Spaß mit der Tonleiter

Oktober 30, 2006

Zum größten Spaß beim Umgang mit anderen Kulturen gehört das Erklären von Dingen, die absolut wahr sind, aber beim Gegenüber trotzdem ein dummes Gesicht erzeugen. Zu dieser Kategorie gehört in unserem Fall die Tonleiter: Angelsachsen gucken einfach nur herrlich, wenn man ihnen erzählt, dass die deutsche Version ein H hat.

Denn in Großbritannien und Amerika lautet die Reihenfolge

C-D-E-F-G-A-B-C

und nicht

C-D-E-F-G-A-H-C

Angelsachsen benutzen also die ersten sieben Buchstaben des Alphabets in ihrer normalen Reihenfolge. Erzählt man ihnen nun vom H, ist ihr der erster Gedanke, dass man in Deutschland eine Sprosse mehr in der Tonleiter hat, denn das ist der achte Buchstabe. Ist deutsche Musik wirklich so anders? Kriegt Rammstein deswegen diese tiefen Töne hin? Erklärt das vielleicht sogar Trio? Ein großer Spaß!

Offenbar ist B tatsächlich die ursprüngliche Form, aber irgendwann im 10. Jahrhundert wurde in Mitteleuropa durch Schlampigkeit aus dem “b” ein “h”. Alle gewöhnten sich daran und inzwischen kann sich wohl niemand mehr aufraffen, den Fehler zu korrigieren. Oder so hat man es auf jeden Fall diesem Autor erklärt, der keine Ahnung von Musik hat und in der Schule schon die Triangel als extreme Herausforderung empfand. Den Teil der Erklärung, wann ein H doch noch ein B ist, hat er deswegen auch prompt ignoriert. Das war nicht mehr lustig.

Hat man einem Angelsachsen erfolgreich die deutsche Tonleiter erklärt, kann man sich an die nächsthöhere Schwierigkeitsstufe wagen: Die Auswirkungen der Netzspannung auf die Leistungsfähigkeit von elektronischen Geräten. Amerikaner weigern sich nämlich oft hartnäckig einzusehen, dass ein Computer in Deutschland mit 220 Volt doppelt so schnell ist wie in den USA bei 110 Volt …

(Nach einem Vorschlag der Ehrenwerten Mutter, vielen Dank)

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