Zur Germanisierung von Halloween (und Haunted Houses)

Oktober 30, 2009

Die Suchanfragen zeigen deutlich, dass wieder Halloween ist (für die neuen Leser: Das Thema haben wir schon behandelt). Kind Nummer Eins brachte dieses Jahr aus dem Hort den Beweis nach Hause, dass der Feiertag langsam (wie erwartet) eine eigene germanische Identität annimmt: Seit Tagen sagt es zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit mit ungebrochener Begeisterung und in Maximal-Lautstärke den folgenden Reim auf:

Rummel, Rummel, Reister
Wir sind die bösen Geister.
Wollt ihr uns vertreiben,
Oder sollen wir bleiben?
Tut ihr nichts in unseren Sack
Nehmen wir euch huckepack.
Tut ihr doch was Schönes rein,
Gehen wir alle artig heim.

Es gibt wohl inzwischen eine ganze Reihe von deutschen Halloweensprüchen. Der hier wird “Sophies Vater” zugeschrieben:

Wir sind die bösen Hexen,
Damit es jeder weiß
Gibt uns was von den Keksen
Oder von dem andern Scheiß.

Das hat bestimmt keine angelsächsischen Wurzeln. Dort finden wir eher so etwas:

Trick or treat, smell my feet.
I know you’ll give us lots of treats.
Not to big, not to small,
Maybe the size of Montreal.

Dagegen ist das Prinzip des Haunted House (auch House of Horrors) noch nicht in Deutschland angekommen, wie die anderen Amerikaner im Dorf jetzt herausgefunden haben. Über drei Tage haben sie ihr Tanzstudio in eine solche “Schreckenskammern zum Durchlaufen” umgewandelt. Leider vermuteten viele Ortsansässigen dahinter eine Kostümparty für Kinder. Die Wirklichkeit sieht anders aus [YouTube] (gerne auch noch aufwändiger [Video]).

Tragisch ist natürlich, dass sich hier eine erschreckende Buffy-Unkenntnis offenbart: Ein Haunted House spielte schließlich eine zentrale Rolle in der Folge Fear, Itself. Wir bleiben zuversichtlich, dass der deutsche Einzelhandel das Potenzial hinter diesen Einrichtungen erkennen und sie fördern wird. In der Zwischenzeit muss man sich wohl selbst behelfen, frei nach dem Prinzip:

Nothing says Halloween like lots of blood — big, overflowing buckets of blood. Here’s our guide for mixing up your own batch of the sick stuff.

Bei echten Geeks springt die Wissenschaft in die Bresche.

Und zum Schluss verweisen wir auf die Kostüm-Trends dieses Jahr in den USA. Am stärksten zugelegt hat nicht, wie man sich denken könnte, Michael Jackson (Platz 3 beim Anstieg der Google-Anfragen), sondern Lady Gaga. Das ist auch in Kanada der Fall. Ihre eigene Empfehlung zu Kostümen:

Wigs, purple shampoo and high heels. Lots of latex.

Die Briten kennen Lady Gaga offenbar noch nicht, obwohl sie angeblich das mit dem Latex am besten können. Auf der Insel legte Jackson tatsächlich am stärksten zu.

Ach, und noch etwas will sich immer noch nicht durchsetzen: Candy Corn bleibt in deutschen Geschäften Mangelware, vermutlich weil (Räusper) der ganze Platz schon von Weihnachtsmännern eingenommen wird. Zum Glück ist dieser Autor mit der besten Ehefrau der Welt und den besten Eltern des Planeten gesegnet, die sich zusammengetan haben, um diesem Autor mit zwei Tüten zu beglücken.

Moment, zwei Tüten? Hat jemand zwei Tüten gesagt? No no, eine, liebe Kinder, Grandma und Grandpa haben nur eine Tüte geschickt …

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