in the US.

    Der Bericht enthält unter anderem ein Schaubild, wie die Datenströme zusammenlaufen. Wired hat der Versuchung widerstanden, ein kleines Kreuz mit dem Hinweis your data is here einzufügen.

  • Zu Hispanics: Wir hatten darauf hingewiesen, dass hispanic nicht wie white oder black die Rasse beschreibt, sondern eine zusätzliche Einteilung ist — es gibt daher “weiße Hispanics” (wie die Schauspielerin Cameron Diaz von Charlie’s Angels), “schwarze Hispanics” (wie Gina Torres von Firefly), und so weiter.

    Das ist jetzt im Streit um die Tötung des schwarzen Teenagers Trayvon Martin durch George Zimmerman zum Politikum geworden: Nennt man den mutmaßlichen Täter “weiß” (wie am Anfang der Berichterstattung), “hispanisch” (wie es Zimmermans Vater sieht) oder benutzt man, wie die “New York Times” es zwischendurch tat, den bürokratischen Begriff white Hispanic? Die Zeitung hat sich für diese Variante einige Kritik eingefangen (Hervorhebung im Original):

    He’s only a “white Hispanic” because they need the word “white” to further the story line, which is, White, probably racist vigilante shoots an unarmed black kid.

    Die Zeitung hat bestätigt, dass sie den Begriff eher selten benutzt, aber die Verwendung in dieser Phase der Berichterstattung verteidigt. Inzwischen hat sie auf Hispanic gewechselt (die Entwicklung in der deutschen Berichterstattung wird dem interessieren Leser als Übung überlassen). Die Diskussion hat ein Eigenleben entwickelt.

  • Zu den US-Medien: Der Fall Trayvon Martin liefert uns auch ein Beispiel, warum viele Amerikaner ihren Medien misstrauen. MSNBC und NBC haben eine gekürzte Version von Zimmermans Notruf (911 call) herausgegeben, die Vorwürfe des Rassismus zu bestätigen schienen. Das in der Sendung “Today” gesendete Zitat lautete:

    Zimmerman: This guy looks like he’s up to no good. He looks black.

    Tatsächlich lautete diese Stelle des Gesprächs mit dem Notruf-Beantwortungsmenschen so:

    Zimmerman: This guy looks like he’s up to no good. Or he’s on drugs or something. It’s raining and he’s just walking around, looking about.

    Dispatcher: OK, and this guy — is he black, white or Hispanic?

    Zimmerman: He looks black.

    Zimmerman sprach an dieser Stelle nur nach einer gezielten Anfrage über Martins Rasse (der Fall als Ganzes ist komplizierter). Entdeckt wurde die gekürzte Version offenbar von von Fox News, einem bekanntlich konservativen Sender. Ähnlich gelagerte Blogs wie Newsbusters sehen hier einen Beweis für einen Linksdrall (liberal bias) der US-Medien. NBC hat sich inzwischen bei seinen Zuschauern entschuldigt, wohl aber nicht bei Zimmerman.

  • Zu Indianern, wenn wir heute schon so häufig die “New York Times” zitieren: Die Zeitung berichtet über die Probleme mit den verlassenen Uran-Minen auf dem Land der Navajo.
  • Zu dicken Amerikanern: The Atlantic bietet eine eindrucksvolle Landkarte mit der Entwicklung des Übergewichtes in den einzelnen Bundesstaaten von 1994 bis 2008. Hauptthema des Textes The True Cost of Unwalkable Streets ist allerdings das Fehlen von Bürgersteigen in vielen amerikanischen Städten:

    We have, in effect, made getting around by foot or bicycle the most dangerous and least attractive option, though some brave souls risk their safety to walk or bicycle despite the hostility of the environment.

    Die Städte seien zum Teil nur auf Autofahrer ausgerichtet, obwohl sich das inzwischen ändere. Deutschland ist im Vergleich eine Nation von Fußgängern. (Via ZeroHedge)

  • Zu Alkoholgesetzen, weil wir bei Karten sind: io9 zeigt die Landkreise (counties, ausdrücklich nicht: Bundesstaaten) in denen der Ausschank in der Schänke eingeschränkt ist.
  • Zur Vorwahl der Republikaner: The Slate geht darauf ein, warum die Berichterstattung über die Zahl der Delegierten so chaotisch abläuft: Das Verfahren ist es auch.
  • Zu Religion in den USA: Wer das nächste Mal in Washington, DC ist und die National Cathedral besucht, mag nach dem Kopf von Darth Vader Ausschau halten. Um das Böse zu sehen, braucht man allerdings Ferngläser [PDF] — beruhigend, irgendwie.

