ZEUGS: Zeitmaschinen, Energiekrisen und Urananreicherung (und Root Beer)

September 6, 2010

Wer von den ganzen Garten-Themen langsam genug hat — keine Angst, Rettung naht. Damit ist nicht nur das kältere Wetter gemeint, sondern die in zwei Wochen anstehende Veröffentlichung von Civilization V. Es ist schon abzusehen, dass es danach zumindest einen Eintrag zu den Minutemen geben wird. Der interessierte Leser kann zur Vorbereitung auch schon die special ability Amerikas in dem Spiel studieren: Manifest Destiny. Merke: Erdkunde lernt man durch Risiko, Geschichte durch Civ.

  • Zur angelsächsischen Höflichkeit: Dieser Autor hat nicht nur Neuromancer während seines Fantasy-Filmfest-Frustes gelesen, sondern auch das Doomsday Book von Connie Willis. Dabei hat er diese Passage wiederentdeckt: Ein Wissenschaftler an einer Uni wird von einer Kollegin gefragt, ob sie ihrem zwölfjährigen Neffen einen Schal schenken soll.

    He looked at the muffler she was holding up for his inspection. It was of dark gray plaid wool. He would not have been caught dead in it when he was a boy, and that had been fifty years ago. “Yes,” he said (…)

    Die Kollegin merkt sofort, dass irgendwas nicht stimmt, denn er flippt nicht aus vor Begeisterung. Tatsächlich macht er sich Sorgen, weil eine Studentin gerade mit einer Zeitmaschine ins Mittelalter geschickt wird. Völlig zurecht, wie sich herausstellt.

  • Zu Transition Towns und Peak Oil: Im Moment sorgt eine Studie der Bundeswehr mit dem Titel Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen [PDF] in angelsächsischen Öko-Kreisen für Aufruhr:

    Wann genau der Peak Oil erreicht werden wird, ist umstritten. Vorliegende Berechnungen variieren stark und lassen Außenstehenden kaum Möglichkeiten zu einer unabhängigen Meinungsbildung. Sicher ist allerdings, dass Erdöl endlich ist und ein Fördermaximum existiert.

    Das Dokument ist von Sites wie The Oil Drum und von diversen Blogs (man beachte den Hinweis auf Teutonic thoroughness) aufgenommen worden. Auch Spiegel Online berichtet darüber. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass die britische Regierung die Veröffentlichung verwandter Dokumente verweigert. In den USA sorgte der Hirsch Report 2005 für ähnliche Unruhe und wird von den Transition-Leuten gerne zitiert.

  • Zu Mais: Der interessierte Leser JP weist auf eine deutsche Seite zur Nixtamalisation hin.
  • Zur US-Marine: China hat mit Hilfe seiner schnell steigenden Militärausgaben bei der Zahl der Kriegsschiffe inzwischen gleichgezogen. Es gibt allerdings eine Diskussion darüber, ob Quantität und Qualität wirklich so übereinstimmen.
  • Zum Energieverbrauch der USA: Die Amerikaner haben 2009 weniger Energie verbraucht. Zum Teil lag das an der Wirtschaftskrise:

    Simply said, people are doing less stuff. Therefore, they’re burning less fuel.

    Langfristig positiver ist aber die zunehmende Verwendung von effizienteren Geräten und der größere Einsatz erneuerbare Energien. Und dann hätten wir noch den nächsten Eintrag …

  • Zum Energieverbrauch, nochmal: Ohne großes Tamtam in der Presse haben die USA zum ersten Mal seit 50 Jahren eine neue Anlage zur Urananreicherung in Betrieb genommen. In dem Blog Energie from Thorium begrüßt man die Vorteile des neuen Systems:

    And to get even better, it employs a new advanced technology: the gas centrifuge, which promises vast efficiency improvements and far less power consumption than the previous way (gas diffusion) that we’ve done enrichment.

    Die Sache mit den Zentrifugen hat man vermutlich den Iranern abgeguckt.

  • Zu Schulnoten: Slate geht der Frage nach, warum das E im System fehlt. Anlass ist eine Schule, die auch noch das D abschaffen will.
  • Zu Betsy Ross: So lieb war die Fahnennäherin wohl doch nicht.

    But what books like Silver Thimble won’t tell you is that she also accepted a hefty £14 payment (roughly $2,000 in today’s dollars) for that “first” flag. Or that she was married three times.

    Zu unserem Eintrag über Johnny Appleseed finden wir dort auch einen Link, denn auch hier gibt es ein nettes Detail:

    Johnny Appleseed was bringing the gift of alcohol to the frontier. That’s why he was so popular. That’s why he was welcome in every cabin in Ohio. He was the American Dionysus. He was the guy bringing the booze.

    Denn mit den Äpfeln konnte man sich nicht nur gesund ernähren, sondern auch hard cider brauen. Zum Glück haben wir das auch besprochen.

  • Zu Root Beer: Es gibt mehr als Root Beer pur. So viel mehr! Amerikaner schwärmen von ihren Kindheitserlebnissen mit einem root beer float:

    If you just add a scoop of ice cream to root beer, better be ready to catch all the foam as it comes erupting over the sides. Next to a vinegar and baking soda volcano, a root beer float is God’s gift to chemistry experiments for kids.

    In den Kommentaren wird ein Geheimnis verraten, wie es noch besser wird: Vor der Herstellung des Floats soll man das leere Glas 30 bis 60 Minuten ins Gefrierfach legen. Vielleicht kann man das so den Deutschen schmackhaft machen?

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