Archive for the 'Eintrag' Category

Warum amerikanische Toilettensitze vorne eine Lücke haben

Februar 26, 2014

Dem interessierten Leser RB ist bei einem US-Aufenthalt aufgefallen, dass amerikanische Toilettensitze in öffentlichen Anlagen vorne meist eine Lücke aufweisen. Diese “U” Modelle finden sich allerdings weniger häufig in Wohnungen und Häusern, wo eher die auch in Europa bekannten “O”-Modelle vorherrschen. Warum der Unterschied?

(Dieser Autor möchte festhalten, dass er bei der Auflage dieses Blogs nicht erwartet hatte, so viel über amerikanische Toiletten zu schreiben. So viel zur hohen Politik.)

Amerikaner fragen sich das auch ständig. Die erste Antwort lautet, weil es einen Standard der International Association of Plumbing and Mechanical Officials (IAPMO) gibt, der das vorschreibt. Womit wir festhalten können, dass Amerikaner durchaus internationale Abkommen einhalten, sie müssen nur wirklich wichtig sein.

Warum aber gibt es diesen Standard? Slate zitiert eine IAPMO-Mitarbeiterin mit den Worten, dass damit Frauen das Leben beim Wischen vorne erleichtert wird: Mehr Platz, weniger Kontaktgefahr.

[Lynne] Simnick explains that the open seat was designed to allow women “to wipe the perineal area after using the water closet” without contacting a seat that might be unhygienic.

Das ist die offizielle Erklärung. Eine andere mit etwas größerer Verbreitung in der Bevölkerung lautet: Männer sind Schweine.

In particular, they splash, and when they’re out of the house and away from the restraining influence of their families, they splash even more — and they don’t wipe up.

Was allerdings nicht erklärt, warum auch Toilettensitze in amerikanischen Frauenklos gegabelt sind, wie die Schönste Germanin diesem Autor glaubwürdig versichert. Dann gibt es noch eine dritte, zynische Erklärung: Es wird Material gespart.

That’s all there is to it: Less surface area makes for less material; less material makes for less Lysol; less Lysol makes for greater savings; greater savings wins the war on terror, etc.

Und das ist hoffentlich das letzte Mal, dass wir hier über Toiletten sprechen.

Über die Verwendung von “gay” unter angelsächsischen Jugendlichen

Januar 17, 2014

Dieser Autor hat, wie mehrfach in diesem Blog angedeutet, absolut keine Ahnung von Fußball, trotz der ständigen Nachhilfeversuche von Kind Nummer Zwei. Daher war seine erste Reaktion auf die Flut von Medienberichten nach dem Coming-Out von Thomas Hitzlsperger ein verwirrtes “wer”? Zum Glück war die Schönste Germanin zur Stelle, die nicht nur weise, sondern auch klug ist.

Nun würde sich eine Diskussion über den Begriff facepalm anbieten, aber wir wollen uns ein anderes Thema vornehmen: Eine besonders unter angelsächsischen Jugendlichen geläufige Verwendung des Wortes gay, die Außenstehende verwirren kann.

Zuerst müssen wir festhalten, dass gay an etwas leidet, das Programmierer als operator overloading bezeichnen: Es hat je nach Zusammenhang eine unterschiedliche Bedeutung. Die älteren Verwendungen — Shakespeare und so — gehen in Richtung “fröhlich, heiter” bei Personen und “knallbunt, schrill” bei Farben. Inzwischen sind beide überwiegend von “homosexuell”, genauer gesagt “schwul”, verdrängt worden. Das dürfte dem interessierten Leser am vertrautesten sein.

Allerdings listet beispielsweise die Oxford University Press eine vierte Bedeutung auf:

informal, offensive foolish, stupid, or unimpressive

Stupid trifft es nach dem Sprachgefühl dieses Autors nicht ganz, eher wäre für ihn lame (lahm, öde) angebracht. Die New York Times bietet als Beispiel:

In a circle of 13-year-olds, “That’s so gay!” might translate to: “Only ding-dongs go to the movies on Saturday when anyone who is anyone goes to the movies on Wednesdays.”

Am Ende ist das Haarspalterei, denn so oder so ist gay in diesem Zusammenhang abwertend, eine Beleidigung.

