ZEUGS: Explodierende Kinder, mächtige Juden und masturbierende Eichhörnchen

Oktober 11, 2010

Und wie gut ist nun Civilization V? Leider nicht so gut wie erhofft. Viel von der Tiefe ist verloren gegangen – in Fachkreisen tobt eine heftige Diskussion, ob das Spiel nicht sogar die gefürchtete Beschreibung dumbed down verdient. Der Witz mit Al Gore ist entfernt worden. Die fairste Rezension, die dieser Autor kennt, stammt von Tom Chick von 1up.com. Zumindest bis die größten Probleme durch Patches beseitigt sind, bleibt Civ 4 BtS unangefochten der größte Zeitvernichter im Hause Stevenson.

Bleiben wir bei Witzen:

  • Zu Humor: Dass auch die Angelsachsen nicht unbegrenzt schwarzen Humor aushalten, hat gerade die Öko-Gruppe 10:10 Climate Change Campaign erfahren. Um zum Kampf gegen den Klimawandel aufzurufen, ließ sie mit großem Aufwand ein Video mit dem Titel No Pressure drehen. Darin werden die Köpfe von Leuten, die nicht mitmachen wollen, in die Luft gesprengt [Link zum Video] – auch die von Kindern, deren blutige Überreste über ihre entsetzten Mitschüler spritzen. Das ging dann doch etwas weit, wie auch die Macher inzwischen eingestanden haben:

    Many people found the resulting film extremely funny, but unfortunately some didn’t and 10:10 would like to apologize to everybody who was offended by the film.

    Als die Proteste nicht nachließen (und Sponsoren wie Sony hastig absprangen), gab es eine zweite, längere Entschuldigung. Den Kritikern passt das Video allerdings zu gut in das Bild der eco-fascists (neuerdings auch green supremacists genannt, in Anlehnung an white supremacists), die schon vorher mit Kindesmord ihre Spots aufgemacht hätten.

  • Zu Verschwörungstheorien, wenn wir schon beim Faschismus sind: Der CNN-Moderator Rick Sanchez ist gefeuert worden, weil er (unter anderem) angedeutet hat, die US-Medien würden von Juden kontrolliert. Das Magazin Slate nutzte das als Anlass, sich der Frage ernsthaft anzunehmen. Das Fazit: Maybe the movies, but not the news. In den USA stirbt das Vorurteil langsam aus:

    Only 22% of Americans now believe “the movie and television industries are pretty much run by Jews,” down from nearly 50% in 1964.

    Was dem Humoristen Joel Stein von der Los Angeles Times überhaupt nicht passt (Links eingefügt):

    As a proud Jew, I want America to know about our accomplishment. Yes, we control Hollywood. Without us, you’d be flipping between The 700 Club and Davey and Goliath on TV all day.

    Das Gerücht, dass Sandra Bullock eine Jüdin sein soll, war diesem Autor dagegen neu.

  • Zu Mais in Iowa: Wie fruchtbar sind die Böden in Iowa? Nun, die Ökofaschisten ökologisch Interessierten unter den interessierten Lesern werden von Biokohle (englisch biochar) gehört haben, eine Form der Holzkohle, die nicht nur dramatische und langfristige Ertragssteigerungen [PDF] auf erschöpften Böden bringen soll, sondern auch als Wunderwaffe im Kampf gegen den Treibhauseffekt [PDF] gehandelt wird. Das Zeug wird auch in Iowa getestet. Allerdings schreibt die New York Times dazu:

    Given these conditions, biochar will only add a slight yield improvement, if any, he [Forscher David Laird] said. Laird’s hope, instead, is that charcoal will improve soil’s nutrient efficiency, dropping the vast amount of synthetic fertilizer dumped on cash crops each year [...]

    Dieser Autor würde Biokohle auch gerne im Pädagogischen Gemüsegarten ausprobieren. Allerdings lebt er in Deutschland, und da gibt es …

  • Zur deutschen Sonntagsruhe aus US-Sicht: … Probleme bei der Herstellung wegen des Lärms der Vorschlaghammer, wie einige Landsleute zu berichten wissen (Hervorhebung im Original):

    I can tell you, we would never have gotten away with that in Germany, where I lived for two years (very quiet years — well, mostly), and where folks deeply resent it when people raise an unholy ruckus on Sundays.

    Offenbar lebten sie sehr weit entfernt von den Kinderzimmern der Stevensons.

  • Zu dem, was Europäer in Amerika den Amerikanern über Europa erzählen, was vielleicht noch spannender ist als das, was Amerikaner in Amerika den Amerikanern über Europa erzählen: Der französische Autor und Philosoph Pascal Bruckner zeichnet ein düsteres Bild der Alten Welt für die Leser der Neuen:

    While America is a project, Europe is a sorrow. Before long, it will amount to little except the residue of abandoned dreams.

    Und so weiter, bis man sich fragt, warum noch jemand da (also hier) wohnt. Offenbar vermittelt Bruckner sein Europa-Bild im Moment den amerikanischen Studenten an der Texas A&M University.

  • Zu F.A. Hayek und The Road to Serfdom, auch wenn es den Eintrag bislang nur als Notizen auf der Festplatte dieses Autors gibt: Der Economist macht sich lustig über eine Reporterin der New York Times, die im Zusammenhang mit der Tea-Party-Bewegung die rule of law als “Hayeks ungeschriebenes Gesetz” bezeichnet. Hayek bespricht das Prinzip, aber in Wirklichkeit ist das natürlich nichts anderes als die Rechtsstaatlichkeit. Der ursprüngliche NYT-Artikel ist hinter einer Bezahlwand versteckt, was in diesem Fall vielleicht ganz gut ist.
  • Zu prüden Amerikanern: Wir hatten vergessen, auf die freizügigen Berichte über Sexualität in der amerikanischen Presse hinzuweisen, ob über die stimmungsaufhellende Wirkung von Sperma oder masturbierende Eichhörnchen. Ja, Eichhörnchen. Themen wie Analsex wirken da schon, nun, mainstream. Und dieser Autor ist immer noch nicht für externe Links verantwortlich.
  • Zu Wahlkampfausgaben und Korrelationen: Das Blog Rock, Paper, Shotgun hat eine Parodie einer Studie über den schlimmen, schlimmen Einfluss von Computerspielen veröffentlicht. Einige der Zwischenüberschriften:

    Grand Theft Auto Causes Marriages To Break Down
    PC Games Lead To Decline In Church Attendance
    Owning Consoles More Serious Than Gun Crime

    Wir verlinken den Text aber auch wegen eines wunderbaren Austausches in den Kommentaren (Formatierung geändert):

    Janek: Oh, if only Diana were here.
    Meat Circus: WAS here. Tabloids do not subjunct.
    Nil: Subjunct is a verb now?!

    Da haben wir den Tod des subjunctive im Englischen und die Neigung von Angelsachsen, alles in ein Verb zu verwandeln. Auch ja, der Economist bestätigt unsere Darstellung, dass der Wahlsieg in den USA nicht gekauft werden kann. Na bitte.

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