Einige Romanempfehlungen

Oktober 18, 2007

Mit einem zombifizierten Laptop kommt man immerhin wieder zum Lesen. Das nehmen wir zum Anlass, um einige Bücher zu empfehlen, die jeweils einen gewissen Aspekt der USA beschreiben. Es sind alles Romane – die Liste der Sachbücher ist nach wie vor hier.

The Milagro Beanfield War von John Nichols (1974). Einem bitterarmen Dorf von Hispanics in New Mexico wird im wahrsten Sinne des Wortes von den Politikern des Bundesstaates und den Großindustriellen das Wasser abgegraben: Ihre Felder vertrocknen, denn das Gesetz erlaubt es ihnen nicht mehr, etwas von dem Hauptkanal abzuzweigen. Eines Tages öffnet der Störenfried Joe Mondragon einfach die Schleuse, um seine Bohnen zu bewässern – der Anfang eines Kleinkriegs um die Rechte des einfachen Bürgers.

Nichols erzählt die Geschichte des Kampfes zwischen Reich und Arm, Unter- und Oberschicht, chicanos und anglos mit schrägen Charakteren und viel Humor. Der Roman stammt noch aus einer Zeit, wo Hispanics eine kleine, wenig beachtete ethnische Gruppe im Südwesten der USA waren und nicht die größte Minderheit des Landes. Daher sollte man sich hüten, ihn als eine Beschreibung heutiger Zustände zu verstehen. Es bietet aber einen unterhaltsamen Einstieg in die volle Komplexität der Beziehungen zwischen den Bevölkerungsgruppen in den USA.

(Es gibt eine Verfilmung von Robert Redford, die dieser Autor aber trotz eines Oscars und der Beteiligung von Christopher Walken für ein Desaster hält.)

Die Navajo-Kriminalromane von Tony Hillerman (ab 1970 bis heute). Die selbe Gegend, andere Leute: Joe Leaphorn und Jim Chee gehören zur Navajo Tribal Police. Sie lösen Kriminalfälle in der Diné Bikéyah, der Nation der Navajo, die etwa so groß ist wie Bayern und sich über New Mexico, Utah, und Arizona (die Four-Corners-Region) erstreckt. Die Handlung spielt in der heutigen Zeit mit all ihren Problemen, aber:

The two overwhelming elements found in all of Hillerman’s 15 novels are his unabashed appreciation for the land and his ability to evoke it so strongly that it literally represents another ongoing character in the story, and his ability to bring the reader into the belief system of the Navajo, replete with the religious ceremonies, cultural observances, and the dreaded presence of evil, often manifested as skinwalkers or Navajo witches.

Leaphorn und Chee verkörpern dabei jeweils einen weltlichen und traditionellen Ansatz.

Hillerman wuchs unter Indianern in Oklahoma auf. Er ist einer der größten amerikanischen mystery writers mit vielen Auszeichnungen, darunter die als Special Friend der Navajo. Für deutsche Leser bietet er eine spannende Möglichkeit, endgültig die Federschmuck-und-Tipi-Bilder von Indianern auszumisten.

(Wer wie dieser Autor Krimis nur zur Hand nimmt, wenn nichts mit dark edges im Haus ist, sollte sich trotzdem die Zeit für Hillermans – ebenfalls preisgekrönte – Autobiographie Seldom Disappointed nehmen, die ein sehr amerikanisches Leben beschreibt.)

Cold Mountain von Charles Frazier (1997). Mehrfach ausgezeichneter Roman aus der Zeit des Bürgerkriegs: Ein verwunderter Soldat der Südstaaten desertiert und macht sich zu Fuß zurück in seine Heimat in den Appalachen. Dort versucht unterdessen seine Liebe, die intellektuelle Tochter eines Pastors, unter erbärmlichen Umständen allein auf einer Farm zu überleben. Inspiriert von der Familiengeschichte des Autors, konzentriert sich das Buch auf den Versuch der Charaktere, mit dem Zusammenbruch ihrer Welt klar zu kommen. Gewisse Parallelen zur Odyssee sind bewusst gewählt; passend zu dem schlimmsten Krieg in der Geschichte der USA ist die Stimmung stellenweise post-apokalyptisch.

Frazier ist für seinen Umgang mit der Sprache besonders gelobt worden, im Dialog der Figuren wie auch in seinen Beschreibungen. Er selbst sagt dazu:

I was creating this historical, fictional world, and I wanted the language of the book to create a sense of otherness, of another world, one that the reader doesn’t entirely know. It occupies many of the same geographical points as our current world, but is in a lot of ways very different. I wanted the language to signal that. So one thing I used to help with that was words for tools and processes and kitchen implements that are almost lost words.

Deutsche Leser sollten sich davon nicht abschrecken lassen, denn bei diesen Wörtern muss auch der Muttersprachler zum Lexikon greifen. Statt sich eine Übersetzung anzutun, sollte man sich lieber die Verfilmung auf Englisch anschauen – mit Nicole Kidman, Jude Law und Renée Zellweger, die für ihre Rolle einen Oscar erhielt – und dann das Buch lesen.

(Dank an die Ehrenwerten Eltern, bei denen diese Bücher in den vergangenen Jahrzehnten irgendwann im Regal standen)

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