Verwendet wird That’s so gay von Jugendlichen auf beiden Seiten des Atlantiks. Einer britischen Studie zufolge war gay vor einigen Jahren das am häufigsten verwendete Schimpfwort auf den Schulhöfen des Landes. Die Erwachsenen sind entsetzt — das ganze Bemühen um eine tolerantere Gesellschaft, und dann kommt so etwas von der Generation, für die bekennende Homosexuelle zum Alltag gehören sollten. Die Schockwirkung dürfte die Verwendung bei den Rotzblagen natürlich noch gefördert haben.

Es gibt das Argument, dass die beiden Verwendungen so gar nichts miteinander zu tun haben. Wir kennen diese Sichtweise aus Deutschland, wo Ausländern die Kinnlade herunterfällt, wenn sie das erste Mal das Wort “getürkt” hören. Der BBC sagt ein Experte zu der Schulhof-Studie von 2008:

“I have interviewed scores of school kids about this and they are always emphatic that it has nothing at all to do with hostility to homosexuals,” […] “It is nearly always used in contexts where sexual orientation and sexuality are completely irrelevant.”

Homosexuellen-Verbände sehen das schon allein wegen der Selbstmordrate unter schwulen und lesbischen Jugendlichen nicht so locker. In Großbritannien — um heute mal auf der Insel zu bleiben — läuft eine Kampagne gegen diese Art der Verwendung in den Schulen. Darunter:

“Your so gay.” — Can you spot two common mistakes?

Die Briten wären keine Angelsachsen, wenn sie nicht mit einem Wortspiel dagegen vorgehen würden. Der Slogan lautet:

Homophobia is gay

Die New York Times spekuliert in dem oben verlinkten Artikel, dass die Formulierung ohnehin langsam den Weg aller Jugendbegriffe geht. Eine 14-Jährige erklärt der Zeitung, gay habe sie benutzt, als sie kleiner war. Heute halte sie das für falsch und zieht folgende Konsequenz:

I’d much rather call someone a loser.

Vielleicht noch nicht ganz das, was man sich wünschen würde, aber immerhin.

Warum Allen Funt keinen Spaß bei der Übersetzung versteht

Januar 6, 2014

Kind Nummer Eins ist endlich, endlich alt genug um wenigstens einige ausgewählte Folgen von Buffy the Vampire Slayer zu gucken, wenn auch nur zusammen mit einem Elternteil. Selbst dann müssen alle Episoden vorher zur Sicherheit gesichtet werden, denn man vergisst schon einige Details, wenn man eine Serie nur acht oder neun Mal gesehen hat. Dieser Autor nimmt der Schönsten Germanin diese fürchterliche Arbeit natürlich heldenmutig ab.

Leider gehört “Tabula Rasa” zu den Folgen, auf die der Nachwuchs noch verzichten muss. Das ist doof, nicht nur weil sie eine der besten überhaupt ist, sondern weil man damit gut einige grundsätzliche Unterschiede zum Leben in Deutschland erklären kann.

Das haben wir hier schon erledigt, daher tragen wir jetzt nur ein Detail nach. Als alle ohne Gedächtnis herumstehen und sich überlegen, was passiert sein könnte, sagt Anya:

[I] don’t see Allen Funt.

Giles schaut sie verwirrt an und stellt die Frage, die sich auch der gemeine deutsche Fernsehzuschauer stellen dürfte: Who?

Allen Funt war der Erfinder der Fernsehsendung Candid Camera, die in Deutschland als Versehen Sie Spaß läuft. Ganz ursprünglich war es eine Radiosendung, 1948 wechselte sie ins Fernsehen. Der britische Ableger begann 1960 unter der Leitung von David Nixon. Daher kann Giles mit dem Namen Funt auch nichts anfangen.

Die Buffy-Synchronisatoren gehen an dieser Stelle wieder ganz eigene Wege, vermutlich weil man Frank Elstner nicht in eine US-Serie stecken wollte (oder sie hatten den Auftrag, auf keinen Fall einen Konkurrenz-Sender zu erwähnen). Anya befasst sich in der deutschen Version weiter mit der Theorie, dass sie alle betrunken waren und stellt fest, dass sie “keine Elefanten” sieht. Schlimm genug. Aber dazu wird noch aus Giles’ sehr britischem und hörbar gebildetem “Who?” ein selten dämliches “Äh?”, das überhaupt nicht zu seinem Charakter passt. Hier wird erneut die Sprachebene völlig verfehlt.

