ZEUGS: Fantasy-Englisch, der Fall Trayvon Martin und die Darth-Vader-Kathedrale

April 5, 2012

Beim Ungenannten Arbeitgeber ist das Game of Thrones-Fieber ausgebrochen, vermutlich weil die Serie endlich auch nach Deutschland gekommen ist. Für dieses Blog scheint da allerdings nicht viel zu holen zu sein. Netterweise gehen die Briten selbst auf die Frage ein, warum in amerikanischen Fantasy-Serien alle einen britischen Akzent haben. Eine Erklärung (Zitat umformatiert):

Some have a simple explanation for the British invasion of fantasy land — Kevin Costner. Although not strictly part of the genre, his US/British accent in Robin Hood — Prince of Thieves was so jarring, and out of historical context, that it stood as a warning to all future directors.

Aus irgendeinem Grund erinnert dieser Autor sich hauptsächlich an die Szene, in der Mary Elizabeth Mastrantonio ihm in den Schritt tritt. Seltsam das.

  • Zur Entwicklung der englischen Sprache, während wir beim Thema sind: Im Nordosten des Landes wird an den Vokalen herumgespielt.

    This rearrangement, called the Northern Cities Vowel Shift, is the result of a chain reaction of vowel changes on an epic scale similar to the process that transformed vowels from Middle English to Modern English between 1400 and 1600. (…). The Northern Cities Vowel Shift is thought to be both spreading and accelerating.

    Die Änderung selbst scheint eher unstrittig. Allerdings argumentiert dieser spezielle Artikel, dass sie entlang politischer Linien stattfindet … was eine ganz andere Kiste wäre.

  • Zur Entdeckung Amerikas: Es gibt Hinweise, dass schon während der Steinzeit Europäer nach Nordamerika gewandert sein könnten.
  • Zum Trauma des Bürgerkriegs: Die Zahl der Toten im Civil War ist offenbar deutlich höher als bislang geschätzt. Dem Historiker J. David Hacker der Binghamton University zufolge liegt sie bei 750.000, mehr als 20 Prozent über der bisherigen Schätzung.

    “It helps you understand, particularly in the South with a much smaller population, what a devastating experience this was.”

    Erstaunlicherweise scheint auch dieses Ergebnis nicht so strittig, wie man vermuten könnte.

  • Zu Geheimdiensten: Wired berichtet sehr ausführlich über das neue Utah Data Center des Nachrichtendienstes NSA.

    According to another top official also involved with the program, the NSA made an enormous breakthrough several years ago in its ability to cryptanalyze, or break, unfathomably complex encryption systems employed by not only governments around the world but also many average computer users in the US.

    Der Bericht enthält unter anderem ein Schaubild, wie die Datenströme zusammenlaufen. Wired hat der Versuchung widerstanden, ein kleines Kreuz mit dem Hinweis your data is here einzufügen.

  • Zu Hispanics: Wir hatten darauf hingewiesen, dass hispanic nicht wie white oder black die Rasse beschreibt, sondern eine zusätzliche Einteilung ist — es gibt daher “weiße Hispanics” (wie die Schauspielerin Cameron Diaz von Charlie’s Angels), “schwarze Hispanics” (wie Gina Torres von Firefly), und so weiter.

    Das ist jetzt im Streit um die Tötung des schwarzen Teenagers Trayvon Martin durch George Zimmerman zum Politikum geworden: Nennt man den mutmaßlichen Täter “weiß” (wie am Anfang der Berichterstattung), “hispanisch” (wie es Zimmermans Vater sieht) oder benutzt man, wie die “New York Times” es zwischendurch tat, den bürokratischen Begriff white Hispanic? Die Zeitung hat sich für diese Variante einige Kritik eingefangen (Hervorhebung im Original):

    He’s only a “white Hispanic” because they need the word “white” to further the story line, which is, White, probably racist vigilante shoots an unarmed black kid.

    Die Zeitung hat bestätigt, dass sie den Begriff eher selten benutzt, aber die Verwendung in dieser Phase der Berichterstattung verteidigt. Inzwischen hat sie auf Hispanic gewechselt (die Entwicklung in der deutschen Berichterstattung wird dem interessieren Leser als Übung überlassen). Die Diskussion hat ein Eigenleben entwickelt.

  • Zu den US-Medien: Der Fall Trayvon Martin liefert uns auch ein Beispiel, warum viele Amerikaner ihren Medien misstrauen. MSNBC und NBC haben eine gekürzte Version von Zimmermans Notruf (911 call) herausgegeben, die Vorwürfe des Rassismus zu bestätigen schienen. Das in der Sendung “Today” gesendete Zitat lautete:

    Zimmerman: This guy looks like he’s up to no good. He looks black.

    Tatsächlich lautete diese Stelle des Gesprächs mit dem Notruf-Beantwortungsmenschen so:

    Zimmerman: This guy looks like he’s up to no good. Or he’s on drugs or something. It’s raining and he’s just walking around, looking about.

    Dispatcher: OK, and this guy — is he black, white or Hispanic?

    Zimmerman: He looks black.

    Zimmerman sprach an dieser Stelle nur nach einer gezielten Anfrage über Martins Rasse (der Fall als Ganzes ist komplizierter). Entdeckt wurde die gekürzte Version offenbar von von Fox News, einem bekanntlich konservativen Sender. Ähnlich gelagerte Blogs wie Newsbusters sehen hier einen Beweis für einen Linksdrall (liberal bias) der US-Medien. NBC hat sich inzwischen bei seinen Zuschauern entschuldigt, wohl aber nicht bei Zimmerman.

  • Zu Indianern, wenn wir heute schon so häufig die “New York Times” zitieren: Die Zeitung berichtet über die Probleme mit den verlassenen Uran-Minen auf dem Land der Navajo.
  • Zu dicken Amerikanern: The Atlantic bietet eine eindrucksvolle Landkarte mit der Entwicklung des Übergewichtes in den einzelnen Bundesstaaten von 1994 bis 2008. Hauptthema des Textes The True Cost of Unwalkable Streets ist allerdings das Fehlen von Bürgersteigen in vielen amerikanischen Städten:

    We have, in effect, made getting around by foot or bicycle the most dangerous and least attractive option, though some brave souls risk their safety to walk or bicycle despite the hostility of the environment.

    Die Städte seien zum Teil nur auf Autofahrer ausgerichtet, obwohl sich das inzwischen ändere. Deutschland ist im Vergleich eine Nation von Fußgängern. (Via ZeroHedge)

  • Zu Alkoholgesetzen, weil wir bei Karten sind: io9 zeigt die Landkreise (counties, ausdrücklich nicht: Bundesstaaten) in denen der Ausschank in der Schänke eingeschränkt ist.
  • Zur Vorwahl der Republikaner: The Slate geht darauf ein, warum die Berichterstattung über die Zahl der Delegierten so chaotisch abläuft: Das Verfahren ist es auch.
  • Zu Religion in den USA: Wer das nächste Mal in Washington, DC ist und die National Cathedral besucht, mag nach dem Kopf von Darth Vader Ausschau halten. Um das Böse zu sehen, braucht man allerdings Ferngläser [PDF] — beruhigend, irgendwie.
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