ZEUGS: Käse schlägt Stahl – Notizen zum Super Bowl XLV

Februar 7, 2011

Und wieder können wir sagen: So muss Sport sein, Entscheidung in der letzten Minute. Unfassbar, dass Beetlebum eingeschlafen sein soll. Einige Randbemerkungen zum wichtigsten Sportereignis des Jahres:

  • Zur Nationalhymne, um ganz vorne anzufangen: Christina Aguilera hat das mit dem Text nicht ganz hingekriegt [YouTube], sehr zum Hohn des amerikanischen Internets. Erstaunlicherweise ist das auch in Deutschland eine Nachricht wert, aber Sarah Connor hat hier wohl mediale Vorarbeit geleistet. Wer nicht genug vom Star “Mangled” Banner bekommen kann, sollte sich Times Liste der zehn schlechtesten Vorführungen anschauen. Besonders empfohlen sei die von Michael Bolton (Hillary Clinton kann zwar nicht singen, kennt aber wenigstens den Text). Ach, und was sagt Aguilera selbst zu dem Vorfall?

    I got so lost in the moment of the song that I lost my place … I can only hope that everyone could feel my love for this country and that the true spirit of its anthem still came through.

    Keine Angst. Eine Hymne, die als Trinklied anfing, hält eine Menge aus.

  • Zur Werbung, bekanntlich ein eigener Höhepunkt: Die komplette Liste der Spots findet man bei Time (io9 hat die Filmtrailer getrennt herausgebrochen). Sieger der Herzen im Hause Stevenson ist die VW-Werbung mit Mini-Darth-Vader [YouTube] names The Force. Wer beim Spot von Teleflora mit Faith Hill über das Wort rack rätselt: Umgangssprachlich ist damit das, äh, Holz vor der Hütte gemeint.
  • Zur Taktik des Spiels: Die ist so anspruchsvoll, dass einige NFL-Teams überlegen, für ihre Spielzug-Pläne auf iPads umzusteigen. Dafür sprechen schon mal Umweltschutzgründe, denn pro Spiel fallen für die playbooks im Moment 5.000 Blatt Papier an. Außerdem:

    [F]rom a coach’s or player’s perspective, imagine being able to quickly sort through a large set of plays, look at them in a stylish graphical presentation, see animations of them in action, and more — or to download a photo of the last play seconds later.

    Wegen der primitiveren weniger ausgefeilten Taktik ist das beim Fußball vermutlich unnötig: Hauptsache, der Wachsmalstift bricht nicht ab.

  • Zum Stadion, während wir bei Hochtechnologie sind: Technik-Freaks werden sich etwas näher mit dem Cowboys Stadium befassen wollen.

    Cowboys Stadium, the $1.2 billion baby of the team’s famous owner, Jerry Jones, is pretty much a testament to everything big, including the latest technology that can be used and presented to help streamline the experience of everyone on-site for a game.

    Alles groß? Muss Texas sein.

  • Zur Intelligenz: Im Football fängt das bei den Cheerleadern an. Da wäre Wendy Brown von den Atlanta Falcons, die an der Georgia Tech biomedical engineering studiert, was für diesen Autor verdächtig nach “Borg-Bau” klingt. Gar nicht übersetzen kann er den Titel ihrer jüngsten Veröffentlichung:

    Engineering fibrin matrices: the engagement of polymerization pockets through fibrin knob technology for the delivery and retention of therapeutic proteins

    Nebenbei erklärt sie für die NFL schnell mal das dritte newtonsche Gesetz. Auch sieben andere ihrer Kolleginnen bei den Falcons sind in den Naturwissenschaften unterwegs. Dass die NLF (und Websites wie Science Cheerleader) das betont, gehört zu einem Versuch, den Amerikanern über Football die Wissenschaft näher zu bringen. NBC hat eine ganze Serie [Videos] namens Science of NFL Football zusammengestellt, während Popular Mechanics die Härte eines hits erklärt. Da es in Deutschland keine Cheerleader beim Fußball gibt, müssen sich Physikerinnen mit zweitrangigen Jobs begnügen, wie zum Beispiel, äh, Bundeskanzlerin.

  • Zu Geld beim Football, um zum Ende zu kommen: Dass ausgerechnet die Green Bay Packers den Super Bowl gewonnen haben, hat etwas besonderes: Der Verein gehört den Fans. Richtig viel haben sie nicht davon:

    Shareholders receive no dividend check and no free tickets to Lambeau Field. They don’t even get a foam cheesehead. All they get is a piece of paper that says they are part-owners of the Green Bay Packers.

    Und das Wissen, die ganzen bösen geldgierigen Kapitalisten in Grund und Boden gestampft zu haben.

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