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ZEUGS: Kapitalistische Indianer, linke Patrioten und rosa Hexen

Mai 13, 2008

Schon wieder ein ZEUGS-Eintrag? Ja, weil wir so viel Material haben und weil die Blog-Statistik zeigt, dass sowieso alle Leser in der Sonne sitzen, oder zumindest die, die nicht in Spanien sind. Und dieser Autor war selbst auch zu beschäftigt damit, Löwenzahn mit Kind Nummer Zwei über den Rasen zu pusten, um einen richtigen Eintrag zu schreiben.

  • Zum amerikanischen Patriotismus, der für einige Deutsche so schwer nachzuvollziehen ist: Das pro-demokratische Blog Daily Kos hat einen Eintrag, der vielleicht helfen kann. Er ist von einer linken (also, “liberal elite intellectual”) Kriegsgegnerin geschrieben, deren politisch ähnlich gestrickte Bekannte sich gerade freiwillig zum Sanitätsdienst beim US-Heer im Irak gemeldet hat. Warum? (Hervorhebung im Original)

    To pay off her student loans, to futher her education, to get the experience of providing healthcare in a war zone, and, most importantly, above all else: Because she is a patriot.

    Die Autorin diskutiert, was Patriotismus für sie und ihre Bekannte als (amerikanische) Linke bedeutet und kämpft mit der Frage: What are the last words you say to a friend who is going to war?

  • Zum Vodka-Streit, wenn wir beim Patriotismus sind: Absolut Vodkas Versuch, die Karte von Nordamerika umzuzeichnen, rief bei dem Konkurrenten Skyy Vodka tiefe Gefühle hervor. Das Ganze war ein Thema in einschlägigen Blogs, von deren Existenz dieser Autor bis dahin nichts ahnte.
  • Zu duct tape: Die Nasa hat endlich gestanden, dass die Mondfahrten nur mit dem Klebeband möglich waren. Was sich alle Amerikaner schon gedacht haben.
  • Zur Nasa: Filmmaterial der Mercury, Gemini und Apollo-Einsätze wird in High Definition veröffentlicht.
  • Zum Hühnchengeschmack: Der interessierte Leser SV weist auf den Grund für die Probleme mit der Saturn-Sonde Cassini hin, die bei Enceladus einen Geysir “abschmecken” sollte.
  • Zum Energieverbrauch: Warum auf den Bund warten, wenn man als Kommune selbst handeln kann? Die Kleinstadt Rock Port in Missouri erhält seit April 123 Prozent seiner Energie über vier Windgeneratoren, der Überschuss wird verkauft. Ja, sagen die 1.316 Bürger, so windig ist es da.
  • Zu den Indianern: Der Economist hat einen ausführlichen Bericht über die wirtschaftlichen (und bürokratischen) Probleme der Navajo-Nation.
  • Zu den Indianern, nochmal: Parallel dazu gibt es einen Streit zwischen den Saginaw Chippewa in Michigan und dem Bund, denn der Stamm will den Arbeitnehmern auf seinem Gebiet nicht das Recht zur Bildung einer Gewerkschaft nach dem National Labor Relations Act von 1935 zugestehen. Ein Bundesberufungsgericht hatte entschieden, dass die Serrano-Indianer in Kalifornien Gewerkschaften zulassen müssen. Na und, sagt Saginaw-Chippewa-Häuptling Fred Cantu Jr. zu dem Urteil:

    Each tribe is its own nation, has its own laws and government. I think it’s a direct attack on our sovereignty.

    Wir erinnern uns: In den USA bricht Bundesrecht nicht automatisch Länderrecht, denn die Bundesstaaten haben Zuständigkeiten, die den Bund nichts angehen. Die juristische Situation bei den mehr als 500 Indianer-Nationen ist ähnlich, nur, wie man sieht, komplizierter.

  • Zu Berichten über Deutschland: Entsetzen - auf einigen der autobahns soll es eine Geschwindigkeitsbegrenzung geben! Instapundit spricht Amerika (und der Schönsten Germanin) aus der Seele wenn er sagt: That’s just wrong.
  • Zu y’all: Nothing for Ungood benutzt das inoffizielle Pronomen um zu erklären, warum Angelsachsen nicht Deutsch lernen sollen (Hervorhebung hinzugefügt):

    For every verb you learn, you must learn to conjugate it for I, you, You, they, he, she, it, and y’all. You’ll also need to learn them in present tense, past tense, perfect past tense, and subjunctive. [...] You will never learn all this, so don’t bother trying.

    Statt you und You hätte dieser Autor thou und you geschrieben, aber so ist es lustiger. Man beachte die Stichelei unter Angelsachsen, dass die faulen Briten überhaupt nicht erst versuchen, Deutsch zu lernen.

  • Zu den Berkeley-Protesten, denn die gehen weiter: Code Pink tritt zur Abwechslung in Hexenkostümen auf und setzt Magie ein:

    “Women are coming to cast spells and do rituals and to impart wisdom to figure out how we’re going to end war,” Zanne Sam Joi of Bay Area Code Pink told FOXNews.com.

    Der Bericht zitiert einen Sprecher der Marines mit der Aussage, dass die Demo mehr Leute in das Rekrutierungsbüro zieht. Konkrete Zahlen nennt der Mann allerdings nicht.

  • Zu politisch motivierter Rechtschreibung: Die von Fox zitierte Feministin Joi hat ein Blog, wo man das Wort woman als “womon” und women als “womyn” oder “wimmin” geschrieben findet. Hintergrund ist die Vorstellung, dass woman von man abgeleitet sein könnte, also eine Sonderform des männlichen wäre und damit sexistisch. Dass die Sache anders liegt, stört nicht. Eine Alternative für female konnte dieser Autor nicht finden.
  • Zur Presse: OMG, hat dieser Autor gerade Fox zitiert? Ist das nicht der Sender, der Amerikaner zu Bush-wählenden Kriegs-Zombies mutieren lässt? Regel 1 hält uns davon ab, dazu Stellung zu nehmen. Der interessierte Leser mag so oder so Trost darin finden, dass mehr als vier Fünftel der US-Bürger den mainstream media (MSM) nicht einmal das meiste glauben. Mehr als ein Fünftel glaubt ihr gar nichts oder kaum etwas. Und eine zunehmend Zahl - inzwischen knapp 88 Prozent - geht davon aus, dass die Medien nicht nur Nachrichten wiedergeben, sondern versuchen, die öffentliche Meinung gezielt zu beeinflussen, also eine “Agenda” und einen bias haben. Die Tendenz wird in anderen Umfragen bestätigt. Amerikanische Blogger stürzen sich natürlich auf diese Zahlen.
  • Zum angelsächsischen Schreibstil: Dieser Autor hat gerade ein Buch von dem Philosophen und Mönch Bhante Henepola Gunaratana (”Bhante G.”) gelesen, der in der Einleitung folgendes schreibt:

    In my experience I found that the most effective way to express something in order to make others understand is to use the simplest language. [...] This book is the result of requests made by many meditators who need a very simple book written in ordinary language.

    Entsprechend heißt das Buch Mindfulness in Plain English (Die Online-Version ist eine ältere, weswegen das Zitat dort leicht abweicht).

  • Zum butt slap: Der interessierte Leser ZS weist auf die Futurama-Folge “A Leela of Her Own” hin, in der wir folgenden Dialog finden:

    Fry: You look just like a ball player. Can I pat you on the butt?

    Leela: Fry, I’m a professional athlete! So go ahead.

    Fry: Oh! Now I’m too nervous.

    Und nein, Futurama wird jetzt nicht Buffy als Quelle für Beispiele ablösen.

