Root Beer oder wie man Deutsche und Amerikaner unterschiedet

Juli 29, 2006

Dieser Autor hat ein Verfahren entwickelt, um Deutsche von Amerikanern zu unterscheiden: Man verabreicht ihnen Root Beer. Root Beer ist kein Bier, sondern gehört zur Familie der softdrinks wie Cola, ist also süß. Es ist alkoholfrei und enthält Kohlensäure und wurde früher aus der Rinde der Sassafras-Wurzel hergestellt. Dummerweise soll es da ein Problem mit krebserregenden Substanzen geben, weswegen heute Ersatzstoffe benutzt werden.

Nun mögen Amerikaner Root Beer oder sie mögen es nicht, ähnlich wie man Fanta mag oder eben nicht. Verabreicht man aber Deutschen Root Beer, spucken sie es aus, mehr noch, sie springen auf, reißen sich an den Haaren, schreien, rennen wild im Kreis, spülen sich den Mund aus – notfalls mit Fußbodenreiniger – und werfen einem dann mit hochrotem Kopf empört vor, sie vergiften zu wollen. Dieser Autor hat langjährige Experimente auf diesem Gebiet durchgeführt und kann mit großer Sicherheit sagen: Die Zahl der Deutschen, die Root Beer mögen, geht gegen Null.

Warum bleibt unklar. Da Deutsche problemlos wahrhaft widerliche Dinge wie Waldmeister oder gezuckertes Popcorn vertragen, kann es nicht an einem besonders erlesenen germanischen Geschmackssinn liegen. Eine Theorie besagt, dass irgendeine Substanz mit einem ähnlichen Geschmack bei deutschen Zahnärzten eingesetzt wurde und dass die Abneigung gegen Root Beer auf ein frühkindliches Trauma zurückgeht.

Root Beer ist in Deutschland auch praktisch unbekannt. Es spielt bei Star Trek: Deep Space 9 einige gewisse Rolle bei philosophischen Diskussionen im Quarks, und in dem Film The Big Lebowski kommt das verwandte Getränk Sarsaparilla vor. Es ist hierzulande nur (völlig überteuert) in Läden zu finden, die amerikanische Spezialitäten führen. Stereotyp, aber leider wahr: Im KaDeWe in Berlin geht dieser Autor Root Beer suchen, während die Schönste Germanin bei der Austernbar vorbeischaut. Was widerlicher ist, sei dahingestellt.

Etwas besser sieht die Situation bei einem anderen Softdrink, nämlich Dr Pepper (nicht: “Dr. Pepper”, also ohne Punkt, warum auch immer), aus. Auch dabei handelt es sich um eine Art Cola, allerdings um eine, die sich nicht zur Trennung zwischen Amerikanern und Deutschen eignet: Auch Germanen trinken sie ohne offensichtliche Vergiftungserscheinungen. Die Verbreitung in der Populärkultur ist nicht ganz so groß wie bei Root Beer. In einigen Folgen von Buffy the Vampire Slayer gibt es Product Placement dafür (zum Beispiel in “Halloween”, dt. “Die Nacht der Verwandlung”).

Man kommt in Deutschland recht gut an Dr Pepper. Verkauft wird es allerdings nur an seltsamen Orten, zum Beispiel in den Läden von Autobahn-Tankstellen. Der deutsche Vertreiber Apollinaris-Schweppes sieht Dr Pepper wohl als Chance, die Macht des viel gerühmten amerikanischen Kulturimperialismus im Feldversuch zu testen: Dieser Autor hat in Deutschland noch keine einzige Werbung für Dr Pepper gesehen. Anscheinend ist man bei Schweppes der Meinung, das Zeugs verkauft sich von selbst. Würden das doch auch die zuständigen Manager von Coke Zero glauben.

Oder die Marketingabteilung von Schweppes sammelt ihre Kräfte für eine größere Herausforderung: Den Deutschen doch noch Root Beer schmackhaft zu machen. Dieser Autor würde das mit gemischten Gefühlen sehen: Es wäre zwar schön, zum Essen ganz normal Root Beer (oder auch nur Dr Pepper) bestellen zu können. Besonders zur Pizza fehlt einem das einfach. Auf der anderen Seite hat es schon einen gewissen Unterhaltungswert, einem Deutschen bei seinem ersten Glas Root Beer zuzuschauen …

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