Dem interessierten Leser sei versichert, dass die Bildung von Kind Nummer Eins auch auf konventionelleren Wegen fortschreitet. Am Wochenende gab es im Hause Stevenson eine längere Diskussion über den Sinn von Umgehungsstraßen und galaktischen Hyperraum-Expressrouten. Auf der Grundlage des Original-BBC-Hörspiels, versteht sich.

Das Gedicht mit den roten Rosen und blauen Veilchen

Dezember 13, 2013

Wir gehen heute nochmal auf das Siegerfrühstück von Kurt Vonnegut Jr. ein. Dort finden wir folgendes Gedicht:

Roses are red
And ready for plucking
You’re sixteen
And ready for high school

Dieser Autor hat lange überlegt, ob er eine Übersetzung oder gar eine Erklärung des Witzes anbieten soll. Allerdings geht er davon aus, dass der interessierte Leser von selbst darauf kommen wird, was sich hier vielleicht eher mit plucking reimt.

Uns interessiert ohnehin heute nicht das Alter, ab dem man in den USA nicht mehr vor Verführung geschützt ist (age of consent), schon allein weil es sich (natürlich) von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheidet. Wir gehen vielmehr auf das Original dieses kleinen Reims ein, weil man es immer wieder trifft:

Roses are red
Violets are blue
Sugar is sweet
And so are you

Der Ursprung liegt offenbar im 16. Jahrhundert. Ähnlich wie bei den Knock-Knock-Witzen muss man hier nur die erste Zeile aufsagen und jeder Angelsachse weiß sofort, was for ein Format der kommende Witz haben wird. Es gibt unendlich viele Abwandlungen, angefangen mit Kinderreimen:

Roses are red
Violets are blue
The gasworks stink
And so do you

Gerne auch:

Roses are blue
Violets are red
If you agree
You’ve got rocks in your head

Die Fans der Fernsehserie Fringe werden sich an die Valentins-Tag-Grüße vom “blauen” ins “rote” Paralleluniversum erinnern:

Your universe is red
My universe is blue
You shared your mints
Now I like you

Bei anderen Medien gibt es ganze Wettbewerbe, zum Beispiel bei Mass Effect. Nicht immer können die betroffenen Unternehmen froh sein. Die Wut über das umstrittene Ende von Mass Effect 3 brachten Fans auch in dieser Form zum Ausdruck:

Renegades are red
Paragons are blue
You wanted endings that reflected your decisions?
Fuck you

Renegade und paragon beziehen sich dabei auf die ethische Positionen, die man während des Spiels einnehmen kann und die nach der Meinung vieler Fans auch das Ende hätte mitbestimmen sollen.

Eine ganze Reihe von Versionen spielen wie die Variante aus Breakfast of Champions damit, dass der Reim von der zweiten bis zur vierten Zeile nicht eingehalten wird. Da hätten wir:

Roses are red
Violets are blue
I’m schizophrenic
And so am I

Und schließlich wollen wir nicht verschweigen, dass der Reim manchmal völlig scheitert:

Roses are gray
Violets are gray
I am colorblind, you see
What can I say?

Das Siegerfrühstück

Dezember 1, 2013

Dieser Autor hat dem Nachwuchs jüngst (in Abwesenheit der Schönsten Germanin, versteht sich) eine der wichtigsten Lektionen des Lebens beigebracht: Kalte Pizza ist ein wunderbares Frühstück. Es ist, wie man auf Englisch so schön ironisch sagt, the breakfast of champions.

Der interessierte Leser wird den Spruch an diversen Stellen bei Angelsachsen gehört haben, unerklärlicherweise auch für andere Dinge als Pizza. Eines der jüngsten Beispiele stammt von der Schauspielerin Nina Dobrev aus Vampire Diaries mit ihrem Tweet Sex. Breakfast of Champions. — ein Zitat aus dem Film Rush.

