ZEUGS: Deutscher Kulturimperialismus, die Reichsschraube und die Foo Fighters mit Bärten

September 18, 2011

Die Schönste Germanin und dieser Autor haben einen erstaunlich großen Teil der vergangenen Woche damit verbracht zu überlegen, wie man sidekick und wingman (im Sinne von “Anmachbegleiter”) am besten übersetzt. Lexika sind keine Hilfe und selbst die hoch motivierten Anglizismen-Jäger (und Halloween-Feinde) des Vereins Deutsche Sprache (VDS) haben es nicht in ihrer umfangreichen Datenbank. Glaubt man der deutschen Wikipedia, sind “der Wingman” und “der Sidekick” inzwischen eingedeutscht, quasi als Fachbegriffe.

Bei wingman hat dieser Autor so seine Zweifel, denn so schlimm ist “Flügelmann” auch nicht. Bei Sidekick muss man das vermutlich gelten lassen, so unser Fazit, denn “Kumpel” (buddie), “Helfer” (assistant) oder gar “Handlanger” (henchman) beschreiben nicht die ganz besondere Beziehung von Robin, Sancho Panza, Gabrielle oder Chewbacca zu der jeweiligen Hauptfigur.

In diesem Blog werden wir daher bei der Diskussion von Filmen und Serien auch erstmal “Sidekick” benutzen.

  • Zu Lost Girl und dem Siegeszug des Katanas: Auslöser der ganzen Diskussion war die Feststellung, dass in Lost Girl der Sidekick (“die Sidekickse”?) des Succusbus, Kenzi, ein Katana trägt. Wir können auch zu unserem Eintrag über FanFic verlinken, denn dort finden wir den Rat: Never leave home without it. Dürfte in der Berliner S-Bahn etwas umständlich sein, zusammen mit dem Laptop und so.
  • Zu deutschen Begriffen im Englischen, sozusagen als Gegenprobe: Dass schadenfreude, kindergarten und weltschmerz zum englischen Wortschatz gehören, ist bekannt. Die Probleme bei Bank of America liefern uns aber über das Wirtschaftsblog Zero Hedge noch ein weiteres geklautes Wort (Hervorhebung hinzugefügt):

    When it comes to playing the endspiel for Bank of America, there are two binary outcomes:

    Allgemein scheint Zero Hedge eine Bastion des deutschen Kulturimperialismus zu sein: Hier wurde in einem Eintrag über die Schuldenkrise jüngst auch denkverbot eingeführt, mit der Erklärung a prohibition to think. Dieser Autor versucht immer noch wurzelzwerg und blödmannsgehilfe ins Englische zu heben, ein Projekt, das auf seinen Schulfreund CF zurückgeht.

  • Zu Sprache bei Shakespeare, diesmal aber urenglisch: Die 20-jährige Becky hat schnell mal eine Liste mit englischen Redewendungen zusammengeschmiert, die auf Shakespeare zurückgehen, und damit im Internet eine gewisse Berühmtheit erlangt.

    I still don’t know how something I scribbled in a hurry at 3am got so many notes in the space of a day? Shakespeare is clearly too awesome.

    Offensichtlich. Das Fehlen der Quellen macht diesen Autor allerdings instinktiv unglücklich.

  • Zur Drehrichtung bei Schrauben: Eine ganze Reihe von interessierten Lesern – zuerst HM – haben auf Varianten eines, äh, geschichtsträchtigen deutschen Merkspruchs hingewiesen:

    Solange das Deutsche Reich besteht, wird die Schraube nach rechts gedreht.

    Was die Frage aufwirft, ob es spezielle Schrauben für Antifas gibt.

  • Zur Nationalhymne und die darin enthaltenen Schilderungen der Gewalt: Goshen College, eine Universität von mennonitischen Pazifisten in Indiana, hat sich nach längerer Diskussion auf einen Ersatz für die Nationalhymne geeinigt: Vor Sportereignissen wird jetzt America the Beautiful gespielt.
  • Zu Amelia Earhart: xkcd hat die Lösung für das mysteriöse Verschwinden der Pilotin. Ach, und für Jimmy Hoffa gleich auch, wenn man den Mauszeiger über dem Comicstrip stellt.
  • Zur Bevölkerungsentwicklung: In dem Blog von Discover warnt der Biologe Razib Khan vor zu engstirnigen Prognosen:

    I have long had a problem with projections of the racial makeup of the USA which implicitly neglect the complexities inherent in the identity of someone of mixed origin.

    Khan vermutet auch, dass die Art, wie die Gesellschaft mit Fragen der Rasse umgeht, bis 2050 deutlich anders sein wird. Seit unserem Eintrag 2006 ist übrigens die US-Bevölkerung um zwölf Millionen Menschen gewachsen. Das sind mehr, als es bei einer Annektierung Griechenlands gewesen wären.

  • Zu Waffengesetzen: Via InstaPundit macht unter Amerikanern ein Foto aus dem Apple-Store in Genf die Runde. Only in Switzerland! Folgt man dem Link, findet man allerdings den Kommentar: Looks like Israel.
  • Zur Meinungsfreiheit und der Westboro Church: Juristisch haben die Gegner der radikal-christlichen Homosexuellen-Hasser keine Handhabe. Die Foo Fighters haben jetzt mit einem Ständchen [YouTube] gegengehalten, wie der interessierte Leser MG erklärt. Man bemerke, dass einer der Demonstranten die US-Fahne verkehrt herum hält.
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