  • Zu Buffy: Denn es wird die Buffy-Fans freuen zu hören, dass ein neues Buch mit Hintergrund zur Serie erschienen ist, einschließlich der neuen Staffel. Sobald es ankommt, wird dieser Autor keine Zeit verlieren, es nach passendem Material für das Blog zu durchsuchen. Außer natürlich, der Löwenzahn ist nachgewachsen.

ZEUGS: Neue Hiroshima-Fotos, britische Gewalt und Waffengesetze

Mai 5, 2008
  • Zu den Atombomben: Die Hoover Library and Archives haben zehn neue Fotos (Warnung: Leichenbilder) von Hiroshima nach dem Bombenangriff veröffentlicht. Sie wurden von einem unbekannten Japaner aufgenommen, der US-Soldat Robert L. Capp entdeckte die Filmrollen in einer Höhle vor der Stadt. In den vergangenen Jahren ist, eher unbeachtet von den Europäern, viel neues Material über die Angriffe hinzugekommen, insbesondere weil 1995 die Geheimdienstarchive geöffnet wurden.
  • Zu historischen Dokumenten: Wir können auch neue Fotos von der Vereidigung von Abraham Lincoln von 1865 anbieten. Das dürfte 2009 etwas weniger wuselig werden.
  • Zu Fotos: Wer immer noch nicht genug von Bildern hat, die Kongressbibliothek hat eine umfangreiche Flickr-Seite eingerichtet, unter anderem mit Bildern aus den 30ern und 40ern. Auch unsere Freundin Rosie the Riveter ist dabei.
  • Zu Gewalt beim Sport: Damit sich die Fußballfans unter den interessierten Lesern nicht so für ihre Hooligans schämen müssen: Auch in Kanada kommt es schon mal zu Randale nach einem Eishockey-Spiel. Diese Kanadier! So ein gewalttätiges Volk!
  • Zu Waffengesetzen: Der BBC, nach eigenem Eingeständnis [PDF] nicht der pro-amerikanischste Sender der Welt, zieht einen Vergleich zwischen Gewalt im britischen und amerikanischen Alltag. Der USA-Korrespondent Justin Webb schreibt:

    I have met incredulous British tourists who have been shocked to the core by the peacefulness of the place, the lack of the violent undercurrent so ubiquitous in British cities, even British market towns. [...] Along with the guns there is a tranquillity and civility about American life of which most British people can only dream.

    Dieser Autor weiß nicht genug über die Situation auf der Insel, um etwas dazu sagen zu können. Ob der Kommentar von Instapundit - An armed society is a polite society - ironisch gemeint ist, mag der interessierte Leser selbst entscheiden: Der Blogger, Justizprofessor Glenn Reynolds, tritt für ein liberales Waffenrecht ein.

  • Zu Waffengesetzen, nochmal: Die US-Regierung will in Nationalparks die Regel aufheben, nachdem keine geladenen Schusswaffen mitgeführt werden dürfen. Stattdessen sollen die Gesetze des entsprechenden Bundesstaates gelten. Ein ursprüngliches, völliges Waffenverbot wurde 1930 im Kampf gegen Wilderer erlassen und später gelockert. Die Nationalparks unterstehen dem Bund.
  • Zu Sprachbildern: Wer die Diskussion über den Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und seinem Ex-Pastor Jeremiah Wright in den US-Medien und -Blogs verfolgt hat, wird bemerkt haben, dass eine Formulierung immer wiederkehrt: to throw somebody under the bus, wie zum Beispiel bei TalkLeft. Der Kommentar von cmugirl:

    It’s time to make some popcorn.
    Obama threw Wright under the bus.
    Wright threw Obama under the bus.
    Now Obama is throwing Wright under the bus again.

    Klar, was das bedeutet: Jemand wird geopfert oder aus Eigennutz verraten. Interessant ist nun, woher das Bild kommt, denn das weiß niemand so richtig. Und die wichtigste Frage wird auch nicht beantwortet: Wie heißt der Busfahrer?

  • Zu Liberal: Die Pew-Forschungsgruppe hat eine Wahlumfrage veröffentlicht, in der die Kandidaten auf einer Skala von liberal über moderate bis conservative aufgetragen sind; die Grafik findet sich etwa in der Mitte des Textes. Auch Amtsinhaber George W. Bush ist dabei. Wir sehen daran, dass liberal als Synonym für “links” herhalten muss. Die Mehrheit der US-Wähler stuft sich übrigens als leicht konservativ ein.
  • Zu thou and thee: Wer den Podcast Grammar Girl verfolgt, wird es schon wissen: Die Sprachwissenschaftlerin Elaine Stotko von Johns Hopkins hat entdeckt, dass Kinder in Baltimore yo als geschlechtsneutrales Singular-Pronomen benutzen, also statt he oder she. Als Beispiel wird I saw yo at school genannt. Wir werden sehen, ob das, äh, Schule macht.
  • Zu Liebe zwischen den Bundesstaaten: In einer nicht ganz ernst gemeinten Liste von Empfehlungen an Hillary Clinton, wie sie am Dienstag die Vorwahl in Indiana gewinnen kann, finden wir:

    Do not, under any circumstances, mention the state directly to the south of Indiana.

    Zum Verständnis muss man noch wissen, dass Hoosier der Spitzname für Leute in Indiana ist.

  • Zu Steuererklärungen: Die von Präsident George W. Bush ist wieder veröffentlicht worden. Er verdient immer noch weniger als sein Vize-Präsident.
  • Zur Präsidentenanrede: Die interessierten Leser RA und BP weisen darauf hin, dass nach internationalen Regeln Staats- und Regierungschefs auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt das Anrecht auf den Titel behalten, insbesondere also der deutsche Bundespräsident. Hoffentlich weiß das auch Jack Bauer!
  • Zu Essgewohnheiten: Das neue Blog Nothing for Ungood weist darauf hin, dass Amerikaner keinen Mais auf ihre Pizza tun:

    So stop selling pizza with corn on it as “American Style”. Maybe in turn we’ll quit calling vanilla pudding in a dough nut Bavarian creme.

    Schön ist auch der Hinweis, dass Deutsche schneller essen als Amerikaner, was die Schönste Germanin mit etwas anderer Betonung bestätigen würde. Man bemerke die Klage über das Fehlen von free refills.

ZEUGS: Gores Haus, Hilfe für Soldaten und Bush gegen die Todesstrafe

April 7, 2008
  • Zu Energieverbrauch und Mais: Mehr als zehn Prozent der 2007 neu verkauften Autos in den USA hatten einen “alternativen Antrieb”. In Zahlen waren es fast 1,8 Millionen Stück, ein neuer Rekord. Viel machen dabei die Hybridfahrzeuge wie der Toyota Prius aus, in den die Amis völlig vernarrt sind. Zu den Fans gehören Leonardo di Caprio, Billy Crystal, Harrison Ford, Kevin Bacon, Susan Sarandon, Arnold Schwarzegger und die Schönste Germanin. Dieser Autor hätte viel lieber etwas anderes - Autos werden überbewertet.
  • Zu Häusern und Energie: Der interessierte Leser wird vielleicht irgendwann eine Spam-E-Mail bekommen haben, in der behauptet wird, Al Gores Haus sei eine Energie-Hölle und die Ranch von George W. Bush ein Öko-Paradies, ausgerechnet. Das ist nicht völlig falsch. Amerikanische Grüne räumen zähneknirschend ein:

    George [W.] Bush’s policies on just about everything to do with the environment are wrong-headed and destructive, but you cannot say the same for his ranch in Crawford, Texas.

    Dort wird Sonnenlicht und Erdwärme genutzt. Gore erklärt, dass er seinen Verbrauch mit dem Kauf von carbon credits ausgleicht. Ach so ist das, sagen seine Kritiker - Reiche dürfen sich vom Umweltschutz freikaufen? Der Rest der Schlammschlacht ist dem Selbststudium überlassen.

