Profi-Schiedsrichter und andere Bemerkungen zur Frauenfußball-WM

Juli 12, 2011

“Das ist das perfekte Beispiel dafür, was die USA darstellen: Wir haben niemals aufgegeben. Das ist unglaublich, ich bin einfach nur glücklich.”

- US-Fußballspielerin Abby Wambach laut “Financial Times Deutschland”

Eigentlich erwähnen wir in diesem Blog immer nur dann Fußball — genauer, soccer — wenn wir erklären wollen, warum Football viel spannender ist. Diesen Punkt herüberzubringen ist allerdings gar nicht so einfach, wie es sich der interessierte Leser angesichts der völlig eindeutigen und allgemein unbestrittenen Faktenlage vorstellen mag. Tatsächlich musste dieser Autor schon Rückschläge hinnehmen.

Es hilft zum Beispiel überhaupt nicht, dass ausgerechnet der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, ständig in der Gegend herumrennt und allen erzählt, wie toll Fußball doch sei. Mehr noch, er spielt es demonstrativ selbst. Hallo? Sollten Botschafter nicht eigentlich auf Empfängen herumstehen und Häppchen essen oder so etwas? Hat Benjamin Franklin in Frankreich etwa Fußball gespielt? Na also.

Die im Moment viel größere Herausforderung ist allerdings die Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Nach dem atemberaubenden Viertelfinal-Spiel USA gegen Brasilien wäre es, äh, ambitioniert zu behaupten, dass Fußball nicht spannend sein kann. Wie Slate zu Recht schreibt:

The USA women’s triumph over Brazil was one of the most thrilling, and deserved, victories in recent sports history.

Schlimmer noch, das Spiel war kein Einzelfall. Kind Nummer Eins und dieser Autor hatten sich zuvor in Wolfsburg USA gegen Schweden [Video] angeschaut, so richtig vor Ort auf der Tribüne und so. Von einer langweiligen Partie kann man auch hier nicht mit gutem Gewissen sprechen, nur das Ergebnis war nicht so wie gewünscht.

[Fußnote: Kind Nummer Eins wurde bei dem Spiel erstmals direkt mit den Sitten um die amerikanische Nationalhymne konfrontiert, weswegen es am Tag vorher eine kurze Einführung in angewandte Staatsbürgerkunde für Achtjährige gab. Die altersgerecht aufgemachte Geschichte dahinter war schnell gefunden, auch wenn der Nachwuchs ein anderes Medium bevorzugt hätte (“Gibts da auch einen Film zu?”). Bei der Zeile At the twilight’s last gleaming wurden die Augen groß — “Twilight? Wie der Film?” Am Ende war es gut, dass es Miley Cyrus [YouTube] gibt, denn Jimi Hendrix [Video] wurde als “total schrecklich” abgelehnt.]

Allerdings entstand ein großer Teil der Spannung in dem USA-Brasilien-Spiel dadurch, dass Hope Solo und Gefolge nicht nur (in Unterzahl) gegen Martas Mädels, sondern auch gegen die Unfähigkeit der Schiedsrichterinnen ankämpfen mussten. Dieser Autor war entsetzt, aber man hat ihm versichert, dass dies ein allgemeines Problem [Video] beim Turnier ist und ganz, ganz bestimmt nicht der Normalfall beim Fußball. Nee, ist klar.

Wie auch immer, das gibt uns die Gelegenheit auf einen Unterschied hinzuweisen: In den USA sind Schiedsrichter Profis. Das zieht sich quer durch alle großen Sportarten.

In der NHL zum Beispiel verdient ein Schiedsrichter bis zu 225.000 Dollar im Jahr. Klingt gut, aber die Sache hat einen Haken:

Don’t expect to go out there and make friends with everyone.

Beim Baseball verdienen die I call ‘em as I see ‘em-Leute (wenn wir schon von Twilight reden [YouTube]) pro Jahr bis zu 280.000 Dollar für eine Saison, in der jede Mannschaft übrigens 162 Spiele absolviert. Beim Basketball sollen es bis zu 300.000 Dollar sein, was einigen Kommentatoren noch zu wenig ist:

I know if [sic] seems like they make a fortune, but realize that some of the games they are controlling, have millions of dollars on the line.

Die Situation im Football ist etwas schwieriger, da die Saison kurz ist und die Schiedsrichter nicht fest angestellt sind. Für den Zeitraum erhalten sie bis zu 70.000 Dollar.

But do not feel so bad for them, not only are there only 16 games in the schedule, they also get one-week intervals.

Dabei darf man nicht vergessen, dass beim Football sieben Schiedsrichter eingesetzt werden.

Und was ist mit soccer in den USA? Auch in der nordamerikanischen Fußballliga, beim Major League Soccer, pfeifen seit 2007 Profis. In so einer Randsportart wie Fußball ist natürlich die Bezahlung geringer: Laut Handbuch [PDF] erhalten die Schiedsrichter bis zu 875 Dollar je Spiel plus Boni (bei 34 Spielen je Mannschaft).

Ob Profi-Schiedsrichter überhaupt besser sind als Amateure wollen wir hier nicht diskutieren. Konzentrieren wir uns auf die weitere Frauenfußball-Weltmeisterschaft: Nach der Vorstellung am Sonntag ist eigentlich völlig klar, dass die USA den Titel holen werden. Wie klar? So klar, dass es eigentlich gar nicht mehr spannend ist.

So nämlich.

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