ZEUGS: Viel Energie und ein Schnee-Engel beim Football

Dezember 23, 2008

Die Heizung im Haus der Ehrenwerten Eltern in Arizona hat Aussetzer. Das ist ein begrenztes Problem, weil das heiße Wasser dort seit Jahrzehnten von einer Solaranlage kommt, draußen 16 Grad bei (was sonst) strahlendem Sonnenschein herrschen und auf dem Ding Garantie ist. Trotzdem nutzen wir die Gelegenheit, um diverse Energie-Themen abzuhandeln.

  • Zum Energieverbrauch: Wir hatten von dem Frust amerikanischer Solarenergie-Befürworter über das Desinteresse ihrer Landsleute gesprochen. Wie riesig das Potenzial wäre, zeigt der Vergleich der Karten der Sonneneinstrahlung für Nordamerika und für Europa. Europa liegt viel nördlicher (oder die USA liegen viel südlicher), als den meisten Menschen klar ist: New York ist etwa auf einer Höhe mit Madrid.
  • Zum Energiemix: Nehmen wir uns eine Solar-Karte nur der USA vor (Seite 4). Die Region im Südwesten der USA, in der Ecke zwischen Kalifornien und Mexiko, wo es Sonne satt gibt, da liegt Arizona. Und was steht dort? Das größte Kernkraftwerk der USA, Palo Verde 2.
  • Zum Energieverbrauch: Diese Karten könnte man bald als Routen-Planer einsetzen. Besitzer des Hybrid-Autos Toyota Prius, dem Lieblingsfahrzeug der amerikanischen Umweltschützer, können nun ein Solardach nachrüsten. Preis 3500 Dollar, zusätzliche Reichweite etwa 13 Kilometer. Die Firma versucht für die Umrüstung eine steuerliche Vergünstigung herauszuschlagen.
  • Zur Mehrwertsteuer: Wir hatten beschrieben, dass die Bundesstaaten ihre Gelder getrennt vom Bund einziehen und selbst ihre Steuern festlegen. New Mexico (östlich von Arizona) hat diese Hoheit genutzt, um die Mehrwertsteuer auf Solaranlagen ganz abzuschaffen (oder, realistisch gesehen, vorerst auszusetzen). Online-Läden wie Affordable Solar müssen daher je nach Bundesstaat andere Rechnungen ausstellen.
  • Zum Staatsaufbau: Zusätzlich haben die Kommunen eigene Programme aufgelegt. Da natürlich niemand mehr durchsteigt, gibt es die Online-Datenbank DSIRE. Dort kann man zum Beispiel sehen, wie die Stadt San Francisco, der Bundesstaat Kalifornien und der Bund jeweils alternative Energien fördern. Ob die Leute das auch nutzen, ist wie überall eine andere Frage.
  • Zu Über: Das britische Magazin The Economist berichtete letztens von einer überraschenden Studie, die ausgerechnet Los Angeles die beste CO2-Bilanz pro Kopf auf dem US-Festland bescheinigt. Die Reihenfolge wird so angegeben (Hervorhebung hinzugefügt):

    Top of their green list is Honolulu, in Hawaii, whose residents accounted for 1.36 tons of carbon each in 2005. Los Angeles, at 1.41 tons per person, narrowly beats Portland, Oregon, which is widely proclaimed as an über-green city.

    An vierter Stelle steht demnach New York.

  • Zu New York: Wir hatten scherzhaft gesagt, dass Upper Sandusky, Ohio auf LED-Lampen umstellt. Tatsächlich stellt New York um. Die neuen Lampen sollen zwei Mal so lange halten und 30 Prozent weniger Energie verbrauchen. Dieser Autor weigert sich zu erklären, warum die Stadt in dem Wired-Artikel “Gotham” genannt wird – das fällt unter Allgemeinbildung.
  • Zu Umzügen: Amerikaner ziehen einer neuen Studie zufolge immer weniger um:

    The monthly Current Population Survey found that fewer than 12 percent of Americans moved since 2007, a decline of nearly a full percentage point compared with the year before. In the 1950s and ’60s, the number of movers hovered near 20 percent.

    Unter anderem soll das daran liegen, dass die Bevölkerung im Durchschnitt älter geworden ist und öfter beide Partner einen Job haben. Warum ist das wichtig? Wenn die Leute länger an einem Ort wohnen bleiben, können sich Dinge wie PV-Solaranlagen eher amortisieren. Selbst in Arizona würde das im Moment noch 22,9 Jahre dauern [Spreadsheet].

  • Zu Codes im Zweiten Weltkrieg, um wenigstens ein anderes Thema zu berühren: Google hat das Foto-Archive von Life ins Internet gestellt, und neugierige Blogger haben Bilder von Codebrechern bei der Arbeit gefunden. Einige sind allerdings offenbar gestellt. Das Archiv enthält auch Bilder der Zerstörung aus dem Bürgerkrieg oder aus Deutschland.
  • Zum Zweiten Weltkrieg, mehr Bilder: Das US-Nationalarchiv hat einen ganzen Schwung von Dokumenten online gestellt.
  • Zu American Football, um zum Ende wieder zu Arizona und dem Wetter zurückzukommen: Bekanntlich gibt es beim Football keine “Winterpause”, weil echte Männer ihre Sieges-Schnee-Engel [Video] auch in kurzen Ärmeln machen (der interessierte Leser HM schickte übrigens einen Rugby-Spot ein, der die Fußball-Mentalität verdeutlichen soll [YouTube]). Dumm nur, wenn die echten Männer aus Arizona kommen und es irgendwie geschafft haben, seit 25 Jahren nicht mehr auf Schnee zu spielen und (unter anderem) deswegen von den Neuengländern 47-7 brutal abgezogen werden. Die sollen mal im Sommer vorbeikommen …
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