  • Zu Häusern, wenn wir dabei sind: Die durchschnittliche Größe eines amerikanischen Hauses nimmt immer weiter zu: 1940 lag er bei 139 Quadratmeter, 2007 bei fast 232 qm. Da die Familien immer kleiner werden, hat der durchschnittliche Amerikaner immer mehr Wohnraum. Ja, aber wozu, fragen die Kritiker -
  • - denn in Amerika gibt es nie einen Trend ohne Gegentrend: Gruppen wie die Small House Society treten für weniger Platz ein - sehr viel weniger Platz, sagen wir mal, 7,8 qm. Das ist fast schon üppig, denn es gibt Modelle mit 6,5 qm. In diesen Diskussionen ist immer wieder von einem gewissen Proto-Öko namens Henry David Thoreau die Rede, dem wir einen Eintrag widmen müssen.
  • Zu Typhoid Mary: Der interessierte Leser JH weist auf den Roman “Die Ballade von der Typhoid Mary” von Jürg Federspiel hin, der zumindest “im nordwestlichen Teil der Ostschweiz” ein Erfolg gewesen sei.
  • Zu nervigen Verwandten: The British are coming! Angelockt vom billigen Dollar strömt der britische Pöbel als Touristen in die USA und benimmt sich wie, nun, Hooligans. Amerikaner sind zwar Eurotrash gewohnt, aber der weiß sich wenigstens grob zu benehmen. Der Badehandtuch-Krieg in Spanien geht damit an die Deutschen.
  • Zum Niedergang Europas: Damit nicht Mark Steyn ständig als Beispiel für den nordamerikanischen Glauben herhalten muss, dass die Alte Welt vor dem Aus steht: Bruce S. Thornton von der California State University macht in den USA gerade Werbung für sein Buch Decline and Fall: Europe’s Slow Motion Suicide. Das konservative politische Magazin “National Review” hat in seiner Online-Ausgabe ein Interview mit ihm:

    Prof. Thornton says Europeans are not reproducing because “the dolce vita lifestyle does not include children.” A Europe that is drawn to instant pleasure has little interest in investing in either children or the future of the Europe.

    Das Interview ist schlecht verlinkt, daher hier Klickhilfen für Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.

  • Zu Chaucer, weil erstaunlich viele interessierte Leser danach gefragt haben: Es gibt einen Blog in seinem Englisch mit dem einleuchtenden Namen Geoffrey Chaucer Hath a Blog. Die Site gibt etwas Hintergrund zu der Sprache, ist aber sonst aktuell - es gibt sogar eine Chaucer-Version von LOLCATS, I can hath [sic] Cheezeburger? Unter so gebildeten Leuten kann ein Buffy-Bezug nicht fehlen, und tatsächlich wird gegen Liebeskummer empfohlen:

    And thus, take two pintes of hagen dasz dulce de leche, a ful seson of buffie the vampyre slayre, and calle me in the morninge.

    Das hagen dasz dulce de leche schreibt sich heute etwas anders.

  • Zum FCC: Jetzt will auch das Supreme Court wissen, warum plötzlich “flüchtige Flüche” (fleeting expletives) mit drakonischen Geldstrafen belegt werden. Die Sender hoffen natürlich auf ein Urteil im Sinne von Stop that shit! Die Verhandlung wird im Herbst erwartet.
  • Zum Militär: Im deutschen Internet macht ein Video [YouTube] von US-Soldaten die Runde, die bei ihrer Rückkehr am Flughafen spontan von den Umstehenden applaudiert werden. Was sich offenbar nicht herumgesprochen hat, ist dass es aus einer Bier-Werbung stammt (es hilft ungemein, sich Filme bis zum Ende anzuschauen). Tatsächlich gibt es ein landesweites Programm namens A Hero’s Welcome, gegründet von der Soldaten-Ehefrau Sharon Hyland Keyser. Und der Veteran Bert Brady und einige Gleichgesinnte [Video] stehen auf eigene Faust 300 Tage im Jahr am Flughafen von Dallas und begrüßen Heimkehrer.
  • Zum Militär: In den USA sieht man häufig die Aufforderung Support our troops als Autoaufkleber, wobei sich wie bei Save the whales der Einsatz oft mit dem Kauf von selbigem erschöpft hat. Allerdings gibt es ein Programm namens Any Soldier, bei dem man Pakete an wildfremde Soldaten schicken kann. Am häufigsten gewünscht? Briefe.

    The NUMBER ONE request from the troops is for letters of support from home, especially from kids. Address letters to “Dear Soldier” or “Dear Marine” etc., and write as if you were sending a letter to a friend. Hearing about what’s happening at home boosts a soldier’s morale in a big way. [...] A letter of support is a powerful thing to a soldier away from home, often for the first time, in a hostile environment.

    Die obige Aufforderung zur Teilnahme an Any Soldier stammt aus dem demokratischen Blog Daily Kos, der massiv gegen den Irak-Krieg ist.

  • Zu Berkeley: Dort gehen die Proteste und Gegenproteste [Fotos, konservative Quelle] fröhlich weiter. Das Ganze hat die Stadt inzwischen mehr als 200.000 Dollar gekostet.
  • Zu Fluoriden: Seattle hat sich den Städten wie San Fransico angeschlossen, die ihren Behörden aus Umweltschutz- und Kostengründen den Kauf von Wasser in Flaschen verboten haben. Das Leitungswasser sei von der Qualität mindestens genauso gut (Amerikaner trinken Wasser eh ohne Kohlensäure). Es gibt eine lange Debatte darüber, ob das fehlende Fluorid in Flaschenwasser ein Problem ist.
  • Zur Todesstrafe: In einem etwas, äh, ungewöhnlichen Fall hat der Supreme Court Präsident George W. Bush überstimmt, der eine Hinrichtung in Texas stoppen wollte. Der mexikanische Mörder Jose Ernesto Medellin hatte nach Urteil des Internationalen Gerichtshofs nicht ausreichend die Möglichkeit, mit seiner Botschaft zu sprechen. Bush sah dieses genauso und verlangte ein neues Verfahren. Das Oberste Gericht entschied jetzt, dass der Präsident nicht einfach irgendwelche internationalen Verträge abschließen kann, die die Gesetze der Bundesstaaten aufheben - wir sind wieder bei der Trennung der Ebenen. Der Kongress muss sie dazu auf dem normalen Weg in amerikanisches Recht einbauen. Kritiker sahen in Bushs Vorgehen ohnehin nur einen Versuch, seine Macht auszubauen. Vor der Hinrichtung von Medellin wartet Texas auf eine Grundsatzentscheidung des Supreme Courts zur Giftspritze.

[Chaucer zuerst gefunden über Never Enough Homework.]

ZEUGS: Militärausgaben, Bush als Hitler und Buffy-Sex in der “New York Times”

März 6, 2008
  • Zu der Marine: Die Suche nach einer guten deutschen Übersetzung für amphibious assault ship geht weiter, leider ohne Erfolg. Der interessierte Leser E weist auf “Kampflandungsschiff” hin, das tatsächlich in einigen Online-Lexika zu finden ist. Allerdings anscheinend nur dort und nicht in irgendwelchen Berichten, was stutzig macht - dieser Autor wird den Eindruck nicht los, dass hier voneinander abgeschrieben wurde. LT weist auf den Begriff “Baby-Träger” hin, den er aber auch nicht gelungen findet.
  • Zur Marine und Geld: Bei Diskussionen über die Verteidigungsausgaben gibt es das Argument, dass die absolute Summe wenig zu bedeuten habe, da die USA (wie besprochen) für ein Viertel der Weltwirtschaft verantwortlich sind. Der Dollar-Betrag wirke zwar gigantisch, müsse aber im Verhältnis zur Größe der Volkswirtschaft gesehen werden. Tatsächlich betragen die US-Militärausgaben etwa 4,1 Prozent des BIP, womit die USA auf Platz 28 liegen (Deutschland belegt mit 1,5 Prozent Platz 110, knapp vor Albanien). So betrachtet sind die US-Ausgaben historisch eher niedrig. Spitzenreiter ist Oman mit 11,4 Prozent, Letzter Island mit Null Prozent - das ist niedrig.
  • Zu den Politikerfinanzen: Wie erwartet sind die Einnahmen und Ausgaben Wahlkampfthema, hier zum Beispiel bei Hillary Clinton.
  • Zu Mais: Der interessierte Leser AB weist auf einen Werbespot von Bonduelle hin, in dem 1982 der Maismarsch geblasen wurde. Die Firma schreibt selbst [PDF]:

    Dank Bonduelle entwickelte sich Mais schnell zu einer der populärsten Gemüsesorten der Deutschen – angeführt vom Bonduelle Goldmais, der seit vielen Jahren das umsatzstärkste Einzelprodukt der Warengruppe Gemüsekonserven ist.