Woher kommt der Spruch? Der Ngram Viewer von Google gibt uns den Ursprung Anfang der 30er Jahre. Damals begann General Mills eine Sport-Werbekampagne für ihre Wheaties-Frühstücksflocken, die sie über Jahrzehnte fortsetzte [YouTube].

Das war der erste Streich. Schaut man sich den Ngram-Graphen oben nochmal genauer an, sieht man, dass es dann Anfang der 70er Jahre einen Sprung bei der Verwendung gab. Denn 1973 veröffentlichte Kurt Vonnegut Jr. seinen Roman Breakfast of Champions, Or Goodbye Blue Monday. Die New York Times schrieb damals dazu:

He wheels out all the latest fashionable complaints about America — her racism, her gift for destroying language, her technological greed and selfishness — and makes them seem fresh, funny, outrageous, hateful, and lovable, all at the same time.

Womit die ironische Verwendung endgültig die ursprüngliche verdrängte.

Trotzdem: Kalte Pizza am nächsten Morgen, am besten mit Pepperoni-Salami. Es gibt nichts besseres.

Eine neue Präposition im Englischen, weil Internet

November 20, 2013

Freudige Erregung unter den Sprachwissenschaftlern, Entsetzen bei den grammar nazis: Im Internet benutzen inzwischen so viele Leute das Wort because als Präposition — zum Beispiel because Internet, also “weil Internet” — dass sie von einem neuen Konstrukt der englischen Sprache ausgehen. Aufgefallen war ihnen das schon vor mindestens einem Jahr, jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Der Hintergrund: Die “because-noun” Konstruktion bereichert Englisch um eine kurze Formulierung, die Ironie und eine allgemeine Aussage zu einem Thema kombiniert.

I’m making grand and yet ironized claims, announcing a situation and commenting on that situation at the same time. I’m offering an explanation and rolling my eyes — and I’m able to do it with one little word.

Die Experten weisen darauf hin, dass but zwischendurch in einem begrenzten Umfang ähnlich verwendet wurde. Als Beispiel wird — natürlich — der spielerische Umgang mit dem Englischen in Buffy the Vampire Slayer aufgeführt:

I also watched a late 1990s episode of Buffy the Vampire Slayer in which the character Willow shyly asks the character Oz if he’d like to make out with her. (…) [H]e turns down her proposal. Hurt, Willow sputters, “But … freeze frame!”

(Wer Buffy nur von der deutschen Synchro kennt: Der Erfolg der TV-Serie geht nicht zuletzt auf den Wortwitz und die Sprache zurück, über die Linguisten ganze Bücher geschrieben haben. Leider leisteten die Übersetzer hier ganze Arbeit und rotzten die deutsche Version lieb- und gedankenlos (und zensiert) herunter.)

But in dieser Form kann allerdings schwieriger zu verstehen sein, wie die Formulierung It is all but certain — “Es ist praktisch sicher” — zeigt. Because hat dieses Problem nicht.

Als direkter Vorläufer der neuen because-Variante werden die hey, because Witze aus Saturday Night Live in den 80ern diskutiert, die ein gewisses Eigenleben entwickelten. Später, so die Erklärung, wurde das hey weggelassen.

Ein Beispiel für die längere Variante wäre demnach der Witz:

If life gives you lemons, keep them, because, hey, free lemons.

Diese Anspielung auf den Spruch If life gives you lemons, make lemonade (den Portal-2-Fans in noch einer anderen Variante kennen) zeigt ebenfalls die Ironie: Die Begründung nach dem because ist schwach oder schlicht albern.

Und jetzt kommt das eigentlich Aufregende, zumindest wenn man ein Sprachwissenschaftler ist: Inzwischen ist die because-noun Konstruktion bei Kindern und Jugendlichen nachzuweisen. Allerdings fehlt dabei die Ironie.

A four-year-old liked Monster Inc. “Because the day care.” A six-year-old chose Monsters University, “because the part where Sully has the big roar and scares all the policemen.”

