Dumme Witze und gängige Rätsel

Januar 3, 2008

Es ist dunkel und kalt und daher wollen wir das Jahr mit etwas Humor beginnen. Jede Kultur hat einen Satz dummer Witze und gängiger Rätsel, die eigentlich nur Kinder lustig finden, und das auch nur beim ersten Mal, aber als bekannt vorausgesetzt werden. Dazu gehören bei den Angelsachsen so Heuler wie:

– What has four wheels and flies?
– A garbage truck.

Auch der nächste Witz – den wir angekündigt hatten – ist ein Wortspiel:

– Call me a taxi.
– You’re a taxi!

Eine Variante davon finden wir in Terry Pratchetts Roman Thief of Time. Dort bittet der Mönch Lobsang (eigentlich der Sohn der Zeit) die Grundschullehrerin Susan (eigentlich die Enkeltochter von Gevatter Tod), den mit einem Uhrwerk betriebenen Zeitspeicher auf seinem Rücken wieder aufzuziehen – Wind me up, please? Sie antwortet:

Certainly. Lobsang Ludd, you are thoughtless and impulsive and deserve to die a stupid and pointless death.

Da haben wir endlich einmal einen Witz, der sich übersetzen lässt. Für den Standard-Anti-Witz gilt das auch, allerdings wäre er auf Deutsch wohl auch nicht viel lustiger:

– Why did the chicken cross the road?
– To get to the other side.

Andere Varianten sind zumindest geistreicher. Weiter hätten wir (bei Unverständnis laut vorlesen):

– What’s black and white and red all over?
– A newspaper.

Und irgendwie kann sich dieses Blog von dem Thema Kannibalismus einfach nicht lösen:

– Why is six afraid of number seven?
– Because seven eight nine.

Das Lieblingsrätsel dieses Autors ist schließlich nur eine Frage:

– Why is a raven like a writing desk?

Es stammt aus Alice in Wonderland von Lewis Carroll. Dort steht aber keine Lösung. Überhaupt tritt das Rätsel immer ohne die Antwort auf, zum Beispiel in Greg Bears Roman Eon. Seit 1865 haben sich darüber viele Leute den Kopf zerbrochen – Because Poe wrote on both lautet einer der besseren Vorschläge (wir sind wieder bei Quoth the Raven).

Ja, aber was ist denn jetzt die Lösung?

Es gibt keine. Nein, ehrlich. Das ist der Witz. Schauen wir uns noch einmal die Stelle in Wonderland an:

Alice sighed wearily. “I think you might do something better with the time,” she said, “than waste it in asking riddles that have no answers.”

Zumindest hatte Carroll geplant, dass es keine Antwort geben würde. Seine Leser nervten ihn aber mehr als 30 Jahre lang mit Nachfragen, bis er 1896 einknickte (Hervorhebung hinzugefügt):

Because it can produce a few notes, tho they are very flat; and it is nevar put with the wrong end in front!

Nach nevar braucht der interessierte Leser gar nicht erst im Lexikon zu suchen, das Wort gibt es nicht. Aber die Sache mit dem “falschen Ende am Anfang” klingt nach einem Hinweis, oder?

Kommt man nicht auf die Idee, das Wort rückwärts zu lesen, könnte man nevar für einen Tippfehler halten. Genau das tat ein Lektor und machte daraus never. Carroll selbst scheint nie bemerkt zu haben, dass sein Witz herausredigiert wurde. Erst 1976 (!) fiel es dem Alice-Forscher Denis Crutch bei einer Durchsicht des Originals auf.

Auf manche Pointen muss man halt etwas warten.

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