    Der Agrarkonzern Monsanto erwartet übrigens, dass sich die Mais-Produktion in den USA bis 2030 verdoppelt. Der Grund: Gentechnik.

  • Zur Meinungsfreiheit: Spam ist nicht durch den First Amendment geschützt, hat jetzt das Oberste Gericht von Virginia entschieden. Ob das ein weiterer Grund ist, warum Europa die USA als weltgrößte Spam-Quelle abgelöst hat?
  • Zur Meinungsfreiheit, nochmal: Dafür darf eine andere Plage des Internets sich in den USA sicher fühlen. Ein Gericht in Kalifornien hat bestätigt, dass nervende anonyme Trolle geschützt sind, auch wenn ihre Aussagen unquestionably offensive and demeaning daherkommen.
  • Zur Meinungsfreiheit und dem fehlenden Recht von Politikern auf Beleidigungsklagen: Dort, wo wir die Bilder des Berkeley-Marsches gefunden haben, bei Zombietime, gibt es auch eine Dokumentation über die Kritik, die sich ein US-Präsident zu Hause gefallen lassen muss: Bush als Hitler, Bush mit Hitler, Bush mit Hitlergruß, Bush mit “Mein Kampf”, Bush mit Hitler-Schnurrbart, Bush mit Hitler-Schnurrbart am Galgen, brennende Bush-Puppen, Bush als psychotic murderer. Die meisten dieser Beispiel sind weiter unten, die oberen sind von Anti-Israel-Demos - Juden als Nazis, die israelische Fahne mit einem Hakenkreuz oder Juden als Organdiebe. Ja, in den USA ist das alles legal. Und dieser Autor möchte nochmal betonen, dass er keine Verantwortung für den Inhalt externer Links übernimmt.
  • Zu Zombietime: Der Betreiber der Site, der sich nur “Zombie” nennt, wundert sich übrigens inzwischen über den Ansturm von Besuchern aus Deutschland (Kommentar Nummer 6). Da er leider keine E-Mail-Adresse angibt, für ihn die Erklärung:

    Dear Zombie:

    The reason you are getting these hits from Germany is because I am using your pictures to show what is covered by the First Amendment, how the police are structured, and a few other things. This is a blog that tries to explain to Germans how the U.S. works, and your pictures are fantastic examples, because a lot of stuff shown is verboten over here. I’ll be using the Folsom Street Fair series (both parts) in a future entry about public nudity, so there will probably be more hits coming. Thanks for all the work!

    Yours from Germany,
    Scot W. Stevenson

    Wer die Bilder von Folsom jetzt schon suchen will, tut es bitte nicht vor dem 18. Lebensjahr und besser nicht auf der Arbeit.

  • Zum Butt Slap, weil es irgendwie zu Folsom passt: Der interessierte Leser AD weist auf eine Sportler-Werbung mit Shaquille O’Neal hin, bei dem das am Ende der Gag ist. Das kann man sich auf der Arbeit angucken.
  • Zu Meinungsfreiheit und dem FCC: Wir kommen in diesem Eintrag wohl nicht mehr vom Schweinkram weg. Denn die Satire-Journalisten des Onion habe die umstrittene Bußgeld-Politik der US-Funkaufsicht mit einem Video-Bericht aufs Korn genommen. In der Parodie erklärt ein FCC-Sprecher, dass Nacktheit immer obszön ist, außer, es geht um Alyson Hannigan:

    I’m sure any person can see the inherent artistic value in Alyson Hannigan slowly peeling away layer after layer of clothing until her milky-white bosom is in full view, obscured only by a few wisps of her auburn hair.

    In allen anderen Fällen wären “bis zu 500 Millionen Dollar” Strafe fällig. Wir wollen da nicht widersprechen, denn wir kennen Hannigan natürlich aus Buffy, wo sie die Hexe Willow Rosenberg spielt. Und das bringt uns -

  • Zu Buffy, denn die gute alte “New York Times” bespricht ausführlich die plötzlichen Veränderungen in Buffys Liebesleben in dem grade erschienen Heft 12 der achten Staffel (aufmerksame Leser werden die Entwicklung erwartet haben). Dabei stellt die “NYT” das komplette erste Heft [PDF] der Staffel kostenlos zur Verfügung. Wer einen Download von etwas mehr als 100 MByte nicht scheut, kann damit nochmal die Beispiele für den Vornamen durchgehen.

ZEUGS: Wahl-Sites, Erdkunde mit den Marines und Frauenpower

Februar 4, 2008

Da erklärt man den Hail Mary und was ist der letzte Spielzug im Superbowl? Genau. Dankenswerterweise hat der ARD-Kommentator es auch ausgesprochen. Und hat’s funktioniert?

Nö.

Trotzdem, wer aufgeblieben ist, hat ein wunderbar spannendes Spiel gesehen, mit der Entscheidung in den letzten Sekunden. So ist halt Football.

(Und ein großes Dankeschön an die Schönste Germanin für die Verpflegung unter widrigen Umständen.)

  • Zu Rätseln: Der interessierte Leser SS weist darauf hin, dass der Rabe und der Schreibtisch in Jasper Ffordes The Eyre Affair vorkommt. Dieser Autor erhält ständig Empfehlungen, den Autor zu lesen.
  • Zur Wahl, Caucus, während wir bei Lewis Carroll sind: Der interessierte Leser N weist auf eine Karikatur [JPG] in der britischen “Times” zu der Urwahl in Iowa hin. Angelsachsen erkennen sie als eine Anspielung auf die Zeichnung [PNG] von Sir John Tenniel aus der Originalausgabe von Alice in Wunderland.
  • Zu dem anderen Raben, nämlich dem von Poe: Bei LOLCats gibt eine besondere Version. Dieser Autor sucht noch nach einer Entschuldigung, um einen Eintrag über die Katzenbildersite zu machen.
  • Zur Wahlfinanzierung, Transparenz beim Spender: Die Internet-Zeitung Huffington Post hat ein Werkzeug online gestellt, mit dem man nachschlagen kann, wer wie viel Geld gespendet hat:

    FundRace makes it easy to search by name or address to see which presidential candidates your friends, family, co-workers, and neighbors are contributing to. Or you can see if your favorite celebrity is putting money where their mouth is.

    Unter actor bekommt man eine Art Who’s Who von Hollywood.

