ZEUGS: Bemerkungen zu Brown, Sense für Seifenopern und Fuck im Fernsehen

September 20, 2009

Dieser Autor hat gewisse Schwierigkeiten, The Lost Symbol zu empfehlen. Zwar wird Dan Browns Roman irgendwann in der zweiten Hälfte tatsächlich spannend, aber bis dahin ist es zu spät: Die armen Figuren wurden von der plot driven-Handlung so brutal durch Washington gezerrt, dass man richtig Mitleid mit ihnen hat. Ach, und Amerika-Hasser sollten die letzten Kapitel weiträumig meiden.

  • Zu American Football: David Plotz vom Magazin Slate hat ein ganz anderes Problem mit dem Roman:

    [H]e has the Washington Redskins making the playoffs. Please.

    In der Zwischenzeit war Labor Day, die amerikanische Ausgabe des Tages der Arbeit, und das bedeutet vor allem eins: Dass die Football-Saison wieder angefangen hat! Bitte vormerken: Der Superbowl XLIV findet am 7. Februar 2010 in Florida statt. Das ist viel wichtiger als irgendwelche Fußballturniere am Rande des Südpols.

  • Zum Fernsehprogramm: Im Moment beginnen auch die neuen Staffeln der US-Fernsehserien, insbesondere Fringe und Dollhouse. Im Gegenzug nehmen die Amerikaner nach mehr als sieben Jahrzehnten und über 15.700 Episoden Abschied von der am längsten laufenden Seifenoper der Welt, Guiding Light. Die Serie fing 1937 im Radio an und wechselte 1952 ins Fernsehen. Inzwischen gingen die Zuschauerzahlen zurück. Doch schon.
  • Zu literarischen Anspielungen: Schauen wir uns das neue Poster zu Fringe genauer an. Wir sehen unter anderem ein Loch im Boden, ein weißes Kaninchen und die Spielkarte Herz-Dame. Auf welches Werk wird hier – mal wieder – angespielt? Kleiner Tipp: Auch die Filme The Matrix und Resident Evil bedienen sich daraus.
  • Zu Bozo: Der interessierte Leser JS erklärt den Hintergrund des Namens in Südosteuropa so:

    Božo, wie es richtig geschrieben wird, ist eine geläufige Kurzform des relativ häufigen Vornamens Božidar, was aus dem slawischen übersetzt “Gottesgabe” bzw. “Gottesgeschenk” heißt.

    Ausgesprochen wird das z demnach wie das j im französischen toujours, was zumindest für diesen Autor wie das j im englischen Jesus klingt. Das führt uns wieder zur Jedi-Problematik

  • Zu Videospielen als Vorbereitung auf die Zombie Apokalypse: Der interessierte Leser FL weist darauf hin, dass es von Experten schon ausführlich diskutiert wurde. Ah, The Onion, natürlich. Nachdenklich macht der Hinweis, dass die meisten Leute Opfer sein werden. Welches Spiel bereitet die Bevölkerung darauf vor? Die Sims?
  • Zu den Medien: Wir haben im vorbeigehen angesprochen, dass die Amerikaner nicht sonderlich viel von ihren klassischen Medien, der berühmten mainstream media (MSM), halten. Wie wenig, das zeigt eine Studie des Pew-Instituts:

    Public respect for the media has plunged to a new low, with just 29 percent of Americans saying that news organizations generally get their facts straight.

    Wohlgemerkt, es geht nur um die grundsätzlichen Fakten. Das ist der niedrigste Wert in den zwei Jahrzehnten, die Pew nachfragt. Nicht mal ein Viertel der Befragten glaubt, dass die MSM bereit sind, Fehler zuzugeben. Bei den einzelnen Medien gibt es je nach Parteizugehörigkeit deutliche Unterschiede in der Bewertung:

    Republicans view The New York Times negatively by a margin of nearly two-to-one (31% to 16%), while Democrats view it positively by an almost five-to-one margin (39% to 8%).

    Bei Fox News ist die Tendenz umgekehrt. Insgesamt gehen fast zwei Drittel der Amerikaner davon aus, dass die Medien in der einen oder anderen Richtung politisch gefärbt sind.

  • Zur Fluchen im Fernsehen: Der interessierte Leser NM weist auf ein Interview mit den deutschen Übersetzern der US-Serie The Wire hin. Das Bemühen und die Liebe zur Materie ist klar erkennbar. Allerdings stößt diesem Autor übel auf, dass die Zahl der fucks für das deutsche Publikum mal wieder reduziert wurde:

    In tausend Fällen – also wenn in hundert Sätzen hintereinander und in jedem Satz dreimal das Wort „Fuck“ genannt wird, das belastet sehr, auch die Zuschauer – das kann zu einer Überfrachtung führen. […] Hier und da an einigen Stellen, wenn es Überhand nahm und im Deutschen einfach nur gekünstelt oder nicht so schön klang, haben wir es in irgendein Wort wie „Scheiße“, „verschissen“ oder „verfickt“ geändert.

    Dass die Autoren auch im Original durch die Wiederholung bewusst für eine Überfrachtung sorgen wollten und es belastend sein soll, scheint den Synchronisatoren nicht in den Sinn gekommen zu sein. Wir haben hier ein gutes Beispiel für eine Übersetzung, die ohne böse Hintergedanken den Tenor der Serie und vermutlich auch die Charakterisierung der Figuren ändert. Den Verein Deutscher Sprache dürfte es natürlich freuen.

Was uns am Ende wieder zu The Lost Symbol bringt, wo wir eine der Thesen dieses Blogs bestätigt sehen: Übersetzen ist die Hölle.

Insgesamt 509 Originalseiten sind für die sechs Übersetzer in den nächsten 10 Tagen zu bewältigen.

Das sind etwa 85 Seiten je Übersetzer und damit 8,5 Seiten pro Tag pro Person. Der interessierte Leser mag mal zu Hause selbst ausprobieren, was das für eine Leistung ist.

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