Der (Nicht-)Irokese beim Grimme-Award

Juni 22, 2007

Dieser Autor hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, zur Verleihung des Grimme Awards 2007 nach Köln zu fahren, schon allein weil er immer noch von dem studentischen Instinkt beseelt ist, jedes kostenlose Essen abzugreifen.

Und so haben die Schönste Germanin und er die Großen der deutschen Bloggerszene wie Stefan Niggemeier aus der Nähe gesehen, freundliche Leute von Watchberlin getroffen und die sehr nette Monika Porrmann kennen gelernt, die unserer Meinung nach ihre Auszeichnung für Nach 100 Jahren als Einzelkämpferin ganz besonders verdient hat.

Und dann war noch der Autor und Blogger Sascha Lobo von der Riesenmaschine da, der uns das Thema dieses Eintrags beschert: Er hatte seine Haare zu einem Irokesen gegelt. Auf Englisch heißt die Frisur mohawk, was auf das gleiche hinausläuft, denn die Mohawk waren einer der fünf – später sechs – Stämme des Irokesenbundes, den Haudenosaunee.

Nur leider sind beide Begriffe streng genommen falsch: Diese Frisur war ursprünglich nicht für die Mohawk charakteristisch, sondern für ihre Todfeinde, die Wyandotte.

Wir sind den Wyandotte schon mal begegnet. Dabei sind wir darauf eingegangen, dass sie von den Irokesen in den Beaver Wars praktisch ausgelöscht wurden. Das soll uns an Hintergrund reichen, denn wir werden in späteren Einträgen auf sie zurückkommen.

Wir wissen von der Frisur der Wyandotte aus den Berichten der Franzosen, die im 17. Jahrhundert die Region im Südosten Kanadas erforschten. Sie waren es auch, die den Wyandotte den Namen “Huron” einbrockten: Das kommt von dem französischen Wort hure, “Tierkopf”, oder genauer, hure du sanglier für “Wildschweinkopf”. Gemeint ist eben der charakteristische Borstenschnitt. Das ist auch der Grund, warum man heute lieber von “Wyandotte” spricht als von “Huron”, obwohl das Wort in Ortsnamen wie Huron-See verewigt ist.

Die Wyandotte waren natürlich nicht die Einzigen, die sich die Haare an den Seiten ausrissen. Bei einer 2300 Jahren alten europäischen Moorleiche fand man die Frisur auch. Tatsächlich trugen – zumindest später – auch Irokesen die Haare so. Die Luftlande-Einheiten der 101. Airborne (“Screaming Eagles”) rasierten sich in Zweiten Weltkrieg die Kopfseiten, was das US-Militär heute nicht mehr zulässt (amerikanische Fallschirmjäger schreien übrigens beim Sprung Geronimo!, den Namen eines Apachen-Häuptlings, aber das ist eine andere Geschichte).

Leider ergab sich nicht die Gelegenheit, Lobo zu sagen, dass sein Irokesenschnitt eigentlich eine Wyandotte-Frisur ist. Dieser Autor redet ohnehin nicht gerne im Beisein der Schönsten Germanin über Haare: Seit Jahren arbeitet sie daran, ihn von seinem geliebten selbstgeklipperten Drei-Millimeter-Schnitt wegzubringen. Die Diskussion wollen wir gar nicht erst provozieren.

Viel besser, mit ihr das Buffet zu plündern.

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