Fringe und die Verschwörungstheorien um Jimmy Hoffa

November 17, 2010

Dieser Autor verfolgt mit inzwischen wachsender Begeisterung die TV-Serie Fringe von J.J. Abrams. Was zuerst ein banaler Klon der X Files zu sein schien, hat Schritt für Schritt so viel an Tiefe gewonnen, dass die ersten Folgen im Rückblick geradezu primitiv wirken. Noch besser: Im Gegensatz zu Lost scheinen die Autoren tatsächlich zu wissen, wo sie mit der Geschichte hin wollen. Einen großen Spaß macht es entsprechend, mit dem Wissen aus der dritten Staffel nochmal zur ersten zurückzukehren und zu sehen, was alles an Anspielungen (foreshadowing) eingebaut wurde.

Was uns zur Folge “In Which We Meet Mr. Jones” bringt.

In einer Szene arbeitet der nicht mehr ganz verrückte Wissenschaftler Dr. Walter Bishop mit Hilfe seines erwachsenen Sohnes Peter Bishop daran, Informationen aus dem Gehirn eines Bösewichts zu gewinnen. Dieser ist nicht nur tot, was lästig genug wäre, sondern wurde dummerweise auch durch einen Kopfschuss niedergestreckt. Walter Bishop hat ein Verfahren für solche Situationen entwickelt, das er vor Jahrzehnten schon einmal bei einem schwierigen Patienten anwenden musste:

Walter: ’75, the FBI asked me to use this procedure. Someone had been murdered. I don’t recall his name. “James”, I believe, or “Jimmy”. They wanted to identify his assassin. [A] union leader, I think.

Peter: [Ungläubig] Jimmy Hoffa?

Walter: Yes!

Um den Witz zu verstehen, muss man wissen: Hoffa war ein mächtiger und einflussreicher Gewerkschaftsführer der Teamsters, der sich unter anderem mit der US-Regierung und der Mafia anlegte. Anders formuliert, er hatte jede Menge Feinde. Seit 1975 ist er verschwunden. Normale Menschen gehen davon aus, dass er ermordet und seine Leiche irgendwo vergraben oder einbetoniert wurde. Gesucht wird sie immer noch (2006), an ganz verschiedenen Orten (2009).

Verschwörungstheoretiker – nun, die sehen bekanntlich überall Männer mit Glatzen und so etwas. Bei Hoffa hätten wir zum Beispiel:

Others have claimed that he isn’t dead, just in hiding. One teamster stuck to his story when diligently questioned by the authorities that Hoffa had run off to Brazil with a black go-go dancer.

Wo er sich vermutlich wunderbar mit den Hitler-Klonen versteht.

Das mysteriöse Verschwinden Hoffas ist inzwischen in die Populärkultur übergegangen. Anspielungen findet man unter anderem bei den Simpsons, bei Veronica Mars und jetzt halt auch bei Fringe.

Eine Warnung: “Mr. Jones” ist die einzige Folge von Fringe, die man sich vielleicht besser in der Synchron-Fassung anschaut. Ein Teil spielt in dem “Wissenschaft Prison” bei Frankfurt am Main, wo seltsamerweise alle mit amerikanischem Akzent sprechen, wie auch der Abgeordnete des Bundestages “Lucas Vogel” mit einem amerikanischen Akzent spricht, von der Frauenstimme bei den Ansagen am “Frankfurter Flughafen” ganz abgesehen (dort werden die Passagiere natürlich mit Achtung!-Rufen angetrieben).

Immerhin sind die Sätze als solche richtig, ein gewisses Bemühen ist also erkennbar. Das ist wichtig, denn ein zentrales, wenn auch noch mysteriöses Dokument der Serie trägt den deutschen Titel “Zerstörung durch Fortschritte der Technologie”, kurz “ZFT”. Vielleicht erfahren wird daraus auch endlich, was wirklich mit Elvis passiert ist.

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