ZEUGS: Bush spricht Spanisch, Gewalt im Wahlkampf und der NSA-Bikini

Oktober 13, 2008

In den USA ist Hispanic Heritage Month. Daher heute viele Links zu Hispanics und Spanisch.

  • Zu Spanisch: Wie es sich gehört hat Präsident George W. Bush dazu eine Rede gehalten. Und selbstverständlich war der erste Teil davon auf Spanisch. Eigentlich habe er alles auf Spanisch vortragen wollen, sagte er, aber:
    Me contestaron: “Señor presidente, antes de dar un discurso en español, ¿por qué no llega primero a dominar el inglés?”

    In der Tonaufnahme [MP3] hört man als Reaktion schallendes Gelächter. Über sich selbst Witze machen zu können ist wichtig bei den Angelsachsen, wie wir in unserer (sträflich vernachlässigten) Serie über Humor genauer besprechen werden.

  • Zu Hispanics: In der Grenzstadt El Paso (720.000 Einwohner) sprechen inzwischen 74 Prozent der Bürger zu Hause Spanisch. Der interessierte Leser stelle sich vor, drei Viertel von Frankfurt an der Oder würden zu Hause Polnisch sprechen.
  • Zur Bevölkerungsentwicklung: Nach den aktuellen Zahlen der US-Volkszählungsbehörde werden die Weißen (non-Hispanic, single-race whites) ab 2042 nicht mehr die Mehrheit stellen. In den Schulen wird das schon 2023 der Fall sein – also in 15 Jahren. Bis 2050 werden die Hispanics etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, die dann bei 439 Millionen angekommen sein dürfte. Damit werden die USA die EU knapp eingeholt haben. Im Moment liegt die US-Bevölkerung bei 305 Millionen.
  • Zum Wahlkampf: Noch eine Politiker-Rede gefällig? Historiker haben Mitschnitte der Wahlreden von vor 100 Jahren von Wachszylindern ins Internet geholt. Darunter ist eine Rede des Republikaners William H. Taft über Rights and Progress of the Negro, die angesichts der Kandidatur von Barack Obama interessant ist:

    The Negro, in the 40 years since he was freed from slavery, has made remarkable progress. He is becoming a more and more valuable member of the communities in which he lives.

    Die Autoren weisen darauf hin, dass Taft mit diesen Sätzen, egal wie herablassend sie auf uns wirken, im Jahr 1908 als irre progressiv galt. Taft diente eine Amtszeit und wurde später Richter am Supreme Court.

  • Zu Politik-Karrieren: Wie geht das denn bitte, mag der interessierte Leser jetzt sagen. In Deutschland wäre es weniger gut vorstellbar, dass Angela Merkel zu den Robenträgern wechselt. Hintergrund ist, dass US-Politiker überdurchschnittlich häufig Juristen sind. Das war schon immer so:

    From 1780 to 1930, two thirds of the senators and about half of the House of Representatives were lawyers

    In diesem Jahr sehen wir das an Obama (Studium Harvard, Dozent für Verfassungsrecht an der University of Chicago) und seinem Vize Joe Biden (Studium Syracuse University). In Deutschland dominieren bekanntlich Beamte das Feld, auch schon seit ewig.

  • Zum Bürgerkrieg: Der interessierte Leser HC weist darauf hin, dass nicht alle Amerikaner Civil War für die richtige Bezeichnung halten. Die Wikipedia gibt unter anderem folgende alternative Namen an:

    War Between the States
    War of the Rebellion
    War for Southern Independence
    War of Northern Aggression

    Wir blieben hier aus rein praktischen Gründen bei “Bürgerkrieg”, denn er ist in Deutschland am geläufigsten.

  • Zur Meinungsfreiheit: Die Synchronisatoren von South Park werden sich (mal wieder) etwas überlegen müssen: In einer der neuen Folgen, “The China Probrem” [sic], wird gezeigt, wie George Lucas und Steven Spielberg Indiana Jones vergewaltigen. Nein, das ist nicht im übertragenen Sinn gemeint. Ja, es gab Rekord-Zuschauerzahlen. Und ja, in den USA ist es legal, Lucas und Spielberg so darzustellen. Vielleicht wird dieser Autor alt, aber so schlecht fand er The Crystal Skull übrigens gar nicht.
  • Zu Atombomben, wenn wir durch Skull schon dabei sind: Wir hatten von den ersten drei (vier) gesprochen, wie viele sind es denn heute? Wer den Kalten Krieg noch bewusst erlebt hat, mag wie dieser Autor glauben, es seien immer noch Zehntausende. Denkste (Hervorhebung hinzugefügt):

    Since the dissolution of the [Soviet] communist government, the number of warheads on both sides has steadily declined from the U.S. high of 31,700 warheads in 1966 and Russia’s 45,000 in 1986. The U.S. currently has about 5400, while Russia has about 5200, according to tallies by the Bulletin of Atomic Scientists

    Wenn das Dr. Strangelove noch miterlebt hätte.

