Kein Teufelsgebräu für Dämonen: Alkoholgesetze in den USA

Februar 2, 2007

Wir haben in den vergangenen Einträgen viel zu wenig Buffy the Vampire Slayer zitiert. Holen wir also wieder unsere Lieblingsfolge “Doppelgängland” [sic] heraus und schauen uns an, wie die Ex-Dämonin Anya – zu diesem Zeitpunkt im Körper einer Teenagerin gefangen – versucht, sich nach einem richtig beschissenen Tag ein Bier in einer Bar zu bestellen:

Anya: Gimme a beer.
Bartender: ID. [Identification]
Anya: I’m 1120 years old! Just give me a frickin’ beer!
Bartender: ID.
Anya: Gimme a Coke.

Anyas Problem: Der National Minimum Drinking Age Act schreibt vor, dass man mindestens 21 Jahre alt sein muss, um Alkohol kaufen zu dürfen. Ihre geistige Reife nützt ihr gar nichts, weil sie biologisch zu jung ist. Diese Situation dürfte den meisten Lesern irgendwie aus ihrer Pubertät bekannt vorkommen.

Allerdings wird der aufmerksame Leser dieses Blogs jetzt stutzen – wieso haben die USA denn plötzlich ein nationales Alkoholgesetz? Die Prohibition wurde doch 1933 wieder abgeschafft und damit müsste das wie immer unter das Landes- oder Kommunalrecht fallen.

Eigentlich ist das auch so. Der Act von 1984 funktioniert nach dem folgenden Prinzip: Bundesstaaten, die das gesetzliche Mindestalter für den Kauf und Besitz von Alkohol nicht auf mindestens 21 Jahre anheben, bekommen die Bundesgelder für den Bau von Fernstraßen zusammengestrichen. Die Taktik sieht man in den USA häufig: Weil dem Bund nicht die Peitsche des Gesetzes zur Verfügung steht, arbeitet er mit Geld als Zuckerbrot.

Alle Bundesstaaten folgen inzwischen dem Act und die Nationale Bundesbehörde für Straßensicherheit (NHTSA) sieht das Gesetz als Lebensretter [PDF]. Es wird wohl bleiben, auch wenn die Festlegung auf 21 Jahre umstritten ist. Wer als junger Deutscher in die USA zieht, muss also länger warten, um sich ein Bier bestellen zu können (ob das bei amerikanischem Bier wirklich ein Verlust ist, lassen wir jetzt unkommentiert). Die Wartezeit kann man nutzen, um eine tiefe, innige und lebenslange Liebe zum Root Beer zu entwickeln.

Der Act bedeutet ausdrücklich nicht, dass man 21 sein muss, um Alkohol trinken zu dürfen. Das bleibt Ländersache. Auf der Ebene ist das Zeug nicht überall frei verkäuflich: 18 Bundesstaaten haben ein Monopol über den Verkauf eingerichtet (alcohol control states). Über die Einzelheiten entscheidet nicht nur der Bundesstaat, sondern auch schon mal die Gemeinde. Alles wie immer, also.

Auch die Berechtigung zum Verkauf von Alkohol, die liquor license, wird unterschiedlich geregelt. Im Bundesstaat Washington muss ein Supermarkt 150 Dollar pro Jahr für eine Zulassung bezahlen. Bei einem Restaurant steigt die Gebühr auf bis zu 2.000 Dollar. Einigen Etablissements ist das zu viel: Sie beantragen erst gar keine Lizenz und weisen sich als “BYO” (bring your own) aus.

Viele dieser Dinge beim Umgang mit Alkohol sind nicht US-spezifisch, sondern werden in den anderen angelsächsischen Ländern ähnlich geregelt. Bei einem Australien-Aufenthalt des Schwagers dieses Autors kam es wohl zu folgender filmreifer Szene in einem Supermarkt:

Schwager: I would like to buy some wine.
Verkäufer: This is a supermarket.
Schwager: Yes. I would like to buy some wine, please.
Verkäufer: This is a supermarket.
Schwager: I know. Where is your wine?
Verkäufer: Look, mate, this is a supermarket.

Grundsätzlich haben die Angelsachsen die gleichen Probleme wie die Deutschen mit Alkoholismus und “DUI” (driving under the influence). Der auffälligste Unterschied ist das binge drinking, eine Form von Komatrinken – Ballermann zu Hause, wenn man so will. In Großbritannien (Fußballfans) und den USA (Studenten) ist das für einige Zeitgenossen am Wochenende die Regel. Zumindest in den USA geht allerdings das Vorkommen zurück.

Eine einheitliche Definition für Binge Drinking gibt es nicht. Klar ist, dass einige Länder stärker betroffen sind als andere. In Europa sind es neben den Briten auch die nordischen Staaten, die zu diesen Exzessen neigen; wie Deutschland ist auch Frankreich weniger betroffen. Geradezu vernichtend sind die Auswirkungen auf die Ureinwohner in den USA, Kanada und Australien. Entsprechend strenger sind auf deren Gebieten die Vorschriften, die aber ziemlich kompliziert sind.

Woher die Neigung zum Binge Drinking kommt, ist unklar. Auffällig – und aus angelsächsischer Sicht schockierend – ist, dass Kinder in Frankreich, Deutschland und Italien früher in kleinen Mengen an Alkohol herangeführt werden. Die Altersgrenze ist nicht so hart. Das ist aber alles nicht mehr Gegenstand dieses Blogs.

Wir halten fest: Man sollte sich in den USA als Dämonin lieber den Körper einer 21-Jährigen erschaffen, um unter Teenagern Rache an Männern zu üben. Wenn das mal kein nützlicher Tipp ist.

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