ZEUGS: Britische Atheisten gegen den amerikanischen Weihnachts-Imperialismus

Dezember 22, 2011

Einen kurzen Zeugs haben wir noch bevor die Feiertage richtig losgehen. Jahreszeitbedingt haben wir es diesmal mit ziemlich vielen religiösen Themen zu tun.

  • Zu Weihnachten in einem Land mit vielen Religionen: Der prominente britische Atheist Richard Dawkins besteht darauf, seinen Landsleuten Merry Christmas zu wünschen, da das ganze Gerede von den holidays von den Amis eingeschleppt worden sei:

    “All that ‘Happy Holiday Season’ stuff, with ‘holiday’ cards and ‘holiday’ presents,” is a tiresome import from the United States, where it has long been fostered more by rival religions than atheists,” Mr. Dawkins wrote.

    Interessant ist, dass er in seinem offenen Brief an Premierminister David Cameron tatsächlich Merry Christmas schreibt, während die Briten gerne Happy Christmas sagen, was für Amerikaner wiederum völlig schräg klingt. Sonst ist Dawkins ganz der Alte und kritisiert die Vermengung von Staat und Religion in Großbritannien.

  • Zum “Krieg” gegen Weihnachten und Atheisten auf der anderen Seite des Atlantiks: Im Palisades Park in Santa Monica stehen seit Jahrzehnten zu Weihnachten Krippenszenen. Wegen der Trennung von Kirche und Staat muss die Stadt aber auch anderen Glaubensrichtungen und Atheisten Plätze zur Verfügung stellen. In diesem Jahr nun war der Andrang so groß, dass die Verteilung per Los entschieden wurde — und die Atheisten gewannen die meisten Plätze.

    “We’re trying to balance something that has been a real tradition here and also live within federal law,” said Barbara Stinchfield, the director of community services for the city. “We were trying to accommodate all the groups that were interested in the most fair way we could.”

    Das Reason’s Greetings ist eine Anspielung auf Season’s Greetings, den Grüßen zur Weihnachtszeit.

  • Zur Religion, während wir bei Briten und Sprüchen sind: Die BBC diskutiert den unter Angelsachsen häufigen Slogan What would Jesus do?, im Internet gerne abgekürzt als WWJD. Auch Kritiker kommen zu Wort:

    [T]he Bible offers very little detail about Jesus’s daily life when he wasn’t preaching or performing miracles. And what little it does tell us defies all expectations — hanging around with prostitutes and trashing the temple. Is that the kind of behaviour church youth leaders want to encourage?

    War da nicht auch was mit Steuerbeamten?

  • Zur (Nicht)-Religiosität der Amerikaner: Wer sich an den Kopf packt angesichts des ganzen Lärms um Religion und Weihnachten und sich fragt, wie das zu der deutlich abnehmenden Religiosität in der Gesamtbevölkerung der USA passt: Die feministische Bloggerin Amanda Marcotte argumentiert, dass amerikanische Christen sich wegen ihres schwindenden Einflusses bedroht fühlen und jetzt verzweifelt — und lautstark — dagegen ankämpfen.

    What we’re seeing with the heightened emphasis on religion in politics is the death throes of the old order. After all, in the past, where it was assumed that a vast majority of Americans were not only religious, but Christian, those who wanted Christianity to dominate didn’t feel they had anything to prove. It’s only when they started to feel their power threatened did they become defensive, and in doing so, became much louder.

    Marcotte sieht im Gegenteil eine immer stärkere Trennung von Kirche und Staat in den USA.

  • Zu Jedi-Rittern, um unsere weihnachtliche Betrachtung von Religionen abzuschließen: Der Glaube an die Macht der Macht hat auch in Tschechien Fuß gefasst.
  • Zum Massensterben der Indianer: Eine neue Studie unterstützt die These, dass die europäischen Seuchen die Ureinwohner der Neuen Welt dezimiert hatten, bevor die Kolonialisten überhaupt in nennenswerter Zahl ankamen.

    Based on the data, the team estimates that the Native American population was at an all-time high about 5,000 years ago. The population then reached a low point about 500 years ago — only a few years after Christopher Columbus arrived in the New World and before extensive European colonization began.

    Die Forschung basiert auf DNA-Untersuchungen. Mit diesen kann man übrigens auch zu Weihnachten tolle Dinge machen: Zum Beispiel einen Neandertaler-Gentest. Interessantes Detail: Die Angelsachsen haben das “h” in “Neanderthal” behalten.

  • Zum Blitz: Der interessierte Leser M weist auf die Ausstellung “UNDER ATTACK – London/Coventry/Dresden” im Verkehrsmuseum in Dresden hin.
  • Zu Maßeinheiten: Der BBC fragt sich, ob die Briten jemals wirklich zum metrischen System wechseln werden:

    In May 2011, a survey by supermarket chain Asda suggested 70% of customers found metric labelling confusing and wanted products labelled in imperial instead. In response, the company reverted to selling strawberries by the pound for the first time in over a decade.

    Genesis hätte niemals Selling England by the Half-Kilo herausgegeben.

Allen interessierten Lesern ein frohes Fest, auch den Jedis!

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