Da kleine Kinder bekanntlich keine Ironie verstehen — was im Hause Stevenson schon mal zu Problemen führt — haben die Rotznasen diese Konstruktion einfach direkt in ihren Wortschatz aufgenommen. Sollte sie sich halten, würde sie langfristig wohl eine leicht andere Bedeutung bekommen.

Ja, aber wird sie sich halten? Schwer zu sagen. Slang kommt und geht bekanntlich. Vielleicht nehmen sich die Blagen später zu Herzen, dass because-noun nicht Standardsprache ist. Allerdings gibt es genug Beispiele für Formulierungen, die jetzt als (fast) normal gelten. Grammar Girl weist auf he graduated college hin, das früher ein from verlangte (und ganz früher passiv war) und jetzt nur besagten Sprachfaschisten auffällt.

In der Zwischenzeit mag der interessierte Leser darauf achten, ob ihm im Deutschen “weil Hausaufgaben” unterkommt. Weil Internet und so.

Von Ringbären und anderen Aussprache-Fragen

November 10, 2013

In einer der ersten Folgen der (angeblich) letzten Staffel von How I Met Your Mother gibt es ein kleines Aussprache-Problem bezüglich der Person, die den Ring zu einer Hochzeit tragen soll: Ist sie jetzt der ring-bearer — der “Ringträger”, wie in Lord of the Rings — oder wirklich ein ring-bear, also “Ringbär”, wie die Schönste Germanin hofft? Den Machern ist zuzutrauen, dass zum Ja-Wort ein großes, gefährliches Tier auftaucht, auch wenn das bei amerikanischen Hochzeiten eher unüblich ist. Klar ist im Moment nur, dass die Übersetzer wieder weinen werden.

Uns gibt das die Gelegenheit auf eine Serie von Landkarten zurückzukommen, die wir in einem einfachen ZEUGS unter Wert verkauft haben: Joshua Katz hat die Daten aus der Harvard Dialect Study visuell aufbereitet und zeigt so sehr anschaulich die große sprachliche Kluft zwischen verschiedenen Teilen der USA. Business Insider machte sich danach den Spaß, einige zusätzlich mit schnippischen Kommentaren zu versehen:

Americans can’t even agree how to pronounce crayon.

Tatsächlich gibt es für den banalen Wachsmalstift drei Hauptvarianten bei der Aussprache: cray-ahn mit offenem Mund, cray-awn mit der zweiten Silbe wie Dawn, dem Namen von Buffys Schwester, und das einsilbige cran wie in man. Auch bei mayonnaise gibt es krasse Unterschiede, ob may-uh-naze oder man-aze.

Was nun für Europäer verwirrend sein kann: Beide Aussprachen des Gewürzmittels sind richtig. In den USA gibt es keine “Hochsprache”, also kein sprachliches Ideal wie Hochdeutsch, das alle anstreben sollen. Auch die Schreibweise des Wortes ist mehr eine Gedächtnisstütze, wie so häufig im Englischen.

Da Akzent und Aussprache nicht zur Verfügung stehen, müssen sich amerikanische Sprach-Snobs andere Wege ausdenken, um auf ihre Mitbürger herabzuschauen. Entsprechend der Eintrag hier über den geteilten Infinitiv (und über grammar nazis).

Das ist allerdings ziemlich anstrengend. Wer es sich einfacher machen will, sucht sich einen Teil des Landes aus, wo die Aussprache prägnant ist, und verachtet einfach alle Leute dort, ähnlich wie man in Norddeutschland mit den Bayern umgeht.

Die wohl klarste Grenze ist dabei die zwischen den ehemaligen Nord- und Südstaaten bei you all und y’all als Begriff für eine Gruppe von Menschen (funktioniert allerdings auch mit lawyer). Das ist hilfreich zu wissen, wenn man bei True Blood auseinander halten will, welcher Vampir von wo kommt.

Wie das mit den Ringen und Bären ist, wird leider nicht behandelt.

Nichts hält ewig, außer (gewisse) US-Briefmarken

Oktober 28, 2013

Beim jüngsten shutdown der US-Regierung war unter den nicht betroffenen Organisation die amerikanische Post, der United States Postal Service (USPS). Sie konnte dem allgemeinen Chaos auf Bundesebene entkommen, weil sie Geld aus dem laufenden Geschäft einnimmt:

The Postal Service receives no tax dollars for operating expenses, and relies on the sale of postage, products and services to fund its operations.

