Das nächste komische Maß: Cord beim Holz

Oktober 4, 2009

Winter kommt, und daher macht man sich im Hause Stevenson mal wieder Gedanken über den Holzvorrat. Da das Leben im Winter meist in den zusammenhängenden Wohn- und Esszimmern stattfindet, höchstens noch in der angrenzenden Küche, hat es sich bewährt, die Heizung auf ein Minimum zu drosseln und tagsüber den Kamin zu befeuern.

Dieser Autor würde gerne zu den Leuten gehören, die ihr Holz selbst schlagen, kleinsägen, spalten und lagern, schon weil er Kettensägen cool findet und schon immer eine Holzmiete bauen wollte. Aber das erfordert Zeit, die schlicht nicht vorhanden ist, und mehr Lagerfläche als am Hexenhaus bereitsteht. Daher wird einmal im Jahr eine größere Menge bestellt.

Was gar nicht so einfach ist.

Holz ist unpraktisch zu messen. Ausführliche Fachgespräche mit dem Kaminbauer und dem Schornsteinfeger (der übrigens in den USA genauso wie in Deutschland Glück bringen soll) haben ergeben, dass fünf Scheite die beste Ladung ist, um alles einmal richtig warm und optimal verheizt zu bekommen. Jetzt könnte man hochrechnen, wie viele Scheite man für die kalte Zeit braucht. Allerdings liefert niemand Scheite nach Menge – “wir hätten gerne 1.000 Stück zu 33 Zentimeter” geht nicht.

Stattdessen gibt es in Deutschland “Raummeter”, wenn das Zeug ordentlich gestapelt ist, und “Schüttraummeter” wenn es auf einen Haufen gekippt wird. Ein Raummeter sind etwa 1,4 Schüttraummeter, mit sehr großen Schwankungen.

Schlimm genug. Aber bekanntlich gibt es kein Maß, das die Angelsachsen nicht noch komplizierter machen könnten.

Die zentrale Einheit für Holz in Nordamerika ist ein (full) cordein Stapel [JPG] von vier mal vier mal acht Fuß, sprich, 128 Kubikfuß. Das sind 3,6 Raummeter. Der Name kommt aus dem 17. Jahrhundert, als Holz mit einer Kordel gemessen wurde.

(Es gibt tatsächlich eine Einheit, die einem Kubikmeter entspricht: den stère, in Deutschland als Ster bekannt. Benutzt keine Sau.)

Vier Fuß sind 1,2 Meter, was selbst in Texas nicht in die meisten Kamine passt. Gängiger sind Scheite von 16 Zoll (41 cm), was, wie der interessierte Leser natürlich sofort erkennen wird, ein Drittel von vier Fuß sind. Daher findet man Angebote von einem Drittel eines Cords, das oft als ein face cord bezeichnet wird.

Warum nur “oft”? Weil alles, was nicht full cord heißt, nicht genau definiert ist. Es gibt eine ganze Reihe von inoffiziellen Einheiten, von denen man als Käufer die Finger lassen sollte. Die kanadische Regierung warnt unter anderem vor diesen Angaben:

apartment cord
furnace cord
short cord
bush cord
tossed cord
single cord
processed cord
stove cord

Auch rick und rack sind verdächtig. Selbst wenn man ein Full Cord kauft, ist Vorsicht geboten:

In the [Great] Lake States, for example, a cord length of 100 inches is used instead of 8 feet. In this case, the volume of wood in a cord is 4 feet × 4 feet × 8.33 feet = 133.3 cubic feet.

Denn “definiert” heißt in den USA natürlich nur, dass jeder Staat ein Maß festgelegt und seine eigenen Vorschriften hat. Im Bundesstaat Washington ist es zum Beispiel nicht zulässig, in der Werbung von einem face cord oder einem rack zu sprechen. Auch in Maryland darf man das nicht. Meist entspricht der Cord aber wie oben beschrieben 3,6 Raummeter.

Wie man sich vorstellen kann, variieren Holzpreise in den USA enorm. Schaut man sich in Foren um, findet man alles von 305 Dollar je Cord (etwa 58 Euro je Raummeter) in New Mexico, wo es vergleichsweise wenig Wald gibt, bis 650 Dollar für zehn Cord Eiche (zwölf Euro je Raummeter) in Michigan.

Allerdings sieht man hier, wie schwierig der direkte Vergleich selbst innerhalb des Landes ist: Die Eiche ist noch ungespalten und kommt nicht in Längen von vier Fuß, sondern im äußerst handlichen Maß von acht Fuß – 2,4 Meter. Bei 36 Raummeter von dem Zeug hat jemand noch viel Arbeit vor sich.

So selbst ist dieser Mann dann doch nicht.

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