  • Zur Wahlfinanzierung, Empfänger: Nachdem sich das Feld etwas gelichtet hat, wollen wir uns anschauen, wie das bei den Republikanern mit dem Geld aussieht. Rudy Giuliani investierte Millionen, bekam aber in Florida so eine blutige Nase, dass er direkt aufgab. Auch Ron Paul hat für sein ganzes Geld nichts vorzuweisen. John McCain hat vergleichsweise wenig Geld, und liegt trotzdem vorne. QED, nochmal.
  • Zur Wahl, ein letztes Mal: Stefan Niggemeier weist in seinem Blog auf den Fact Checker-Blog der “Washington Post” in, der die Aussagen der Kandidaten überprüft und lange Nasen an die Lügner vergibt. Die Autoren begleiten dabei auch live die Fernsehdebatten. An der Spitze der größten Lügen von 2007 steht bei den Demokraten Barack Obama, bei den Republikanern Mitt Romney.
  • Zur Berufsarmee: Die Marines haben ein Anwerbe-Video in 15 Orten in den USA gedreht und der interessierte Leser mag als Art Erdkunde-Test prüfen, ob er sie alle erkennt. Die Aufnahmen lösten eine Kontroverse aus, als San Francisco der Silent Drill Platoon die Drehgenehmigung verweigerte.
  • Zu Frauen: Inzwischen haben mehr Amerikanerinnen einen Universitätsabschluss als Amerikaner:

    In 2006, according to the Census Bureau, about 27 million American men held a college degree; so did about 27 million American women. This is a tipping point, however, not an equilibrium, because male college graduates tend to be old, and female graduates tend to be young.

    Der Einfluss der Frauen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dürfte damit in den kommenden Jahrzehnten immer mehr zunehmen.

Am Ende noch der Hinweis: Das Nominierungsverfahren für den Grimme Online Award 2008 ist eröffnet!

ZEUGS: Die Wahl, der Bürgerkrieg in kurz und wahre Männer, eiskalt

Januar 20, 2008
  • Zum Bürgerkrieg: Mrs H. von Never Enough Homework hat ein Video [YouTube] gefunden, das den Krieg in vier Minuten auf einer Karte zusammenfasst. Man beachte den Opfer-Zähler in der unteren rechten Ecke.
  • Zur Wahl, eine sprachliche Bemerkung: In den USA heißt es (in der Regel) to run for office und in Großbritannien to stand for office. Die dazugehörigen Witze über faule Engländer in einem kleinen Land mag sich jeder selbst ausdenken.
  • Zu den Belastungen der Wahl: In diesem Jahr ist es John McCain von den Republikanern, der unter besonderer Beobachtung steht: Hält der 71-Jährige durch? Immerhin leidet er bis heute an den Folgen der jahrelangen Folter in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft. Er selbst sagt über sich:

    I am older than dirt and have more scars than Frankenstein

    Schon im Wahlkampf 2000 veröffentlichte er 1.500 Seiten medizinischer und psychiatrischer Befunde. Angeblich ist er nicht wahnsinnig.

  • Zu Wahlen und Geld: Wie vorhergesagt sind nach Hillary Clintons Niederlage in Iowa die Spender in Panik ausgebrochen, erstmal zumindest. Und umgekehrt bekam McCain schon nach seinem Sieg in New Hampshire mehr Geld. QED.
  • Zum Waffenrecht: Während wir auf den Supreme Court warten, können wir darauf hinweisen, warum die Diskussion über den Second Amendment schnell kompliziert werden kann. Nach einer Liberalisierung des Waffenrechts in Michigan sind mehrere Dinge passiert: Die Zahl der Bürger mit Schusswaffen hat sich versechsfacht, während die Zahl der Gewaltverbrechen und die der Toten durch Schusswaffen zurückgingen. Es gilt natürlich auch hier unser Hinweis auf den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität.
  • Zum Duck Test: Von dem Begriff leitet sich in der Informatik auch das duck typing ab, wie es bei Python auftritt. Für Nicht-Freaks: Python ist eine moralisch fragwürdige Sprache mit Prinzipien wie it is easier to ask forgiveness than it is to get permission (”EAFP”) und missverständlichen Lehrbuch-Titeln.
  • Zu Humor der Angelsachsen: Unseren deutschen Lesern können wir auch dieses Jahr nur begrenzt die Verleihung der Darwin Awards empfehlen. Dass die Gewinner als Folge von Geschlechtsverkehr auf einer Dachspitze starben, ist dabei der Anlass für so Heuler wie:

    If you put yourself in a precarious “position” at the edge of a pointy roof, you may well find yourself coming and going at the same time.

    Den Merkspruch für das Verhalten beim Überqueren einer Straße finden wir dort allerdings auch: Stop. Look. Listen. Or tomorrow you’ll be missing.

  • Zu Chocolate Chip Cookies: Der interessierte Leser T verweist auf eine Karikatur über die Macht der Dunklen Seite des Keksteigs.
  • Zu American Football: In dieser Saison sehen wir wieder, warum Football spannender ist als Fußball. Die New England Patriots haben alle regulären Spiele gewonnen. Im Fußball wär’s das gewesen, schönen Dank, bis nächstes Jahr. Beim Football müssen sie aber jetzt in die Playoffs, wo alle von ihnen nur eins wollen, nämlich ihr Blut.
  • Zu American Football, Fortsetzung: Wir sehen jetzt auch, welche die Sportart der wahren Männer ist. Während die hochbezahlten Weicheier Profis der Bundesliga wegen des Schnees wegen der Kälte warum auch immer Pause machen, findet heute in Wisconsin bei minus zwölf Grad Celsius das Spiel zwischen den Green Bay Packers und den New York Giants statt. Es versteht sich von selbst, dass Lambeau Field nicht überdacht ist [JPEG], dass die Linemen von Greenbay kurzärmlig auftreten -

    “You can’t wear sleeves,” guard Grey Ruegamer told Ralph Vacchiano of the New York Daily News. “That’s bullshit. That’s for the skill guys to wear.”

    - und dass wieder 70.000 Fans erwartet werden. Kurz gesagt: This is Football [JPEG].

  • Zu American Football, ein drittes Mal, weil dieser Autor frustriert ist, die Playoffs zu verpassen: Das kälteste Spiel in der Geschichte der NFL war der Freezer Bowl zwischen den Cincinnati Bengals und den Chargers im Januar 1982 bei minus 23 Grad, mit Windfaktor minus 51 Grad. Hier fing die Tradition der kurzen Ärmel an, wie Reggie Williams von den Bengals erzählt:

    It was so cold that day we didn’t bother with the pregame warmups, but when we came out for the game and saw the Chargers, we could see it in their faces. [...] They saw us bare-armed; the intimidation factor had worked. It was worth it

    Fans dürfen allerdings mehr anziehen [JPEG]. Irgendwann ist auch gut.

  • (Danke an den Ehrenwerten Vater für den Hinweis auf die Linebacker)

    [Korrigiert 21. Jan 2008: Die Patriots waren nicht die Ersten, die alle Spiele der Saison gewonnen haben. Zuerst gesehen von AK, vielen Dank]

ZEUGS: Grabsteine, Kannibalen und Atombomben auf Santa Claus

Dezember 28, 2007

Eigentlich sollte hier ein Text über die Vorwahlen stehen. Aber dieser Autor hat mit Entsetzen gesehen, wie lang die Warteliste für ZEUGS-Einträge ist. Deswegen ist heute Räumungsschreiben angesagt: Alles muss ‘raus!

  • Zu Halloween: Die Familie Stevenson hat in diesem Jahr ein weiteres Stück Halloween-Kultur im Großraum Berlin eingeführt und Klopapier über die Bäume (dieser Autor) und die kleine Hecke (Kind Nummer Eins) geworfen. Das Ergebnis waren mehrere Beinah-Unfälle von erstaunten Autofahrern. Nächstes Jahr lautet das Projekt: selbstgemachte Grabsteine [YouTube]. Als Amerikaner am Ort hat man gewisse Pflichten.
  • Zu Pig Latin: Die Auszeichnung als Bester Googler geht an den interessierten Leser T, der eine Site gefunden hat, die Texte nicht nur in Pig Latin verwandelt, sondern auch in verschiedene (Pseudo-)Dialekte.
  • Zum Supreme Court: Inzwischen gibt es auch einen Überblick über die Arbeit des Obersten Gerichts auf Deutsch [PDF].
  • Zu Liberia: Die Kämpfe in Liberia haben auch nicht die US-Bürger dort verschont, wie Präsidentin Sirleaf bemerkt:

    Nine times — nine times! — in the past 15 years, the United States has been forced to evacuate official Americans and their dependents from our country, at enormous cost to your taxpayers. Monrovia, I am told, is the most-evacuated U.S. embassy in the world.

