ZEUGS: Heulende Kinder, Goldkauf statt Wahlgang und Panik in Kanada

November 5, 2012

Man sollte sich von den Medien nicht täuschen lassen: Eine große Zahl von Amerikanern hat inzwischen die Nase gestrichen voll von der Wahl und wünscht sich nur noch, dass sie vorbei ist — nicht umsonst macht das Video vom heulenden Kind [YouTube] die Runde. Es gibt einen guten Grund, warum die Legislaturperiode eisern auf zwei Jahre festgelegt ist und nicht wie in Europa ständig Wahlen vorzeitig stattfinden: Würde kein Mensch aushalten.

Anbei einige letzte Links, die von oben nach unten zunehmend weniger ernst werden. Durchhalten, nur noch zwei Tage!

  • Zum Kongress und zur Gewaltenteilung: Der interessierte Leser NMK hat ein Psychoprofil der “Washington Post” des republikanischen Kandidaten Mitt Romney gefunden, das diese Passage enthält:

    “We don’t need a president to tell us in what direction to go,” said Grover Norquist, president of Americans for Tax Reform, at the 2012 Conservative Political Action Conference. “We just need a president to sign this stuff.”

    Dieser Autor hat inzwischen das (allerdings sehr subjektive) Gefühl, dass die wirtschaftlich ausgerichteten Medien eher als die politischen betonen, welche Bedeutung die Kongresswahl hat — vielleicht liegt das am drohenden fiscal cliff des US-Haushaltes. Im Kongress deutet sich weiter ein “faktisch unverändert” an, mit einer republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und einer demokratischen im Senat.

  • Zur Wahlnacht, wer das Haus nicht verlassen will: Die American Academy in Berlin veranstaltet ein Hangout bei Google+ mit Bundestagspräsident Norbert Lammert und anderen Gästen. Da wir ein Familienblog sind (meistens zumindest) gibt es hier keine Links zu den diversen Trinkspielen.
  • Zu Nicht-Wählen in den USA: Das Wirtschaftsblog Zero Hedge ruft dazu auf, statt zur Urne zu gehen lieber Gold zu kaufen und damit dem ganzen politischen System, nun, so richtig die Meinung zu geigen:

    [T]here is something you can do tomorrow that is 1000 times more constructive and helpful to America than voting. Go down to your local precious metals dealer and buy an ounce of physical gold or physical silver, or preferably, one troy ounce of both, and let the politicians that bow down to the money masters really know what you think.

    Ein troy ounce sind 31,1 Gramm.

  • Zu Wahlslogans und Sommerzeit: Nicht wirklich neu, aber vielleicht dem einen oder anderen interessierten Leser noch nicht bekannt, dieser Spruch vom Samstag aus dem konservativen Blog InstaPundit: Don’t forget to change your clocks tonight, and your President on Tuesday.
  • Zur Flucht aus den USA: Wie inzwischen eigentlich bei jeder Wahl gibt es wieder die Drohung von Prominenten, das Land zu verlassen und nach Kanada zu ziehen, sollte Kandidat X das Rennen gewinnen. Nur, was sagen eigentlich die Kanadier dazu, fragt sich die “New York Times”.

    “Every Canadian I know will take exile in Florida,” joked Craig Offman, the foreign editor of The Globe and Mail. “A massive influx of Americans would generate widespread fear and terror.”

    Tatsächlich stellt sich heraus, dass selbst nach der Wiederwahl von George W. Bush kaum Demokraten ihre Drohung wahr machten. Der Bericht spricht von einem Rechtsruck in Kanada, weswegen vielleicht inzwischen eher die Republikaner dort Zuflucht suchen sollten.

  • Zu Frust ablassen durch massive Gewalt: Pünktlich zur Präsidentenwahl hat io9 die besten Beispiele für die Zerstörung des Weißen Hauses zusammengestellt (Spoiler unter anderem für den interessierten Leser CHR, der immer noch bei Fringe um drei Staffeln zurückhinkt, ehrlich, hier müssen mal Prioritäten gesetzt weden). Auch die Briten sind dabei. Es fällt auf, dass in deutschen Filmen irgendwie nie die Waschmaschine zerstört wird.
  • Zu weiteren extremen Reaktionen, wenn wir dabei sind: Das Blog xkcd gibt (mal wieder) ein Beispiel dafür, wann man es vermutlich übertrieben hat mit dem Interesse an den Wahlen.
  • Schließlich zur psychologischen Betreuung, die dann nach der Wahl nötig werden könnte: Amerikanische Psychiater raten dringend, alles im Verhältnis zu sehen:

    People need to be more accepting and less emotional about the results and realize that, in the short-term the election will not affect them.

    Mehr als zwei Wochen sollten die Symptome des post-election stress syndrome nicht anhalten, sagen die Fachleute. Vermutlich ist es gut, dass Thanksgiving bald für Ablenkung sorgt.

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