ZEUGS: Vom Ami zum Deutschen, die Sex-Szenen bei Galaxy Quest und die Abtreibungsfrage bei Buffy

März 15, 2012

  • Zur Staatsbürgerschaft: Im Magazin Slate beschreibt eine amerikanische Jüdin, wie und warum sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, die ihrem Großvater entzogen worden war.

    It’s hard to say how many people have been naturalized, but word has spread in the last five to 10 years. Advertisements run in Jewish publications broadcasting the statute’s provision. (…). Dozens of Americans now put in applications at German embassies and consulates each month.

    Die Autorin weist darauf hin, dass sie kein Wort Deutsch spricht und auch nie in Deutschland war.

  • Zu Fußball: Die amerikanische Frauenfußball-Liga steht vor dem Aus. Der Grund: Desinteresse der Zuschauer.
  • Zu like als Modewort: Angeblich enthielt der ursprüngliche Schnitt von Galaxy Quest Sex-Szenen und derbe Sprache, wie keine Geringere als die Schauspielerin Sigourney Weaver erklärt (Hervorhebung hinzugefügt):

    We were like, “How do we get our hands on the R-rated version of Galaxy Quest?” She said “I don’t know!” and we were like, “Come on, Sigourney!”

    Hier wird das we were like als Stilmittel verwendet (hofft dieser Autor auf jeden Fall). Der ältere interessierte Leser wird sich an die berühmte Apple “Switch” Werbung [YouTube] mit Ellen Feis erinnern, in der and I was like auch eine prominente Rolle spielte.

  • Zu Sprachen in den USA: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum hat den Puertoricanern erzählt, dass sie Englisch als Amtssprache einführen müssen, wenn die Insel der 51. Bundesstaat werden will:

    “Like any other state, there has to be compliance with this and any other federal law,” Santorum said. “And that is that English has to be the principal language. There are other states with more than one language such as Hawaii but to be a state of the United States, English has to be the principal language.”

    Das ist leider — mit Verlaub — schlicht falsch, denn die USA haben keine Amtssprache, und ein entsprechendes Gesetz wäre vermutlich verfassungswidrig. Einige Bundesstaaten haben “offizielle” Sprachen, im Fall von Puerto Rico Englisch und Spanisch. Bekanntlich gab es in Kalifornien nach der Wahl von Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur einige Änderungen.

  • Zu Indianern: Die Navajo Nation wehrt sich vor Gericht gegen die Verwendung ihres Namens bei Kleidungsmarken. Dieser Autor hat von Mode nicht die geringste Ahnung, wie die Schönste Germanin bestätigen wird, aber laut diesem Bericht der New York Times gibt es eine richtige Welle mit “Navajo”-Produkten, die bis nach Frankreich schwappt. Immer diese Amerikaner mit ihrem Kulturimperialismus.
  • Zur technologischen Weltspitze: Der Chief Information Officer (CIO) des Weißen Hauses, Brook Colangelo, beschreibt den Stand der Technologie nach dem Regierungswechsel.

    Over 82% of the White House’s technology had reached end of life. Desktops, for instance, still had floppy disk drives, including the one Colangelo delivered to Rahm Emanuel, Obama’s then chief of staff and now Mayor of Chicago.

    In den ersten 40 Tagen waren die Systeme 23 Prozent der Zeit nicht verfügbar.

  • Zur Abtreibungsdebatte: Wir gehen davon aus, dass alle interessierte Leser es selbstverständlich mitbekommen haben, aber zur Sicherheit: Das Thema spielt bei Buffy in Staffel 9 eine Rolle. Wer sich für die Diskussion interessiert (und keine Angst vor Spoilern hat) mag sich ein Interview mit dem Dark-Horse-Redakteur Scott Allie anschauen, in dem er über Buffys ungewollte Schwangerschaft spricht, warum man dann das Thema Abtreibung aufgriff und wie die Fans reagiert haben. Ob diese Diskussion auch im diesjährigen Buffy-Kurs der Portland State University Thema sein wird, ist nicht bekannt.

[KORRIGIERT 16. März 2012: Autor von German Again ist eigentlich eine Autorin, zuerst gesehen von ML, vielen Dank]

ZEUGS: Frisch wie ein Care-Paket, Vampire vor Gericht und Football as Schach

Februar 22, 2012

In regelmäßigen Abständen fragen interessierte Leser, warum in diesem Blog nicht mehr aktuelle politische Themen behandelt werden. So war in den vergangenen Wochen die Kontroverse über den SOPA-Gesetzentwurf zur Internet-Zensur ein häufiger Vorschlag.

Kurz gesagt, dies ist kein politisches Blog, sondern will Hintergrund liefern, der möglichst langfristig von Nutzen ist. Sollte SOPA scheitern — wonach es im Moment aussieht — wird in fünf Jahren kein Mensch mehr wissen, worum es überhaupt ging. Zudem ist dieses Blog kein Meinungsblog, und es ist bei aktuellen Themen schwieriger, die eigene Wertung herauszuhalten, da es noch keinen “historischen” Konsens gibt, den man abschreiben zitieren kann.

Frustrierender findet dieser Autor eigentlich Texte, die weniger eine Erklärung brauchen, als zu einer Diskussion einladen (aktuell wäre “10 reasons the U.S. is no longer the land of the free” des Justizprofessors Jonathan Turley ein Beispiel). Auch hier gilt, dass sie nicht ins Blog kommen, weil der Titel “USA Erklärt” heißt und nicht “Interessante Links über die USA”.

Das wäre ein anderes Blog … für das die Zeit fehlt.

  • Zu langhaltenden Lebensmitteln: Früher, da war alles besser und das amerikanische Essen war noch Wertarbeit: Eine Dose Schmalz aus einem Care-Paket wurde jetzt nach 64 Jahren für noch genießbar befunden.

    The authorities did, however, find minor deficiencies in the lard’s smell and taste, discovering that it was slightly gritty and appeared old, meaning it could not compete with the quality of a fresh sample. Still, it appeared to be fit for human consumption,
    they said.

    Wie lecker muss dann erst das Kaugummi noch schmecken.

  • Zu unterschiedlichen Rechtssystemen: Wie ist das eigentlich mit der Haftung von Vampiren im Buffy-Universum?

    [I]t’s hard to argue that vampires are insane, at least under California’s M’Naghten test, which is defined by statute. Cal. Penal Code § 25(b). Under a different test, such as the irresistible impulse test, they might be found insane, but California does not recognize that test. People v. Severance, 138 Cal.App.4th 305, 324 (3d Dist. 2006).

    Wohlgemerkt, es wird über kalifornisches Recht gesprochen, eine Erinnerung, dass “die USA” kein Strafgesetzbuch haben, sondern die einzelnen Bundesstaaten. Für Lestat könnten andere Bedingungen gelten als für Spike.

  • Zur Wahl 2012: College Humor erklärt die Themen und stellt die Kandidaten vor. Da können Hitler-Anspielungen nicht fehlen.
  • Zu den Vorwahlen: Die Forschung behauptet, dass die amerikanische Gesellschaft politisch nicht so polarisiert ist, wie die meisten Leute glauben.

    In fact, political polarization among the public has barely budged at all over the past 40 years, according to research (…). But, crucially, people vastly overestimate how polarized the American public is — a tendency toward exaggeration that is especially strong in the most extreme Democrats and Republicans.

    Dieser Autor würde vermuten, dass auch das Internet eine Rolle spielt. Das ist schließlich irgendwie an allem schuld.

  • Zu den Wahlkampfkosten: MotherJones hat die Kosten von Präsidial-Wahlkämpfen bis zurück zu Abraham Lincoln auf heutige Beträge umgerechnet – der gute Abe kam 1860 noch mit 2,6 Millionen Dollar aus. Tatsächlich steigen die Summen nicht so schnell wie das US-BIP, wie eine andere Grafik zeigt. Dann ist ja alles gut.
  • Zu, äh, sehr plain English, wenn wir schon bei der Forschung sind: Die University of Minnesota hat die 70 vergangenen Reden zur Lage der Nation analysiert und herausgefunden, dass Obamas das niedrigste sprachliche Niveau der Moderne haben. Seine State of the Union address lag in diesem Jahr auf der Sprachebene von Achtklässlern:

    “Obama’s average grade-level score of 8.4 is more than two grades lower than the 10.7 grade average for the other 67 addresses written by his 12 predecessors,” they conclude.

    Die Zuschauerquote war mit zwölf Prozent übrigens niedriger als die vorherigen. Nein, Fringe lief nicht parallel.

  • Zu Religion: Moscheen werden in den USA werden zunehmend ohne Minarette gebaut, um weniger aufzufallen.

    Some are fearful ostentatious architecture could provoke an anti-Muslim backlash. But other Muslim thinkers say mosque designs need to be redeveloped to serve the needs of the growing and diverse American Muslim community.

    Andere Änderungen an der traditionellen Architektur werden vorgenommen, um Frauen eine bessere Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen.

  • Zu American Football, denn auch wenn die Arizona Cardinals nicht gewonnen haben, müssen wir den Superbowl erwähnen: Beetlebum hat wohl einmal zu häufig den Vergleich zwischen Schach und Football gehört. Aber ehrlich, Möhren zum Superbowl? Seriously?

ZEUGS: Einige Links zum Superbowl 2012

Februar 4, 2012

In der Nacht zum Montag findet das wichtigste Sportereignis des Jahres statt, der Superbowl XLVI in Indianapolis. In diesem Jahr wird das Spiel von Sat.1 übertragen. Wir haben schon eine Einführung zu American Football geschrieben, daher belassen wir es in diesem Jahr mit einer kurzen Sammlung von Links.

  • The Rumpus bietet einen Überblick über einige der abgefahrenen Spieler, darunter Chad Ochocinco. Ochocinco? Moment, ist das nicht Spanisch für “acht fünf”?

    Born Chad Johnson, he took the jersey number 85 upon entering the NFL with the Cincinnati Bengals, and after several years of success, toyed with the idea of putting “Ochocinco” on the back of his jersey (…). Problem is, he wasn’t in the XFL. You can’t just put some shit on the back of your jersey like Rod “He Hate Me” Smart; in the NFL, it has to be your real name. So he legally changed it.

    Zudem wird argumentiert, dass man Tom “like the goddamned Homecoming King of America” Brady mögen sollte, Quarterback der New England Patriots, obwohl er seine schwangere Freundin verließ. Wichtiges Hintergrundmaterial, wenn man die amerikanische Klatschpresse verfolgen möchte.

  • Allerdings würden die Amerikaner von allen Quarterbacks offenbar lieber Tim Tebow von den Denver Broncos als Präsidenten haben, jedenfalls nach einer Reuters/Ipsos-Umfrage. Leider haben sie nicht gefragt, welchen Buffy-Schauspieler sie am liebsten haben würden.
  • Ars Technica bespricht die Streaming-Möglichkeiten für Handy- und Tabletbenutzer. Eher für US-Bewohner interessant.
  • Das Blog von Discover Magazine schaut sich die seltsame Entwicklung bei dem Münzwurf vor dem Spiel an: Die NFC-Mannschaft hat die vergangenen 14 Mal gewonnen.

    Working out the numbers, the chances of 14 coin flips in a row being equal is 1 in 8,192. (…) That’s a better than 3.8-sigma effect! Enough to call a press conference, if this were particle physics.

    Sprich, schon der Münzwurf wird spannend.

  • Noch mehr Wissenschaft von der Yale University — die Physik hinter den Pässen.
  • Slate geht genauer auf die Frage ein, ob sich vier Millionen Dollar für einen 30-sekündigen Werbespot beim Superbowl wirklich lohnen können. Kurze Antwort: Offenbar ja. Das Endspiel ist so ungefähr das letzte TV-Ereignis, das sich die ganze Nation gemeinsam anschaut, quer durch alle Bevölkerungsschichten. Selbst der Teil der Bevölkerung, der sich im Ausland befindet.

ZEUGS: Britische Atheisten gegen den amerikanischen Weihnachts-Imperialismus

Dezember 22, 2011

Einen kurzen Zeugs haben wir noch bevor die Feiertage richtig losgehen. Jahreszeitbedingt haben wir es diesmal mit ziemlich vielen religiösen Themen zu tun.

  • Zu Weihnachten in einem Land mit vielen Religionen: Der prominente britische Atheist Richard Dawkins besteht darauf, seinen Landsleuten Merry Christmas zu wünschen, da das ganze Gerede von den holidays von den Amis eingeschleppt worden sei:

    “All that ‘Happy Holiday Season’ stuff, with ‘holiday’ cards and ‘holiday’ presents,” is a tiresome import from the United States, where it has long been fostered more by rival religions than atheists,” Mr. Dawkins wrote.

