Kulturelle Ikonen: Johnny Appleseed

Juni 5, 2007

Am 29. Juni bringt Apple den iPhone auf den Markt, zumindest in den USA. Nun benutzt dieser Autor – im Gegensatz zur Schönsten Germanin – sein Handy zunächst als Wecker, dann für SMS und weit abgeschlagen an dritter Stelle als Telefon. Was er also wirklich nicht braucht, ist ein iPhone.

Das hindert ihn allerdings nicht daran, über die neue Werbung für Steve Jobs’ neues Baby zu sabbern. Dabei gibt der zweite Spot eher Anlass zum Stöhnen, denn wer genau hinschaut, entdeckt einen fürchterlich schlechten Witz: Am Ende ruft ein gewisser “John Appleseed” an.

Johnny Appleseed pflanzte Apfelbäume. Viele Apfelbäume. Geboren als John Chapman am 28. September 1774 in Massachusetts, zog er vor der großen Siedlungswelle nach Westen und legte im Süden des damaligen Nordwest Territoriums [PNG] – heute Bundesstaaten wie Ohio, Indiana und Illinois – hunderte Baumschulen mit Apfelbäumen an:

His manner of operation was simple. He went into the wilderness with a bag of apple seeds on his back until he found a likely spot for planting. There he would clear the land by chopping out weeds and brush by hand. Then he planted his apple seeds in neat rows and built a brush fence around the area to keep out straying animals.

Als die Siedler kamen, stand er bereit, ihnen die Bäumchen zu verkaufen.

Das allein hätte Appleseed nur zu einem vorausschauenden Geschäftsmann gemacht. Aber er war ein tiefreligiöser Menschenfreund von der Sorte, die barfuß und in Lumpen umherziehen und ständig Gutes tun. Er nahm nur Geld von denen, die zahlen konnten, bei den anderen genügte ihm ein Versprechen, ein Essen oder ein Nachtlager. Nebenbei predigte der Swedenborgianer. Das machte er bis zum 10. März 1845, als er in Indiana starb, wo er auch begraben liegt und es ein Fest zu seinen Ehren gibt. Von allen Pionieren und Volkshelden aus dieser Zeit war er der sanftmütigste.

Für Kinder gibt es eine etwas vereinfachte Version der Geschichte, in der er mit einem Sack voller Apfelsamen durch die Gegend läuft und mal hier, mal da einen in den Boden steckt. In dieser Darstellung trägt er oft passend zu seiner restlichen Bekleidung einen Topf auf dem Kopf und spricht mit den Tieren. Wenn das mal keine Anregung für ein echt-amerikanisches, aber nicht-gruseliges Halloween-Kostum ist.

(Die Kindervariante kommt einigen Europäern bekannt vor, die noch nie etwas von Johnny Appleseed gehört haben. Das dürfte an der Kurzgeschichte “L’homme qui plantait des arbres” (englisch “The Man Who Planted Trees”) des Franzosen Jean Giono von 1953 liegen. Amerikaner können ihrerseits nicht über Giono reden, ohne Johnny zu erwähnen.)

Der Form halber müssen wir noch erwähnen, dass es noch einen anderen Grund für diesen Namen auf dem iPhone geben könnte: Vielleicht gibt es tatsächlich einen Apple-Mitarbeiter, der John Appleseed heißt. Aber würde man bei dem Namen nicht lieber bei Microsoft arbeiten?

About these ads
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.189 Followern an

%d Bloggern gefällt das: