Die zehn berühmtesten Amerikaner aus Sicht der US-Jugend

September 8, 2008

In Anlehnung an unseren Eintrag über angelsächsische Redensarten im Kindesmund sprechen wir heute über die Amerikaner, die nach Ansicht der US-Jugend am berühmtesten sind. Das Magazin des Smithsonian hat 2.000 Schüler der elften und zwölften Klasse dazu befragt. Die Aufgabe lautete genau:

Starting from Columbus to the present day, jot down the names of the most famous Americans in history.

Präsidenten und ihre Ehefrauen waren ausgeschlossen, also nix mit Washington oder Lincoln. In einer zweiten Frage wurde gezielt nach berühmten Frauen gesucht. Da die Antworten kombiniert wurden, sind vermutlich überproportional mehr berühmte Frauen dabei als wenn man einfach so gefragt hätte.

Wir gehen in drei Schritten vor: Erstens, der interessierte Leser möge selbst überlegen, wer für ihn auf diese Liste gehört.

Nur zu, wir warten so lange.

(Um etwas Abstand zum nächsten Teil zu gewinnen: Die Ergebnisse unterschieden sich nur in zwei Punkten von den Antworten einer Gruppe von parallel befragten 2.000 Erwachsenen, die 45 Jahre und älter waren – welche zwei das waren, sagen wir gleich. Beide Gruppen gaben auch Mom als Antwort an und wir wissen jetzt, dass Jenna Jameson der berühmteste amerikanische Pornostar ist, zumindest beim pubertierenden männlichen Jungvolk. Dieser Autor hatte den Namen natürlich zuvor noch nie gehört.)

Fertig? Sehr schön.

Zweitens, die Liste. Wir geben sie unkommentiert wieder, und der interessierte Leser überlege sich jetzt, ob er jeden darauf kennt. Wenn nicht, liefern wir das Wissen im dritten und letzten Schritt nach.

  1. Martin Luther King Jr. (auf 67 Prozent der Listen)
  2. Rosa Parks (60 Prozent)
  3. Harriet Tubman (44 Prozent)
  4. Susan B. Anthony (34 Prozent)
  5. Benjamin Franklin (29 Prozent)
  6. Amelia Earhart (23 Prozent)
  7. Oprah Winfrey (22 Prozent)
  8. Marilyn Monroe (19 Prozent)
  9. Thomas Edison (18 Prozent)
  10. Albert Einstein (16 Prozent)

Sehr zur Überraschung der Forscher – alles Kulturpessimisten – tauchen Britney, Bonds und selbst Buffy nicht auf. Bei den Erwachsenen waren statt Monroe und Einstein Betsy Ross und Henry Ford unter den ersten zehn.

Weiß jetzt jeder, wer diese zehn Leute waren oder sind?

(Um auch hier wieder Platz zu gewinnen, noch ein Wort zur Stichprobe: Etwa 70 Prozent der befragten Jugendlichen waren weiß, 13 Prozent schwarz, neun Prozent Hispanics, sieben Prozent asiatisch und ein Prozent Indianer. Das entspricht grob der Verteilung in der Gesamtbevölkerung. Warum sind Rasse und ethnische Gruppe wichtig? Weil die ersten drei Personen auf der Liste Schwarze sind.)

Und damit kommen wir, drittens, zur Auflösung. Bei den Personen, die bekannt sein dürften, erklären wir entsprechend weniger.

  1. Martin Luther King Jr. (1929-1968) Bürgerrechtler, zentrale Figur der Civil Rights Movement in den 60er Jahren, Friedensnobelpreisträger. Seine Rede I have a dream [YouTube] gilt, zumindest wenn man Amerikaner fragt, als Meilenstein in der Weltgeschichte der Rhetorik:

    I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.

    King wurde am 4. April 1968 ermordet.

  2. Rosa Parks (1913-2005) wurde berühmt, weil ihr die Füße weh taten. Am 1. Dezember 1955 weigerte sie sich während einer Busfahrt in Montgomery ihren Sitz einem Weißen zu überlassen, wie es das Gesetz des Bundesstaates Alabama vorschrieb. Sie wurde festgenommen, eins führte zum anderen, und am Ende fielen die Gesetze zur Rassentrennung. I did not get on the bus to get arrested, betonte sie. I got on the bus to go home. Nach ihrem Tod wurde Parks als erste Frau in der Geschichte der USA in der Rotunda des Kapitols aufgebahrt. Die Ehre ist meist für verstorbene Präsidenten reserviert.
  3. Harriet Tubman (circa 1820-1913) Ehemalige Sklavin, die 1849 ihrem Besitzer entkam und über zehn Jahre hinweg 19 Mal heimlich in den Süden eindrang, um Leidensgenossen in den Norden zu schmuggeln. Als eine “Schaffnerin” der Underground Railroad brachte sie so mehr als 300 Sklaven die Freiheit. Sie ersann dafür eine Reihe Tricks, darunter

    using the master’s horse and buggy for the first leg of the journey; leaving on a Saturday night, since runaway notices couldn’t be placed in newspapers until Monday morning; turning about and heading south if she encountered possible slave hunters; and carrying a drug to use on a baby if its crying might put the fugitives in danger.