    Interessant ist, dass er in seinem offenen Brief an Premierminister David Cameron tatsächlich Merry Christmas schreibt, während die Briten gerne Happy Christmas sagen, was für Amerikaner wiederum völlig schräg klingt. Sonst ist Dawkins ganz der Alte und kritisiert die Vermengung von Staat und Religion in Großbritannien.

  • Zum “Krieg” gegen Weihnachten und Atheisten auf der anderen Seite des Atlantiks: Im Palisades Park in Santa Monica stehen seit Jahrzehnten zu Weihnachten Krippenszenen. Wegen der Trennung von Kirche und Staat muss die Stadt aber auch anderen Glaubensrichtungen und Atheisten Plätze zur Verfügung stellen. In diesem Jahr nun war der Andrang so groß, dass die Verteilung per Los entschieden wurde — und die Atheisten gewannen die meisten Plätze.

    “We’re trying to balance something that has been a real tradition here and also live within federal law,” said Barbara Stinchfield, the director of community services for the city. “We were trying to accommodate all the groups that were interested in the most fair way we could.”

    Das Reason’s Greetings ist eine Anspielung auf Season’s Greetings, den Grüßen zur Weihnachtszeit.

  • Zur Religion, während wir bei Briten und Sprüchen sind: Die BBC diskutiert den unter Angelsachsen häufigen Slogan What would Jesus do?, im Internet gerne abgekürzt als WWJD. Auch Kritiker kommen zu Wort:

    [T]he Bible offers very little detail about Jesus’s daily life when he wasn’t preaching or performing miracles. And what little it does tell us defies all expectations — hanging around with prostitutes and trashing the temple. Is that the kind of behaviour church youth leaders want to encourage?

    War da nicht auch was mit Steuerbeamten?

  • Zur (Nicht)-Religiosität der Amerikaner: Wer sich an den Kopf packt angesichts des ganzen Lärms um Religion und Weihnachten und sich fragt, wie das zu der deutlich abnehmenden Religiosität in der Gesamtbevölkerung der USA passt: Die feministische Bloggerin Amanda Marcotte argumentiert, dass amerikanische Christen sich wegen ihres schwindenden Einflusses bedroht fühlen und jetzt verzweifelt — und lautstark — dagegen ankämpfen.

    What we’re seeing with the heightened emphasis on religion in politics is the death throes of the old order. After all, in the past, where it was assumed that a vast majority of Americans were not only religious, but Christian, those who wanted Christianity to dominate didn’t feel they had anything to prove. It’s only when they started to feel their power threatened did they become defensive, and in doing so, became much louder.

    Marcotte sieht im Gegenteil eine immer stärkere Trennung von Kirche und Staat in den USA.

  • Zu Jedi-Rittern, um unsere weihnachtliche Betrachtung von Religionen abzuschließen: Der Glaube an die Macht der Macht hat auch in Tschechien Fuß gefasst.
  • Zum Massensterben der Indianer: Eine neue Studie unterstützt die These, dass die europäischen Seuchen die Ureinwohner der Neuen Welt dezimiert hatten, bevor die Kolonialisten überhaupt in nennenswerter Zahl ankamen.

    Based on the data, the team estimates that the Native American population was at an all-time high about 5,000 years ago. The population then reached a low point about 500 years ago — only a few years after Christopher Columbus arrived in the New World and before extensive European colonization began.

    Die Forschung basiert auf DNA-Untersuchungen. Mit diesen kann man übrigens auch zu Weihnachten tolle Dinge machen: Zum Beispiel einen Neandertaler-Gentest. Interessantes Detail: Die Angelsachsen haben das “h” in “Neanderthal” behalten.

  • Zum Blitz: Der interessierte Leser M weist auf die Ausstellung “UNDER ATTACK – London/Coventry/Dresden” im Verkehrsmuseum in Dresden hin.
  • Zu Maßeinheiten: Der BBC fragt sich, ob die Briten jemals wirklich zum metrischen System wechseln werden:

    In May 2011, a survey by supermarket chain Asda suggested 70% of customers found metric labelling confusing and wanted products labelled in imperial instead. In response, the company reverted to selling strawberries by the pound for the first time in over a decade.

    Genesis hätte niemals Selling England by the Half-Kilo herausgegeben.

Allen interessierten Lesern ein frohes Fest, auch den Jedis!

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