    Eine zehnte Evakuierung, verspricht sie, soll es nicht geben.

  • Zur Bevölkerungsentwicklung: Die Geburtenrate in den USA ist 2006 unerwartet angestiegen und liegt nun bei dem magischen Wert von 2,1. Damit würde die Einwohnerzahl auch ohne jede Einwanderung stabil bleiben. Die 400-Millionen-Marke wird jetzt für 2040 erwartet, wir hatten noch 2050 angegeben.
  • Zu Anredeformen: Gut, einmal noch zu den Menschenfressern, denn in dem Roman The Silence of the Lambs von Thomas Harris finden wir folgenden Dialog zwischen Clarice Starling und Hannibal Lecter:

    Lecter: May I call you Clarice?
    Starling: Yes. I think I’ll just call you -
    Lecter: Dr. Lecter — that seems most appropriate to your age and station.
    Starling: Yes.

    Für den unbedarften deutschen Leser ergibt das keinen Sinn. Er dürfte sich fragen: Warum spricht Lecter sie wie ein Kind mit dem Vornamen an, wenn er sie sonst mit der größten Höflichkeit behandelt?

  • Zum Wert des Dollars: Wer wissen will, wie viel ein Dollar von früher heute wert war, hat bei Measuring Worth ein Online-Werkzeug dazu. Dabei werden auch die Grenzen der verschiedenen Methoden erklärt. Das Gehalt von George W. Bush (400.000 Dollar) entspricht offenbar wirklich dem von George Washington (25.000 Dollar).
  • Zum Verhalten von Angelsachsen: In seinem immer wieder interessanten Blog German Joys hat Andrew Hammel (mit Genehmigung) einen längeren Auszug von West German and American Interaction Forms: One Level of Structured Misunderstanding des Soziologen Stephen Kalberg veröffentlicht. Die Arbeit ist 20 Jahre alt und die Beschreibungen zum Teil recht abstrakt, aber lesenswert ist der Text auf jeden Fall.
  • Zu Weihnachten: Wer es für einen Witz hielt, dass die Armeen der USA (und Kanadas) Santa bewachen, sei eines Besseren belehrt: Als es Diskussionen gab, ob die Sowjets Atomtests am Nordpol vornehmen wollten, verpflichtete sich kein Geringerer als JFK schriftlich, Santa Claus zu schützen. Vom Christkind hat er übrigens nichts gesagt.
  • Zum Fluorid im Wasser: Der interessierte Leser CM hat festgestellt, dass das Trinkwasser in Vancouver, Kanada nicht mit Fluor, sondern - für die Verhältnisse des Berliners - massiv mit Chlor versetzt wird. So richtig gefalle ihm das nicht, schrieb er dem örtlichen Wasserversorger.

    Damit sorgte ich für eine Kaskade an E-Mails und Telefonnummern aus allen möglichen Verwaltungsebenen und Stadtteilen (warum auch immer), die mir eigentlich immer dasselbe sagten: [Das] Wasser in Vancouver sei eines der saubersten überhaupt und wenn mich der Chlorgeruch stören würde, solle ich ein Krug mit Wasser einfach über Nacht im Kühlschrank stehen lassen.

    Das klappt allerdings nicht so gut. Inzwischen musste er auf abgefülltes Wasser umsteigen.

  • Zu Knock-Knock-Jokes: Es gibt auch eine Variante mit Jack Bauer:

    Once, someone tried to tell Jack Bauer a knock-knock joke. Jack Bauer found out who was there, who they worked for, and where the bomb was.

    Besser ist der Witz in der Buffy-Folge Bargaining (erste Episode von Staffel 6), in der Buffy das zweite Mal tot ist und die Scoobies mit dem “Buffybot” Roboter arbeiten müssen. Der war ursprünglich auf solche Witze programmiert. Nun glaubt Willow, dieses Modul gelöscht zu haben, wie sie allen erzählt (Witzstruktur hervorgehoben):

    Willow: I got her head back on, didn’t I? And I got her off those knock-knock jokes.
    Buffybot [im Hintergrund]: Ooh, who’s there?
    Xander: You know, if we want her to be exactly…
    Spike: She’ll never be exactly.
    Xander: I know.
    Tara: The only really real Buffy is really Buffy.
    Giles: And she’s gone.
    Buffybot: If we want her to be exactly she’ll never be exactly I know the only really real Buffy is really Buffy and she’s gone who?

    Dieser Autor traut sich nicht nachzuschauen, wie die Passage übersetzt wurde.

Und wer am Ende des Jahres immer noch nicht die Bedeutung der Serie verstanden hat und in San Diego wohnt, kann sich im Wintersemester an der UCSD für den Kurs Popular Culture in Critical Perspective: Buffy the Vampire Slayer einschreiben. Wer ab dem 23. Januar nicht in Kalifornien sein kann, muss sich wohl mit einem Selbststudium begnügen: Die englische Wikipedia hat einen Eintrag zu “Buffy Studies” mit einer Liste von Fachliteratur.

Zur Pflichtliteratur gehört natürlich die Fachzeitschrift “Slayage” mit Artikel wie “It’s About Power”: Buffy, Foucault, and the Quest for Self … haben alle Leser schon gute Vorsätze?

[Geändert 3. Januar 2008: Formulierung zu Lecter klarer, Danke an SJ]

ZEUGS: Telefonnummern, Cookies und irische Frühstücksflocken

Dezember 20, 2007
  • Zu Vanity Numbers: Nach diesem Eintrag ergoss sich eine Welle von E-Mail über diesen Autor, zur einen Hälfte mit dem Tenor “Das gibt es hier auch, das weiß doch jeder” und zur anderen mit “Ach deswegen, das wusste ich nicht.” Offenbar besteht für die Telekom Marketingbedarf im Heimatmarkt. Wir halten fest, dass der Buchstabencode in den USA seit Ewigkeiten [JPG] benutzt wird und in Deutschland nicht [JPG].
  • Zu Vanity Numbers, noch etwas: Der interessierte Leser SH verweist auf eine deutsche Site, wo man seine Telefonnummer überprüfen kann. Der Preis für die beste Google-Leistung geht heute an ihn.
  • Zu Chocolate Chip Cookies: Diverse Blogger haben die Plätzchen nachgebacken, darunter das Miiplog, Femnerd und Unfrisiertes, wo es sogar ein Gesangsvideo mit einem etwas anderen Rezept gibt.
  • Zu Chocolate Chip Cookies, nochmal: Der interessierte Leser WC sieht gar nicht ein, die Schokolade mühsam zu zerhacken:

    Just buy some good chocolate in thin bars (Moser-Roth from Aldi is pretty excellent if you ask me), pop it in the freezer for a couple of hours and then give each bar a good whack against the counter. Less messy if you leave them wrapped for the whack and then unwrap them over the bowl. If you need to work out some frustration, you can throw them against the wall. Or increase the entertainment value by setting up a ladder in your kitchen, perching yourself on top and dropping/tossing/hurling them onto the floor. Give it a try. You’ll never waste your time cutting chocolate again.

    Befolgung auf eigene Gefahr.