    Die als “Moses” gefeierte Tubman trug auch eine Waffe mit sich, um Flüchtlinge zu bedrohen, die müde wurden und zurückkehren wollten: You’ll be free or die (willkommen in New Hampshire). Im Bürgerkrieg arbeitete sie als Koch, Krankenschwester und Spionin. Nach dem Krieg setzte sie sich für das Wahlrecht für Frauen ein.

  4. Susan B. Anthony haben wir schon vorgestellt.
  5. Benjamin Franklin (1706-1790) Erfinder, Wissenschaftler, Diplomat, Philosoph, Autor, Zeitungsverleger und eine zentrale Figur der Amerikanischen Revolution. Franklin war für seine Forschung auf dem Gebiet der Elektrizität berühmt und erfand den Blitzableiter. Er war an der Unabhängigkeitserklärung beteiligt. Für seinen Wortwitz gefeiert, soll Franklin bei der Unterzeichnung gesagt haben:

    Yes, we must, indeed, all hang together, or most assuredly we shall all hang separately.

    Von 1776 an war er Botschafter der USA in Frankreich und maßgeblich an den guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten beteiligt. In Paris war er als Bonhomme Richard beliebt, wenn nicht sogar verehrt. In seiner Jugend arbeitete er 13 Tugenden heraus, an die er sich mehr oder weniger sein restliches Leben hielt. Franklin ist auf dem 100-Dollar-Schein abgebildet. Sein Leben ist wie das von Abraham Lincoln oder Thomas Jefferson eher ein Thema für eine lebenslanges Studium.

  6. Amelia Earhart (1897-1937 [verschollen]) – Pilotin, erste Frau, die den Atlantik überquerte, stellte Geschwindigkeits- und Höhenrekorde auf. In Anspielung auf Charles Lindbergh Lady Lindy genannt, trug sie im Cockpit einen Anzug oder Kleider statt Pilotenkluft. Earhart war sehr fotogen und eine der prominentesten Frauen ihrer Zeit. Die Autorin von mehreren Büchern und Artikeln verschwand 1937 über den Pazifik, natürlich unter den vorgeschriebenen mysteriösen Umständen.
  7. Oprah Winfrey (1954-) Endlich ein Eintrag für die Kulturpessimisten – was macht eine Talkshow-Moderatorin und Autorin in einer Liste mit King, Parks und Anthony? Die Forscher weisen darauf hin, dass Winfrey – eine Milliardärin – einen enormen Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft hat. Wir werden in 50 Jahren sehen, ob sie immer noch auf so einer Liste erscheint. Falles es dieses Blog noch bis dahin gibt.
  8. Marilyn Monroe (1926-1962) Liebe Kinder: Monroe war tatsächlich eine echte Frau mit dem Namen Norma Jeane. Ihre anhaltende Beliebtheit hat nach Ansicht dieses Autors auch etwas damit zu tun, dass Schauspielerinnen und Models damals nicht halb verhungert aussahen.
  9. Thomas Edison (1847-1931) Erfinder, verantwortlich für eine riesige Anzahl von insbesondere elektrischen Geräten wie die Glühbirne. Der wirkliche Daniel Düsentrieb wurde von seiner Mutter zu Hause unterrichtet, nachdem seine Lehrer ihn für “geistig durcheinander” (addled) befunden hatten. Über den Telegraphen fand er zur Technik, seine erster größere Erfindung war der Phonograph. Als Wizard of Menlo Park baute er das erste moderne Forschungslabor auf. Bis zu seinem Tod hatte er mehr als 1.000 Patente angehäuft.
  10. Albert Einstein (1879-1955) Der Physiker, den wir hier jetzt nicht vorstellen, nahm 1940 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Seinen berühmten Brief [PNG] an Präsident Franklin D. Roosevelt, in dem er auf die mögliche Verwendung von Uran zum Bau von extremely powerful bombs of a new type hinwies, schrieb er ein Jahr früher.

[Danke an DKS für den Hinweis auf die Studie]

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