Dosentreten als Spiel und als finanzpolitische Strategie

Juni 15, 2011

Wer Wirtschaftsnachrichten verfolgt, wird den Vorwurf kennen, die Politiker in den USA (wo es einen Schuldenberg gibt) und in der EU (wo es eine Schuldenkrise gibt) verfolgten beide die gleiche kurzsichtige Strategie: Eine Lösung der Probleme möglichst lange vor sich her zu schieben.

In den englischen Medien wird dafür zunehmend das Bild einer Dose benutzt, die man auf einer Straße vor sich hin tritt. Schauen wir uns an, was Fed-Chef Ben Bernanke zum Streit im Kongress über die Erhöhung der Schuldenobergrenze sagte (Hervorhebung hinzugefügt):

There’s only so far that we can kick the can down the road

Und vor einigen Tagen schrieb der Economist zu Griechenland:

An irreverent official at the International Monetary Fund recently installed a jarring ringtone on his mobile phone. It is the sound of cans being kicked down a road.

Der Reuters-Wirtschaftsbloger Felix Salmon zeigt (bizarrerweise mit Daten des Konkurrenten Bloomberg) dass die Sache mit der Dose das neue Lieblingsbild der Presse geworden ist, obwohl es viele Alternativen wie extend and pretend, delay and pray oder fake it till you make it gibt, ganz zu schweigen von dem Klassiker to punt. Das fake it wird der interessierte Leser als Lied von Seether kennen.

Aber so einfach ist das nicht, denn inzwischen wird das meme einfach zu kick the can verkürzt. Das Dumme dabei: Zumindest in den USA ist das der Name für ein Kinderspiel, eine Variante von “Verstecken”. Salmon wusste das nicht, entweder weil Briten das Spiel nicht kennen oder weil er eine seltsame Kindheit hatte (oder beides).

Ob es das Spiel in Griechenland gibt, konnte dieser Autor nicht in Erfahrung bringen.

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