Kommata in Überschriften

April 16, 2009

Dieser Autor amüsiert sich an diesem schönen Morgen mit einer Liste von “unbequemen Zusammenfassungen” von Filmen wie

LORD OF THE RINGS: Midget destroys stolen property.

oder

KING KONG: Endangered animal stolen, shot.

Warum die Zusammenfassungen “unbequem” sind, sehen wir hier:

300: Gays kill blacks.

Die Zeile zu Mel Gibsons The Passion of the Christ wäre in Deutschland vermutlich eine Klage wert, daher nochmal der Hinweis, dass wir keine Verantwortung für die Inhalte verlinkter Websites übernehmen. Wie besprochen muss Gibson in den USA damit leben. In den Kommentaren gehen die Vorschläge weiter, und dort finden wir (natürlich) auch den Wizard of Oz:

Transported to a surreal landscape, a young girl kills the first person she meets and then teams up with three strangers to kill again

Unsere Entschuldigung, diesen Link hier vorzustellen, ist aber eigentlich ihr Stil, denn viele Zusammenfassungen sind wie Zeitungs-Überschriften geschrieben. Und dabei wird der aufmerksame interessierte Leser einen Unterschied bemerken: Angelsächsische Journalisten benutzen in Überschriften Kommata (liebe Jugend: gemeint sind “Kommas”), germanische nicht.

Das finden wir auch im Internet: Die “New York Times” bietet heute in ihrer Online-Ausgabe Überschriften wie Unsure of Saturn’s Fate, Dealerships Are Closing oder For Gov. Palin, a Rough Return to the Day Job. Auf der Website der “Frankfurter Allgemeinen” finden wir kein einziges Komma in den Überschriften und bei Spiegel Online nur eins in einer Aufzählung: “Krankheit, Tabu und Tat”. Da ist es auch zulässig. Sonst nicht.

Woher das Kommata-Tabu in der deutschen Presse kommt, ist unklar, denn “normale” germanische Schreibtätige leiden nicht an dieser Phobie. Dieser Autor hat in den vergangenen Jahren reichlich Gelegenheit gehabt, deutsche Journalisten zu fragen, und die Erklärung war immer etwas in der Art von “Haben wir schon immer so gemacht, wo kämen wir denn da hin, da könnte ja jeder kommen.”

Wie das Passiv bei Anschlägen und der Endkontrolle von Interviews ist es einfach eine andere Vorgehensweise. Wir werden sehen, wann hier der Kulturimperialismus greift.

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