  • Zu Namen: In Arizona macht sich der hohe Anteil an Hispanics bei der Häufigkeit von Kindernamen bemerkbar: In dem Bundesstaat schlägt “Mia” bei Mädchen inzwischen sogar “Emily”. Die Nummer eins bei Jungen in Arizona - “Angel” - liegt landesweit nur auf Platz 31.
  • Zu “US-amerikanisch”: Der interessierte Leser und Wikipedia-Autor HS weist darauf hin, dass die Formulierung vor Monaten aus dem Eintrag zu den USA entfernt wurde. Gut so. In anderen Teilen des Lexikons treibt sie allerdings noch immer ihr Unwesen.
  • Zu “US-amerikanisch”, nochmal: Wer in letzter Zeit in Washington war, konnte sich selbst von der Mitschuld der Deutschen überzeugen, dass überhaupt von “Amerika” gesprochen wird. Die Kongressbibliothek hatte die Waldseemüller Map von 1507 ausgestellt, eine Weltkarte, auf der zum ersten Mal das Wort zu sehen ist. Erstellt wurde die, festhalten bitte, Universalis cosmographia secunda Ptholemei traditionem et Americi Vespucci aliorum que lustrationes von dem Freiburger Martin Waldseemüller. Er meinte damals mit “America” natürlich die ganze Neue Welt.
  • Zu berühmten Amerikanerinnen: Der interessierte Leser BK weist darauf hin, dass Betsy Ross in dem Computerspiel Day of the Tentacle von 1993 vorkommt.
  • Zu Guten Appetit: Damit nicht der falsche Eindruck entsteht: Es ist nicht verboten, etwas vor dem Essen zu sagen, es gibt nur nicht einen kulinarisch vorgeschrieben Standardspruch. Man wird nicht gehauen, wenn man Enjoy! sagt, wie der interessierte Leser AD bemerkt. Die beste eingeschickte Geschichte stammt von dem amerikanischen Leser JT, bei dem nichts gegessen werden durfte, bis Mutter die Gabel hob. So eine Disziplin wünscht sich die Schönste Germanin auch.
  • Zu Guten Appetit, nochmal: Amerikanische Kinder stehen ihren deutschen Altersgenossen natürlich in endlosen Tischreimen nicht nach. Zum Beispiel:

    Over the lips, past the gums
    Look out stomach, here it comes!

    Nicht alle sind so süß:

    Great big gobs of greasy grimy gopher guts
    Mutilated monkey meat
    Little chopped up birdies’ feet
    Great big gobs of greasy grimy gopher guts –
    And I forgot my spoon.

    Im Hause Stevenson ist “Piep, Piep, Mäuschen” verboten, nachdem die Version von Kind Nummer Eins etwa die Länge der Nibelungen erreicht hatte.

  • Zu Hühnchengeschmack: Der interessierte Leser JM erinnert daran, dass der Hannibal-Lecter-Verschnitt in National Lampoon’s Loaded Weapon 1 ausdrücklich sagt, dass Menschenfleisch nach Huhn schmeckt. Und damit ist dieses Thema endgültig durch.
  • Zu gefährlichen Luftzügen: Auch in Rumänien scheint die Draftophobie vorzuherrschen, wie der interessierte Leser AB aus einem Bericht des “Daily Telegraph” zitiert:

    In Romania, the greatest threat to life today is not poverty, climate change or al-Qa’eda. It’s moving air. Fans, air conditioning and open windows are not — as I had thought — useful mechanisms to generate a nice breeze, or give a little respite as summer temperatures climb to around 40 degrees. They are weapons of mass destruction.

    Wie gut, dass auch andere binationale Beziehungen diese Probleme haben.

  • Zur Synchronisation: Wir hatten wohl etwas voreilig das Ende des Zeitalters der sinnverändernden Übersetzungen ausgerufen. In German Joys weist Andrew Hammel darauf hin, dass aus der deutschen Variante des Bestsellers The Dangerous Book für Boys so subversive Dinge wie die Zehn Gebote entfernt wurden. Der britische Autor ist wohl außer sich.
  • Zu Beleidigungen unter Angelsachsen: Wir werden nicht darauf eingehen, dass Sarah Michelle Gellar von Maxime zur Frau des Jahres 2008 ernannt wurde (”Buffy is back!”). Stattdessen konzentrieren wir uns auf Heft 9 von Staffel 8, wo diesmal Lady Genevieve Savidge und Faith Beleidigungen austauschen. Letztere nennt den irischen Mentor ihrer Gegenspielerin lucky charms - das ist eine Anspielung auf eine Art Frühstücksflocken in den USA, die als irisch vermarktet wird. Will jemand die Farbe raten?

(Danke an DKS für Hinweise)

[Ergänzt 20. Dez 2007 Alternative Art eingefügt, die Schokolade aufzubrechen]

ZEUGS: Menschenfleisch, Currywurst auf Spanisch und Schwarze

November 15, 2007
  • Zum Hühnchengeschmack: Eine erschreckende Zahl von interessierten Lesern will wissen, ob auch Menschen nach Huhn schmecken. Dieser Autor verweist auf einen ausführlichen Bericht - zusammengefasst: nein - und würde viel besser schlafen, wenn wir das Thema damit fallen lassen könnten.
  • Zum Gebrauch des Vornamens: Die Sache mit der Anrede von Vorgesetzten wird in Buffy zum running gag. Renee, in Heft 1 noch angehalten, Xander nicht “Mr. Harris” zu nennen, nennt Willow in Heft 7 “Ms. Rosenberg” - “Buffy” benötige ihre Hilfe, sagt Renee. Willow ist aber gar nicht begeistert davon, mit dem “Namen ihrer Mutter” angesprochen zu werden. Mehr noch, sie hat offenbar schon gedroht, Renee in eine Ziege zu verwandeln, sollte sie es noch mal machen. Willow spricht ihrerseites vor Renee (die sie einfach “Renee” nennt) betont von “Ms. Summers” statt von “Buffy”. Alles klar? Nein? Macht nichts. Wir halten fest: Im Zweifelsfall ist es besser in eine Ziege verwandelt zu werden als einen Vornamen zu früh zu gebrauchen.
  • Zu Angelsachsen unter sich: Inzwischen ist Staffel 8 natürlich bei Heft 8 angekommen, wo sich Buffy mit der bösen britischen Slayerin Lady Genevieve Savidge Schläge und Beleidigungen austauscht: “colonial” schimpft Gen, während Buffy mit einem “rennfaire reject” kontert (auch renfair geschrieben, von renaissance fair). Dabei ist diesem Autor aufgefallen, dass dieses Blog schon mal den Eindruck vermittelt, die Angelsachsen seien eine große, glückliche Familie. Dem ist nicht so, und um dem entgegenzuwirken verweisen wir auf einen Bericht über den Antiamerikanismus in Neuseeland, wo weniger Leute die USA mögen als in China und Russland.
  • Zu Spanisch in den USA: Zu den Leuten, die tatsächlich verstanden haben, was die zukünftige Zweitsprache der USA bedeutet, gehört zum Glück die deutsche Botschaft in Washington:

    En 1949 Herta Heuwer vendió su primer bratwurst aderezado con salsa de puré de tomates, curry y otros ingredientes. En 1959 esta emprendedora berlinesa patentó su invención bajo el nombre de Currywurst.

    Wenn Hispanics in Deutschland ständig currywurst bestellen, wissen wir jetzt, warum.

  • Zum Spanischen, nochmal: Die Wähler in Arizona - Pardon, die Wählerinnen und Wähler in Arizona - sind aufgefordert worden, sich für die Briefwahl ihrer Kandidatinnen und Kandidaten registrieren zu lassen. Dass dies in zwei Sprachen geschieht, wird die interessierten Leserinnen und Leser dieses Blogs nicht überraschen, denn der Bundesstaat liegt an der Grenze zu Mexiko und hat viele Einwanderinnen und Einwanderer. Dummerweise hat das Spanische zwei Artikel, und damit fühlen sich amerikanische Bürokratinnen und Bürokraten sofort zur politischen Korrektheit verpflichtet (Hervorhebung hinzugefügt):

    El/la votante permanecerá en esta lista hasta que la inscripción del/de la votante se cancele, se cambie a categoría inactiva o hasta que el/la votante solicite por escrito que lo/la eliminen de la lista.

