Die wirkliche “erste” Atombombe

August 6, 2007

Wir verschieben doch nochmal die Indianer, denn heute ist der 62. Jahrestag des Atombomben-Abwurfs auf Hiroshima. An diesem Tag begeht überall auf der Welt ein kleiner, aber nerviger Prozentsatz von Journalisten den Fehler, von der “ersten Atombombe” zu sprechen – nicht die “erste abgeworfene Atombombe” oder “erste im Krieg eingesetzte Atombombe”, sondern die erste Atombombe überhaupt. Das ist leider falsch und wird durch die alljährliche Wiederholung auch nicht richtiger.

Die erste Atombombe der Welt wurde am 16. Juli 1945 als Teil des Manhattan-Projekts auf dem Trinity Site (daher Trinity test) in New Mexico gezündet. Sie hatte den Spitznamen “The Gadget” (das Gerät):

I could hear a rumble and the Earth shook. I saw a big fireball rising in the sky — it looked like it was pouring gasoline out there, all the way around.

In diesem Zusammenhang wird meist auf Strophe 32 von Kapitel 11 der Bhagavad Gita verwiesen, die der zivile Projektleiter J. Robert Oppenheimer später in einem Interview zitierte:

Now, I am become Death, the destroyer of worlds.

(“I am become” ist poetisches Englisch) Das will Oppenheimer nach dem Test gedacht haben. Tatsächlich gesagt hat er allerdings:

It worked!

Das wird sehr viel seltener zitiert.

Noch in 190 Kilometern Entfernung barsten Fensterscheiben, die Erschütterungen waren 250 Kilometer weit zu spüren. Den (damals wenigen) Bewohnern von New Mexico wurde gesagt, dass ein Munitionslager explodiert sei. Berühmt ist das Foto, auf dem Oppenheimer neben General Leslie Groves vor den Überresten des Testturms steht, der Boden bedeckt mit radioaktivem Glas, dem “Trinitite”.

Bei dem Versuch wurde zwar wertvolles Plutonium verbraucht, aber die Logik dahinter lautete etwa so: Wenn man mitten im Krieg ein (auf heutige Beträge gerechnet) 20-Milliarden-Dollar-Projekt am Kongress vorbei betreibt, das noch halb in den Bereich der Science Fiction gehört, dann sollte man sich sehr, sehr sicher sein, dass es auch funktioniert.

Die Trinity Site gehört heute zum White Sands Missile Range und kann von Touristen besucht werden. Das Militär hat eine eigene FAQ zu “Gerüchten, Fehlinformationen und Lügen” über das Gelände. Dort werden Fälschungen auf eBay behandelt und angeblich durch Strahlung getötete Indianer. Wichtig ist auch der Hinweis, dass man die sehr regelmäßigen, kugelförmigen Gebilde auf dem Boden vielleicht besser nicht aufheben sollte, denn es handelt sich um Kaninchenkacke.

Der bizarrste Eintrag dürfte aber den Glauben betreffen, dass die Bombe alles Böse an diesem Ort weggebrannt hat:

This has to be some sort of New Age Magic rumor. We have heard it said that the energy released in the Trinity Site explosion, since it was the first one, created a bubble over the site which is void of evil. Supposedly when you are at ground zero, you have a feeling of calm and you wish goodwill toward other visitors.

Wir können festhalten: Ruhe und Heiterkeit dürften heute kaum die bestimmenden Gefühle in Hiroshima sein.

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