Das zusätzliche “e” bei “potato”

Juli 15, 2009

Die Erste Brandenburger Kartoffelernte bietet eine Gelegenheit zu erklären, warum es in den USA so viele Witze über das Wort potato gibt. Es geht dabei um ein “e” am Ende des Wortes, das da natürlich nicht hingehört. Nehmen wir die Simpsons-Folge “Two Cars in Every Garage and Three Eyes on Every Fish”, in der auf der Tafel steht:

It’s potato, not potatoe

Auffällig ist, dass es diese Witze nicht über tomato gibt, dessen Plural auch mit -es gebildet wird, oder toe, das tatsächlich ein “e” bekommt.

Hintergrund ist ein Vorfall am 15. Juni 1992, als der damalige Vize-Präsident Dan Quayle die Munoz Rivera School in Trenton, New Jersey besuchte. Dort wurden ihm einige Wort-Karten für ein spelling bee in die Hand gedrückt. Besorgt fragte noch ein Berater von Quayle, ob jemand die Karten überprüft habe. Na klar, sagte ein anderer:

We looked at them and they’re just very simple words. No big deal.

Und so trat der zwölfjährige William Figueroa an die Tafel, um sich von Quayle prüfen zu lassen. “Potato”, sagte dieser, und Figueroa schreib p-o-t-a-t-o. Aus Gründen, die immer noch rätselhaft sind, stand auf der Karte aber potatoe mit einem “e” am Ende. Noch rätselhafter ist, warum Quayle dem folgte. Wie auch immer, er brachte den Jungen dazu, den Buchstaben anzufügen. Vor laufenden Kameras.

[Dieser Autor hat dazu nur ein Anti-Republikaner-Video in Verbindung mit Sarah Palin [YouTube] gefunden, die Vize-Kandidatin der Republikaner 2008.]

Figueroa war natürlich viel zu höflich, um den Vize-Präsidenten der USA zu korrigieren. Verwundert war er aber schon, wie er Jahre später noch erklärte:

I kept thinking, “How the hell did I spell potato wrong?”

Gar nicht, natürlich, denn potato wird seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr mit einem “e” geschrieben. Figueroa wurde landesweit als The Potato Kid bekannt. Die Folgen für Quayle waren schlimmer. Die Medien und Komiker machten daraus den Schlüsselmoment seiner politischen Karriere, wenn nicht sogar seines ganzen Lebens. Quayle schrieb in seinen Memoiren:

It was more than a gaffe. It was a “defining moment” of the worst imaginable kind. I can’t overstate how discouraging and exasperating the whole event was.

Es half nicht, dass die Presse (und die Mehrheit der Demokraten) Quayle ohnehin für einen Idioten hielten. Es gibt bis heute im Internet ganze Sammlungen seiner Versprecher:

I love California. I practically grew up in Phoenix.

Dem interessierten Leser dürften einige dieser Sprüche bekannt vorkommen, denn viele wurden zum Wahlkampf 2004 George W. Bush neu angedichtet, wahlweise auch John Kerry. Leider bekam man das in Deutschland nicht mit, weswegen man sie hierzulande immer noch gerne als Beispiele für Bushs angebliche oder auch wirkliche Doofheit vorgelegt bekommt. Man muss etwas recherchieren, um herauszufinden, was Bush wirklich gesagt hat und was nicht.

Wir schließen diesen Artikel mit dem Hinweis, dass German potato salad und der klassische deutsche Kartoffelsalat beide Kartoffeln enthalten, aber sonst sehr wenig gemeinsam haben. Merke: In einem fremden Land sollte man nie etwas essen, das den Namen des eigenen Landes trägt.

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