    Dieser Autor versucht herauszufinden, ob auch in den USA das “Positivgebot” gilt, nach dem nur gute oder neutral besetzte Begriffe den Hinweis auf Frauen bekommen, aber niemals von “Terroristinnen und Terroristen”, “Verbrecherinnen und Verbrecher” oder “Kinderschänderinnen und Kinderschänder” gesprochen wird.

  • Zur Aussprache-Hilfe: Der interessierte Leser AW hat einen Link zu einer Liste eingeschickt, die amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg bekommen haben. Ein großer Spaß ist es, sich nur die Hilfe anzuschauen und sich dann zu überlegen, was das wohl auf Deutsch heißt: MA-khen zee kai-na G’SHISH-ten! Nein, das soll nicht Klingonisch sein.
  • Zu dummen Schülern: Als Amerikaner in Deutschland bekommt schon mal zu hören, dass amerikanische Schüler irgendwas total Banales über Deutschland nicht wüssten und dass das US-Bildungssystem deswegen Dreck sei. Mit Interesse hat dieser Autor daher eine Reihe von Berichten zu dem Wissen deutscher Schüler über Deutschland gelesen:

    Wenn nach einer aktuellen Studie heute fünf Prozent der deutschen Gymnasiasten Walter Ulbricht für einen oppositionellen Liedermacher der DDR halten und mehr als sieben Prozent in Erich Honecker den zweiten Bundeskanzler der Bundesrepublik sehen, dann ist das bei weitem nicht so komisch wie es sich anhört.

    Hauptschüler hat man wohl vorsichtshalber gar nicht erst gefragt. Nach anderen Daten “weiß” mehr als jeder zehnte Berliner (!) Schüler, dass die Mauer von den Alliierten gebaut wurde und dass Helmut Kohl zur DDR gehörte. Das wird hier nicht aus Schadenfreude erwähnt - das sind die zukünftigen Mitschüler von Kind Nummer Eins - sondern um klar zu machen: Mehr Bildung tut überall Not.

  • Zu schwarzen Amerikanern: Das Pew Institut hat eine Studie über die Lage der Schwarzen in den USA herausgegeben. Die Medien haben Teile davon aufgegriffen, deswegen hier nur ein Punkt, über den nicht oft berichtet wurde: Die Mehrheit der Schwarzen macht für fehlenden Erfolg bei Rassengenossen heute nicht mehr Diskriminierung, sondern individuelles Versagen verantwortlich. Noch in den 90ern war das genau umgekehrt.

    A 53% majority of African Americans say that blacks who don’t get ahead are mainly responsible for their situation, while just three-in-ten say discrimination is mainly to blame.

    Auch interessant die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, die Schwarzen als eine Rasse zu sehen. Immerhin mehr als ein Drittel der Schwarzen sagen nein, dafür seien die Unterschiede heute zu groß. Die ganze Studie [PDF] enthält viele faszinierende Details, die dieser Autor gerne aufgearbeitet hätte - allein, das wäre ein Projekt für einen Mann mit einem Laptop.

  • Und zuletzt, zu Spock: Der geschätzte Kollege CR ist inzwischen Vater einer gesunden Tochter. Wir gratulieren!

(Danke an die Ehrenwerten Eltern für mehrere Hinweise)

ZEUGS: Viel Literatur, einige Witze und etwas Geld

Oktober 22, 2007

Die Schönste Germanin war bekanntlich die vergangene Woche in fernen Ländern unterwegs. Damit hatte dieser Autor zwar ihren Laptop zur Verfügung, aber leider auch zwei Kinder zu versorgen, die (Nummer Eins) auf Dinosaurier-Jagd gehen oder (Nummer Zwei) Jugend forscht im Katzenklo spielen wollten. Wir retten uns daher mit Kurzeinträgen in die Woche.

  • Zu Romanempfehlungen: Die Ehrenwerte Mutter hat inzwischen Charles Fraziers zweites Buch, Thirteen Moons, gelesen und für gut befunden, wenn auch nicht ganz so gut wie Cold Mountain. Handelt von einem Waisenjungen, der von den Cherokee aufgenommen wird.
  • Zum Wizard of Oz, um bei der Literatur zu bleiben: Der interessierte Leser TP weist auf die folgende Alternativ-Version hin, die Teil eines Wettbewerbs für Geschichten mit sechs Worten war:

    Dorothy: “Fuck it, I’ll stay here.”

    Der Autor ist Steven Meretzky, der bei Infocom für legendäre Spiele wie The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy verantwortlich war. Der Beitrag von Buffy-Schöpfer Joss Whedon lautete übrigens: Gown removed carelessly. Head, less so.

  • Zu den Knock-Knock-Jokes bei Terry Pratchett: Die interessierte Leserin SB hat Wee Free Men als Kleine freie Männer gelesen und berichtet nun, dass der Witz einfach kommentarlos übersetzt wurde. Damit verstehen ihn nur die deutschsprachigen Angelsachsen - so wird das nichts mit dem Kulturimperialismus!
  • Zu der Aussprache von Uranus: Genauso hat man laut dem interessierten Leser MD in Harry Potter Band IV bei der Übersetzung des folgenden Satzes von Ron verfahren: “Can I have a look at Uranus, too, Lavender?” Warum er dafür zusätzliche Hausgaben bekommen hat, bleibt dem deutschen Leser ebenfalls unklar - da waren die japanischen Übersetzer schlauer. In unserem Uranus-Eintrag hatten wir übrigens schon eine Version der Aussprache-Hilfe verwendet.
  • Zu Halloween: Ein Jahr lang hat sich dieser Autor mit einem Witz der Autorin Dorothy Parker zu dem Äpfel-in-der-Badewanne-Spiel zurückgehalten, aber er passt zu dem Niveau dieses Eintrags einfach zu gut:

    Ducking for apples — change one letter and it’s the story of my life.

    Parker gehört zu den Menschen, die im Zeitalter der Blogs hätten geboren werden sollen.

  • Zu Halloween, wenn wir schon mal dabei sind: Zu den Lieblingsblogs der Schönsten Germanin gehört völlig zurecht Because I Said So, geschrieben von einer sechsfachen Mutter mit Galgenhumor. Wir erwähnen das hier, weil es in einer Familie mit sechs Kindern vor Halloween hoch hergeht und der interessierte Leser damit hoffentlich ein Gefühl für die wirkliche Bedeutung des Festes gewinnen kann. - Das vielleicht beste Posting auf der Site ist ihr Ebay-Verkaufstext für 44 Pokamon-Karten, die von den Kindern in den Einkaufswagen geschmuggelt worden waren. Und dieser Autor ist schon bei zwei Kindern blogunfähig!
  • Zu Dr Pepper: Einer der Lieblingsblogger dieses Autors, Johannes “Jojo” Kretzschmar von Beetlebum, hat sich jetzt auch als Fan des Soft Drinks geoutet. Damit ist es offiziell ein Kult-Getränk.
  • Zu Spenden, damit es nicht nur um Schöngeistiges geht: Offene Politiker-Finanzen sind nicht nur im Wahlkampf nützlich, wie uns ein neues Beispiel zeigt. Senator Jay Rockefeller soll sich dafür eingesetzt haben, US-Telekom-Unternehmen für ihre Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten bei Abhör-Aktionen Straffreiheit zu gewähren. Interessant nun: Kurz zuvor hatten AT&T und Verizon - zwei Firmen, die auf Milliarden-Summen verklagt werden - plötzlich angefangen, dem Demokraten Spenden zukommen zu lassen. Rockefeller nahm zu dem Bericht zunächst nicht Stellung. Die ursprüngliche Quelle war OpenSecrets.org.