Etwas transatlantische Farbenlehre

Mai 5, 2007

Der Paketdienst UPS wirbt in den USA mit dem Slogan What can brown do for you? In der Presserklärung heißt es dazu:

At UPS, brown is more than a color – it’s a tangible asset that people associate with all the things that are good about our brand

Deutsche assoziieren allerdings mit der Farbe Braun erstmal nicht freundliche Mitarbeiter, pünktliche Lieferungen oder andere good things. Wohl deswegen hat UPS auch klugerweise hierzulande auf einen Spruch wie “Was können die Braunen für Sie tun?” verzichtet, auch wenn alle ihn sich bestimmt sofort merken würden. Dieser Autor hat Erfahrungen mit multinationalen Konzernen und vermutet, dass es irgendwann, irgendwo zu diesem Thema eine längere Diskussion zwischen einem perplexen amerikanischen Marketingchef und einem leicht verzweifelten deutschen Mitarbeiter gegeben hat. Aber am Ende hat UPS diese interkulturelle Falle vermieden.

Denn bei einigen Farben ist die Symbolik bei den Angelsachsen anders als bei den Germanen. Wenn jemand von brown shirts oder black shirts spricht (wie Pink Floyd in “Waiting for the Worms”), dann wird die Anspielung auf Nazis zwar schon verstanden. Aber braun ist nicht automatisch rechts. Firefly-Fans nennen sich zum Beispiel “browncoats” nach der Kleidung der Rebellen, die in der TV-Serie gegen, nicht für, ein faschistoides System kämpfen. Wenn jemand eine “braune Nase” hat, hat er auch keinen Riecher für Rechtsradikale, sondern hat seinem Chef zu oft den Hintern geküsst, ist also ist ein Arschkriecher.

Das Verwirrende ist nun, dass nicht alle Farben anders besetzt sind. Amerikaner tragen zwar auch Schwarz zu Beerdigungen, Heavy-Metal-Konzerten und Gothic-Partys (aber als Frau nicht auf Hochzeiten, sehr zum Ärger der Schönsten Germanin). Auch die meisten Dinge, die mit Körperfunktionen zu tun haben, bleiben gleich – wenn jemand vor Scham rot wird oder vor Schreck bleich oder grün vor Neid. Auch grüne Daumen sind auf beiden Seiten des Atlantiks hoch angesehen.

Aber es gibt halt auch Unterschiede. Wer Ordnern auf einem dieser Partys doof kommt, hat danach in den USA kein “blaues” Auge, sondern ein black eye. Deswegen sind Amerikaner auch verwirrt über die ständigen deutschen Anspielungen auf irgendwelche Blumen nach Schlägereien. Analog dazu haut man sich in Amerika auch nicht “grün und blau” sondern black and blue, was ältere (oder musikalisch gut gebildete) Leser noch von der Kontroverse über das Werbeplakat des gleichnamigen Albums der Stones wissen werden.

“Blau” hat auch nichts mit Alkohol zu tun, weswegen der Name der Flugstaffel Blue Angels in Amerika nicht unfreiwillig komisch ist (wobei blaue Engel auch in Deutschland ein Sonderfall sind). Wie man aus der Musik weiß, sind blaue Leute deprimiert und traurig. Wer das nicht mitbekommen hat und nicht genau hinhört, läuft da schnell Gefahr, einen blue funk für etwas ganz anderes zu halten.

Rot ist kompliziert. Britische Soldaten wurden wegen ihrer Uniformen im ganzen Empire redcoats genannt (oder auch lobsterbacks). Im Kalten Krieg waren the Reds dann die Kommunisten. Die red states sind allerdings die Bundesstaaten mit einer republikanischen Mehrheit [PNG], nicht, wie man denken könnte, die mit einer demokratischen. Im Alltag ist mit “den Roten” eine Baseball-Mannschaft gemeint und die “Rothüte” sind entweder eine Organisation von nicht-organisierten Frauen oder Linux-Hersteller.

Und dann hätten wir noch gelb. Wenn jemand yellow ist, ist er ein Feigling, wie alle von Kenny Rogers wissen, auch wenn es niemand zugeben will, besonders nicht die oben genannten Heavy-Metal-Fans. Das mag seltsam klingen, wenn man die Sitte kennt, für Familienmitglieder, Freunde oder Landsleute in der Ferne gelbe Schleifen um Bäume zu binden – wollen die nur die Feiglinge wieder zu Hause haben? Nein, logisch ist das alles nicht.

Dabei belassen wir es erstmal, auch wenn es jede Menge weiterer Beispiele gibt. Denn das dritte Heft von Buffy Season 8 ist herausgekommen und da wir inzwischen einen Ruf zu verteidigen haben, muss dieser Autor dort ein Thema für den nächsten Eintrag finden …

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