ZEUGS: Mutantensänger, Meinungsfreiheit und Märchen

Mai 12, 2007

Heute ist wieder Eurovision Song Contest! Wir erwähnen das nicht nur, weil es erklärt, warum es keinen richtigen Eintrag gibt – selbstverständlich sitzt das ganze Haus (außer die ganz Kleinen – man weiß ja nie) vor dem Fernseher.

Nein, der Grand Prix ist die ultimative Wunderwaffe gegen alle blöden Bemerkungen über die angebliche Kulturlosigkeit der Amerikaner. Man muss nur lächeln und etwas wie Luxembourg, deux points! antworten und die Diskussion ist beendet – schlagartig. Das ist natürlich gemein, sogar fast grausam, und dieser Autor kommt sich danach immer sehr schlecht vor. Nein, ehrlich.

  • Zu Farben: Mehrere interessierte Leser aus beiden Kulturkreisen haben darauf hingewiesen, dass Neid auch gelb sein kann. Dieser Autor hatte es bislang nur mit grünem Neid zu tun, aber Google bestätigt das, und Google weiß alles. So lange es in beiden Ländern gleich ist, ändert es nichts an der Argumentation.
  • Zu Steuern: Am 30. April war in den USA Tax Freedom Day. Die Amerikaner arbeiten also seit dem 1. Mai nicht mehr für den Staat, sondern für sich selbst. Aber Moment – da Bund, Bundesstaat und Kommune in den USA ihre Steuern getrennt eintreiben, ist das nur ein Durchschnittswert, wie man an der Karte sieht [JPG], die dem Link beigefügt ist. In Oklahoma war es am 12. April schon so weit, in Connecticut müssen die Bürger noch bis zum 20. Mai für die öffentliche Hand knechten.
  • Zur Meinungsfreiheit im Internet: Directory Aviva hat eine Zusammenfassung der relevanten Gesetze für Blogger in den USA. Schauen wir uns Beleidigungen in Kommentaren an: Auch hier genießen amerikanische Blog-Betreiber einen etwas größeren Schutz als ihre deutschen Kollegen. Da ist er wieder, der Unterschied zwischen dem First Amendment und Artikel 1 des Grundgesetzes.
  • Zu American Football: Die NFL Europe hat einen neuen Besucherrekord verbucht: Insgesamt knapp 90.000 Zuschauer bei den drei Partien. In der Familie Stevenson wird gerade diskutiert, wann Kind Nummer Eins groß genug ist, um zum ersten Spiel zu gehen.
  • Zur Nationalgarde: Die hat schneller als erwartet ihre Sollstärke von 350.000 erreicht. Wir erwähnen das hier wegen unserer Diskussion über Berufsarmeen, denn die Presseerklärung geht auf Dinge wie den persönlichen Einsatz der Gouverneure bei der Anwerbung, zum Teil doppelt so hohe Boni und neue Werbekampagnen ein, die alle eine Rolle gespielt haben dürften. In einem kurzen Beitrag über die Probleme bei der Rekrutierung finden wir zudem einen Elefanten, der ein guter Freund eines gewissen Gorillas ist.
  • Zu Kansas City: Die zwanghaften Linkverfolger unter den interessierten Lesern werden bei Kansas City, Kansas eine Besonderheit bemerkt haben: Die Stadt ist teil einer unified government mit dem Bezirk Wyandotte County. Hier wurden also Stadt und Landkreis, sonst getrennte Einheiten, zusammengelegt. Das mag als Erinnerung dienen, dass unsere Beschreibung der Grobstruktur der USA eine Vereinfachung ist. In der Praxis gibt es jede Menge Zwitterformen.
  • Zu Indianern: Der Name “Wyandotte” im vorherigen Punkt kommt von einem Stamm, der auch mit den Namen “Huron” oder “Wendat” verbunden ist. Entsprechende Ortsnamen gibt es auch in Ohio, Michigan und Oklahoma; dort liegt die Wyandotte Nation. Eigentlich war ihr ursprüngliches Gebiet im Süden Ontarios, also an der Ostküste. Die Verbündeten der Franzosen wurden aber in den Beaver Wars (etwa 1650 bis 1700) von ihren Erzfeinden, den mit den Briten verbündeten Irokesen, fast ausgelöscht. Die Überlebenden flohen nach Westen. Als Teil des Indian Removal wurden sie dann zunächst nach Kansas und nach Oklahoma umgesiedelt, was die Verteilung über die halbe USA erklärt und zeigt, wie kompliziert das Thema sein wird.
  • Zu Trollen: Die Schönste Germanin möchte erwähnt wissen, dass Nachwuchs mit bikulturellem Hintergrund ein Hort der Peinlichkeiten sein kann. Weil Kind Nummer Eins gerne bei Brücken – an einigen Tagen bei jeder Brücke – über Trolle diskutiert, gibt es schon mal komische Reaktionen von anderen Eltern (“Trolle? Was für Trolle?” – “Sie erzählen Ihren Kindern was?”). Sollte sich die Trollplage jemals nach Deutschland ausbreiten, werden sie alle noch dankbar sein. So nämlich.
  • Zu Trollen, nochmal: Wer sein Wissen über angelsächsische Märchen testen will, dem sei die mehrfach preisgekrönte Comic-Serie “Fables” von Bill Willingham empfohlen. Hintergrund: Die Märchenfiguren wurden aus ihrer Heimat vertrieben und müssen jetzt in New York leben. Da die Lebensläufe der Charaktere als bekannt vorausgesetzt werden, wimmelt es nur vor Anspielungen. Der hochgeschätzte Kollege CR hat diesem Autor die ersten Bände geliehen, dummerweise ohne ihm zu sagen, wann in aller Welt er sie lesen soll.

Und was ist mit Buffy? Nun, das ist dann doch Stoff genug für einen eigenen Eintrag, schon wegen der Muppets. Das machen wir nächstes Mal. Ehrenwort.

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