ZEUGS: Der perfekte Nazi-Sturm, das Bin-Laden-Maßband und eine XOXO-Variante

Mai 18, 2011

Zu den großen Aha-Erlebnissen im Leben dieses Autors gehörte das Vorwort des SciFi-Gottes Isaac Asimov zu der Kurzgeschichte “It’s Such a Wonderful Day”. Darin beschreibt Asimov, dass er schöne, sonnige Tage hasst, weil ihn alle nach draußen scheuchen wollen. Dabei will er doch nur vor seiner Tastatur sitzen:

“What are you doing indoors on a day like this, you creep?” Sometimes out of sheer indignation they pick me up and throw me out of the window so I can enjoy the nice day.

Im Hause Stevenson laufen dummerweise auch noch zwei kleine Kinder herum, die wegen der Bewegung und des Sonnenlichts, des Vitamin Ds und so tatsächlich an die frische Luft müssen. Trotz seiner Versuche, do as I say, don’t do as I do als legitime Erziehungsmethode zu verkaufen, muss dieser Autor dann auch ständig dorthin, wo man die Schrift auf dem MacBook nicht mehr erkennt.

Weswegen dieses Blog in sonnigen Wochen weniger häufig Einträge und in regnerischen mehr erhält. Nur falls sich jemand wundert.

  • Zu Gesprächen über Politik: Bei der Recherche zu dem Eintrag hat Google eine detaillierte Darstellung der Deutschen für Ausländer ausgeworfen, von ASAG Biotech Network:

    [D]o not expect direct eye contact to necessitate some greeting or acknowledgement; the German will also not expect anything from you. This is one of the most typical communication patterns immediately observed by visitors to Germany. If the visitor is visibly foreign, this can unfortunately result in a mistaken perception of the Germans as cold and unfriendly to foreigners.

    Der Text enthält einige Punkte, die wir schon besprochen haben – das direkte “Nein” oder die Kleidung nach Stand zum Beispiel – und einige, die wir noch angehen müssen, wie die unterschiedliche Diskussionskultur oder der (fehlende) Kampf um die Rechnung. Woran dieser Autor gar nicht gedacht hatte, ist der “Sturmlauf” der Germanen an der Supermarktkasse, den er aber jetzt auf die Liste genommen hat.

  • Zu perfekten Stürmen und grammar nazis: Bei Spiegel Online konnte man in den vergangen Tagen sehen, wie sehr beide Begriffe inzwischen ins Deutsche übergegangen sind. Nehmen wir den Artikel über die Anti-Google-PR von Facebook (Hervorhebung jeweils hinzugefügt):

    Es ist der perfekte Sturm: Facebook hat eine PR-Agentur damit beauftragt, negative Geschichten über den Konkurrenten Google in den Medien zu platzieren.

    Dann hätten wir aus der Live-Berichterstattung über den Eurovision Song Contest:

    Kollegin M. aus der Bilddokumentation ist nicht nur ein Modenazi: “Für mehr als Mitleidspunkte reicht das nicht.” Sie meinte den isländischen Beitrag.

    Nun werden vermutlich diverse interessierte Leser bemerken wollen, dass SPON nicht der Maßstab der deutschen Sprache ist. Allerdings sieht dieser Autor die Verwendung im Live-Ticker als Zeichen, wie sehr sich die Nazi-Form durchgesetzt hat. Wenn das so weiter geht, kann er hier wieder “gepisst” im Sinne von “wütend” benutzen, ohne jedes Mal wieder Protest-Mails zu erhalten.

  • Zu verrückten Hunden: Die interessierte Leserin AK weist darauf hin, dass es in Portugal den Spruch auch mit Portugiesen gibt.
  • Zum Tod von Osama bin Laden: Nicht jedes angebliche Friedens-Zitat von Martin Luther King ist wirklich von ihm. Faustregel: Immer erst googlen, bevor man im Internet etwas glaubt. Äh. Dieses Blog ist natürlich eine Ausnahme.
  • Zu Humor in Situationen, in denen es sich für Germanen nicht schickt, während wir bei OBL sind: Um bei der Identifizierung des Al-Kaida-Chefs die Körpergröße zu schätzen, legte sich ein Navy SEAL neben die Leiche. Als man das Präsident Barack Obama erklärte, soll er verwundert gesagt haben:

    “Could we not afford to buy a tape measure?”

    Angeblich soll jetzt der für die Sondereinheiten zuständige Vize-Admiral William H. McRaven eine Plakette mit einem Maßband überreicht bekommen haben.

  • Zu Verschwörungstheorien: Der SMBC-Comic hat eine hilfreiche Anleitung zu deren Entstehung, wenn jemand sich selbst daran versuchen möchte. Bitte diesen Autor nicht mit dem Ergebnis belästigen.
  • Zu den Garten-Piraten: The Local berichtet über guerrilla gardening in Berlin.

    Although, strictly speaking, residents aren’t allowed to dig up public land and plant private gardens, many district officials tolerate it — not least because the city doesn’t have enough money to green the areas itself.

    Mit Bilderstrecke von Berliner Gartenfreaks.

  • Zu Milliarden und Billionen: Das Finanzblog Zero Hedge bietet eine einleuchtende Darstellung von einer trillion Dollar, sprich, einer Billion von dem Zeugs. Ja, das Motto der Site stammt aus Fight Club. Das Manifesto des Blogs enthält auch eine sehr amerikanische Sicht der Vorzüge der Anonymität.
  • Zu prüden Amerikanern und dummen Abgeordneten, als Präventivschlag, bevor die deutsche Presse von der Geschichte Wind kriegt: Der Senat des Bundesstaates Florida hat nicht, wie im Internet im Moment die Runde macht, aus versehen Sex verboten. Ehrlich. Nicht, dass man es ihnen nicht zutrauen würde, aber in diesem Fall ist Justizenglisch das Problem.
  • Zur Meinungsfreiheit: Wir hatten davon gesprochen, dass die religiösen Irren forschen Christen der Westboro Baptist Church während Soldaten-Beerdigungen feiern dürfen (inzwischen auch vom Obersten Gericht bestätigt). Die gleiche Logik schützt auch Demonstrationen vor den Kirchen von Scientology. Wie ein Anwalt der Bürgerrechtgruppe ACLU es formuliert:

    “Worshiping in peace means you’re inside your house of worship,” [Adam] Schwartz said. “What you don’t have is a right to be free from seeing things you don’t want to see when you walk on the sidewalk in or out of the church.”

    Hier sehen wir wieder das Prinzip des Bürgersteigs als ein Raum, in dem die Meinungsfreiheit maximal geschützt ist.

  • Zu XOXOXO: Über eine seltene, aber wichtige Sondervariante des X-und-O-Codes informiert uns der kurzweilige Film Scott Pilgrim vs the World: Hier stehen die sieben X für die seven deadly exes, also die todbringenden Exfreunde. Das ist aber wirklich ein Sonderfall. Ach, und der Film hat auch eine wunderbare Anwendung des Wortes whatever.
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