Ohne Zugriff auf Steuergelder muss die Post allerdings ständig das Porto erhöhen. Gegenwärtig kostet eine Marke für einen Standardbrief 0,46 Dollar (umgerechnet 0,33 Euro). Anfang 2014 soll der Preis um drei Cent steigen.

Das geht natürlich ziemlich vielen Leuten ziemlich auf den Sack.

Seit April 2007 gibt es eine Alternative zu der Horror-Preisspirale des Todes: Die Forever Stamps, “ewige” Briefmarken, die nach dem Kauf immer für einen Brief ausreichen. Der Kaufpreis entspricht dem der gerade gültigen Standardbriefmarke — sprich, im Moment 46 US-Cent.

As the name suggests, Forever Stamps can be used to mail a one-ounce letter regardless of when the stamps are purchased or used and no matter how prices may change in the future.

Anders formuliert, die Briefmarke nimmt im Laufe der Zeit an Wert zu.

(An dieser Stelle werden einige interessierte Leser sich fragen, ob man nicht damit irgendwie Geld machen kann. Die Antwort lautet angeblich ja, aber das erscheint diesem Autor doch etwas viel Aufwand.)

Das Ganze funktioniert so gut, dass es seit Januar 2013 auch den Global Forever Stamp für 1,10 Dollar (etwa 0,80 Euro) gibt, der für den internationalen Versand gedacht ist.

Allerdings ändern auch die ewigen Briefmarken nichts daran, dass immer weniger von den kleinen Papierfetzen verkauft werden. Daher lässt die US-Post gerade für eine halbe Million Dollar prüfen, wie die Zukunft der Briefmarke aussehen könnte. Möglicherweise ist “ewig” am Ende wieder mal nicht ganz so lang.

Eine Liste der Leute, die im US-Haushaltsstreit wirklich versagt haben

Oktober 12, 2013

Eigentlich wollte dieser Autor nie wieder über Verschwörungstheorien reden. Aber das Webcomic xkcd hat mal wieder eine wunderbare Zeichnung vorgelegt: ein offener Brief an die Leute, die angeblich die US-Regierung wirklich kontrollieren und deswegen für den Haushaltsstreit verantwortlich sind.

Can you please get your shit together? This is embarrassing.

Nun können wir die meisten Einträge als bekannt voraussetzen — der interessierte Leser kennt Scientology, die Freimauerer und die Zionisten. Einige haben wir schon behandelt — insbesondere die New World Order, HAARP und Fema.

Folgende benötigen vielleicht noch etwas Hintergrund:

  • Bilderburg – Vermutlich ist hier “Bilderberg” gemeint, ein jährliches Treffen der Einflussreichen und Mächtigen hinter verschlossenen Türen. Die Gruppe hat eine eigene Website, aber was die Inhalte der Diskussionen angeht, gilt die Fight-Club-Regel:

    [T]he first rule is, you do not talk about Bilderberg.

    Immerhin können wir jetzt die zweite Regel herleiten. Da die Bilderberg-Leute auch die Kraft hinter der Einführung des Euros sein sollen, haben sie im Moment vermutlich einfach zu viel zu tun, um sich großartig um den US-Haushalt zu kümmern. Verdammt.

  • Skull & Bones – Eine Studentenverbindung an der Yale University, zu der unter anderem Präsident George W. Bush gehörte. Die Existenz ist nicht geheim (ihr Klubhaus steht auf dem Gelände der Universität, die ein Archiv im Internet anbietet). Vermutlich ist man aber immer noch damit beschäftigt, Frauen zu integrieren.
  • Bohemian Grove – So etwas wie die Bilderberg Gruppe, nur in Kalifornien und immer noch ohne Frauen. Ach, und Bäume mögen sie auch nicht. Hier fand in den 40er Jahren eine Planungssitzung zur Atombombe statt. Da diese funktioniert hat, dürfte die Gruppe einfach zu kompetent sein, um hinter der amerikanischen Regierung zu stehen.
  • The Koch Brothers – Die Familie hinter Koch Industries, das zweitgrößte Privatunternehmen der USA. Offensichtlich wissen sie, wie man aus Geld mehr Geld macht. Das beschreibt nicht wirklich Washington.
  • The Trilateral Commission – Eine Gruppe, die nach eigener Darstellung die Verständigung zwischen Europa, Nordamerika und Asien auf hoher Ebene verbessern will. Und immerhin:

    They include women, minorities, and members of many different political parties.