  • Zu Halloween: Inzwischen sieht dieser Autor an den Suchstrings, dass die Kinder-Gruselnacht (und Thanksgiving) vor der Tür steht. Dazu der Hinweis, dass in den USA auch viele Zoos Kinderfeste anbieten:

    Some zoos use Halloween to show off their wolves, bats, centipedes and tarantulas.

    Die Schönste Germanin will in diesem Jahr mit einer amerikanischen Bekannten ein Haunted House aufbauen. Und Kind Nummer Eins redet jetzt schon davon, wieder Klopapier über die Bäume zu werfen.

  • Zur NSA: Welches Gesicht, wenn überhaupt, verbindet die Welt mit dem Abhördienst der USA? Richtig, dank James Bond das von Halle Berry. Und die ist jetzt zur Sexiest Woman Alive gewählt worden (die Schönste Germanin war an dem Tag unterwegs). Warum jetzt erst, fragt Berry, und spricht dabei selbst ihren Auftritt als NSA-Agentin Jinx an:

    I mean, you couldn’t go with the Bond-girl year? You didn’t like the orange bikini? I liked the orange bikini. That would have been a pretty good year.

    Die Rede ist natürlich von diesem Bikini. Das ist doch mal eine Behörde mit effektiver Öffentlichkeitsarbeit!

  • Zum Wahlkampf, nochmal, weil alle davon reden: In den deutschen Medien wird berichtet, dass der Tonfall bei den Anhängern immer aggressiver wird. Dabei sind die Kanadier längst einen Schritt weiter: Dort werden der Gegenseite die Bremsleitungen durchgeschnitten. Davon liest man nicht so viel.
  • Zu ungebildeten Amerikanern: Die Wahl in Kanada ist übrigens am Dienstag, also morgen. Der interessierte Leser möge daher heute ein kleines Experiment vornehmen: Er frage seine Mitbürger, wie die Kandidaten heißen. Insbesondere sollten die Leute gefragt werden, die sonst gerne erzählen, die US-Bürger seien dumm, weil sie nicht wüssten, wer in irgendwelchen europäischen Staaten an der Macht sei. Dieser Autor fragt sonst übrigens gerne wer Michaëlle Jean ist.
  • Zu ungebildeten Briten: Mann kann die Leute dann gleich trösten, dass sie mit ihrem Unwissen nicht allein sind. Denn offenbar brauchen die Briten, die keine Sprachbarriere als Entschuldigung haben, dringend ein eigenes USA Erklärt:

    More than 50 percent of Britons believe that polygamy is legal in the United States (…) Almost one-third of Britons believe that Americans who have not paid their hospital fees or insurance premiums are not entitled to emergency medical care (…) Seventy percent of Britons think the United States has done a worse job than the European Union in reducing carbon emissions since 2000 (…)

    Das ist natürlich alles Quatsch. Die Quellen dazu finden sich in der eigentlichen Studie [PDF]. Dort gibt es auch bizarrerweise einen Hinweis auf einen Brief von Michael Moore an Die Zeit.

  • Zum Tourismus: Im ersten Link des vorherigen Eintrags finden sich viele andere interessante Dinge, wie zum Beispiel dass im Verhältnis weniger Europäer in die USA reisen (2,5 Prozent der Bevölkerung) als Amerikaner nach Europa (fünf Prozent):

    The lack of firsthand knowledge of the United States is arguably the biggest reason why ordinary Europeans cannot discern fact from fiction when it comes to America.

    Dieser Autor möchte daher seinen Text über den Aufbau der USA nicht missverstanden wissen: Man kann auch in die USA reisen, wenn George W. Bush nicht Präsident ist.

  • Zu Spanisch, am Ende nochmal, wegen Rahmen und so: Wie lernen die anglos jetzt eigentlich Amerikas Proto-Zweitsprache? Nun, Bush kann mit seiner Schwägerin üben. Wenn man die Buffy-Schauspielerin Sarah Michelle Gellar ist, dann natürlich mit Buffy la CazaVampiros als die Synchron-Fassung (la cazadora ist die Jägerin). Für Staffel 8 könnte sie ins Internet wechseln, wenn ihr Mann ihr nicht ohnehin hilft. Und dann gibt es natürlich Lernprogramme wie Learning Spanish at Knifepoint [YouTube]. Für jeden Lernstil etwas!

[Korrigiert 13. Okt 2008: Robenliste auf Merkel reduziert, da Schröder Anwalt war. Zuerst gesehen von AP, vielen Dank. Korrigiert 17. Okt 2008: Die Southpark-Folge heißt "The China Probrem", ja, mit "r", zuerst gesehen von S, vielen Dank.]

About these ads
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.189 Followern an

%d Bloggern gefällt das: