ZEUGS: Grabsteine, Kannibalen und Atombomben auf Santa Claus

Dezember 28, 2007

Eigentlich sollte hier ein Text über die Vorwahlen stehen. Aber dieser Autor hat mit Entsetzen gesehen, wie lang die Warteliste für ZEUGS-Einträge ist. Deswegen ist heute Räumungsschreiben angesagt: Alles muss ‘raus!

  • Zu Halloween: Die Familie Stevenson hat in diesem Jahr ein weiteres Stück Halloween-Kultur im Großraum Berlin eingeführt und Klopapier über die Bäume (dieser Autor) und die kleine Hecke (Kind Nummer Eins) geworfen. Das Ergebnis waren mehrere Beinah-Unfälle von erstaunten Autofahrern. Nächstes Jahr lautet das Projekt: selbstgemachte Grabsteine [YouTube]. Als Amerikaner am Ort hat man gewisse Pflichten.
  • Zu Pig Latin: Die Auszeichnung als Bester Googler geht an den interessierten Leser T, der eine Site gefunden hat, die Texte nicht nur in Pig Latin verwandelt, sondern auch in verschiedene (Pseudo-)Dialekte.
  • Zum Supreme Court: Inzwischen gibt es auch einen Überblick über die Arbeit des Obersten Gerichts auf Deutsch [PDF].
  • Zu Liberia: Die Kämpfe in Liberia haben auch nicht die US-Bürger dort verschont, wie Präsidentin Sirleaf bemerkt:

    Nine times — nine times! — in the past 15 years, the United States has been forced to evacuate official Americans and their dependents from our country, at enormous cost to your taxpayers. Monrovia, I am told, is the most-evacuated U.S. embassy in the world.

    Eine zehnte Evakuierung, verspricht sie, soll es nicht geben.

  • Zur Bevölkerungsentwicklung: Die Geburtenrate in den USA ist 2006 unerwartet angestiegen und liegt nun bei dem magischen Wert von 2,1. Damit würde die Einwohnerzahl auch ohne jede Einwanderung stabil bleiben. Die 400-Millionen-Marke wird jetzt für 2040 erwartet, wir hatten noch 2050 angegeben.
  • Zu Anredeformen: Gut, einmal noch zu den Menschenfressern, denn in dem Roman The Silence of the Lambs von Thomas Harris finden wir folgenden Dialog zwischen Clarice Starling und Hannibal Lecter:

    Lecter: May I call you Clarice?
    Starling: Yes. I think I’ll just call you -
    Lecter: Dr. Lecter — that seems most appropriate to your age and station.
    Starling: Yes.

    Für den unbedarften deutschen Leser ergibt das keinen Sinn. Er dürfte sich fragen: Warum spricht Lecter sie wie ein Kind mit dem Vornamen an, wenn er sie sonst mit der größten Höflichkeit behandelt?

  • Zum Wert des Dollars: Wer wissen will, wie viel ein Dollar von früher heute wert war, hat bei Measuring Worth ein Online-Werkzeug dazu. Dabei werden auch die Grenzen der verschiedenen Methoden erklärt. Das Gehalt von George W. Bush (400.000 Dollar) entspricht offenbar wirklich dem von George Washington (25.000 Dollar).
  • Zum Verhalten von Angelsachsen: In seinem immer wieder interessanten Blog German Joys hat Andrew Hammel (mit Genehmigung) einen längeren Auszug von West German and American Interaction Forms: One Level of Structured Misunderstanding des Soziologen Stephen Kalberg veröffentlicht. Die Arbeit ist 20 Jahre alt und die Beschreibungen zum Teil recht abstrakt, aber lesenswert ist der Text auf jeden Fall.
  • Zu Weihnachten: Wer es für einen Witz hielt, dass die Armeen der USA (und Kanadas) Santa bewachen, sei eines Besseren belehrt: Als es Diskussionen gab, ob die Sowjets Atomtests am Nordpol vornehmen wollten, verpflichtete sich kein Geringerer als JFK schriftlich, Santa Claus zu schützen. Vom Christkind hat er übrigens nichts gesagt.
  • Zum Fluorid im Wasser: Der interessierte Leser CM hat festgestellt, dass das Trinkwasser in Vancouver, Kanada nicht mit Fluor, sondern – für die Verhältnisse des Berliners – massiv mit Chlor versetzt wird. So richtig gefalle ihm das nicht, schrieb er dem örtlichen Wasserversorger.

    Damit sorgte ich für eine Kaskade an E-Mails und Telefonnummern aus allen möglichen Verwaltungsebenen und Stadtteilen (warum auch immer), die mir eigentlich immer dasselbe sagten: [Das] Wasser in Vancouver sei eines der saubersten überhaupt und wenn mich der Chlorgeruch stören würde, solle ich ein Krug mit Wasser einfach über Nacht im Kühlschrank stehen lassen.

    Das klappt allerdings nicht so gut. Inzwischen musste er auf abgefülltes Wasser umsteigen.

  • Zu Knock-Knock-Jokes: Es gibt auch eine Variante mit Jack Bauer:

    Once, someone tried to tell Jack Bauer a knock-knock joke. Jack Bauer found out who was there, who they worked for, and where the bomb was.

    Besser ist der Witz in der Buffy-Folge Bargaining (erste Episode von Staffel 6), in der Buffy das zweite Mal tot ist und die Scoobies mit dem “Buffybot” Roboter arbeiten müssen. Der war ursprünglich auf solche Witze programmiert. Nun glaubt Willow, dieses Modul gelöscht zu haben, wie sie allen erzählt (Witzstruktur hervorgehoben):

    Willow: I got her head back on, didn’t I? And I got her off those knock-knock jokes.
    Buffybot [im Hintergrund]: Ooh, who’s there?
    Xander: You know, if we want her to be exactly…
    Spike: She’ll never be exactly.
    Xander: I know.
    Tara: The only really real Buffy is really Buffy.
    Giles: And she’s gone.
    Buffybot: If we want her to be exactly she’ll never be exactly I know the only really real Buffy is really Buffy and she’s gone who?

    Dieser Autor traut sich nicht nachzuschauen, wie die Passage übersetzt wurde.

Und wer am Ende des Jahres immer noch nicht die Bedeutung der Serie verstanden hat und in San Diego wohnt, kann sich im Wintersemester an der UCSD für den Kurs Popular Culture in Critical Perspective: Buffy the Vampire Slayer einschreiben. Wer ab dem 23. Januar nicht in Kalifornien sein kann, muss sich wohl mit einem Selbststudium begnügen: Die englische Wikipedia hat einen Eintrag zu “Buffy Studies” mit einer Liste von Fachliteratur.

Zur Pflichtliteratur gehört natürlich die Fachzeitschrift “Slayage” mit Artikel wie “It’s About Power”: Buffy, Foucault, and the Quest for Self … haben alle Leser schon gute Vorsätze?

[Geändert 3. Januar 2008: Formulierung zu Lecter klarer, Danke an SJ]

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