    Der Kommission wird vorgeworfen, eine New World Order einführen zu wollen. Das hatten wir schon. Seufz.

  • The CFR – Die Council on Foreign Relations soll auch so etwas vor haben. Allerdings geht sie selbst auf die Frage ein, ob sie eine Geheimgesellschaft ist:

    No.

    Dann ist ja gut. Vielleicht handelt es sich wirklich um eine Denkfabrik, die sich mit Außenpolitik beschäftigt?

  • The Vril Society – Diese Geheimgesellschaft soll aus Deutschland stammen. Damit fällt sie nicht in die Zuständigkeit dieses Blogs. Allerdings scheinen diese Leute nicht einmal eine neue Bundesregierung auf die Beine stellen zu können …
  • The Lizard People – Es ist unklar, warum sie auf dieser Liste aufgeführt sind, denn in den USA glaubt niemand, dass die Regierung von Eidechsen-Menschen geleitet wird. Naja, kaum jemand. Obwohl, Moment mal, vielleicht wollen sie, dass wir genau das glauben.

Dass ein bestimmter Name auf der Liste nicht auftaucht, wundert dagegen überhaupt nicht: Bielefeld. Den die wissen schon, wie man so etwas verhindert.

Yarn Bombing – Die andere Form von Graffiti

September 21, 2013

Nachdem der Bombenangriff auf Syrien wohl erstmal ausfällt, können wir endlich ein Thema ins Blog heben, dessen Name in dem Zusammenhang vielleicht etwas geschmacklos gewesen wäre: Yarn Bombing, das Einpacken von öffentlichen Dingen mit Strickwerk. Wir behandeln die auch als grandma graffiti bekannte, inzwischen weltweit verbreitete Bewegung hier im Blog, weil die Texanerin Magda Sayeg, Betreiberin des Knitta-Blogs, als ihre “Mutter” gilt.

[Die englische Wikipedia behauptet, dass die ersten Kunstwerke 2004 in Den Helder in den Niederlanden aufgetaucht seien. Eine Quelle dafür wird nicht geboten, in der niederländischen Version steht nichts davon, die Suche im Internet liefert Kopien des englischen Eintrags.]

Eines Tages im Jahr 2005, so die Geschichte, strickte Sayeg aus Langeweile einen Überzug für die Türklinke ihres Ladens in Houston. Das jetzt “Alpha” genannte Stück löste ungeahnte Reaktionen aus:

People got out of their cars just to come look at it.

Angestachelt von der Reaktion strickte sie weiter. Eine Bewegung wurde geboren. In Fotostrecken sieht man Panzer, Bäume und die Beine von Statuen in Wolle verpackt. Überhaupt bekommt man das Gefühl, dass Yarn Bombing ohne die Bilder der Werke im Internet nicht halb so groß geworden wäre. Die Parallelen zu den bereits behandelten Guerrilla Gardeners sind offensichtlich.

Männer machen das zwar auch, aber in den Interviews wird das Weibliche betont. Die Künstlerin Jessie Hemmons spricht davon, dass Graffiti zu sehr eine Männerdomäne sei:

Yarn bombing is more feminine. It’s like graffiti with grandma sweaters.

Bevor jemand fragt, nein, man stellt sich nicht an das Objekt und strickt dann los, sondern darf fertige Stücke mitbringen. Das kann man am Bullen der Wall Street [YouTube] sieht. Als Art Manifest der Bewegung gilt das Buch Yarn Bombing: The Art of Crochet and Knit Graffiti von Mandy Moore.

Inzwischen hat die Welle Deutschland erreicht, wie die Katernberger Strickguerilla in Essen. Womit wir das Thema wieder an die anderen Medien übergeben können.

[Nach einem Vorschlag der Ehrenwerten Mutter, vielen Dank]

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.201 Followern an